WITCH RIPPER - Through The Hourglass
Mehr über Witch Ripper
- Genre:
- Progressive Sludge Metal
- ∅-Note:
- 7.50
- Label:
- Magnetic Eye Records
- Release:
- 10.04.2026
- Odyssey In Retrograde
- The Portal
- Symmetry Of The Hourglass
- Echoes And Dust
- The Clock Queen
- Proxima Centauri
- The Spiral Eye
Ist das Glas halbvoll oder halbleer?
Der dritte Streich von WITCH RIPPER zeigt den Vierer aus Seattle stilistisch weitgehend unverändert im Vergleich mit dem Zweitwerk "The Flight After The Fall" von vor drei Jahren. Sludge Metal mit progressivem Einschlag und einem großen Melodiereichtum it is. Der Start in die Platte zeigt dabei allerdings noch nicht das volle Potential, das in der Band steckt. Diese macht ihre Sache hier zwar durchaus gut, aber wenn man weiß, wozu WITCH RIPPER beim Songwriting eigentlich imstande ist, dann klingt "Through The Hourglass" zu Beginn fast ein bisschen nach "halber Kraft".
Nach dem kurzen Intro hat 'The Portal' zumindest ansprechende Gesangslinien und ordentlich bollerndes Riffing. Doch ausgerechnet der "halbe" Titeltrack 'Symmetry Of The Hourglass' ist so ein seltsames Ding, das mit einer ziemlich drögen und wüst vorwärts treibenden Attacke, und wenig mitreißenden Vocals daherkommt, auch der Refrain vermag im Gegensatz zu vielen anderen Nummern überhaupt nicht zu packen. 'Echoes And Dust' danach ist ebenfalls wirklich nicht gut, knüppelt trotz teils progressiven Spiels ein bisschen ziellos vor sich hin und auch der Gesang kann in Sachen Ausdrucksstärke nicht punkten. Jedoch, als habe man sich das Beste bis zum Schluss aufgehoben, kommt WITCH RIPPER dann mit dem finalen Triple hingegen wie ausgewechselt daher. Hier entfaltet die Band dann auch endlich jene Sogwirkung, die man von ihr kennt.
Das hat natürlich einen Grund. Während die Songs in der Mitte des Albums eher die rohe, brachiale Seite im Bandsound abbilden, was dieses Mal nicht sonderlich überzeugend gelingt, gibt es zum Ende hin dann wieder mehr Klargesang und einen höheren Melodieanteil. Da ist WITCH RIPPER nach meinem Befinden einfach am besten, das klingt am stimmigsten und stimmungsvollsten. 'The Clock Queen' zelebriert neben fulminanten, aber auch eindeutig progressiven, Riffs diese einzigartigen Melodiebögen beim Gesang, die einen solchen Song absolut tragen können. Die Ballade 'Proxima Centauri' ist so monumental, das sie in Sachen Intensität auch jeden schnellen Abriss auf dem Album in den Schatten stellt und mich phasenweise ein bisschen an WHILE HEAVEN WEPT erinnert. Der Ausklang 'The Spiral Eye' setzt schließlich nochmal auf die bewährten Kontraste und wählt einen etwas melodischeren Abgang, aber das kann diese Band halt einfach gut, auch wenn das Niveau der vorherigen beiden Tracks nicht ganz gehalten wird.
Es gibt aber auch einen weiteren Grund, warum "Through The Hourglass" es insgesamt etwas schwer bei mir hat. Anno 2023 war der Vorgänger "The Flight After The Fall" in meiner Jahresbestenliste auf Platz 2 und zu allem Überfluss der Opener 'Enter The Loop' sogar der beste Song in den betreffenden 12 Monden, zumindest in meinen Ohren. In "Through The Hourglass" finde ich diese absolute Faszination, dieses unglaublich Mitreißende eben nur zum Teil wieder. "Through Flight And Space" hatte von allem ein bisschen mehr - mehr Punch und mehr Durchschlagskraft, aber auch mehr Melodien für die Ewigkeit und mehr Ohrwurmcharakter.
Zum Glück halte ich nicht viel von der These, dass der dritte Longplayer das "do or die"-Album einer Band sei, daher gebe ich WITCH RIPPER beim vierten Output natürlich wieder eine Chance. Was "Through The Hourglass" betrifft, so kann die Gesamteinschätzung nur eine gemischte sein. Denn während eine EP aus den letzten drei Songs ein ziemlicher Volltreffer wäre, hat es die Band auf Albumlänge dieses Mal nicht vermocht, durchgängig überzeugendes Material abzuliefern.
Die Gesamtnote drückt dies natürlich aus, wobei meine Begeisterung vermutlich etwas größer wäre, wenn ich nicht den Vergleich zum großartigen "The Flight After The Fall" hätte und somit wüsste, dass hier eindeutig mehr drin gewesen wäre. Aber wir reden ja immer noch von einem überdurchschnittlich guten Album und das sprichwörtliche (Hour-)Glas betrachte ich somit definitiv als halbvoll.
- Note:
- 7.50
- Redakteur:
- Stephan Voigtländer


