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AFTER FOREVER: Interview mit Floor Jansen

01.01.1970 | 01:00

AFTER FOREVER haben mit "Invisible Circles" ihr drittes Langeisen am Start, welches tollen Symphonic Metal bietet. Außerdem haben die Holländer in letzter Zeit verstärkt die Livefront beackert und werden dies in absehbarer Zeit auch in Deutschland tun. Grund genug also die Band mit ein paar Fragen zu löchern. Die sympathische Sängerin und Frontfrau Floor Jansen stand mir Rede und Antwort.


Stephan:
Ihr habt zwar die Wartezeit mit der Mini-CD "Exordium" verkürzt, aber euer letztes Studioalbum "Decipher" ist ja schon drei Jahre her. Was habt ihr in der Zwischenzeit so getrieben?

Floor Jansen:
Wir haben sehr viel live gespielt. "Decipher" kam Ende 2001 heraus und danach haben wir eine Clubtour in Holland und einige Sommerfestivals gemacht. Dann sind wir auch noch für drei Wochen auf Tour mit NIGHTWISH gegangen, also eigentlich haben wir die ganze Zeit "Decipher" promotet und diese Touren gespielt.
Außerdem sind wir eine Band, bei der alle Mitglieder nebenher noch normale Jobs haben oder studieren, also können wir nicht jedes Wochenende auftreten und jeden Tag in der Woche proben. Wir mussten schon sehr hart dafür arbeiten um die EP und jetzt das neue Album herauszubringen.

Stephan:
Ihr habt drei Sänger in der Band. Würdest du sagen, dass der Kontrast zwischen den einzelnen Sängern das Element mit dem größten Wiedererkennungswert bei AFTER FOREVER ist?

Floor:
Ich denke schon, dass es auffallend ist und der Kontrast wichtig ist, denn ich habe eine sehr kraftvolle Stimme, und wenn man die ganze Zeit über nur meine Stimme hören würde, wäre es einfach zu viel. Aber durch die Kombination mit dem Grunzen (von Sander Gommans - d. Verf.) gibt das einen schönen Kontrast ab. Außerdem haben wir auf diesem Album zum ersten Mal die Stimme von Bas (Maas, gui. - d. Verf.) als kleines Extra dabei.

Stephan:
Wie groß ist dein Einfluss auf den Sound der Band, bist du aktiv am Songwriting beteiligt?

Floor:
Ich bin sehr stark involviert, und ich entscheide mit den anderen zusammen wie wir einen Song zusammensetzen. Auch wenn ich immer aus Sicht der Sängerin darauf schaue, versuche ich, zuerst die instrumentelle Seite zu betrachten, denn ich gehe erst an die Gesangslinien, wenn der Song fertig ist. Ich schreibe die Lyrics und das Timing für die Grunts und Bas' Gesang sowie die Stellen mit Chören, also mein Einfluss ist schon sehr groß.

Stephan:
Ist es dir wichtig, dass du über etwas singst, das deine eigenen Gedanken und Gefühle reflektiert?

Floor:
Eigentlich schon. Es gibt viele Songs auf "Prison Of Desire" (Debütalbum, 2000 - d. Verf.), "Decipher" und "Exordium", die sehr persönlich sind, aber "Invisible Circles" ist hingegen ein Konzeptalbum. Das Konzept ist aber nicht autobiografisch, die Situation des Kindes in dieser Geschichte ist nicht meine eigene. Ich habe also nicht wirklich über meine eigene Gefühle geschrieben, aber ich habe mich in diese Situation versetzt. Ich fühle schon etwas, wenn ich diese Songs singe, aber es reflektiert nicht meine eigenen Emotionen.

Stephan:
Kannst du ein bisschen mehr über dieses Konzept erzählen?

Floor:
Kurz gesagt, es ist die Situation einer Familie in der jetzigen, modernen Zeit, die sich mit heutigen Problemen konfrontiert sieht. Die Menschen wollen nur Fortschritt, Geld, Statussymbole und Karriere; sie sind sehr materialistisch eingestellt. Aber diese Familie, von der die Geschichte handelt, dreht sich quasi im Kreis, denn die Leute machen von Generation zu Generation immer wieder die gleichen Fehler. Es ist also ein unsichtbarer Kreis (= "Invisible Circle" - d. Verf.).
Das Kind dieser Familie, die so selbstsüchtig und karrierebesessen ist, vermisst eine ganze Menge. Sie hat nie gelernt, wie man sich richtig verhält, also ist sie auch in der Schule eine Außenseiterin. Das Einzige, was sie besitzt, sind materialistische Dinge wie Fernsehen, Internet, Computerspiele.
Wir glauben, dass viele Kinder in solch einer Situation sind, sie bekommen zu wenig Aufmerksamkeit, die Eltern nehmen sich keine Zeit sich mit ihren Kindern zu beschäftigen. Deshalb können sie nicht zu starken, sozial denkenden Persönlichkeiten heranreifen, sie lernen viele Sachen einfach auf der Straße. Wir glauben, dass das nicht gut für die Gesellschaft ist.

Stephan:
Was hat euch dazu bewogen, ein ganzes Album dieser Thematik zu widmen?

Floor:
Wir hatten die Idee schon lange im Hinterkopf, dass unser drittes Album ein Konzeptalbum werden sollte. Irgendwann kam Sander (Gommans, gui. + voc. - d. Verf.) mit der Idee an dieses Thema zu nehmen. Er ist Lehrer an einer Oberschule und er sieht, dass die Kids diese Probleme haben. Dann haben wir nach möglichen Gründen dafür gesucht und uns mit der Problematik vertraut gemacht.

Stephan:
Versprichst du dir von "Invisible Circles" den richtigen Durchbruch für die Band auf internationaler Ebene?

Floor:
Ich weiß es nicht, aber ich hoffe es natürlich. Die Songs sind aber nicht sehr kommerziell, man kann sie nicht einfach so im Radio spielen. Von daher ist es natürlich schwierig, aber ich hoffe, dass die internationale Metalszene das Album mögen wird.

Stephan:
Findest du, dass eure Art von Musik in letzter Zeit an Popularität gewonnen hat und mittlerweile sogar nicht-Metal-Fans darauf abfahren?

Floor:
Ja, ich denke es kann eine Art Brücke zwischen Popmusik und dem Heavy Metal sein. Obwohl ich glaube, dass wir jetzt härter sind als jemals zuvor, gibt es viele Leute, die zwar AFTER FOREVER, aber sonst keinen Metal hören. Dadurch können sie vielleicht auch auf andere Metalbands aufmerksam werden.

Stephan:
Scherst du dich um Trends und ob eure Band im Fernsehen gezeigt wird oder nicht?

Floor:
Nun, ich denke schon, dass wir das Maximale aus der Band herausholen wollen. Aber wir wollen dabei wir selbst bleiben und werden niemals irgendwelche Zugeständnisse machen nur um eine größere Band zu werden und ins Fernsehen zu kommen. Wenn wir so, wie wir jetzt sind, im Fernsehen gezeigt werden würden, dann wäre ich natürlich sehr glücklich darüber.

Stephan:
Werdet ihr eigentlich oft mit euren Landsmännern (+ Frau) WITHIN TEMPTATION verglichen und wie siehst du die Sache?

Floor:
Ja, sehr oft. Ich denke, das ist auch ein bisschen verständlich, denn das Konzept der Bands ähnelt sich ein wenig mit den symphonischen, klassischen Elementen und der weiblichen Sängerin. Aber so wie ich das sehe, hören die Parallelen damit auch schon auf. Wenn man sich die Musik anhört und besonders Sharon (den Adel - d. Verf.) und mich, dann ist da schon ein großer Unterschied.

Stephan:
Was hältst du von Sangeskolleginnen wie Angela von ARCH ENEMY oder auch deine Landsfrau Rachel von SINISTER?

Floor:
Das mag ich sehr. (lacht) Und ich weiß absolut nicht, wie sie das machen. Ich habe Angela getroffen und wir stehen auch in Kontakt, aber ich weiß wirklich nicht, wie sie das so hinbekommt. Aber es gefällt mir sehr gut. (lacht)

Stephan:
Was ist so das Härteste und was das Softeste, das du dir privat anhörst?

Floor:
Hmm, das Härteste könnte ARCH ENEMY sein oder DIMMU BORGIR oder Sachen von DEVIN TOWNSEND. Brutaler Death Metal oder Black Metal ist nicht so mein Ding. DIMMU BORGIR sind zwar Black Metal, aber sie sind sehr melodisch, deshalb mag ich die Band.

Stephan:
Und was ist mit den softeren Klängen?

Floor:
Ich höre sehr gerne klassische Musik. Kennst du Alessandro Safina?

Stephan:
Leider nein.

Floor:
Er ist ein italienischer Opernsänger mit leichtem Pop-Einfluss. Außerdem mag ich STING und Musicals, wie z.B. "Das Phantom der Oper". Und ich mag die EURYTHMICS sehr gerne, Annie Lennox ist eine großartige Sängerin und Inspirationsquelle für mich.

Stephan:
Wie war die Headliner-Tour, die ihr nach "Exordium" gemacht habt?

Floor:
Oh, das war toll. Du meinst doch die Tour durch Frankreich und Spanien mit NIGHTMARE, DARK MOOR und AMARAN?

Stephan:
Ja, genau die.

Floor:
Das war vielleicht die beste Erfahrung meines Lebens. (lacht) Wir waren ja auch mit NIGHTWISH unterwegs, was sehr aufregend war, aber diese Tour war irgendwie noch besser. Die Publikumsreaktionen waren toll und wir haben uns mit den anderen drei Bands sehr gut verstanden, das war schon sehr cool.

Stephan:
Was hat es mit den "singing und performing lessons" auf sich, die du über eure Homepage anbietest?

Floor:
Ja, ich gebe diesen Kurs, den ich "Wanna Be A Star?" nenne. Das lief zuerst über meine Schule, ich habe ja an der Rock Academy studiert, und da habe ich diese Stunden gegeben, die bei den Leuten sehr gut ankamen. Nun mache ich das Ganze an einer Musikschule und ich plane, diese Kurse wie z.B. Gesangsstunden, Band Coaching und andere Workshops bei mir zu Hause zu geben. Ich denke, dass ich den Leuten einiges über das Singen und Performen im Bereich der Popmusik beibringen kann, vielleicht auch mit leichtem klassischen Einschlag wie bei mir selbst. Ich bin so gut wie fertig mit promovieren und hoffe, dass ich dann auch unterrichten kann.

Stephan:
Aber wie funktioniert das, wenn jemand aus Deutschland diese Stunden nehmen will?

Floor:
Das hängt natürlich davon ab, wo er oder sie wohnt, denn ich kann nicht nach Deutschland fahren. Aber wenn es nahe der Grenze ist, dann ist das schon möglich, denn ich wohne auch sehr nah an der Grenze. Ich wohne im Norden von Limburg, einer Provinz im Süden Hollands - das ist in der Nähe des Ruhrgebiets.
Also wenn derjenige dort wohnt und bereit ist, hierher zu fahren, dann würde ich auch sehr gerne deutsche Schüler unterrichten.

Stephan:
Ihr habt euch schon im Alter um die 19 Jahre herum einen Plattenvertrag angeln können. Wie seid ihr mit dem frühen Erfolg umgegangen und hat das nicht auch Probleme verursacht?

Floor:
Es war natürlich überwältigend, aber es war auch nicht so bedeutend, dass ich nicht damit hätte leben können. Es war einfach eine tolle Sache und das einzige Problem, das ich damit hatte, war, dass es schwierig mit der Schule zu vereinen war, denn ich studiere ja Musik. Aber sonst hatte ich nie irgendwelche Probleme damit, es ist einfach das Beste, das mir je passiert ist. (lacht)

Stephan:
Was steht als nächstes bei AFTER FOREVER an?

Floor:
Wir werden natürlich jetzt erstmal das neue Album "Invisible Circles" herausbringen. Dann stehen drei große Shows in Holland und eine in Belgien auf dem Programm. Das werden besondere Konzept-Shows sein, bei denen diese Konzeptstory auf der Bühne dargestellt wird. Es wird extra Elemente und eine besondere Lichtshow geben, außerdem sollen auch Projektoren zum Einsatz kommen. Wir wollen einfach diese Geschichte erzählen und es zu besonderen, exklusiven Shows machen.
Etwas später werden wir dann auch nach Deutschland kommen. Es ist so gut wie sicher, dass wir Ende April und Anfang Mai eine Tour durch viele deutsche Clubs machen werden. Die Sache ist fast bestätigt und wird in etwa zwei Wochen auf unserer Seite veröffentlicht werden. Außerdem spielen wir auf dem Wacken Open Air, dem Feuertanz Festival auf der Burg Abenberg und es sieht gut aus, dass wir auch auf dem Zillo Festival mit dabei sein werden.
Ich bin sehr froh, dass wir nach Deutschland kommen werden, denn das ist ein Traum, den wir schon seit "Prison Of Desire"-Zeiten haben. Also es sieht schon alles sehr gut für uns aus.

Stephan:
Vielen Dank für das Interview. Letzte Worte?

Floor:
Zunächst vielen Dank für eure Unterstützung. Es ist sehr schön, dass unsere Musik nun auch in Deutschland gut ankommt und ich hoffe, dass man sich auf einem unserer Konzerte trifft. CU in Germany!

Redakteur:
Stephan Voigtländer

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