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ANDRAS: Interview mit gesamte Band

26.04.2005 | 00:41

ANDRAS begannen Ende der 90er als typisch rumpelige Black-Metal-Kapelle und wurden dafür vielerorts nur belächelt. Inzwischen hat die Band aus dem Erzgebirge längst ihren Stil geändert und sollte spätestens mit dem ab dem 9. Mai erhältlichen Album "... Of Old Wisdom" viele neue Fans von epischem Pagan Metal für sich begeistern können. Deshalb schrieb Henri Kramer ein paar Fragen auf, die die komplette ANDRAS-Belegschaft bereitwillig beantwortete.

Henri:
Hallo ANDRAS-Team. Lange Rede, kurzer Sinn - habt ihr euch schon einmal überlegt eure Musik "True Ore Mountaining Pagan Metal" zu nennen, also noch mehr eure erzgebirgische Herkunft zu betonen?

Andras:
Hallo Henri. Wenn du das willst, nenn es so. Für uns ist es einfach Metal. Wir haben uns voll der Symbiose aus Textkonzept und musikalischer Umsetzung in Hinblick auf unsere Heimat verschrieben und sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Daher könnte man eigentlich eine neue Sparte eröffnen - andererseits gibt's davon schon genug...

Henri:
Ich frage deshalb, weil sich das Textkonzept eures aktuellen Albums "... Of Old Wisdom" um eure Heimat dreht - könnt ihr ein wenig über die Lyrics erzählen?

Andras:
Jedes Lied basiert textlich auf einer Sage aus dem Erzgebirge. Im Booklet wird zum besseren Verständnis immer eine deutsche Zusammenfassung der Sage und der Liedtext zu finden sein. Das Erzgebirge ist dafür bekannt, seit langen Zeiten die Ängste, den Aberglauben sowie die Alltagsbegebenheiten der Menschen in Form von Sagen zu vermischen und so zu überliefern. Dieses Textkonzept erscheint uns daher natürlich, da wir nicht wüssten, warum wir von entfernen Orten oder fiktiven Geschichten erzählen sollten, wo wir genug erzählenswertes Material direkt vor der Haustür haben. Dass wir uns dabei eher auf die mystischen und dunkleren Sagen beziehen, ist bei der Art der Musik nahe liegend.

Henri:
Wie würdet ihr denn eure Musik auf der aktuellen Scheibe generell beschreiben?

Andras:
Epic Pagan Metal trifft's wohl schon ganz gut. Es ist schwer ein so vielschichtiges Album einzuordnen. Sicher sind auch noch Anleihen aus der Black-Metal-Zeit vorhanden, aber allein durch den vielen Cleangesang und die Chöre haben wir uns in eine neue Richtung weiterentwickelt. Uns ist es wichtig, eine dem Konzept entsprechende Atmosphäre und Stimmung in den Liedern zu vermitteln. Dabei setzen wir weniger auf technische Frickeleien oder aufwendige Effekthascherei, sondern versuchen dies mit klassischen Mitteln wie Chören, geeigneten Harmonien usw. zu erreichen. Darauf haben wir beim Arrangieren der Songs im Studio viel Zeit investiert und versucht, diese Stimmung eher mit einfachen und direkten Mitteln zu erschaffen und unnötigen Ballast durch emotionale Tiefe zu ersetzen. Dabei kommen Blastbeatpassagen mit kaltem Gekeife genauso zum Einsatz wie akustische Passagen mit ruhigen Chören. Dies alles zu einer stimmigen Gesamterscheinung zu vereinen war die eigentliche Herausforderung. Ob es gelungen ist, muss jeder Hörer selbst entscheiden.

Henri:
Warum habt ihr den Titel "... Of Old Wisdom" gewählt?

Andras:
Für sich allein steht der Titel natürlich übergeordnet zu dem gesamten lyrischen Konzept. Sagen sind Teil alter Weisheiten unserer Heimat. Von daher ist "... Of Old Wisdom" passend. Für Insider und Fans, die uns die letzten Jahre schon begleitet haben, bedeutet der Titel aber auch noch die direkte Anknüpfung an das Demo von 2002. Es war die erste Aufnahme mit unserem neuen Sänger und für uns der Beginn einer neuen Phase der Band. Dieses Demo hieß "Legends?" und ist somit dem jetzigen Album auch vom Titel her vorangestellt.

Henri:
Wie waren bisher die Reaktionen auf die Platte?

Andras:
Dieses Interview ist zum Zeitpunkt des Schreibens eine der ersten offiziellen Reaktionen seitens der Medien. Daher können wir noch nichts weiter sagen, wie es von der Öffentlichkeit aufgenommen wird. Aus dem Umfeld von uns sind aber schon sehr positive Reaktionen zu vermerken. Sicher wird es auch einige Fans der ersten Alben geben, die mit unserem neuen Material nicht viel anfangen können, aber das müssen wir akzeptieren.

Henri:
In vielen Reviews wird immer wieder auf eure ersten beiden Scheiben angespielt, die damals nicht allzu gut in der Szene angekommen sind. Nervt das irgendwann, da ihr euch in eurem Stil ja schon deutlich weiterentwickelt habt?

Andras:
Es ist uninteressant, ob das nervt oder nicht. Es wird immer Leute geben, die auf die alten Alben anspielen und wahrscheinlich von vorn herein mit einer vorgefertigten Meinung an neue Sachen von uns gehen. Diese Leute können uns schlichtweg am Arsch lecken. Gegen ehrliche Kritik haben wir absolut nichts. Uns ist klar, dass auch einige von ANDRAS etwas anderes erwartet haben und mit der neuen Entwicklung nicht mitgehen wollen. Dagegen können wir nichts tun und akzeptieren das. Genauso sollten sich mit dem neuen Album neue Fans und Kritiker finden lassen. Entscheidend wird sein, ob sich Kritiker und interessierte Hörer auf das neue Material einlassen und Meinungen zu früheren ANDRAS-Alben hinten anstehen lassen können. Dass bis auf den Bandnamen nicht mehr viel an die Zeit der ersten Alben erinnert, zeigt sich auch daran, dass außer unserem Gitarristen Nightsky niemand mehr aus dieser Phase dabei ist.

Henri:
Herausragend auf "... Of Old Wisdom" ist die Stimme eures Sängers Ecthelion. Wie habt ihr ihn kennen gelernt? Seit wann ist er bei euch?

Andras:
Ecthelion ist im Sommer 2002 zu uns gestoßen. Er probte damals mit seiner anderen Band PERSECUTION im selben Haus wie wir. Er interessierte sich für unsere Musik und stieg kurzerhand in die Band ein. Bei seiner anderen Band spielt er neben dem Gesang noch Bass. Ihn reizte bei uns, dass er sich voll auf den Gesang konzentrieren konnte und wir ihm für seinen Gesang den nötigen Freiraum lassen. Es harmonierte einfach auf Anhieb und veränderte unsere Musik damit auf einen Schlag.

Henri:
Genau. Er singt ja noch bei anderen Bands wie etwa PERSECUTION oder seinem Soloprojekt ISENBURG - lässt sich diese Doppelbelastung aushalten? Ist er festes Bandmitglied oder nur aushilfsweise vertreten?

Andras:
Er ist festes Mitglied bei ANDRAS. Mit der Belastung scheint es auch zu gehen. Wir sind ja nicht die Band, die dreimal die Woche proben und jedes zweite Wochenende spielt. Die größere zeitliche Belastung entsteht für ihn, weil er die Alben, bei denen er mitwirkt, selbst in seinem kleinen Studio produziert. In dieser Phase ist für die anderen Bands natürlich nicht so viel Zeit.

Henri:
Viele Leser werden euch dennoch nicht kennen - was könnt ihr über die Geschichte eurer Band erzählen?

Andras:
Angefangen haben wir Ende der Neunziger mit Black Metal. Wir veröffentlichten einige Demos und Alben, die sehr kontrovers aufgenommen wurden. Von totalem Kult bis zu abartigen Krach war jede Meinung vertreten. Aus dieser Phase ist allerdings wie schon gesagt nur noch Nightsky mit dabei. Über die Jahre wurde unser Stil dann immer epischer und entfernte sich vom ursprünglichen Black Metal. Dazu kam der Einstieg von Adversarius und Verun, die ebenfalls ihre persönliche Note einbrachten. Als dann 2002 Ecthelion dazukam, entwickelte sich die Musik zu dem, was sie heute ist.

Henri:
Wie seid ihr auf den Bandnamen gekommen?

Andras:
Der Name wurde in einer Zeit gewählt, als wir uns noch viel mit Okkultismus beschäftigten. ANDRAS stammt aus dem Necronomicon und ist ein Dämon mit Rabenkopf, der auf einem Wolf reitet. Er trägt ein scharfes Schwert und sät Zwietracht. Das schien passend und so hat man sich darauf geeinigt.

Henri:
Ihr benutzt immer noch Synonyme - was bedeuten Namen wie Adversarius, Ecthelion oder Verun? Ist es nicht ein antiquiertes Klischee solche Titel zu verwenden?

Andras:
Das kann man sehen wie man will. Wir finden, sie schaden auch nicht. Es ist halt eine Huldigung unserer Black-Metal-Vergangenheit. Sicher hätte man sie mit dem neuen Stil der Band auch über Bord werfen können, aber sie verbinden und erinnern uns auch an unsere Wurzeln und nur weil wir uns musikalisch weiterentwickelt haben, heißt es ja noch lange nicht, dass wir diese verleugnen. Außerdem haben sie für die jeweilige Person eine tiefere Bedeutung.

Henri:
Da ihr euch ziemlich intensiv mit eurer Heimat beschäftigt: Wie würdet ihr die Beziehung zum Erzgebirge beschreiben - als echte Liebe zu diesem Landstrich?!

Andras:
Natürlich. Wir sind sehr verwurzelt hier und empfinden es als absolut natürlich, das zu zeigen und auszudrücken. Wir brauchen uns mit unserer Heimat nicht verstecken. Wir sind über unsere Abgeschiedenheit gar nicht mal unzufrieden, denn hier laufen manche Sachen vielleicht noch etwas anders als in überfüllten Ballungsräumen.

Henri:
Habt ihr Bedenken, dass ihr durch dieses Image in die rechtsextreme Ecke gestellt werdet?

Andras:
Nein. Auf dem Album sind keinerlei politische Aussagen. Wir nehmen uns lediglich unser Recht stolz auf unsere Heimat zu sein.

Henri:
Wie würdet ihr denn generell euer Denken beschreiben wollen? Welches Image wollt ihr mit ANDRAS transportieren - auch in religiöser Hinsicht?

Andras:
Die Zeiten, wo man glaubte, mit einem möglichst provokanten Image Leute überreden zu können, Platten zu kaufen, die sie erstens nicht wirklich brauchen und zweitens unter anderem Titel schon dutzendfach im Regal haben, gehören der Vergangenheit an. Jetzt zählt die Musik. Man kann nur hoffen, dass das bei der Öffentlichkeit ankommt. Dass wir keine Kirchengänger sind und auch keine Wachturm-Dauerabonenten sind, versteht sich dennoch.

Henri:
Ihr scheint inzwischen ziemlich von Bands wie BORKNAGAR oder VINTERSORG beeinflusst. Welche anderen Inspirationsquellen würdet ihr nennen?

Andras:
Wir hören recht viel verschiedenes Zeug. Jeder hat seine eigenen Vorlieben. Diese können auch mal stark voneinander abweichen. Hier Musik zu nennen, von denen wir als Band beeinflusst sind, ist daher kaum möglich.

Henri:
Eure Scheibe ist die erste CD, die auf dem Label "Perverted Taste" erscheint. Wie kam der Kontakt zustande?

Andras:
Nachdem wir das Album fast fertig produziert hatten, verschickten wir eine Vorabpromo an diverse Labels. Erfreulicherweise hatten nach kürzester Zeit mehrere Labels Interesse bekundet. Wir entschieden uns dann für Perverted Taste, weil es uns als bestes Angebot erschien und wir zuversichtlich sind, dass die Zusammenarbeit mit Perverted Taste zu beiderseitigen Nutzen sein wird. Also die klassische Geschichte, wie eine Band zu einem Label kommt - sorry, dass wir keine bessere Story diesbezüglich auffahren können.

Henri:
Früher wart ihr ja bei "Last Episode", dann haben die Label öfters gewechselt oder ihr hattet keinen Vertrag. Denkt ihr, dass ihr mit dem neuen Label endlich eine stabile Basis für euer Schaffen gefunden habt?

Andras:
Das hoffen wir natürlich. Um mit einer Band ab einem bestimmten Punkt weiter zukommen, braucht man ein geeignetes Label, was hinter der Musik steht. Mit Perverted Taste hoffen wir, das gefunden zu haben. Wir für unsere Seite sehen die Entwicklung von ANDRAS für die Zukunft positiv. Wir haben schon wieder einiges an neuem Material, was wieder sehr viel versprechend scheint und den Stil weiterverfolgt. Von daher ist noch einiges zu erwarten.

Henri:
Ihr kommt ja aus dem Erzgebirge, das in den 90ern durch Bands wie DUNKELGRAFEN oder EMINENZ schon eine ziemlich starke Black-Metal-Szene hatte. Wie sieht es denn inzwischen aus?

Andras:
Die genannten Bands existieren zusammen mit einigen anderen natürlich noch und haben sich ebenfalls weiterentwickelt. Mit den Bands verbindet uns wie früher eine sehr freundschaftliche Beziehung. Viele Bands sind auch durch die mitspielenden Musiker untereinander verbunden, so dass dieses Netzwerk nach wie vor funktioniert. In dieser Beziehung scheint sich also nichts geändert zu haben, außer das wir irgendwie älter und dicker geworden sind.

Henri:
Wann können eure Fans euch live erleben? Ist eine Tour geplant?

Andras:
Wir sind jetzt dabei uns live-fit zu machen. Das heißt, wir arbeiten einen zweiten Gitarristen ein und die Gesangspassagen werden versucht live-fähig zu machen. Wir wollen live natürlich so nah wie möglich an die CD kommen. Da Ecthelion im Studio alles allein eingesungen hat und er live schlecht achtstimmig singen kann, werden wir versuchen, die Background-Stimmen aufzuteilen. Wenn wir mit dem Ergebnis der Proben zufrieden sind, werden wir natürlich live spielen. Wir werden allerdings nie die Band sein, die jedes zweite Wochenende auftritt, aber ausgewählte Gigs wird es auf jeden Fall geben, in unserer Umgebung und sicher auch weiter weg.

Henri:
Welche Ziele für 2005 habt ihr euch ansonsten gesetzt?

Andras:
Überleben!

Henri:
Die letzten Worte gehören euch...

Andras:
Dank an Henri und alle interessierten Leser. Wenn ihr auf ehrliche Musik steht, dann hört in das Album rein. Hail und "Glück Auf" aus dem Erzgebirge!

Fotokollage: Steffen Thiele

Redakteur:
Henri Kramer

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