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ACE FREHLEY: Interview mit Space Ace

14.10.2020 | 17:40

Wenn man seine Helden trifft, hat man immer zu viele Fragen und zu wenig Zeit. Doch Ace ist zum Glück in Plauderlaune.

Es gibt so ein paar Dinge im Leben, vor denen man noch so richtig nervös ist. Für einen eingefleischten KISS-Fan wie mich gehört ein Interview mit ACE FREHLEY definitiv dazu. Deshalb habe ich mir mit meinem Kumpel Dirk Ites den absoluten Space-Ace-Jünger zur Seite geholt, der auch problemlos mit dem schweren Brooklyn-Akzent des ehemaligen KISS-Gitarristen zurecht kam. Der Grund für das kurzfristige (und zeitlich strikt reglementierte) Gespräch ist seine neue Coverscheibe "Origins Vol.2", die gerade auf einer beachtlichen #34 in die deutschen Charts eingestiegen ist. Entsprechend gut gelaunt zeigt sich der 69-jährige und gibt bereitwillig auch intimere Dinge von sich preis.

Hi Ace, wie geht es dir in Corona-Zeiten in den Staaten? Wo lebst du eigentlich momentan?

Ach, weißt du, ich bin mal hier, mal da. Ich habe ein Haus in New Jersey. Letztens war ich bei meiner Tochter Monique und ihrem Freund in London, der dort lebt, dann wieder in Kalifornien - wie gesagt, ich treibe mich überall herum. Corona nervt natürlich tierisch. Überall muss man Maske tragen, zum Kotzen.

Ja, das stimmt. Als Lehrer kann ich davon ein Lied singen.

Oh, du bist Lehrer? Meine Freundin Laura ebenfalls. Sie unterrichtet erste bis achte Klasse und hat als Background-Sängerin bei 'Lola' auf meinem neuen Album mitgewirkt.

Da du gerade das neue Album ansprichst: Als alter BEATLES-Fan besitze ich alle ihre Platten, aber 'I'm Down' war mir gänzlich unbekannt – eins der eher rockigeren BEATLES-Stücke. Warum hast du gerade diese Nummer ausgewählt? Es gibt doch weitaus bekanntere Sachen der Fab Four.

Du hast es ja gerade angesprochen, es ist definitiv ein "Rocker" und zudem eher unbekannt. Also dachte ich mir, dass es ganz gut passen würde. John 5 hat mich bei der Gitarrenarbeit unterstützt. Mir war eigentlich gar nicht klar, dass es bereits 1965 aufgenommen wurde. Mein Gott, 55 Jahre ist das her. Ich kann mich erinnern, dass Paul McCartney mal erwähnte, dass die Wurzeln des Songs eigentlich von Chuck Berry ausgingen. Weißt du, viele Amerikaner sind sich gar nicht darüber im Klaren, dass sich die Briten, wie die STONES oder eben die BEATLES, der Musik der Afro-Amerikaner bedienten, also quasi ihre Songs einfach neu verpackten und sie dann aufnahmen. Die Wurzeln sind meistens schwarzer Herkunft, sehr bluesig.

Dagegen ist 'Good Times, Bad Times' ein absoluter LED ZEPPELIN-Klassiker vom allerersten Album. Ist es ein Zufall, dass gerade dieser Song auf deinem neuesten Werk ebenfalls als Opener fungiert?

Nein, kein Zufall. Ich bin ein großer ZEPPELIN-Fan. Ich habe sie 1969 bei ihrem ersten Auftritt in New York im Fillmore East [Musiktheater in Greenwich Village, N.Y. - Anm. d. Verf.] gesehen, es war unbeschreiblich. Bei der Aufnahme gab es jedoch ein kleines Problem. Ich war mir nicht sicher, ob ich einen Robert Plant interpretieren könnte, deswegen musste ich aufgrund der Stimmlage auf D herunter stimmen.

Bruce Kulick gibt sich bei 'Manic Depression' von THE JIMI HENDRIX EXPERIENCE ebenfalls die Ehre. Wie kommt ihr zwei eigentlich miteinander klar, seitdem er Mitte der 80er bei KISS eingestiegen ist und zur Reunion-Tour 1996 wieder aussteigen musste?

Bruce und ich sind Freunde auf Lebenszeit. Ich habe ja ebenfalls einmal auf einem seiner ESP-Alben mitgewirkt, unter anderem zusammen mit Eric Singer und John Cochran, meinem alten Bandkollegen. Es gab da niemals irgendwelche schlechten Vibes zwischen uns, denn ich habe KISS ja damals 1982 aus eigenem Antrieb verlassen. Weißt du, meiner Meinung nach ist er der beste Gitarrist, der nach mir kam. Mit Tommy Thayer spielt er Katz und Maus (lacht wiehernd).

Wo wir gerade bei KISS sind: Im Internet steht viel über ständige Streitereien zwischen dir, Paul und Gene. Wie viel davon ist wahr?

Ach, immer wieder diese alten Geschichten. Hauptsache, die Zeitungen haben irgendetwas, worüber sie schreiben können, gerade jetzt, wo musiktechnisch nicht viel läuft. In Wahrheit sind Gene, Paul, Peter und ich sehr gute Freunde, egal, was auch immer die Zeitungen schreiben.

Aha. Da ihr ja anscheinend so gute Freunde seid, warum schließt du dich Paul und Gene nicht einfach wieder an? Geht es da nur um das liebe Geld?

Nein, ich habe eine Menge Spaß mit meiner eigenen Band, zudem habe ich meinen eigenen Plattenvertrag. Paul und Gene haben in den letzten sieben Jahren kein einziges Album herausgebracht, ich dagegen bringe alle zwei Jahre ein Neues heraus. Es macht mir eine Menge Spaß, neue Sachen zu produzieren, während es den anderen beiden anscheinend genügt, die gleichen Songs immer und immer wieder rauf und runter zu spielen. Das ist der Unterschied zwischen mir, Paul und Gene - und Peter hat sich ja aus dem Musikgeschäft komplett zurückgezogen, wie du sicherlich weißt.

Wirst du denn zumindest auf dem allerletzten KISS-Konzert mit auf der Bühne stehen?

Ich wurde bisher nicht gefragt, mit den Jungs zu spielen und werde ganz sicher nicht für umme spielen, soviel kann ich dir zu 100 % versichern - falls ich gefragt werde und mich entscheiden sollte, da überhaupt mitzumachen.

Wie tief müssten Paul und Gene denn in die Tasche greifen?

Das müssten unsere Anwälte ausdiskutieren, dazu sind sie ja da (lacht laut).

Lass uns jetzt mal etwas anderes machen. Ein paar Fragen abseits von KISS und der Musikbranche. Passt das für dich?

Ja klar, los geht's.

Stell dir vor, du stehst in New York im Stau. Welche Musik würdest du einschalten, um die Zeit totzuschlagen?

Natürlich meine eigene (lacht laut). Nein, ernsthaft: Die Songs, an denen ich gerade arbeite, die noch nicht fertiggestellt sind oder Demos für mein nächstes Studioalbum.

Was ist der schlechteste KISS-Song, der jemals aufgenommen wurde?

Mmh, ich denke, 'I Was Made For Lovin You' ist eigentlich ein guter Song, top produziert und von der breiten Masse geliebt, aber das hatte nichts mit KISS zu tun. Das ist Discomusik und KISS ist eine Rockband.

Ich meine mich zu erinnern, dass du 1979 während der Europatournee in einem holländischen Interview sagtest, der Song sei "quite ok, it’s Rock-Disco".

Ich meine, es ist mehr Disco als Rock (lacht).

Wenn du einen AC/DC-Song covern müsstest...

(wie aus der Pistole geschossen) ...wäre es 'Highway To Hell', keine Frage.

Gibt es irgendetwas, dass dich wütend macht, dass dich total nervt?

Ich sag dir was: Passwörter!

Passwörter?

Hahaha. Ja, Mann. Davon gibt es einfach viel zu viele. Handyrechnung, Stromrechnung, tralala, für alles braucht man ein verdammtes Passwort. Man kann die Rechnungen nicht bezahlen, wenn man nicht für jeden Mist das Passwort kennt. Ich vergesse die Scheißdinger immer. Passwörter nerven mich total ab. Und die aktuelle Pandemie natürlich - fängt auch mit einem P an (lacht und kichert).

Wo war die letzte legendäre Party, auf der du gewesen bist?

Weißt du was? Ich weiß es nicht mehr. Das ist so lange her. Am 15. September habe ich meine 14 Jahre gefeiert, in denen ich keinen Alkohol getrunken habe. Also, ich war da auf einer Geburtstagsfeier mit meiner Freundin Laura. Es existieren sogar Bilder von uns beiden auf dieser Party, ich glaube bei Facebook. Ich habe tierisch einen draufgemacht - mit Ginger-Ale.

Thema Frauen. Wie sieht die perfekte Frau für Mr. Frehley aus?

1.68m, blond, blaue Augen und sie duftet nach Rosen (lacht sich halbtot).

Probleme, wenn sie ein paar mehr Pfunde drauf hätte?

Also, Laura ist ja neben ihrem Beruf als Lehrerin auch Personal Trainerin. Sie ist 51, aber ihr Körper ist der einer 35-jährigen. Ich bevorzuge schlanke Frauen, ich stehe nicht so auf Fettpölsterchen und so.

Was hat dir deine Mutter damals bezüglich Mädchen mit auf den Weg gegeben? Irgendwelche Ratschläge für den jungen Paul Daniel Frehley [bürgerlicher Name - Anm. d. Verf.]?

Meine Mutter hat mir diesbezüglich keinerlei Ratschläge erteilt. Ich hatte als Teenager so viele Freundinnen, da kam sie gar nicht mehr hinterher (lacht). Manchmal kam ich nach Hause und irgendein Mädel räumte mein Zimmer auf. So war das damals (lacht). Als Teenager hatte ich immer zwei oder drei Mädels parallel laufen (lacht und kichert).

Welche Eigenschaften hast du von deinem alten Herrn übernommen?

Ja nun, mein Vater war ein Workaholic und in seine Arbeit regelrecht vernarrt. Er hatte zwei Jobs, arbeitete den ganzen Tag bis in den Abend hinein. Ich habe meinen Vater kaum gesehen, außer, wenn wir sonntags in die Kirche sind. Dann ging die ganze Familie zusammen zum Gottesdienst, danach Mittagessen und Kino oder Spazieren. Meistens sah ich ihn nur an den Sonntagen, denn wenn er unter der Woche spät abends heimkam, schlief ich normalerweise schon.

Jetzt mal was ganz anderes. Ich möchte, dass du dich zu verschiedenen Kategorien bezüglich deines Talents auf einer Skala von 0 bis 10 selbst einschätzt. Null bedeutet kein Talent. Fertig?

Fertig (lacht).

Bassist? 7.

Pokerspieler? 9.

Autofahrer? 9.

Frauenheld?

(kurze Pause) Äh, weißt du, ich war mal eine 10, jetzt bin ich eher so eine 7 (lacht sich wieder mal halbtot).

Hahaha, sehr schön Ace. Ich dachte, du kommst jetzt mit 12 oder 13, aber wenigstens bist du ehrlich.

Also komm schon, du hast gesagt, auf einer Skala von 1 bis 10. Darüber hinaus wäre ja nicht gegangen (kichert und giggelt).

Boxer?

Wenn ich betrunken war, hatte ich vor niemandem Angst, also 8, nüchtern eher eine 5 (lacht).

Wenn ich in New York wäre, in welchem Auto würde Ace Frehley mit mir durch die Straßen fahren?

In einem Sportwagen.

Sportwagen? Ich habe gehört, du hättest dir neulich einen Cadillac Escalade [Monster SUV - Anm. d. Verf.] zugelegt?!

Ich hatte so viele Autos in meinem Leben, das kannst du mir glauben. Ich weiß gar nicht, wo ich da anfangen soll. Ich habe mir gerade noch einen brandneuen Jaguar gekauft und ja, den Escalade habe ich auch. Ich hatte einige Cadillacs und Porsche, viele Corvettes und einen Mercedes, aber keine Ferraris oder Lamborghinis. Die machen nur Ärger und sind meistens in der Werkstatt, sind aber trotzdem schöne Autos.

Besitzt du eine Waffe?

Ja, ich habe ein Gewehr. Damit könnte man auch auf größere Tiere schießen. Sei bloß vorsichtig, ich schieße auf alles, was sich bewegt (lacht).

Der beste Film aller Zeiten?

Ich sage mal, äh, ein Science-Fiction-Klassiker. "Forbidden Planet" ["Alarm im Weltall" von 1956 - Anm. d. Verf.].

Lieblingsgitarrist?

Jimmy Page.

Und schon ist die Zeit vorbei. Vielen Dank für das Gespräch. Hast du noch ein paar letzte Worte an deine deutschen Fans?

Vielen Dank an alle für euren jahrelangen Support.

Das Interview führte Dirk Ites.

Redakteur:
Chris Staubach

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