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AUDREY HORNE: Interview mit Toschie

23.09.2014 | 19:39

Mit "Pure Heavy" geht AUDREY HORNE einen Schritt weiter in Richtung Classic Rock, der vor allem Gute Laune transportiert. Sänger Toschie erklärt uns, warum das so ist.

Es war schon eine kleine Überraschung als nach nur 20 Monaten ein neues AUDREY HORNE-Werk angekündigt wurde, nachdem die Norweger bisher immer rund drei Jahre für ein Album gebraucht haben. "Haha, hätte es nicht ein paar Verzögerungen gegeben, hätten wir es sogar noch etwas früher geschafft.", eröffnet Toschie das Gespräch. "Ich denke, dies hat eine Menge damit zu tun, wie wir das Album aufgenommen haben. Auf den letzten Alben haben Ice Dale (Arve Isdal, gt. - PK), Thomas (Tofthagen, gt. - PK) und ich seperat an Songs geschrieben und irgendwie ging mir dabei ein bisschen das Bandfeeling verloren. Ich habe gesagt, dass ich finde, dass wir wieder mehr zusammen schreiben und proben sollten und die anderen haben das auch alle so gesehen. Und als wir dann damit anfingen, hat sich das angefühlt wie in unseren Anfangstagen. Das mag jetzt etwas cheesy klingen, aber so war es wirklich. Es hat einfach einen echten Schub an Kreativität, aber auch an Spaß ausgelöst, den ich mir so hätte gar nicht vorstellen können. Als wir mit den Aufnahmen fertig waren, haben sich Ice Dale, Thomas und ich noch mal im Studio auf ein Bier getroffen, um das Album in Ruhe zu hören. Als die letzte Note dann verklang, sprang Thomas auf und schrie "Lass uns noch eins machen!".", beschreibt Toschie die außergewöhnliche Stimmung in der Band. "Ich konnte ihn dann gerade noch so bremsen, aber tatsächlich haben wir schon wieder angefangen an neuen Ideen zu arbeiten. Im Grunde war es auch logisch, diesen Schritt zu gehen. Wir sind ja nicht nur eine Band, wir sind ja darüber hinaus auch echte Freunde. Wir hängen auch zusammen rum, wenn wir nicht auf Tour sind, gehen mal ein Bier trinken oder jemand lädt zum gemeinsamen Essen ein. Wir erzählen uns dumme Witze und reden über die ernsten Dinge des Lebens. Diesen Spaß, den wir zusammen im Leben haben, sollten wir natürlich auch in der Band haben."


Genau diesen Spaß hört man "Pure Heavy" auch zu jeder Sekunde an. Die Melancholie, die vor allem auf den ersten drei Alben immer latent mitschwang, ist heute verschwunden. "Ja, das hat natürlich damit zu tun, wie wir geschrieben haben, aber auch ein Stück weit damit, dass wir doch alle älter und damit etwas gelassener geworden sind. Früher haben wir schwere Themen mit uns herum getragen oder zumindest geglaubt, dies zu tun. Heute ist das bei uns nicht mehr so." Entsprechend sind auch die Texte nicht mehr ganz so bedeutungsschwanger. "Genau. Das hätte ja auch nicht zueinander gepasst. Auch AC/DC macht ja keine sozialkritischen Texte. Von daher ist eine Nummer wie 'Waiting For The Night' natürlich nicht besonders tiefgründig, aber er macht eben genau so viel Spaß wie der Song." Exakt. Zudem bedeutet dies ja nicht, dass Toschie nichts mehr zu sagen hat. So handelt 'Wolf In My Heart' beispielsweise von der Ruhelosigkeit, die ein Künstler verspürt, wenn er von einer Tour wiederkommt und erst einmal wieder im normalen Leben ankommen muss, wie Toschie erklärt: "Ich fand das eine sehr passende Metapher. Und es ist auch gar nicht so, dass ich zu dem Zeitpunkt das Leben auf Tour vermisse und versichere meiner Frau auch, dass ich nirgends lieber wäre als zu Hause. Dennoch ist es einfach eine Umstellung, für die ich ein paar Tage brauche und die man mir eben auch anmerkt. Und ich weiß von vielen Kollegen, dass es ihnen sehr ähnlich geht."

Auch der simpel-plakative Albumtitel ist natürlich in erster Linie einem Spaß zu verdanken, bringt aber das Album gut auf den Punkt. "Heute ist ja immer alles "Metal", aber als wir hier in Norwegen groß geworden sind, haben wir immer darüber gesprochen, wie "Heavy" doch ein Album, ein Song, ein Musiker war. Bei uns in der Gegend, auch bei Jungs von ENSLAVED oder SAHG (wo ein Teil der Band aktiv ist - PK) ist das so. Und als wir das Album aufnahmen, fiel das Wort "Heavy" gefühlt jeden Tag Hundert Mal, so dass wir irgendwann meinten, dass das Album ja "Heavy" heißen müsste. Und alle meinten nur "aha, soso, ja, ja" und es wurde nie so richtig ernst genommen, weil wir ja nur Witze gemacht haben. Aber wenn man einen Witz nur oft genug macht, dann bleibt der irgendwann haften und setzt sich so in deinem Kopf fest, dass du diesen Gedanken einfach nicht mehr loswirst. Irgendwann haben wir dann festgestellt, dass das Album ja nicht nur "Heavy" ist, sondern eben "Pure Heavy" und auch den Albumtitel hat erst niemand ernst genommen, aber wir haben das dann tatsächlich absolut ernst gemeint und so ist es nun gekommen." erzählt Toschie.

Bei all dem Spaß mag dem ein oder anderen Fan die Ernsthaftigkeit verloren gehen. "Ja, es scheint da immer die zwei Gruppen zu geben. Die Entertainer und die seriösen Künstler. Aber ich sehe das nicht so. Natürlich wollen wir mit AUDREY HORNE Spaß haben, eine gute Show abliefern und den Zuhörer unterhalten. Aber das bedeutet doch nicht, dass ich nicht ein ernsthafter Künstler bin. Wir nehmen unsere Musik sehr ernst, proben regelmäßig und wollen immer das bestmögliche Produkt abliefern. Es wäre doch traurig, wenn man nicht Spaß haben und dennoch ernsthaft seiner Leidenschaft nachgehen könnte.", stellt Toschie nachvollziehbar fest.

Diesen Spaß werden die Fans auch wieder bei den Headlinershows im November/Dezember diesen Jahres haben. Und wer die limitierte Box gekauft hat, wird dann sicher mit Autogrammkarte auftauchen, um diese signieren zu lassen. "Ja, wir haben in die Box nicht unterschriebene Autogrammkarten gepackt, weil wir die Fans, die sich diese Edition kaufen, auch gerne treffen würden, um mit ihnen ein bisschen zu quatschen und ihre Meinung zu hören. Dabei können wir dann gerne die Karte unterschreiben, aber so ist das doch viel persönlicher als einfach eine unterschriebene Autogrammkarte da hinein zu packen. Wer die Box kauft, kommt doch mit hoher Wahrscheinlichkeit eh zu einem Konzert und wir sind ja sowieso da.", lacht Toschie.

Das solltet ihr unbedingt auch sein, denn es gibt derzeit nicht viele Bands, die AUDREY HORNE live das Wasser reichen können.

Redakteur:
Peter Kubaschk

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