SOFT MACHINE - Thirteen
Mehr über Soft Machine
- Genre:
- Progressive Rock / Jazz
- ∅-Note:
- 9.00
- Label:
- Moonjune Records
- Release:
- 13.03.2026
- Lemon Poem Song
- Open Road
- Seven Hours
- Waltz For Robert
- The Longest Night
- Disappear
- Green Books
- Beledo Balado
- Pens To The Foal Mode
- Time Station
- Which Bridge Did You Cross
- Turmoil
- Daevid's Special Cuppa
- Curious Dust
- Chloe And The Pirates
Eine Band erfindet sich nach 60 Jahren noch einmal neu.
Natürlich ist es nicht mehr die Originalbesetzung, und selbstverständlich wollen die Herren von SOFT MACHINE nicht mehr das wiederholen, was sie in den späten 60ern und frühen 70ern zu einer der wichtigsten Vertretungen im psychedelischen Progressive Rock hat werden lassen. Doch im Geiste ist die aktuelle Inkarnation immer noch ganz nahe bei den krautigen Anfängen, nur eben dass die technischen Möglichkeiten im Jahr 2026 natürlich ganz andere sind als vor stolzen sechs Dekaden. Und sich dies vor Augen zu führen, ist womöglich noch einmal wichtig, schließlich ist SOFT MACHINE keine Retro-Kapelle, sondern einer der wenigen noch aktiven Acts, auf die sich die Retro-Begrifflichkeit im jazzigen Teil der Szene beruft.
Nachdem via Moonjune Records zuletzt einige echte Schätzchen der Bandgeschichte aufgefahrenn und vor allem diverse Live-Retrospektiven ins Angebot gestellt wurden, präsentiert das berühmt-berüchtigte Szenelabel nun tatsächlich noch mal ein neues Studiowerk der britischen Pioniere. Zugleich aber auch eine moderne Interpretation früherer Klangcollagen, die nicht mehr so aufgescheucht und wild klingt und auch nur noch selten dem Jazz-Spektrum zugeordnet werden kann, die aber mit so vielen bezaubernden Klangfarben und Spannungsbögen ausgestattet ist, dass die signifikante Handschrift der unkaputtbaren Künstler klar zu erkennen ist. "Thirteen" startet sogar erstaunlich lässig, manchmal gar melodisch, nährt sich teilweise sogar von zeitlosen R&B-Arrangements und lässt Prog Rock und Krautrock erst einmal ruhen, um in einem ziemlich modernen Jam-Rock-Abenteuer noch einmal neue Gefilde zu bereisen. Das gefällt auch unter dem SOFT MACHINE-Banner richtig gut.
Gitarrist John Etheridge hat offenbar die Avantgarde für sich entdeckt und wagt hier ein paar recht offensive Vorstöße, die gelegentlich in ziemlich verspielte Improvisationen übergehen, meist aber wieder von eher kompakten Strukturen aufgefangen werden, um den relativ linearen Rahmen der Platte beizubehalten. Die Abenteuerlust der Band ist ungebrochen, allerdings ist sie anno 2026 um einen leichter nachvollziehbaren Sound bemüht, schafft viel mehr klare Zugangspunkte und nimmt den Hörer auch in den größeren Herausforderungen, beziehungsweise bei den vermeintlich bizarreren Arrangements, viel besser mit. Man könnte fast behaupten, das Kapitel Nerdstoff sei für SOFT MACHINE geschlossen, wobei man hier natürlich immer auch die Relation zu vergangenen Werken im Auge haben muss.
Fakt ist jedoch, dass die Briten nie so relaxt und laid back agiert haben wie auf ihrem neuesten Release. Das schlägt sich schließlich auch unmittelbar auf die Stimmung nieder, die auch auf der anderen Seite der Box unmittelbar entspannt ist und einen wiederholt dazu bringt, diese Herren abzufeiern. Nur diesmal eben nicht wegen des inhaltlichen Wagemuts, sondern schlicht und ergreifend wegen der tollen, beeindruckenden und geschmeidigen Performance! Toll!
- Note:
- 9.00
- Redakteur:
- Björn Backes


