U2 - Days Of Ash (EP)
Mehr über U2
- Genre:
- Rock
- ∅-Note:
- 8.50
- Label:
- Universal Music Group
- Release:
- 18.02.2026
- American Obituary
- The Tears Of Things
- Song Of The Future
- Wildpeace
- One Life At A Time
- Yours Eternally
Renaissance der irischen Rocker in Kurzform.
Die irischen Rocker U2 haben ein Händchen für Überaschungsveröffentlichungen. Unvergessen ist wohl ihr Publicity-Stunt, bei dem ihr Album "Songs Of Innocence" im Jahr 2014 ungefragt auf Geräten von iTunes-Nutzern aufgespielt wurde. Gut, ins gleiche Fettnäpfchen treten Bono und Co. anno 2026 nicht, trotzdem kam der Release der EP "Days Of Ash" wohl auch für eingefleischte Fans des Vierers überraschend. Gänzlich unbegründet ist der spontane Release der Kurzrille aber nicht, doch diese Geschichte bringt uns direkt zu den insgesamt sechs Tracks.
Eigentlich arbeitet das Quartett nämlich bereits seit mehreren Jahren an einem frischen Studioalbum, das später in diesem Jahr erscheinen soll, doch ein Teil der Songs nahm durch Bezüge zum aktuellen Weltgeschehen eine Sonderstellung ein und drängte laut Bono einfach darauf, sofort veröffentlicht zu werden. Und ja, wer seine Rockmusik von Sozialkritik und politischen Bezügen freihalten möchte, der darf schon wieder Fackel und Mistgabel aus der Scheune holen, um U2 durch die Straßen der Musikwelt zu treiben. Andererseits gehört eben jenes Engagement schon seit Dekaden zu U2 und vor allem zu Frontmann Bono, sodass eigentlich niemand, der schon einmal 'Sunday Bloody Sunday' gehört hat, von der lyrischen Brisanz der EP überrascht sein sollte.
Das Schöne ist, dass der Drang zum lyrischen Ausdruck und dessen Dringlichkeit dazu geführt hat, dass der Vierer offenkundig endlich einmal seine Songs nicht bis zur Unkenntlichkeit durch den Produktionsfleischwolf gedreht hat. Gerade "Songs Of Innocence" und "Songs Of Experience" waren in dieser Hinsicht ja doch recht weichgespült und ließen wenig an vergangene Großtaten denken. Anders sieht das schon bei 'American Obituary' aus, denn der Song, der sich auf die Erschießung von Renée Good in Minnesota durch Beamte des ICE im Januar diesen Jahres bezieht, könnte musikalisch eine verschollene Demo aus "Achtung Baby"-Zeiten sein. Endlich dürfen Edge und seine Gitarren hier einmal mehr Raum einnehmen, Bono serviert uns eine gewohnt starke Hookline und klingt dabei so, als könnte der Zahn der Zeit ihm nichts anhaben.
'The Tears Of Things' untermauert diesen starken Eindruck danach nachdrücklich, fällt mit seinem vielschichtigen und abwechslungsreichen Songwriting allerdings auch ein wenig aus dem Gesamtkontext heraus. Das unterstreicht auch der Text, der sich mehr mit dem Gesamtzustand der Welt befasst, das Thema aber herrlich poetisch angeht und wieder zahlreiche Hooklines serviert, die von Edge mit gewohnt einfach und dennoch feinen Melodien untermalt werden. Auch mit 'Song Of The Future' hält das Hoch an, auf dem "Days Of Ash" von Beginn an reitet. Denn inspiriert von der Geschichte um die getötete iranische Demonstrantin Sarina Esmailzadeh zaubert U2 hier einen absoluten Hit aus dem Ärmel, der musikalisch die Neunziger auferstehen lässt und das traurige Thema mit einem Funken Hoffnung aufarbeitet. Ja, so wollen wir die vier Iren hören!
'Wildpeace' nimmt danach allerdings erst einmal Fahrt raus, denn hier wird etwas introvertiert ein Gedicht des israelischen Schriftstellers Yehuda Amichai vertont. Klar, das passt zum folgenden 'One Life At A Time', das dem Palästinenser Awdah Hathaleen gewidmet ist und damit ebenfalls den Konflikt im Gaza-Streifen thematisiert, bremst den Hörfluss aber doch etwas unnötig aus. 'One Life At A Time' ist danach zwar ebenfalls eher introvertiert, wird aber von Edges Gitarren und einer tollen Bass-Linie auf das gleiche hohe Niveau gehoben, das "Days Of Ash" insgesamt auszeichnet. Mit dem Ukrainekrieg kommt dann auch noch ein weiterer großer Konflikt zum Zuge, wird mit dem gemeinsam mit Ed Sheeran und dem ukrainischen Musiker Taras Topolia produzierten Song 'Yours Eternally' aber vielleicht mit der schwächsten Komposition bedacht. Ja, auch dieser Track hat seine Momente, ist für mich aber deutlich zu poppig ausgefallen und hat nicht das gleiche natürliche und "oldschoolige" Flair, das die EP ansonsten für mich sehr wohltuend verströmt.
Am Ende ist "Days Of Ash" damit nicht nur in Sachen Release-Politik eine faustdicke Überraschung, sondern auch kompositorisch in meinen Ohren das beste, was U2 seit "How To Dismantle An Atomic Bomb" veröffentlicht hat. Vielleicht sollte sich der Vierer öfter einmal dazu entscheiden, etwas weniger Zeit im Studio zu verbringen und spontaner zu agieren, denn der Mangel an Zeit zum restlosen Zerdenken der Songs hat dieser EP im Vergleich zu den letzten Alben hörbar gut getan. Ganz großes Kino!
- Note:
- 8.50
- Redakteur:
- Tobias Dahs


