Bad Boys II (2-DVD Extended Version)
- Regie:
- Michael Bay
- Jahr:
- 2003
- Genre:
- Action
- Land:
- USA
1 Review(s)
24.01.2005 | 07:39Nun machen sie wieder die Highways von Miami unsicher: die Superbullen von der Drogenfahndung, die wir schon in "Bad Boys" als zerstrittenes Quasi-Ehepaar bewundern durften. Diesmal geht's um einen kubanischen Drogenboss, der den nordamerikanischen Ecstasy-Markt erobern will. Marcus' Schwesterchen Syd gerät in die Schusslinie ...
Filminfos zur Extended Version (nicht die Kinofassung!!!)
O-Titel: Bad Boys II (USA 2003); DVD: 23.03.04
FSK: ab 18 (Bonus-Disc: ab 16)
Länge: ca. 140 Min.
Regisseur: Michael Bay ("Pearl Harbor", "Armageddon", "The Rock")
Drehbuch: Ron Shelton, Jerry Stahl u. a.
Produzent: Jerry Bruckheimer ("Pearl Harbor", "Fluch der Karibik", "ConAir", "Armageddon", "King Arthur")
Musik: Trevor Rabin, Dr. Dre
Darsteller:
Will Smith (Mike Lowrey; "Independence Day", "I, Robot", "Men in Black")
Martin Lawrence (Marcus Burnett; "Der Diamanten-Cop")
Jordi Mollà (Johnny Tapia; "Blow"),
Gabrielle Union (Syd; "Girls United" und "Born 2 Die"),
Henry Rollins (TNT; aus verschiedenen Genrefilmen)
Joe Pantioliano (Captain Howard; "The Matrix", "Memento"),
Peter Stormare (Alexei; "Minority Report") u. a.
Handlung
Die Highways von Miami sind ein gefährliches Pflaster, wie jeder weiß, der dort schon mal entführt wurde. Aber auch die Drogenfahndung kann für bleihaltige Luft sorgen. Mike Lowrey (Will Smith) und Marcus Burnett (Martin Lawrence) sind wieder auf Achse, acht Jahre nach ihrem Riesenerfolg mit "Bad Boys I". Wieder sind sie Angehörige des Tactical Narcotics Team, kurz: TNT.
Zu Anfang sieht man lediglich, wie eine Riesenladung Ecstasy-Pillen im Wert von 150 Mio. Dollar in die USA geschafft wird, bestellt vom kubanischen Drogenboss Johnny Tapía (Moilà). Allerdings pennt die Küstenwache auch nicht, und in der Organisation Tapias sitzen ein paar Maulwürfe, die die Bullen mit Infos versorgen.
Daher kommt es in den Mangrovensümpfen Floridas zu einem ersten knackigen Gefecht, als Mike & Marcus, das ewig zerstrittene Quasi-Ehepaar, den Drogendealern die Suppe versalzen wollen. Sehr seltsam, dass dabei auch ein paar Kukluxer mitmischen wollen. Der Clou ist jedenfalls, neben einer Handvoll sichergestellter Ecstasy-Pillen, dass Mike seinem Kumpel in den Allerwertesten schießt, was wiederum dessen Libido mächtig beschädigt.
Deshalb hat Marcus etwas dagegen, dass Mike seine Schwester Syd (Union) anbaggert, die aus New York City kommt und dort insgeheim - was die beiden noch nicht ahnen - undercover für die Bundesbehörde DEA, die Drogenfahndung, arbeitet. Und sie hat es ausgerechnet auf Johnny Tapia, den psychopathischen Drogenboss, abgesehen. Der aber geht im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen. Sein Bestattungsunternehmen dient als Geld- und Drogenumschlagplatz.
Im Folgenden wissen die beiden daher nicht, ob sie zuerst Tapia jagen oder Schwesterherz schützen sollen. Einerlei: menschliche Werte gehen meist vor, und besonders dann, wenn es um die Familie geht. Da sind die Farbigen keinen Deut anders als die Italiener von der Mafia. Schließlich führt die Rückholaktion für Syd zunächst durch Leichenberge und dann zu einer klitzekleinen, aber sehr lautstarken Invasion der Insel des Fidel Castro ...
Mein Eindruck: der Film
Dies ist ein Jerry-Bruckheimer-Film. Das sollte man sich immer vor Augen halten. Daher fliegen und tanzen und wirbeln hier die Nobelhobel und Pistenflitzer durch die Gegend, dass es wie ein Ballett aussieht. Bevor dann eine finale Mega-Explosion der jeweiligen Actionsequenz den vorläufigen Schlusspunkt setzt. Oder ein zehnminütiger Shootout auf einer Kreuzung mitten in der City.
Natürlich ist es die Aufgabe der beiden Starkomiker Smith & Lawrence, dies alles viel leichter und harmloser aussehen zu lassen, als es wirklich ist. Mit seinem Ferrari neuesten Baujahrs - notfalls darf's auch ein neuer Pontiac sein - brettert daher Smith alies Mike Lowrey über den Highway, während es Autos oder Leichen regnet, und kabbelt sich mit seinem besten Kumpel, dass die Gags und Sprüche nur so hageln.
Dabei entwickelt sich Burnett von einem Polizisten, der wie sein Boss (Pantoliano) eine Anti-Stress-Therapie durchmacht, zu einem knallharten Durchgreifer und Präzisionsschützen. Ob das eine Weiter- oder eine Rückentwicklung bedeutet, muss jeder selbst beurteilen, aber Mike rettet es sicher das Leben.
Eine andere Frage ist jedoch, ob diese Sprüche und das ewig wiederholte Antistress-"Wuha!"-Gestöhn auch Begeisterung beim Zuschauer auslösen. Vielleicht sind kindliche Gemüter, die bereits die 18-Jahr-Marke erreicht haben, dafür empfänglich. Ich war's jedenfalls nicht und fand diese Sprüche einfach nur öde - da fehlte der Pfiff, die Punchline. Es sind auf jeden Fall Seitenhiebe gegen den Psychiaterfimmel der New Yorker. Und von dort kommt ja die hübsche Syd, die es zu beschützen und zu retten gilt. Dabei erweisen sich die unorthodoxen Methoden der Bad Boys als am wirksamsten.
Übrigens ist auch die Übersetzung ins Deutsche fehlerhaft. Captain Howard, der Chef der beiden Superbullen, redet nach der ersten Autobahnjagd von "gestrecktem Ecstasy", also abgeschwächtem Stoff. Warum aber ist dann der Discotänzer daran gestorben? Im Original ergibt die Sache jedoch einen Sinn: Darin ist die Rede von "souped-up ecstasy", was genau das Gegenteil meint: aufgemotztes Ecstasy. Fazit: Der deutsche Zuschauer wird von der Synchronisation veräppelt.
Immerhin sind wieder mal die Stunts, die visuellen Effekte und die Pyrotechnik vom Allerfeinsten, Jerry sei Dank! Will Smith hat seiner realen Angetrauten gegenüber damit geprahlt, dass die Autobahnverfolgungsjagd besser sei als die in "Matrix Reloaded". Recht hat der Mann! Die Matrizenheinis sehen dagen sowas von alt aus! Army und CIA haben sich auch nicht lumpen lassen und entsprechendes Personal und Technospielzeug eingebracht. Das erweist sich besonders auf Kuba von großem Wert.
Insgesamt erscheint der Film von hohem Unterhaltungswert, doch das Drehbuch hat für etliche Längen und blasse Sprüche gesorgt. Man hätte mehr auf solche seltenen und späten Szenen Wert legen sollen, in denen beispielsweise Will sein altes Schulfoto hervorkramt und sentimental wird oder in der er einen Ex-Knacki spielt, um Reggie, das Date von Marcus' Tochter Megan, einzuschüchtern. Das übertreibt er so sehr (mit Kanonengefuchtel und Knackijargon), dass Marcus gar nicht anders kann, als sich zu besinnen und es Megan zu erlauben, mit Reggie auszugehen. Diese menschliche Seite kommt meines Erachtens zu kurz. Daher hat mich der Film streckenweise wenig begeistern können.
Die DVD
Technische Infos zur Extended Version:
Bildformate: 2,40:1 (16:9)
Tonformate: DD 5.1
Sprachen: D, GB
Untertitel: D, GB, Türkisch
Extras der Doppel-DVD:
- Entfallene Szenen
- Filmdokus: u. a. über die Stunts, Visuelle Effekte etc.
- Produktions-Tagebuch
- Musik-Video "La-la-la" von Jay Z
- Dokumentation verschiedener Filmsequenzen
- Trailer
Mein Eindruck: die DVD
Bild und Ton sind ausgezeichnet. Allerdings hat nur der Standard Dolby Digital 5.1 Einsatz gefunden, auf DTS-Qualität muss man verzichten. Wahrscheinlich hätten diese zusätzlichen Daten nicht mehr auf die Silberscheibe gepasst. Obwohl: Bei "Fluch der Karibik" ging's ja auch.
Extras satt
Die Extras umfassen weder ein Making-of noch einen Audiokommentar, lohnen sich aber trotzdem. Neben den etwa sieben "entfallenen Szenen", die nicht weiter von Belang sind (außer einer scharfen Mieze, die sich über Lowrey hermacht!), sind vor allem die Dokumentationen interessant.
Gimme stunt, man!
In 9:30 Minuten wird gezeigt, wie die Stunt-Szenen zustande kamen. Das kommentieren der Regisseur und die zwei Stunt-Koordinatoren Andy Gill und Steve Picerni. Hier erfahren wir auch, dass die "Barackensiedlung auf Kuba" eigentlich auf Puerto Rico, einer sehr schönen Insel, aufgebaut und wieder zerstört wurde. Und dass "Tapias Villa auf Kuba" eine real existente Villa in Delray, Florida, war, die abgerissen werden sollte (vgl. dazu Produktionstagebuch). Bruckheimer zahlte die Kleinigkeit von 250.000 Dollar, um das Haus zerstören zu dürfen.
Doku #2
Die zweite Doku dreht sich fast 19 Minuten lang nur um die beeindruckenden und überzeugenden visuellen Effekte. Sie überzeugen deshalb, weil nicht ersichtlich ist, dass auch CGI-Effekte zum Einsatz kamen, besonders für den Ersatz des 300.000 Dollar teuren Ferrari, dem "Kronjuwel", das alle Dreharbeiten unbeschadet überstand, nur um dann von Lawrence aus Versehen beim Aussteigen demoliert zu werden ...
VFX
VFX Supervisor Rob Legato erklärt den Aufbau der Kompositaufnahmen, die am Computer entstanden. Besonders interessant ist dabei der Einsatz verschiedener Kameras und Laser bei der "Arschaufnahme", bei der Lawrence scheinbar wirklich in den Allerwertesten getroffen wird - von seinem Partner "Trigger Mike". Eine der Kameras zeigt den Flug dieser Kugel und machte 120.000 Bilder pro Sekunde (und einen Höllenlärm beim Betrieb). Auch die Spin-around-Aufnahme im Haus der Haitianer-Bande ist sehr interessant: Der Kamerawagen wird ständig im Kreis gefahren, und nur die Türen und Fenster, durch die sich "die Kamera" bewegt, stammen aus dem Computer.
Kleine Verschnaufpause: das völlig belanglose Musikvideo zu "La-la-la" von JayZ (3:51).
Unscheinbarer Schatz
Eine Flut von Informationen versteckt sich hinter dem unscheinbaren Titel "Dokumentation verschiedener Filmsequenzen". Es dreht sich um sechs Szenen. Die Dokus zeigen die Arbeiten "hinter den Kulissen", die Storyboards und die zugehörigen Skriptseiten. Diese stehen dem Endprodukt gegenüber, das man jeweils als erstes zu sehen bekommt. Jedes dieser Infopakete kann zwischen fünf und fünfzehn Minuten lang sein. Besonders beeindruckend: die Sprengung von Tapias Villa.
Tagebuch
Zu guter Letzt bietet das "Produktionstagebuch" ein buntes Allerlei, das Material rund um die Produktion präsentiert. Als Erster spricht Regisseur Michael Bay über seinen allerersten Film, nämlich "Bad Boys" von 1994, der gerade mal 10 Milliönchen kostete und den Bruckheimer & Simpson seinerzeit gar nicht machen wollten. Kurios ist auch die Tatsache, dass Bay damals die entscheidende Explosion, die das Finale bildete, aus eigener Tasche von seiner Gage begleichen musste, weil sich der Herstellungsleiter rundweg weigerte, die Szene zu drehen. Der Scheck über 25.000 $ ist zu sehen, ein Viertel seiner Gage. Der Film spielte allein in den USA 60 Mio. Dollar ein, dennoch musste Bay seinen kleinen Beitrag selbst zurückfordern. Show business, man!
Goofs
In der Ku-Klux-Klan-Szene sind ein par nette Pannen zu sehen. Im Rave Club spielt geile Musik und tanzen die hübschesten Mädchen östlich von Vegas. In Cameo-Auftritten sind Dan Marino und der Regisseur selbst zu sehen, der den klapprigen Ford fährt. Peter Stormare genoss seinen Tod als Alexei sichtlich. Am Schluss des Drehs feiert man Bruckheimers Geburtstag - mit einer Torte aus dem Sarg ...
Alles in allem ist das Extramaterial wirklich nur etwas für Filmfreaks, die sich an den Details erfreuen können. Kein einziger PR-Beitrag ist dabei, wie man ihn so oft als "Featurette" oder Making-of geboten bekommt.
Unterm Strich
Insgesamt bietet die Doppel-DVD eine Menge Bonusmaterial fürs Geld, doch wer nur auf den Film scharf ist, dem reicht auch eine kleinere Ausgabe. Der Streifen selbst hat mich nur im Original begeistern können. Die deutsche Synchronisation erweist sich bei genauerem Hinhören als witzarm und sogar als fehlerhaft (siehe oben). Am ehesten wissen noch die Actionsequenzen zu überzeugen, und wegen diesen will man den Film wohl auch sehen.
- Redakteur:
- Michael Matzer