TEITANBLOOD - From The Visceral Abyss
Mehr über Teitanblood
- Genre:
- Death/ Black Metal
- ∅-Note:
- 7.50
- Label:
- Norma Evangelium Diaboli
- Release:
- 28.03.2025
- Enter The Hypogeum
- Sepulchral Carrion God
- From The Visceral Abyss
- Sevenhundreddogsfromhell
- Strangling Visions
- And Darkness Was All
- Tomb Corpse Haruspex
Verstörend und zerstörerisch, boshaft und düster, Atmosphäre und Zerfall...TEITANBLOOD!
Album Nummer vier liegt von den spanischen Okkult-Metallern TEITANBLOOD vor, und es hört auf den Titel "From The Visceral Abyss". Das Wörtchen "viszeral" musste ich zuvor allerdings erst einmal kurz im digitalen Brockhaus nachschlagen. Es handelt sich hier um einen medizinischen Begriff und meint nicht mehr und nicht weniger als "die Eingeweide betreffend". Ich glaube, das passt, denn bereits nach dem ersten Durchlauf unter dem Kopfhörer beschleicht mich das dumpfe Gefühl, dass mir diese nämlich einzeln und fast unmerklich Song für Song rausgerissen wurden, aber der Reihe nach.
Auch auf dem aktuellen Opus bewegt sich die Truppe um die beiden Masterminds Ignacio Muñoz aka 'NSK' und 'J' weiterhin sowohl spielerisch als auch meisterhaft im Spannungsfeld zwischen Black und Death Metal. Die Grenzen sind hier im wahrsten Sinne des Wortes fließend. Den Kompositionen zugrunde liegt allesamt eine unfassbare Brutalität, welche sich schon gleich im Opener 'Enter The Hypogeum' in kompromisslosester Form Bahn bricht. Die Klampfen sind standesgemäß ein paar Grabes-Halbtöne runtergestimmt, das Drumming gleicht einem Maschinengewehr-Dauerfeuer im Endstadium einer sich bereits im hoffnungslosen Ausklang befindlichen Untergangsschlacht, während sich Sänger NSK gleichzeitig Lunge, Leber und Niere aus den eigenen Eingeweiden herauszubrüllen scheint. Hintergrundmusik für ein nocturnes Candlelight Dinner mit der Liebsten oder dem Liebsten? Wohl kaum, oder: Hängt ganz von der Partnerin bzw. dem Partner ab.
Im Großen und Ganzen ist und bleibt das auch bei den folgenden sechs weiteren Songs der songwriterische Schlachtplan, wobei 'Sevenhundreddogsfromhell' als morbides Halbzeit-Zwischenspiel direkt aus der Vorhölle noch einmal kurz innehält: Tollwütige Hunde, wimmernde arme Seelen, und allerlei andere undefinierbare Geräusche aus den Untiefen der dunkelsten Sümpfe verheißen hier nichts wirklich Gutes. Platz zum Verschnaufen und Lecken der hier beim Hören entstehenden Wunden bleibt ansonsten aber wenig bis gar nicht. Lediglich die Anfänge der meisten Stücke werden kurz eingeleitet durch kleine Ouvertüren, die ebenfalls nichts Gutes vermuten lassen, mindestens aber das plötzliche und unvermutete Erscheinen einer schrecklichen und unheilschwangeren Entität von cthuloidem Ausmaß vor der eigenen Haustür, ihr wisst hoffentlich Bescheid. Außerhalb eurer Musik- und Tonträgerkammern regiert langsam Sonnenschein und unbeschwertes und harmonisches Miteinander? Nicht mehr, wenn ihr diese Scheibe auf eure Teller oder in eure Schächte legt, glaubt mir! Gnadenloses und monströs-chaotisches Geballer auf hohem Niveau steht hier auf der Tagesordnung, dem man sich nur schwerlich entziehen kann.
Bei aller vorhandenen Brutalität und Brachialität, die dem Werk innewohnt, legt man allerdings auch einen gewissen Wert auf Präzision, die besonders durch J's messerscharfes Schweizer Uhrwerk-Drumming entfacht wird. Der gute Mann beherrscht Blast Beat-Geknüppel wie nicht viele andere seines Fachs und scheint sein Kit in vollem Ausmaß auszunutzen, verprügelt er doch unerbittlich nahezu jede ihm verfügbare Snare und alle Toms und Becken gefühlt wie im Sekundentakt. Wahnsinn! Hätte man diesen Trumpf nicht im Ärmel, wäre man hier und da sicherlich geneigt, zu sagen: Ein wenig mehr Variabilität hätte dem Album sicherlich nicht schlecht getan. Zumal auch die Gitarren sich in überwiegendem Maße in zähen und bestialischen Riffgewittern ergießen. Nervige Soli und andere Saitenspielereien? Ebenfalls fast Fehlanzeige. Aber all das ist eben auch Teil der Band-DNA, die schon auf den vorherigen drei Werken in der Form Bestand hatte. Von daher: Never change a winning team bzw. concept.
Wäre mir das Album Anfang November zur Rezension vorgelegt worden, hätte ich mir wohl sicherlich noch mindestens einen halben Punkt mehr aus dem fauligen Halbkadaver gesaugt. Da ich derzeit aber doch eher gen etwas heitere Klangkunst tendiere, lege ich mir das Werk auf jeden Fall mal auf Wiedervorlage und werde in ca. einem halben Jahr wahrscheinlich noch bedeutend mehr Freude an diesen zweifelsohne eindringlichen sowie wilden und dämonischen Tonschöpfungen aus dem Reich der Verdammnis haben. Viel intensiver und wahnsinniger lässt sich ein infernalisches Gemisch aus Death und Black Metal wohl kaum intonieren.
- Note:
- 7.50
- Redakteur:
- Stephan Lenze