SUNN O))) - Sunn O)))
Mehr über Sunn O)))
- Genre:
- Drone / Experimental
- ∅-Note:
- 8.50
- Label:
- Cargo Records
- Release:
- 03.04.2026
- XXANN
- Does Anyone Hear Like Venom?
- Butch's Guns
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- Glory Black
Intensive Hypnose in sechs ewig langen Sitzungen.
SUNN O))) gehört zu jenen musikalischen Phänomenen, die man wohl erst dann wirklich begreifen wird, wenn man sich dieses kultige Duo aus Seattle einmal live gegeben hat. Seit drei Dekaden veröffentlicht die Truppe sonore Drone-Platten, verzerrte Psychedelic-Sounds und schwer zugängliche Instrumentalware, und in all dieser Zeit hat es keinen einzigen Song gegeben, der wirklich nachhaltig im Gedächtnis geblieben ist. Dennoch genießt die Truppe mit absoluter Berechtigung den totalen Kultstatus und wird diesen selbst dann nicht mehr einbüßen, wenn sie lediglich den Klang ihrer rektalen Abgase aufzeichnen würde. Doch warum ist das so? Und warum ist das selbst betitelte neue Album ein allzu logisches Puzzleteil in der ständigen Entwicklung dieser Band?
Nun, bei SUNN O))) geht es um so viel mehr als nur das musikalische Erlebnis. Die Art und Weise, wie die Herren auf der Bühne spärliche Beleuchtung und mächtige Visualisierungen verschmelzen lassen, dazu diesen eindringlich hypnotischen Bass-Sound präsentieren, sich schleppend Note für Note erkämpfen, um dann doch irgendwann einen monströsen Klangpalast zu errichten, der die Bedeutung von rifflastigem, extrem zähem Doom noch einmal zu ganz neuen Bewertungen führt, das ist einfach grandios. Zur ganzen Wahrheit gehört jedoch auch, dass SUNN O))) auf Platte vielleicht schon verdammt spannend klingt, das wahre Event aber tatsächlich erst bei den Liveshows stattfindet. Es scheint zwingend notwendig, hier den entgegengesetzten Weg zu gehen und sich die Band zunächst einmal in einem prall gefüllten Club anzuschauen, bevor man sich an das eigentliche musikalische Werk heranmacht. Verrückt? Unlogisch? Vielleicht, aber irgendwie auch konsequent!
"Sunn O)))" ist hier ein gutes Beispiel - es suggeriert diese packende Bühnenerfahrung im Laufe eines einzigen völlig ausgedehnten Spannungsbogens, es variiert nur selten bei seiner grundsätzlichen Auskleidung, und es kann mitunter auch ein erhebliches Gewicht auf die Schultern setzen, von dem man sich aber dennoch kaum befreien kann. Doch am Ende des Tages hat es seine magischen Momente, weil es niemals übersteuert, die Ruhe bewahrt und auf ganz wenigen Grundtönen eine Intensität herausarbeitet, die in Worten kaum zu beschreiben ist - und die bei den kommenden Gigs sicher wieder ein Level erreicht, das die gesamte Drone-Konkurrenz spielerisch hinter sich lässt.
Natürlich: Man muss es mögen, man muss SUNN O))) mögen, man muss sich einlassen können, aber das war auf keinem bisherigen Album gravierend anders. Der Lohn ist ein hypnotisches Meisterwerk, auf dessen Darbietung man sich bereits jetzt riesig freuen darf. Die Band wird im Juni in Deutschland sein, und wer es auch nur irgendwie einrichten kann, sollte diese Gelegenheit nutzen, um einen wichtigen Punkt von der Bucket List zu streichen - auch wenn man noch nicht einmal weiß, dass er dort erwähnt ist!
- Note:
- 8.50
- Redakteur:
- Björn Backes


