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AXEL RUDI PELL: Interview mit ihm persönlich

02.03.2016 | 17:15

Mit "Game Of Sins" legt AXEL RUDI PELL bereits die 17. Studioscheibe in die Pipeline. Nach den letzten, wirklich ereignisreichen Jahren verspricht auch dieses Jahr ein erfolgreiches im Musikerleben des Gitarrenhexers zu werden. Alben in Hülle und Fülle, ausverkaufte Tourneen, denkwürdige Festivalauftritte - es gibt Musikerkollegen, die unter dem ganzen Hin und Her zu leiden haben. Doch nicht AXEL RUDI PELL, wie er uns in einem netten Plausch verrät.

"Ich bin zwar momentan im Interview- und Promostress, aber wir schauen nach vorn. In den vergangenen Tagen kam ja die neue CD heraus und ich bin schon ganz gespannt. Es ist immer ein neues Baby und, wie nach jeder Geburt, gibt es auch diesmal Tränen der Freude oder des Leids, hehe."

Speziell nach dem letzten Output ist unheimlich viel passiert: Balingen rief, die AXEL RUDI PELL-Familie kam zusammen und das Bang Your Head durfte einen Auftritt der besonderen Art erleben. "Das war lustig, weil wir beispielsweise mit Rob Rock noch nie live gespielt haben. Er hat ja mit "Nasty Reputation" lediglich ein Album eingesungen, bei der anschließenden Tour hat jedoch schon Jeff Scott Soto den Posten des Sängers übernommen. Das war eine eigenartige, aber doch gute Erfahrung. Im Allgemeinen war die ganze Show super, on und off stage haben wir viel gelacht, die Atmosphäre war klasse, viele Witze erzählt, wir haben Tränen gelacht, wie man so schön sagt." Da lohnt sich auch ein Blick auf die Verkaufszahlen des letzten Albums. War denn 2014 das musikalisch erfolgreichste Jahr bei Herrn Pell? "Das kann man schon sagen. Mit "Into The Storm" landeten wir auf Platz 5 der Charts, aber das sagt nicht unbedingt etwas über die Verkäufe aus. Ich weiß beispielsweise, dass "Circle Of The Oath" fast gleichwertig verkauft wurde, in den Albumcharts aber deutlich schlechter platziert war. Um eine Charts-Platzierung zu kriegen, muss man natürlich Glück haben und hoffen, dass an diesem Tag auch wenig anderes Zeug herauskommt. Aber wenn man das alles so sieht und Revue passieren lässt, war 2014 schon das erfolgreichste Jahr, bis jetzt."

Nun steht mit "Game Of Sins" ein neues Album an. Doch in Anbetracht des Bang Your Head-Auftritts lohnt sich die Frage, warum es keine Gastbeiträge auf der neuen Scheibe gab. "Die Balingen-Show mit all den Gästen und Stars war eine einmalige Sache, die für das neue Album nicht infrage kam. Ich hatte nicht vor, jemanden der Gäste nach einem Gastauftritt auf "Game Of Sins" zu fragen. Wir sind ein eingespieltes Team, das wollen wir auch nicht ändern und war auch nie Teil meiner Überlegungen."

Doch auch ohne Gäste ist "Game Of Sins" ein abermaliger Ohrenschmaus für Heavy-Rocker und Melodic-Metaller geworden, der zudem mit Sicherheit textlich überzeugt. "Da steckt eigentlich alles drin. Life is a game and game is full of sins, too. Das ist kein reines Konzeptalbum geworden, aber verschiedene Sünden sind drin vorhanden. Ob es nun das Spielen im Casino, zwielichtige Sachen in 'The King Of Fools', aber auch Themen wie der Tod wie in 'Forever Free', wo die Person dem Licht zugeht und von den Qualen erlöst wird. Der Song ist dabei jedoch allgemein gehalten. Alle Texte, die ich schreibe, sind fiktiv, sind alle erfunden und - bis auf einen Song, den ich vor Jahren mal für meine Frau geschrieben habe - nicht personenbezogen. Und "'Till The World Says Goodbye' hat jetzt auch keine Fantasy-Lyrics, wie ich es in meiner Vergangenheit hin und wieder bevorzugt habe, sondern behandelt die globale Erderwärmung, ist also schon ein wenig kritischer angehaucht. Obwohl ich uns in erster Linie nicht als Weltverbesserer sehe, sondern als Entertainer, aber manchmal flutscht es eben aus mir heraus und dann schreibe ich auch über solche Themen."

Zum anderen hat sich Axel auch musikalisch nicht lumpen lassen und mit Charlie Bauerfeind wieder ganze Arbeit geleistet. "Im Vergleich zu "Into The Storm" haben wir die Drums ein bisschen nach vorne gebracht. Ansonsten hat sich von der Produktion her nicht viel verändert, wir haben ja schließlich einen gewissen Grundsound, der auf jedem ARP-Album seit ca. 2002 vorhanden ist. Daran wird sich auch so schnell nichts ändern. Vielleicht habe ich diesmal noch ein wenig genauer drauf geachtet, dass die Kompositionen einen gewissen Touch haben, der mich selbst dann mehr als befriedigt, ha! Die Gitarre klingt auch ein bisschen schneidiger als noch auf "Into The Storm". Ich hab das Gefühl, dass "Game Of Sins" für mich und meine Musik aussagekräftiger ist als der Vorgänger. Der magische Funke ist da."

Und das hört man auch an den jeweiligen Songs, von denen 'The King Of Fools' als kleiner Appetitanreger bereits Anfang Dezember veröffentlicht wurde. "Eigentlich repräsentiert 'The King Of Fools' das Album gar nicht, hehe. Das ist das Kuriose dabei. Wir haben den Song ausgewählt, weil er relativ kurz ist. Wir wollten kein langes Ding als Appetizer veröffentlichen, da es dann eh nirgends gespielt wird. Also haben wir einen der kürzeren Songs genommen, der aber dennoch einen leicht kommerziellen Charakter hat." Ein weiterer Hinhörer ist sicherlich der Digipack-Bonus 'All Along The Watchtower', der, wie uns Axel verrät, auch nicht grundlos gecovert und in das ARP-Korsett gezwängt wurde. "Ich bin ja in den 70ern groß geworden und ich fand 'All Along The Watchtower' relativ cool in der HENDRIX-Version. Und wenn es um Cover ging, hatte ich in der Vergangenheit den Song immer im Hinterkopf. Und die Zeit war jetzt einfach reif. Und da die Plattenfirma immer nach Bonustracks für die Digipack-Versionen schreit, wollte ich den Song dafür covern - ein Song, den ich schon immer covern wollte, der aber natürlich zum ARP-Stil passen muss. Deswegen haben wir das Arrangement ein wenig umgebaut. Das fängt mit der psychedelisch angehauchten Gitarre an, geht dann über in eine Ballade und am Ende nochmal richtig ab. Es war schon aufregend, den Song passend etwas umzuändern."

Wie nach jeder Albumveröffentlichung geht es für AXEL RUDI PELL danach auf ausgiebige Tour, die diesmal in zwei Teile aufgesplittet wird. [Los geht's am 01.04.2016 in Hamburg - Anm. d. Red.] Was mag da wohl auf uns zukommen? "Zwischenzeitlich spielen wir auch noch auf dem Wacken Open Air, aber was genau da auf die Fans zukommt, kann ich selbst noch nicht sagen. Ich weiß noch nicht einmal, an welchem der Wacken-Tage wir spielen, geschweige denn um wieviel Uhr und wie lange wir für unseren Gig Zeit haben. Es kann sein, dass wir 60 oder auch 90 Minuten spielen, aber ich denke, dass wir so viele Songs, wie nur möglich, von der Setlist der kommenden Tour nehmen werden. Das wird jetzt kein spezieller Gig wie damals in Balingen. Ich habe die Setlist der Tour auch noch nicht fertig. Normalerweise spielen wir immer drei bis vier Stücke vom aktuellen Album, zu denen dann in diesem Fall auch zwei "Into The Storm"-Songs kommen werden. Mal gucken. Im Hauptprogramm haben wir 90 bis 95 Minuten, da müssen wir uns schon gut überlegen, welchen Song wir spielen wollen und welchen etwaigen Klassiker wir diesmal außen vor lassen müssen. Aber zumindest die Vorband kann ich dir schon einmal verraten: Für den ersten Teil der Tour sind wir mit MOB RULES am Start, die bringen, glaube ich, auch ein neues Album heraus." [Korrekt, "Tales From Beyond" erscheint am 18.03.2016 - Anm. d. Red.]

Und dafür, dass Herrn Pell nicht irgendwann die Ideen ausgehen werden, sorgt er höchstpersönlich. "Ich schreibe ja auch permanent, da können einem die Ideen gar nicht ausgehen. Als wir beispielsweise die Aufnahmen zu "Game Of Sins" beendet haben, hatte ich kurze Zeit später schon Ideen für zwei neue Stücke für das dann kommende Album. Und so geht das andauernd weiter: Ich habe immer mein Handy bei mir und schalte sofort den Recorder an, falls mir eine Idee einfällt. Natürlich entscheidet sich dann erst nach Monaten, ob die Idee wirklich brauchbar ist, aber ich bin eigentlich permanent dabei, neue Ideen zu sammeln."

Man kann also sicher sein, dass auch in den kommenden Jahren hohe Qualitätsware von AXEL RUDI PELL zu erwarten ist. Der aktuelle Rundling ist dafür der beste Beweis: Wer spannenden, manchmal zum Träumen einladenden, manchmal nachdenklichen Melodic-Rock/Metal vor den Latz geknallt haben möchte, kommt um den "Into The Storm"-Nachfolger und eventuell sogar einen Besuch auf der entsprechenden Tour ab April nicht herum.

Redakteur:
Marcel Rapp

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