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ASPHYX: Interview mit Martin Van Drunen

20.06.2009 | 18:08

Mit "Death...The Brutal Way" melden sich ASPHYX, fraglos eine der wichtigsten europäischen Death-Metal-Bands überhaupt, mit einem neuen Studioalbum zurück.

Auch wenn die Auswahl an sich keineswegs gering ist, so wird der Death Metaller mit Hang zur "Historie" des Genres dennoch in erster Linie eine Band nennen, wenn er nach seinen Favoriten aus den Niederlanden gefragt wird. Ganz klar, die Rede ist von ASPHYX, jener legendären Truppe die uns in der Frühzeit des Genres essenzielle Glanztaten wie "The Rack" (1991) oder "The Last One On Earth" (1992) zu offerieren hatte. Tourneen zusammen mit nicht minder klangvollen Namen wie BOLT THROWER oder ENTOMBED waren die Folge und bis zum Ausstieg ihres Sängers Martin van Drunen Mitte der 90er Jahre standen die Zeichen für die Truppe auf Sieg. Zwar waren ASPHYX auch danach noch aktiv, doch der damalige Zeitgeist forderte auch in diesem Fall sein Opfer und so kam es, dass die Band  - nach einem kurzen, aber mehr als nur imposanten Intermezzo unter dem Banner SOULBURN und einem kurzlebigen Neubeginn im Jahr 2000 - mehr oder weniger zu Grabe getragen wurde. Erst neun lange Jahre später darf die Fanbase erneut über das brandaktuelle Studioalbum "Death...The Brutal Way" jubilieren, weshalb Meister van Drunen Rede und Antwort stehen musste, um uns über den Verlauf der Geschichte und aktuelle Geschehnisse zu berichten.


Walter:
Ehrlich gesagt hätte ich nicht einmal mehr Traum daran gedacht, jemals wieder ein ASPHYX-Album zu Gehör zu bekommen, doch seit dem Jahr 2007 schien es euch gewaltig unter den Nägel gebrannt zu haben, doch wieder gemeinsame Sache zu machen. Was war im Endeffekt der Grund für das Comeback?

Martin:
Schon einige Jahre zuvor hatten uns die Macher des "Party.San"-Festivals zum ersten Mal mit der Frage nach der Möglichkeit zu einer Reunion-Show bei ihrem Festival konfrontiert. Ganz ehrlich, zu Beginn waren wir ein wenig skeptisch, da sich Eric (Daniels, Gitarre) unter keinen Umständen dazu durchringen konnte, sich so etwas nochmals anzutun. Im Endeffekt blockierten wir mehrere Jahre lang sämtliche Anfragen mit der Begründung, nicht den geeigneten Gitarristen zu haben und waren davon überzeugt, dass es ohne Eric einfach keinen Sinn machen würde. Die Jungs vom "Party.San" haben aber keineswegs locker gelassen und immer wieder nachgehakt. Zu meiner Überraschung hat sich im Endeffekt HAIL OF BULLETS-Gitarrist Paul Baayens als eingefleischter Fan der Band entpuppt und sich quasi förmlich aufgedrängt als ich eine erneute Anfrage zur Sprache brachte. Danach brauchten wir ehrlich gesagt gar nicht lange nachzudenken, denn schon bei den ersten Proben entpuppte sich Paul in der Tat als würdiger Ersatz. Deshalb willigten wir auch - im Endeffekt wohl sehr zur Überraschung für die Jungs vom "Party.San" - für 2007 doch ein und spielten die erste ASPHYX-Show seit langer Zeit.

Walter:
Diese ist - Augenzeugen zur Folge - phantastisch gewesen, wie war es denn für euch?

Martin:

Genau so. Im Nachhinein betrachtet haben wir es den Macher dieses Festivals zu verdanken, dass 2009 überhaupt noch Nachfrage nach ASPHYX besteht. Zu unserer Überraschung konnten wir aber dabei nicht nur "Zeitgenossen" von früher erneut beeindrucken, sondern auch unzählige, wesentliche jüngere Fans für uns gewinnen. Die Show wurde übrigens mitgefilmt und liegt unserem neuen Album als DVD in der "Limited Edition" bei.

Walter:
Sensationelle Idee und meiner Meinung nach auch geschäftstechnisch überaus korrekt. Das Echo auf besagten Gig war offenbar überaus gewaltig und brachte zunächst unzählige weitere Angebote für Shows ein.

Martin:
Genau. Danach durften wie beim "Rock Hard"-Festival ebenso auftreten, wie auch in unserer Heimat beim "Arnheim Metal Meeting". Beide Konzerte waren von der Stimmung her sensationell und haben uns immensen Auftrieb gegeben.

Walter:
Danach habt ihr dann offenbar Lunte gerochen und euch dazu entschlossen, euch an die Arbeit für weiteres Studiomaterial zu machen.

Martin:
Gerade die Resonanz des deutschen Publikums hat uns regelrecht beflügelt, vor allem weil wir mitbekommen haben, dass unsere Musik in ihrer gesamten Bandbreite, als vom doch recht hurtigen Death Metal bis hin zu den Doom-lastigen Walzen überaus gut aufgenommen wurde und live mächtig zur Wirkung kommen konnte. Danach fassten wir den Entschluss unseren Fans irgendwann auch wieder neue Songs zu schenken, haha.

Walter:
Vielen Dank dafür. Ist es denn nicht schwierig für euch als Musiker zielorientiert und konzertiert Songs für eine bestimmte Band zu schreiben? Immerhin sind Paul und du ja auch bei HAIL OF BULLETS aktiv und Paul, euer Gitarrist, hat mit THANATOS sogar noch ein weiteres Eisen im Feuer. 

Martin: 
Es mag für Außenstehende schwer vorstellbar sein, aber es hat bislang noch keinerlei Probleme damit oder deshalb gegeben. Bei mir ist die Sache so, dass ich versucht bin, Prioritäten immer eher kurzfristig zu setzen. Sollte mir jemand unterstellen, dass ASPHYX auf dem neuen Album womöglich nach HAIL OF BULLETS klingen würden, muss ich ihm leider mitteilen, da etwas nicht ganz verstanden zu haben, denn ich bin immerzu versucht - trotz aller Querverbindungen - eine scharfe Grenze zu ziehen, was mir meiner Meinung nach auch gelungen ist. Es kommt schon zeitmäßig gar nicht vor, diesbezüglich in die Enge zu geraten, da ich an ASPHYX-Tracks nur dann arbeite, wenn ich die anderen "Baustellen" auf Ruheposition gestellt habe. Bei Paul ist das wahrscheinlich noch ein wenig schwieriger, wobei zumindest ich sofort in der Lage dazu bin, eine Songidee von ihm "zuzuordnen" und was THANATOS betrifft, die klingen ja wohl doch mehr als nur deutlich unterschiedlich. Nicht zuletzt deshalb ist er auch noch nie mit etwaigen Riffs oder Melodien dafür bei ASPHYX angetanzt.

Walter:
Eine Parallele kann ich aber sehr wohl feststellen. Die Texte. Sowohl bei HAIL OF BULLETS, wie auch auf "Justified Genocide", dem aktuellen Dreher von THANATOS, bekommen wir Kriegsberichterstattung im Death-Metal-Gewand geboten und auch bei ASPHYX gab und gibt es schon immer derlei Ansätze in den Texten.

Martin:
Da hast du schon recht, aber auch diesbezüglich gibt es thematisch keine Überschneidungen, sondern bloß denselben thematischen Hintergrund. Es ist eben schon seit vielen Jahren so, dass mich dieses Thema sehr interessiert und ich habe in meinem Leben auch schon unzählige Bücher darüber regelrecht verschlungen. Eines möchte ich jedoch in diesem Zusammenhang noch einem klar und deutlich festhalten: Mir persönlich geht mir immerzu lediglich um die wertfreie Darstellung von historischen Fakten, ich habe mit politischen Aspekten und Ansätzen nichts am Hut! Derlei Themenkreise und Death Metal passen für mein Dafürhalten einfach perfekt zueinander, deshalb gehen auch bei ASPHYX einige Texte in diese Richtung. 

Walter:
Wie siehst du denn "Death...The Brutal Way" in seiner Gesamtheit im Vergleich zu früheren Alben?

Martin:
Der Titel war schon seit geraumer Zeit fixiert und auch unsere, mittlerweile allerdings auch schon wieder vergriffene Singleausgabe des Titletracks, die im letzten Jahr von Iron Pegasus aufgelegt worden war, war so betitelt. Nach all den Jahren unserer Absenz wollten wir schon alleine damit ein eindeutiges Zeichen setzen um sicherzustellen, was den Zuhörer erwartet. Für mich stellt das Album die Fortsetzung jener Form von ASPHYX dar, in der sich die Truppe befand, bevor ich damals die Band verlassen hatte. In meinen Augen bekommt man auf "Death...The Brutal Way" die Essenz der Band zu hören. Für mich haben ASPHYX erneut den Esprit, den die Band versprühte, als sie in den frühen 90er Jahren aktiv war. Wir klingen so, wie ich mich Death Metal vorstelle. Genau so muss diese Musik klingen, ASPHYX stehen für einfach für "Old School"-Death Metal und sonst nix! Allerdings sehe ich das Album sehr wohl auf dem soundtechnischen Stand von 2009.

Walter:
Gutes Stichwort: Mit Frank Klein Douwel habt ihr euch für einen Vertrauten als Produzenten entscheiden. Weshalb?

Martin:
Das Sprichwort "Never change a winning team" drückt die Zusammenarbeit mit Frank wohl am deutlichsten aus. Er kennt uns, wir ihn und alle Beteiligten wussten, was es zu tun gab und hatten ein klares Ziel vor Augen. Was um alles auf der Welt hätte uns also dazu bewegen sollen, ein "Experiment" zu wagen?

Walter:
Verstanden, und aus demselben Grund nehme ich einmal an, wurde Dan Swanö für den Mix und das Mastering verpflichtet?

Martin:
Exakt. Allerdings musste Dan, der ja auch schon seit Jahren ein Bekannter der Band ist, auch erst gar nicht lange gebeten werden. 

Walter:
Wodurch abermals bestätigt ist, dass es in dieser Szene doch noch so etwas wie "Zusammenhalt" gibt. 

Martin: 
Das ist mit Sicherheit so. Wir pflegen ein überaus freundschaftliches Verhältnis mit nahezu sämtlichen Bands, die in etwa zur selben Zeit wie ASPHYX gestartet sind und nach wie vor aktiv sind. Man freut sich über mehr oder weniger zufällige Begegnungen, nimmt das eine oder andere Bierchen zu sich und hilft sich selbstredend auch aus, wenn nötig. Ich kann mich nicht darüber beklagen, dass sich daran im Laufe der Jahre etwas geändert hätte.

Walter:
Diese Treffen werden wohl zum Teil im Rahmen von etwaigen Konzerten oder Festivals stattfinden. Wo bekommt man denn nicht nur als "Wettbewerber", sondern auch als auch als Zuseher die Möglichkeit euch in Bälde live zu treffen?

Martin:
Da wir es uns im Moment nicht wirklich einrichten können, längerer Zeit von zuhause absent zu sein, beschränkt sich unsere Live-Aktivität momentan eher auf Wochenend-Gigs und Festivals. Mit Sicherheit gastieren wir demnächst auf dem "With Full Force"-Festival in Deutschland, wo ich ganz bestimmt wieder jede Menge Bekannte und Freunde antreffen werde. Ansonsten sind für die kommenden Monate aber auch noch einige weitere Deutschland-Gigs bestätigt. Darüber hinaus sind zudem auch noch Festival-Auftritte in Finnland, Italien und Tschechien fixiert. Was sich im Zuge der Veröffentlichung von "Death..The Brutal Way" und danach noch ergeben könnte, vermag ich aber noch nicht vorherzusehen. Da die meisten Bandmitglieder Familie und Kinder haben, darf aber niemand ASPHYX auf einer umfassenden, mehrmonatigen Welt-Tournee erwarten, sehr wohl aber spielen wir dort, wo immer man uns für einen Gig verpflichtet um "Death..The Brutal Way" vorzustellen und selbstverständlich auch einen Auszug aus unserem Backkatalog zu präsentieren.


Also erst einmal abwarten, wann und wo wir wieder einmal in den Genuss einer ASPHYX-Show kommen dürfen, bis dahin kann man zumindest die Nackenmuskulatur mit Hilfe von "Death...The Brutal Way" in Form bringen!

Redakteur:
Walter Scheurer

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