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AVANTASIA: Interview mit Tobias Sammet

13.02.2013 | 11:44

Ein Gespräch über den Karneval, Haltungsnoten für Babys und langweilige Hobbys.

Nils: Guten morgen, danke für deinen Anruf!

Tobias: Guten morgen und danke, dass du rangegangen bist! Oder vielmehr: danke, dass du dich dafür interessiert, was ich zu erzählen habe. Ich hoffe doch, dass dabei ein paar interessante Dinge rauskommen.

Hast du den Karneval gut überstanden?

Mal ehrlich, ich bin so ein Karnevals-Muffel, ich finde das ganz furchtbar. Ich hasse es wie die Pest! Das kommt direkt nach Weltkrieg! Das liegt aber wohl auch daran, dass man als Musiker hauptberuflich immer Spaß hat und dieses Ventil zum Durchdrehen privat eigentlich nicht mehr braucht. Und natürlich wird man auch älter, und reifer, und findet das alles total albern. Auch Alkohol und so, das braucht man alles nicht mehr!

Dann quatschen wir doch über AVANTASIA. Seit 2011 ist viel passiert, damals hieß es, das Konzert auf dem Wacken Open Air sei das letzte und neue Alben stehen auch nicht an. Erklär uns doch mal, was dich bewogen hat, wieder ein AVANTASIA-Album aufzunehmen.

Das lief sehr intuitiv ab. Als ich es damals gesagt habe, dass ich mit AVANTASIA aufhöre, war das für mich ein unumstößlicher Fakt! Ich habe das wirklich selbst geglaubt. Es gab ja auch kein Produkt zu verkaufen, in dem Sinne "das ist meine letzte Tour, jetzt kommt nochmal alle". Ich habe zwar auch vor der Tour schon gesagt, dass es sehr schwierig ist, sowas zusammenzustellen und ich mich deswegen auch nicht mehr darauf konzentrieren möchte. In Wacken habe ich dann schlussendlich auf der Bühne gesagt: Jetzt ist Feierabend! Genießt es, wir genießen es auch und dann ist Ende. Mir war das immer bewusst und es liegt ja auch auf der Hand: Rein logistisch ist es eine Herausforderung, alle Leute auf einen Nenner zu bringen. Immerhin zwölf Musiker oder mehr, also zwölf Musiker und ein Schlagzeuger, die noch andere Baustellen und Bands haben. Die haben natürlich Bock auf AVANTASIA, aber eben auch andere Prioritäten. Danach wollte ich mich auf EDGUY konzentrieren und das war für meinen Kopf auch ganz gut so. Die EDGUY-Platte war fertig, ist meiner Meinung nach ne sehr geile Platte geworden und ich hatte halt alles Pulver verschossen. Aber die Batterien laden sich wieder auf und man merkt, wie entspannend es ist, für sich alleine im Keller Musik zu machen. Nach ein paar Wochen hat sich das für mich einfach nach AVANTASIA angefühlt, das war ultra entspannt, weil keiner davon ausging, dass da ein Album kommt. Bei EDGUY ist klar, es geht ins Studio und wir werden das Studio erst verlassen, wenn wir ein geiles Album am Start haben. Das macht mit den Leuten natürlich Spaß, aber der Druck ist groß. Wenn du aber an etwas arbeitest, was es gar nicht gibt, dann kann da gar keine Routine reinkommen und es gibt keine Erwartungshaltung. Wo andere Menschen Golf spielen gehen oder irgendwelche blöden Hobbys haben, habe ich AVANTASIA als mein Ausgleich, mein Ventil.

Schön, wenn jemand aus so einer Intention heraus Musik macht!

Ja, so war es tatsächlich. Die Platte war also am Werden und man unterhält sich mit den beteiligten Musikern, bis dann plötzlich die Frage kommt: ja wann touren wir denn eigentlich? Michi Kiske, mit dem ich seit der letzten Tour richtig gut befreundet bin, meinte dann auch: "Mit UNISONIC machen wir ja 2013 nichts, ich hätte Zeit, von mir aus können wir auch mehr Shows spielen!" Und so kamen dann die Leute auf mich zu und ich dachte mir, wollen wir nochmal ein Tänzchen wagen.

Anscheinend hat das wunderbar geklappt.

Ja, es werden auch immer mehr Shows. Wir spielen 30 Shows, das ist mehr als doppelt so viel wie beim letzten Mal. Aber ich muss wieder sagen: Die Konstellation war einfach gut. Auch wenn das pathetisch klingt, aber die Sterne standen gut. Deswegen glaube ich auch nicht, dass es dieses Line-up noch einmal geben wird. Die Wahrscheinlichkeit ist so gering, dass man immer die gleichen Leute findet, die den ganzen Sommer über Zeit haben. Jorn zum Beispiel ist dieses Mal auch nicht dabei, weil er eigene Verpflichtungen hat. Ist natürlich schade, aber dann muss es eben jemand anders machen.

Bisher haben Bob Catley und Eric Martin öffentlich zugesagt. Wer wird auf der Tour noch dabei sein?

Michi Kiske wird dabei sein, natürlich Amanda Sommerville, Oli Hartmann, Sascha Paeth, Felix Bohnke, Miro. Der Bassist wird ein unbekannter Bassist sein, da unser letzter Bassist nicht kann. Und es wird noch ein Sänger dabei sein, aber ob ich das jetzt schon sagen darf ...naja ich sag's mal lieber nicht. Es ist jedenfalls jemand, der noch nicht bei AVANTASIA auf der Bühne stand (und dessen Namen Tobi trotzdem verriet, ich ihn an dieser Stelle aber noch nicht schrieben darf - NM).

Das klingt nach einem richtig netten Line-up!

Ich denke auch, da kann man nicht meckern. Auf jeden Fall werden wir AVANTASIA 3.0 bieten können. Die Leute, die zu den Shows kommen, werden es ganz sicher nicht ein zweites Mal so sehen. Das ist zwar ein Fluch für diejenigen, die es total geil finden und genau das Gleiche in fünf Jahren wieder sehen möchten, aber es ist auch ein Segen, weil es dadurch immer spannend bleibt. Auch für mich stellt sich immer die Herausforderung, wie das Ganze wohl funktionieren wird. Es sind immerhin drei Leute dabei, die noch nie mit AVANTASIA auf Tour waren.

Wie lange müsst ihr dafür proben?

Ich denke mal so ungefähr drei Wochen. Zumindest sind das in etwa die Erfahrungswerte. Bei der ersten Tour - da haben wir aber auch nur eineinhalb Stunden gespielt - war das Material so drin, dass die Musiker, bzw. die Instrumentalisten es nach acht, neun Tagen leid waren. Nach der ersten Show habe ich mir zwar gedacht, es hätten ruhig noch zwei, drei Tage sein können, aber es war dann schon o.k. Die Routine, die ich vorhin verfluchte habe, braucht man an dieser Stelle eben doch.

Kommen wir wieder zum Album an sich zurück. Ich konnte noch keine Songtexte lesen, worum geht es auf "The Mystery Of Time" überhaupt?

Es geht um einen agnostischen Wissenschaftler, der merkt, dass um ihn herum allen Leuten die Zeit davonzulaufen scheint. Und er hat das Gefühl, dass das nicht durch Zufall passiert, sondern dass da ein System dahintersteckt. Dass irgendetwas danach trachtet, den Leuten die Zeit schneller zu drehen. Damit die Menschen - wie sich im Laufe der Geschichte herausstellt - davon weggebracht werden sollen, Zeit für Muße zu haben oder sich den wichtigen Fragen an das Leben zu widmen. Also sich damit auseinanderzusetzen, wer und warum sie sind. An dem Punkt fängt eigentlich eine kleine Kriminalgeschichte an. Es gibt also eine komplette Geschichte, die der Story zugrunde liegt und die ich im Booklet versuche zu umschreiben.

Aber die Story wird dem Hörer nicht haarklein vorgekaut. Das passiert oft bei den klassischen alten Opern, und dadurch wird es sehr schnell plakativ. Wenn du bei einer 60-Minuten-Platte jeden Handlungsstrang bis ins Detail in den Lyrics beschreiben möchtest, wird das nicht nur albern, sondern du bist noch nicht einmal mit der Einleitung in die Geschichte fertig, wenn die Platte durch ist. Aber um wieder zurück auf die Geschichte an sich zu kommen: Diesem agnostischen Wissenschaftler wird immer wieder der Standpunkt entgegengebracht, dass er die Nichtexistenz eines göttlichen Wesens ausschließen muss, was ihn ja nicht mehr zum Agnostiker im eigentlichen Sinn macht. Und da beginnt dann diese Fantasy-Kriminalgeschichte, in der er sich so zwischen den Mühlen seiner ursprünglichen Überzeugung als Naturwissenschaftler und spirituellen Erfahrungen sieht. Sein Wesen und sein Charakter reifen in der Geschichte auf spirituelle Art und Weise. Er sieht sich schließlich mit einer Loge von okkultistischen Wissenschaftlern konfrontiert, was ziemlich spannend wird. Die Geschichte ist allerdings nicht mit dem Ende des Albums abgeschlossen.

Das wäre meine nächste Frage gewesen.

Ja (lacht), das ging nicht. Ich weiß selbst nicht gar nicht so genau, wie es ausgehen wird. Eigentlich ist der Weg dabei das Ziel. Ich habe versucht, eine Geschichte zu schreiben, die schöne Bilder liefert, schöne Stimmungen, worin jemand sich verlieren und träumen kann, aber trotzdem die Grundlage zu liefern, um meine spirituellen Fragen und Gedanken und sehr viel Persönliches in die Songs reinzupacken. Der Hörer soll durchaus angeregt werden, sich Fragen zu stellen, die vielleicht für jeden Einzelnen auch Antworten liefern. Und dafür wollte ich die Basis schaffen. Es geht mir also nicht nur darum, eine Geschichte zu erzählen oder den Leuten mein Weltbild aufs Auge zu drücken, sondern der Hörer soll gerne etwas mitnehmen daraus. Das war eigentlich mein Hauptziel.

Was nach meiner Meinung sehr gut gelungen ist. Ich weiß nicht, ob du mein Review schon gelesen hast?

Ja, ich durfte es ja wahrscheinlich noch gar nicht haben (lacht), aber es wurde mir gestern zugeschickt. Ich habe mich sehr gefreut! Dankeschön!

Und ich bin AVANTASIA-Fan, es ist jetzt nicht so, dass ich AVANTASIA zum ersten Mal gehört hätte. Ich denke, es wird vielen Fans ähnlich wie mir gehen, und sie werden viele Qualitäten und Tugenden von AVANTASIA in "The Mystery Of Time" kombiniert sehen. Zum Glück spielst du kein Golf!

Ich glaube ja, dass wenn man aus diesen Motiven heraus Musik macht, dann ist es immer das Beste. Es gibt zwar immer Leute, die es einem nicht gönnen und einem vorwerfen, dass man nur Kohle scheffeln will. Wie will man auch den Gegenbeweis antreten? Ein Arzt rettet auch Leben aus kommerziellen Gründen. Ich habe die Theorie und sehe mich immer wieder darin bestätigt, dass wenn man Dinge aus den richtigen Beweggründen macht - die nicht rein materieller Natur sind - und sich mehr über das Resultat freut, was man dann im CD-Player liegen hat, dann kommt wahrscheinlich der Erfolg auch automatisch. Das ist so meine altmodische Überzeugung.

Du hast gerade gesagt, dass die Geschichte noch nicht abgeschlossen ist. Wird es ein Nachfolgealbum geben?

Es wird einen Nachfolger dafür geben! Ich weiß noch nicht wann, aber ich habe schon ein paar Song-Ideen. Ich will das Material jetzt erstmal zur Seite legen, denn gegen Ende der Produktion schleicht sich dann immer das ein, was ich am Musik machen so hasse: Stress. In den letzten Wochen oder Monaten, wenn die Plattenfirma weiß, dass da was kommt und es einen Veröffentlichungstermin gibt, wird es immer unentspannt. Im Herbst werden wir uns erstmal daran setzen, in aller Ruhe an einem neuen EDGUY-Album zu arbeiten, was dann vermutlich im Sommer 2014 kommen wird. Und danach, irgendwann mal, werde ich mich an die neue AVANTASIA-Platte setzen. Aber das wird nicht in den nächsten zwei Jahren sein. Sprechen wir lieber über drei oder vier Jahre, in denen der Nachfolger dieser Platte erscheinen wird.

War die Arbeit zum aktuellen Album viel umfangreicher als vorher, zum Beispiel wegen des Orchester?

Nein, eigentlich nicht. Die Story ist vielleicht ein wenig detailverliebter, aber für diese Orchesterarbeit war es wie auf den letzten beiden Platten. Denn die meiste Arbeit fällt da ja an um die Musik zu schreiben und zu entscheiden, was das Orchester spielt. Das macht Miro, unser Arrangeur (und Keyboarder - NM) für die Keyboard-Parts ja auch. Auf der "Wicked Symphony" und der "Angel Of Babylon" hatten wir ja auch schon Orchester-Sounds, was viel Arbeit war. Natürlich ist es noch ein weiterer Schritt, die Partituren für alle Instrumente aufzuschreiben und die Musik tatsächlich aufzunehmen. Dazu muss man aber Rücksprache mit dem Dirigenten halten und Sascha ist da beim Mix schon ganz schön ins Schwitzen gekommen, weil es eine echte Herausforderung ist, das Orchester so in den Gesamtsound zu integrieren, dass man bei allem noch die Vorteile des echten Orchesters hört. Wir wollten, dass es richtig organisch klingt und nicht bei diesem Loudness-War mitmachen, wo alle Regler nur auf "10" gedreht werden damit es laut und modern klingt. Deshalb haben wir die Drums auch im Voxklang-Studio aufgenommen, weil da mit extrem natürlichen Sounds gearbeitet wird, so wie das Schlagzeug eben im Raum klingt.

 

 

Mir ist aufgefallen, dass der Bass etwas prominenter im Mix ist als auf den letzten Alben und dass du teilweise recht abgefahrene Sachen und Läufe spielst. Musstest du viel üben?

Dazu muss ich sagen, dass ich kein superguter Bassist bin. Ich kann ein paar Sachen ganz gut spielen und mache das auch ganz gerne, aber wenn irgendwas im Studio nicht so klappt, spielt Sascha das eben ein. Steht dann auch im Booklet so drin. Ich sehe mich nicht wirklich als Bassist. Ich spiele das Instrument zwar gerne, aber es hat damals seine Gründe gehabt, warum ich das Bassspielen live aufgegeben habe. In erster Linie bin ich Sänger. Und zum Mix: Ich habe den Bass selber nicht in den lauter gemacht oder so, ich wollte einfach nur, dass die Platte geil klingt.

Wir haben vorhin über die Gastsänger auf der Tour gesprochen. Wie war es im Studio, hast du von allen eine Zusage bekommen, die du dabei haben wolltest?

Ich wollte eine Sängerin haben, die zwar auch mitmachen wollte, aber das Management fand den Song scheisse. Da ging es um 'Sleepwalking'. Ich sollte hier und da Sachen ändern, aber dazu war ich nicht bereit. Es ist ja schließlich meine Musik. Und nur damit sich dann jemand gnädigerweise bereit erklärt, mitzumachen..

Du magst uns nicht verraten, wer es war, oder?

Nee, das ist uncool. Das macht man nicht. Aber sie kommt nicht aus dem Metal-Bereich. Ansonsten spinnen mir immer viele Gedanken im Kopf herum, die sich aber nicht alle realisieren lassen. Es ist zum Beispiel immer noch ein Traum von mir, mit Bruce Dickinson zu arbeiten. Aber ich frage inzwischen gar nicht mehr, weil ich mir bei jedem AVANTASIA-Album eine Absage von Rod Smallwood (Manager von IRON MAIDEN - NM) kassiert habe. Wenn ich Bruce Dickinson wäre, würde ich es vielleicht auch nicht machen. Ich meine, der Bursche hat genug zu tun. Ich nehme das aber nicht persönlich, das muss man sportlich sehen. Aber sonst bin ich sehr glücklich damit, wie das Line-up jetzt geworden ist. Und es hat sich niemand irgendwie arschig aufgeführt und mir einen Korb verpasst.

Ist das ein großer Unterschied zu den Anfängen von AVANTASIA, wo du vermutlich ein paar Hände mehr schütteln musstest, damit die Leute mitgemacht haben?

Das ist schon so lange, dass ich keinen Vergleich mehr habe. Ich weiß, dass es damals unheimlich Überzeugungsarbeit gekostet hat, um Michi Kiske zu überreden. Wir durften ihn ja nur "Ernie" nennen, damit die Leute nicht denken, dass er doch wieder Metal macht. Das findet er mittlerweile selbst albern, aber damals kam es von ihm. Inzwischen ist das einfacher, ich rufe ihn einfach an und frage: Hast du Bock? Er hat zum Glück die Berührungsängste total verloren und hat seinen zweiten Frühling. Damit sind wir beide richtig glücklich. Aber wo du mich so fragst, ich hatte Ronnie Atkins für die erste AVANTASIA gefragt und eine Absage kassiert. Jetzt hat er mitgemacht, was wahrscheinlich darauf zurückzuführen ist, dass in der Zwischenzeit einige Leute in seinem Umfeld etwas von AVANTASIA gehört haben. Solche Sachen sind insgesamt schon etwas einfacher geworden, das stimmt.

 

 

Jetzt gab es bestimmt schon andere positive Reaktionen auf "The Mystery Of Time". Was hälst du von der Entscheidung deines Labels, das seine Alben nicht mehr im Soundcheck bei Powermetal.de sehen möchte?

Nun gut, ich bin 2008 bei euch auch mal etwas verrissen worden und daraufhin hatten wir uns dazu entschieden, diese Soundcheck-Geschichten nicht mehr zu machen. Ich finde es ist eine sehr undankbare Sache, weil da immer so Haltungsnoten für irgendwelche Sachen vergeben werden. Da sitzen dann zehn Leute, von denen die Hälfte mit der jeweiligen Musik überhaupt nichts am Hut hat, und halten dann Noten hoch. So nach dem Motto: ah, ich finde das nicht ganz so gut wie das letzte Album, im dritten Song hast du folgenden Fehler gemacht. Und dann denke ich mir: Was willst du Penner denn? Du hast dein ganzes Leben mit meiner Musik nichts zu tun gehabt und entscheidest plötzlich, dass ich etwas falsch gemacht habe. Ich weiß, dass das irgendwo in der Natur der Dinge liegt und dass die meisten Leute, die Platten bewerten, genau so wie, ich einfach Fans sind. Und es ist ja eigentlich auch egal, wie wer was findet und die Kritik auch irgendwo legitim. Aber wenn du so viel Geld in die Hand nimmst, um eine Platte zu produzieren, und so viel Zeit und Mühe investierst, und dann die Leute, weil sie mit dem falschen Fuß aufgestanden sind, 6,5 von 10 Punkten geben. Ich finde, die Leute, die prinzipiell auf so eine Art von Musik stehen, können ihre Meinung dazu abgeben. Aber warum sollen wir es vorab allen Leuten aufs Auge drücken? Mir würde es auch total auf die Eier gehen, im Monat 60 Platten zu hören und überall meine Meinung abgeben zu müssen. Mit 58 davon kann ich überhaupt nichts anfangen, diese Flut von Veröffentlichungen kann doch gar kein Mensch bewältigen. Ich weiß auch, dass die Plattenfirma gerne mit dem Label "Soundcheck-Sieger" wirbt, und ich freue mich natürlich, wenn jemand sagt, die Platte gibt mir echt viel. Das hast du in meinen Augen echt gut gemacht. Wie deine Kritik zum Beispiel, das ist ganz ehrlich gemeint und das freut mich einfach. Nicht weil ich davon ausgehe, deswegen 5000 Platten mehr zu verkaufen, sondern weil die Musik ihren Zweck erfüllt. Sie macht jemanden glücklich. Das ist der eigentliche Zweck von Musik.

Das sehe ich auch so.

Es ist doch irgendwie so als würde man sein Neugeborenes überall herumzeigen und jeder gibt eine Note, obwohl die Hälfte der Leute nichtmal auf Kinder stehen. Du weißt, wie ich das meine ...

Ja klar.

Also überhaupt nichts damit anfangen können. Eine Platte ist schon etwas sehr Persönliches, und die dann den Löwen zum Fraß vorwerfen ist nicht schön. Vor allem wenn man ganz genau weiß, dass viele Leute darauf aus sind, etwas zu kritisieren, weil sie damit Aufmerksamkeit auf sich selbst richten können.

Wenn man etwas aus diesem Zweck kritisiert, ist das traurig.

Und diese Leute gibt es leider, auch bei bekannten deutschen Magazinen. Die schwimmen bewusst gegen den Strom, weil sie ansonsten keine Aufmerksamkeit bekommen. Also hängt man sich bewusst an Bands wie HAMMERFALL, BLIND GUARDIAN und auch EDGUY oder AVANTASIA, wenn sie Angriffsfläche bieten und viele Fans haben. Wenn du einer Band mit vielen Fans ans Bein pinkelst, kriegst du natürlich die Aufmerksamkeit. Wenn das halt Leute sind, die von Haus aus solche Musik mögen würden, dürfen sie aber gerne ihre Meinung sagen.

Eine legitime Position, weil Musik etwas sehr Persönliches ist. Aber man muss sich halt mit der Situation arrangieren mit den Plattenfirmen, Promo-Agenturen und Medien. Auch die Musik ist immer wirtschaftlicher geworden.

Keine Frage. Ich stelle mich jetzt auch nicht hin wie Joey DeMaio und sage, eure Magazine wird es alle irgendwann nicht mehr geben. Irgendwann gibt es vielleicht auch die Band nicht mehr. Oder die Fans ...ich weiß schon, dass es ein miteinander ist und dass man voneinander profitiert. Früher hatten wir zum RockHard einen sehr guten Draht, was sich seitdem geändert hat. Da findet uns in der Redaktion jetzt irgendwie keiner mehr richtig geil. Wir haben da früher definitiv von profitiert, ganz ehrlich. Ich kann mich jetzt nicht hinstellen und sagen ihr seid alle Arschnasen. Das geht nicht. Wir haben die ersten Platten verkauft, weil wir von den Magazinen gefeatured worden sind. Deshalb muss man dieses Spiel irgendwo mitspielen. Aber wenn man die Chance hat, grobe Missstände zu umgehen, dann kann man das durchaus mal tun.

Wahre Worte.

Ich glaube wir müssen so langsam aufhören, wir sind schon über der Zeit. Hast du noch viele Fragen?

Ne, ich würde zum Schluss nur noch fragen: Gibt es etwas, was dich Journalisten nie fragen, wo du aber denkst, dass sie es von dir wissen wollen müssten?

Ehrlich gesagt nicht (lacht). Es ist jetzt nicht so, dass ich nachts im Bett liege, mich unruhig von einer Seite auf die andere drehe und denke: Wann werden sie mich das endlich fragen? Und dann werde ich folgende acht-seitige Antwort zum Besten geben ... Das tue ich tatsächlich nicht.

Dann bin ich beruhigt, das freut mich sehr. Vielen Dank für deine Zeit und sorry, dass wir überzogen haben!

Danke für das Interview, vielleicht sieht man sich auf der Tour, schönen Tag noch!

Redakteur:
Nils Macher

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