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BEYOND THE BLACK: Interview mit Jenny und Stefan

20.10.2018 | 21:19

"Wir waren genau in der Mitte, im Herz des Hurrikans, und haben dort unser Album gebraut"

Jennifer Habens BEYOND THE BLACK hat seit der Gründung 2014 eine bewegte Geschichte hinter sich. Gleich mit dem ersten Album "Songs Of Love And Death" kam ein unerwartet großer Erfolg, der so gar nicht planbar ist, selbst wenn man wie BEYOND THE BLACK (BTB) gute Drähte zur Musikindustrie hat. Doch sehr gute Alben, ein gutes Konzept und vor allen furiose Livekonzerte von extrem sympathischen, bodenständigen Musikern, die sich nach jedem Konzert Zeit für die Fans nehmen, das sind Dinge, die beim Großteil der Metalfans gut ankommen. Aber schon zwei Jahre nach dem raketenhaften Aufstieg war Jennifer das letzte verbleibende Mitglied der Truppe, die gesamte Hintermannschaft verließ die Band und es kamen große Zweifel auf, ob BTB diesen abrupten Schnitt überleben wird. Spätestens jedoch nach dem schon wieder hervorragenden dritten Album "Heart Of The Hurricane" sind alle Zweifel weggeblasen. BTB ist stärker denn je. Grund genug, der Band im Zuge der kleinen Release-Tour vor dem München-Gig einen Besuch abzustatten.

Mir sitzen Jennifer (Jenny) und der neue Mann am Bass, Stefan Herkenhoff, gegenüber, um die bewegte Vergangenheit noch einmal aufzurollen, aber auch um über das aktuelle Album zu reden.

Ich frage Jennifer, wie es dazu kam, dass sie plötzlich keine Band mehr hatte. Bereitwillig erklärt sie mir zunächst, "dass wir am Anfang von BTB natürlich noch nicht wussten, wie erfolgreich das Ganze werden würde." Die Band sei im Prinzip nicht so zeitintensiv ausgelegt gewesen, man hatte nicht unbedingt geplant, so viel rumzukommen. "Zum Beispiel mit den SCORPIONS zu spielen, auf so vielen Festivals vertreten zu sein, die Möglichkeit zu haben, nach Japan zu kommen und dann war da plötzlich ein internationaler Deal, den man hätte unterschreiben sollen", führt Jenny aus. "Natürlich hat man nach anderthalb Jahren dann angefangen darüber reden, ob man den Weg so weiter gehen möchte oder nicht. Man investiert ja ziemlich viel Zeit und auch Geld in dieses Projekt und wenn man das internationale Ding dann noch vergrößern möchte, wird es ja eher mehr und nicht weniger. Wir haben uns ein halbes Jahr lang immer wieder zusammen gesetzt und haben dann eben festgestellt, dass nicht jeder dasselbe Ziel verfolgt. BTB war immer mein Baby gewesen", betont Jenny,  "aber die anderen hatte teilweise auch andere Projekte (z.B. CYPECORE mit Nils Lesser und Tobias Derer - T.B.) oder begannen mit der Familienplanung. Das ist dann eben nicht mehr mit BTBs Zielen vereinbar gewesen. Man hat immer ein bisschen das Gefühl gehabt, es wird auf die Bremse gedrückt. Und die Jungs haben am Ende dann selber gesagt, dass sie mir da nicht im Weg stehen wollen. So kam es leider zu einem gewissen Punkt, als eine Entscheidung getroffen werden musste. Und ich war die einzige, die laut 'Ja!' geschrien hat, während die anderen eben alle 'Nein' gesagt haben."

Tja, so ergab sich dann eine Chance für andere, Mitglied in einer zu den Sternen strebenden Band zu werden. Ich frage Stefan, wie es für ihn war, in die Band zu kommen. Ein Traumjob, oder etwas, wo man eher mal vorsichtig rangeht? "Tatsächlich beides. Ich bin ja über dieses - wenn man so will - 'Bewerbungsverfahren' reingekommen. Ich wusste gar nicht, was mich erwarten würde. In der Szene ist einem der Name natürlich schon mal über den Weg gelaufen." Jenny wirft ein, dass Stefan "so einiges" dachte, beispielsweise auch, dass sie "super arrogant" sei. Stefan führt weiter aus, dass die Audition jedoch "nicht dieses typische Majorlabel-Ding war, bei der man mal zwei Minuten was spielt und dann eine Stimme im Kopfhörer sagt: 'danke, reicht'". Im Gegenteil, er fand eine entspannte Atmosphäre vor, bei der man sich erstmal ganz locker kennen lernen konnte. Das hat ihn offenbar so beeindruckt, dass er sich dachte: "Fuck, da hab ich Bock drauf!"

Stefan Herkenhoff, BEYOND THE BLACK, München 2018Und so kam es, dass Stefan als letztes Bandmitglied zu BTB stieß. Jenny erläutert daraufhin, dass es nach dem Cut mit der alten Band eine Art Übergangslösung gab, um bereits gebuchte Gigs zu spielen. In dieser waren dann schon Kai Tschierschky, Chris Hermsdörfer und Tobi Lodes am Start, die bei den Auditionen auch schon angedeutet haben, dass sie gerne dabei bleiben wollten. Chris spielt ja nebenbei auch bei den österreichischen Melodic-Metallern SERENITY, die just während der Zeit des Interviews den Einheizer für die BTB-Show geben . "Das ist aber überhaupt kein Problem. Chris spielt nach wie vor bei SERENITY, aber für diese Tour spielt ja sein Schüler Nick, der auch bei uns die Backline macht." Das soll auch die Lösung sein, falls beide Bands gleichzeitig auf Tour sind.

Dann kommen wir jetzt endlich zu "Heart Of The Hurricane". Ich finde ja, der Titel passt super zu BEYOND THE BLACK, erst der stürmische Aufstieg, dann der große Knall in der Band. Ich frage, ob der Titel denn tatsächlich etwas damit zu tun hat. "Definitiv", erläutert Jenny. "Den Song gibt es zwar schon länger, aber so hundertprozentig hat er nie gepasst, bis eben 2016, als der gefährliche Sturm um uns herum geweht ist. Wir waren genau in der Mitte, in dem Herz, wo es meistens still ist und haben dort unser Album 'gebraut', und tja, das geht jetzt so in die Welt."

Das neue Gebräu klingt ja nach wie vor zu 100% nach BTB mit diesem umwerfend eingängigen Songwriting, aber auch mit ein paar Überraschungen. "Wir haben uns diesmal viel mehr Zeit gelassen als beim Vorgänger "Lost In Forever", bei dem es doch sehr stressig wurde. Mir war es wichtig, dass wir diesmal weniger Kompromisse machen, uns mehr Zeit für das Songwriting lassen. Wir haben uns diesmal ein ganzes Jahr Zeit gelassen, haben erstmal damit angefangen, Ideen zu sammeln, haben danach immer wieder in kleinen Gruppen weiter gearbeitet und dann erst Anfang des Jahres recorded", erklärt Jenny. Es wurden diesmal auch einige Ideen der "neuen Jungs" mit einbezogen, was Jenny besonders begeistert: "Die haben mir innerhalb weniger Wochen über dreißig Songideen geschickt. Was für ein Elan und eine Energie da war, das war schon echt großartig." Einer der Songs ist 'Song For The Godless', der komplett (inklusive Lyrics und Vocal-Melodie) von Stefan geschrieben wurde. "Er hat diesen Song als Demo mit seiner Stimme quasi so wie man es heute hören kann geschickt", erklärt Jenny.

Ein anderer Song ist 'My God Is Dead'. Nicht sehr positive Worte über den lieben Gott. Beide lachen und erklären, "dass die Titel eher als Metaphern zu interpretieren seien." 'Song Of The Godless' sollte man keinesfalls als Religionskritik verstehen. "Es ist eher eine Fantasy-Geschichte über ein verstorbenes Volk, das später als 'die Gottlosen' in die Geschichte eingeht", erklärt Stefan und bringt dabei gleich die Vorlage für die nächste Frage. "Die Geschichte ist eigentlich komplizierter, aber man muss leider alles auf wenige Zeilen komprimieren. Man hätte daraus aber gerne auch einen zwölfminütigen Song machen können." Diese Aussage bringt mich zu einem Punkt, den ich schon in meinem Review habe anspielen lassen: Ich finde, BTB wäre so langsam reif, mal ein richtig großes Epos zu schreiben, so im Stile von NIGHTWISHs 'Greatest Show On Earth'. "Witzig, dass du das sagst", spricht Stefan aus. "Ich hatte selber schon diesen Gedanken, ob es nicht geil wäre, am Ende mal so richtig einen rauszuhauen, sich mal sich von vorne bis hinten auszuleben. Ohne Rücksicht, ob das nun eine Single wird oder ein Video." Jenny nickt hierbei auch eifrig. Vielleicht gibt es ja beim nächsten Mal etwas in der Art. Wenn man die beiden Bonustracks abzieht, endet aber auch "Heart Of The Hurricane" mit einem sehr ungewöhnlichen Song namens 'Breeze'. Er ist sehr reduziert, auf die Stimme fokussiert und hat sogar einen echten Chor. "Der Song entstand mit Sascha Paeth zusammen, unserem Produzenten. Er ist so ein super herzlicher Typ und er merkt beim Musik machen immer, was man gerade beschreiben möchte. Er kam mit dieser Idee, und ich war sofort Feuer und Flamme, das war wie die Faust aufs Auge für mich." "Es ist glaube ich ein Herzens-Song für Sascha", fügt Stefan hinzu, der "nur auf die Platte kommen dürfe, wenn er wirklich was Besonderes würde." Ich finde, das hat funktioniert. Hört doch einfach mal rein.

Neben der Musik hatte Jenny sogar schon einmal die Möglichkeit, schauspielerisch aktiv zu sein. Das war eine kleine Nebenrolle im Fernsehfilm "Die Ketzerbraut", für den BTB den Titelsong geliefert hat. "Ich habe da einfach mal angefragt, ob ich da auch etwas machen kann und dann haben sie tatsächlich eine kleine Szene für mich geschrieben. Allerdings habe ich den Aufwand doch ein wenig unterschätzt. Ich kenne die Situation ja vom Videodreh, aber hier war es nicht nur eine Kamera, die auf dich gerichtet ist, sondern mehrere aus verschiedenen Perspektiven. Du musst hier, egal wo du hinschaust, voll in deiner Rolle sein und noch dazu sind hier so viele Menschen da, die dann auch alle gleichzeitig geil sein müssen. Das war schon eine Challenge." Trotzdem würde Jenny so etwas gerne nochmal ausprobieren, doch es ist unklar wann, wo und was. Im Moment läuft der BTB-Zug nämlich wieder auf Hochtouren und es steht eine Europatour im Vorprogramm von WITHIN TEMPTATION an. Da kann man sich durchaus drauf freuen.

Ich bedanke mich bei den herzlichen Musikern, denen man wie immer anmerkt, dass sie mit viel Leidenschaft und positiver Energie an ihre Sache rangehen. Ich hoffe, BTB gibt es noch lange.

Redakteur:
Thomas Becker

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