VIA DOLORIS - Guerre At Paix
Mehr über Via Doloris
- Genre:
- Black Metal
- ∅-Note:
- 6.50
- Label:
- Season Of Mist
- Release:
- 20.03.2026
- Communion
- Un Franc Soleil
- Omniprésents
- For The Glory
- Ultime Tourment
- Visdommens Vei I
- Visdommens Vei II
Unnötig verkopft, im Ansatz aber interessant!
Was bedeutet es, wenn man einem Album nachsagen kann, dass es eigentlich ein typisches Produkt eines Solokünstlers ist, der sich nur für einige Detailarbeiten Schützenhilfe geholt hat? Ist eine solche Aussage schon eine Art Disqualifikation oder doch ein klares Qualitätsmerkmal eines visionären Musikers, der die Kontrolle in eigenen Händen belassen hat, um seine Grundidee nicht zu gefährden? Man kann dies sicherlich etwas breiter fassen und verschiedenste Produkte gegenüberstellen, zu denen ein solches Statement ebenfalls passt, allerdings bedeutet eine klare Vision noch lange nicht, dass diese beim Gegenüber ebenso viel Klarheit erzielt. Und umgekehrt lässt sich auch nicht immer darauf schließen, dass eine gewisse Eindeutigkeit darauf zurückzuführen ist, dass lediglich ein einziges Brainchild hinter der Materie steckt. Also drehen wir uns hier im Kreis.
Und dennoch: Dass eine Scheibe wie "Guerre At Paix" letzten Endes von lediglich einem einzigen Urheber entworfen wurde, macht sich in vielen Aspekten bemerkbar, sei es nun im Umgang mit der Rhythmusfraktion, mit dem Mastermind Gildas le Pape offenbar nicht ganz so vertraut ist, bei den wiederkehrenden Motiven in den Hauptabschnitten der Songs, die einander schon ein wenig gleichen, aber eben auch in der verqueren Art und Weise, wie VIA DOLORIS das Songwriting anpackt, denn insgeheim schwebt hier immer der Wunsch mit, bloß nicht wie ein bestimmter Konsens zu klingen, ja grundsätzlich anders unterwegs zu sein. Und je mehr dies erzwungen werden soll, desto umständlicher sind schließlich auch die Arrangements, desto schleppender ist der Fluss, der hier in den Songs entstehen kann - und desto weniger aussagekräftig ist am Ende auch das Gesamtwerk, das zwischen melodischem und verschachteltem Black Metal noch nach der goldenen Mitte sucht.
Die sieben Songs zeugen definitiv von größeren Ambitionen, gleichzeitig aber auch von der stetigen Suche nach dieser besonderen Formel, die auf "Guerre At Paix" für Spannung sorgen könnte und dabei auch mal ein paar weniger komfortable Strukturen wählt. Doch die Umwege, die le Pape aussucht, sind nicht immer zielführend, die hymnischen Parts werden dadurch gerne mal ausgebremst, und wenn etwas Erhabenes im Anflug ist, wird es leider nicht bis ins letzte Detail durchdacht, sondern immer wieder vorschnell aufgelöst. So entstehen durchweg imposante Ansätze, die dann aber nicht den nächsten Schritt machen, sondern im Anfangsstadium stecken bleiben. Und auch wenn nichts wirklich Schwaches oder Durchschnitliches dabei ist: Der Funke springt nur selten über - viel zu selten, als dass man sich auch längerfristig intensiv mit dieser Platte beschäftigen mag.
VIA DOLORIS kann mehr, als hier gezeigt wird, und auch das ist eine Erkenntnis. Sie hilft nur nichts, wenn zwischen Potenzial und Realität noch kleine Welten liegen!
- Note:
- 6.50
- Redakteur:
- Björn Backes


