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BLACKSLASH: Interview mit Alec Trojan

17.05.2018 | 10:02

BLACKSLASH aus dem beschaulichen Donaueschingen im Schwarzwald schickt sich dieser Tage mit einer neuen, abermals sehr starken Veröffentlichung an, die Musik, die ihre Eltern damals schon hörten, unters Metal-Volk zu bringen. Dass IRON MAIDEN dabei keinen unwesentlichen Einfluss auf das Songwriting der Band hat, belegt nicht nur das sehr gelungene, an "Somewhere In Time" angelehnte Artwork, sondern auch viele zweistimmige Gitarrensoli sowie der galoppierende Basslauf meines Interviewpartners und Bandgründer Alec Trojan.

Hallo Alec, zuerst einmal herzlichen Glückwunsch zu eurem neuen Album "Lightning Strikes Again". Meinen musikalischen Nerv hat der "Blitz" direkt beim ersten Hördurchgang getroffen und ich finde die Scheibe absolut klasse. Alec, da du nicht nur als Bassist bei BLACKSLASH tätig, sondern meines Wissens auch Bandgründer bist, kannst du unserer Leserschaft kurz und knapp Wissenswertes über die Band erzählen?

Hey Mahoni, danke für das Interview und die Glückwünsche! Ich habe die Band 2007 gegründet und elf Jahre später stehe ich mit denselben Jungs immer noch auf der Bühne. Für uns steht Freundschaft und die Leidenschaft zum Heavy Metal im Vordergrund.

Wie zufrieden bist du rückblickend mit eurem Vorgänger "Sinister Lightning"?

Ich bin immer noch sehr zufrieden mit "Sinister Lightning". So zufrieden, dass wir das neue Album "Lightning Strikes Again" auch namentlich an den Vorgänger anknüpfen lassen. Wir haben versucht, da weiterzumachen, wo wir aufgehört haben.

"Lightning Strikes Again" knüpft musikalisch nahtlos an seinen formidablen Vorgänger an, stellt aber eine enorme Steigerung, was Produktion, Arrangements und Songwriting betrifft, dar. Direkt beim ersten Hördurchgang fiel mir eine wesentlich akribischere Ausarbeitung eurer Gitarrenparts positiv auf, welche ein großes Merkmal vom BLACKSLASH-Sound darstellt. Worin siehst du selbst die größten Unterschiede zum Vorgänger?

Freut mich, dass du das so siehst. Man wird natürlich älter und reifer und weiß einfach besser, wie gutes Songwriting funktioniert. Die Tracks sind etwas ausgewogener. Ich hoffe, dass diejenigen, die sich unsere Platte anhören, das auch bemerken, ohne dass jemand sagen muss, wir hätten uns total verändert.

Ein weiteres Trademark, das euch deutlich von vielen anderen einheimischen Metalbands unterscheidet, ist euer klasse Sänger Clemens Haas. Mit ihm verfügt ihr über einen absoluten Ausnahmekönner am Mikrofon, der es mit seinem melodischen Gesang perfekt versteht, eure Kompositionen gekonnt in Szene zu setzen und euch durch seine Gesangsdarbietung noch zusätzlich einen hohen Wiedererkennungswert beschert. Wie froh bist du, ihn in euren Reihen zu haben und welchen Stellenwert würdest du ihm im Band-Kontext zukommen lassen?

Clemens ist eine absolute Rampensau und weiß immer das Publikum mit in unsere Shows einzubeziehen. Ich schätze ihn sehr. Er hat auch ein gutes Gefühl dafür, wie ein Refrain zu klingen hat und was der Backgroundgesang zu tun hat. Als wir beim letzten Taunus Festival aufgetreten sind, hat uns Thomas von unserem Label Iron Shield Records das erste Mal live erlebt und meinte dann mit seiner Berliner Schnauze zu uns: "Das klingt ja wie bei QUEEN." Sowas freut uns natürlich zu hören.

Welche Erwartungen und Ziele verfolgst du mit eurer neuen Veröffentlichung?

Dass die Leute, die sich ein Tape, eine CD oder eine Platte von uns kaufen, es sich daheim anhören und Spaß dabei haben. Ich freue mich immer sehr über Nachrichten aus der ganzen Welt, in denen uns Leute schreiben, sie würden unser Album rauf und runter hören. Das ist ein super Gefühl.

Wie läuft das Songwriting bei euch ab bzw. wer von euch übernimmt dabei welche Aufgabe?

Oft wird ein Riff von den Gitarristen in die Runde geworfen oder Clemens schickt uns eine Sprachaufnahme eines Refrains. Dann wird in der Probe getestet, ob das Stück Potential hat und wird dann zu einem Song geformt.

Wovon handeln eure Texte und verbirgt sich dahinter eventuell ein gewisses Konzept?

Der Inhalt kann von jedem selbst gedeutet werden. Die Stimmung, die verbreitet wird, ist uns weitaus wichtiger - das sagt übrigens auch Todd Michael Hall von RIOT V über seine Texte.

Iron Shield lässt in eurem Infotext verlauten, BLACKSLASH mache die Musik, die ihre Eltern damals hörten. Da ich alterstechnisch durchaus als euer Vater durchgehen könnte, kann ich euch als direkter "Zeitzeuge" ein mehr als geglücktes Unterfangen attestieren. Was inspiriert so junge Menschen wie euch, die Musik spielen zu wollen, die eure Eltern bereits vor so vielen Jahren hörten?

Wir kamen ganz natürlich zum Heavy Metal. Über die Jahre haben wir schon immer für klassischen Heavy Metal gestanden und da wollen wir uns auch nicht verbiegen - sonst würden wir hier ein schwedisches Hardrock-Album präsentieren, das vielleicht mehr in Mode wäre. TRADITION, NOT TREND!

Was mich in diesem Zusammenhang zusätzlich noch brennend interessiert, ist, welche Heavy-Metal-Klassiker sich bei euren Eltern im Schrank tummeln.

Ich weiß, dass Christians und Clemens' Vater ein großer BLUE ÖYSTER CULT-Fan ist. Bei meinem Vater finde ich Kassetten von IRON MAIDEN, METALLICA und BLACK SABBATH und ich bin sehr dankbar, mit dieser Musik auch aufgewachsen zu sein.

Eure Eltern kommen wie ich ja quasi noch aus einer Zeit, in der man als Metalfan meist auch glühender Sammler war und so ziemlich alles besitzen musste, was unsere damaligen Helden so veröffentlichten. Heute schreiben wir ein komplett anderes Zeitalter und die Hörgewohnheiten haben sich vor allem aufgrund von Streaming-Portalen beim jüngeren Publikum grundlegend geändert. Wie sieht dies bei dir/euch aus? Bist du Sammler und welche Art des Konsums bevorzugst du?

Ich gebe zu, dass ich Musik oft auf meinem iPhone höre. In Freiburg bin ich oft zu Fuß oder in der Bahn unterwegs, da ist es einfach praktisch so viel Musik auf so einem kleinen Medium zu haben. Daheim habe ich einige CDs und Schallplatten, würde mich aber nicht als Sammler bezeichnen. Was mir gefällt, kaufe ich auch. Das ist beim Heavy Metal einfach so. Am liebsten höre ich Musik aber live.

"Lightning Strikes Again" ist mit einem fantastischen Artwork ausgestattet, welches selbstredend sofort an "Somewhere In Time" der "Eisernen Jungfrau" erinnert. Welchen Einfluss hat speziell IRON MAIDEN auf euch und von welchen anderen Bands seht ihr euch zusätzlich beeinflusst? Ich für meinen Teil höre auch immer wieder Parallelen zu einigen deutschen Achtzigerjahre-Metalbands heraus. Liege ich damit richtig?

Danke Mahoni. Das Cover wurde von Dimitar Nikolov gestaltet, der auch für Bands wie STEELWING oder KATANA gearbeitet hat. IRON MAIDEN ist für mich persönlich neben RIOT die beste Heavy-Metal-Band aller Zeiten (auch, wenn mich das neue JUDAS PRIEST-Album mehr begeistert hat als das letzte Album von IRON MAIDEN). Natürlich hören wir auch gerne ACCEPT, FORMEL 1 und andere deutsche Größen. Unsere Lieblingsmusiker sind wohl aber meistens der NWOBHM zuzuordnen.

Ich habe euch 2017 auf dem Chainbreaker Festival in Elchingen, welches von euren Kollegen von DEMONS DREAM veranstaltet wurde, live erleben dürfen und war vor allem von euren musikalischen Qualitäten und der Power, die ihr auf der Bühne entfacht habt, sehr angetan. Deshalb meine Frage, wie wichtig sind euch Liveauftritte und gibt es eventuell schon Pläne, um das neue Album auch an der Live-Front mit einer kleinen Tour zu bewerben?

Liveauftritte sind immer Highlights, weil wir dort direkt sehen, wie unser Material beim Zuschauer ankommt. Je mehr Gigs, desto besser. Wir versuchen 2018 und 2019 so viele Auftritte wie möglich zu spielen. Ganze Tourneen sind oft schwierig, weil wir alle berufstätig sind. Mal sehen, was sich entwickelt. Für eine Gig-Anfrage muss man uns einfach eine kurze Mail an blackslash-band@gmx.de schicken.

Dieses Jahr pausiert das Chainbreaker Festival erstmalig, da die Veranstalter trotz hochkarätiger Undergroundbesetzung (u.a. LIQUID STEEL, TRAITOR, SPITFIRE) und äußerst fanfreundlicher Preispolitik leider ihre Unkosten nicht decken konnten. Im Gegenzug dazu wird den bekannten Bands wie beispielsweise METALLICA, IRON MAIDEN usw. trotz teilweise überhöhter Ticketpreise fleißig die Bude eingerannt. Wie ist dein persönlicher Eindruck der momentanen Metal-Szene und welche realistischen Chancen siehst du, BLACKSLASH in dieser Szene längerfristig zu etablieren?

Ich kann das nachvollziehen, ich habe mir ebenfalls ein Ticket für eine MAIDEN-Show im Sommer geholt. Trotzdem werde ich auch beim Undergroundfestival "Der Detze Rockt" als Besucher anwesend sein. Ich kann leider nicht so viele Gigs besuchen, wie ich gerne würde, aber ich bin eben mit BLACKSLASH schon viel unterwegs. Über andere möchte ich nicht urteilen, aber es gibt viele sehr empfehlenswerte Mini-Festivals und Undergroundkonzerte, die ich jedem nur ans Herz legen kann. Mit BLACKSLASH haben wir uns in einigen Teilen der Republik schon ganz ordentlich etabliert und wir hoffen, dass es immer so weitergeht.

Wenn ihr die Chance hättet, mit einer Band eurer Wahl auf Tour zu gehen, auf wen würde die Wahl wohl fallen (IRON MAIDEN ausgenommen :-) )?

Im Moment hätte ich Lust mit WITCHTOWER aus Spanien eine Tour zu spielen, um unsere Split-EP zu promoten. Ansonsten hätte ich auch Bock auf SKULL FIST, ENFORCER oder NIGHT DEMON.

Welches Konzert würdest du als Konzertbesucher rückblickend als dein bisher prägendstes bezeichnen und warum?

Spontan kommt mir ein Konzert von THE MARS VOLTA in den Sinn. Der Gitarrist Omar Rodriguez Lopez sah aus wie ein junger Jimi Hendrix und spielte auch so. Er sollte ein Idol für jeden Gitarristen sein!

Um welches Konzert, das deine Eltern miterleben durften, du aber altersbedingt versäumt hast, beneidest du sie?

Mein Vater war auf einem BLACK SABBATH-Konzert, das habe ich leider nie geschafft.

Welche Überschrift würdest du gerne über BLACKSLASH lesen?

Für einen Zeitungsartikel: BLACKSLASH - das siebzigjährige Jubiläum in ihrer Heimatstadt.

Deine wichtigsten Metal-Alben aller Zeiten heißen?

RIOT "Narita", IRON MAIDEN "The Number Of The Beast", BLUE ÖYSTER CULT "Fire Of Unknown Origins", SLAYER "Show No Mercy", RANDY – Compilation, (BLACKSLASH/ WITCHTOWER Split-EP)

Gibt es eine Persönlichkeit, die du gerne kennenlernen würdest?

Joe Dart von der Funk-Band VULFPECK - der beste Fender-Bassist unserer Zeit.

Die letzten Worte gehören einzig und alleine dir, Alec. Gibt es noch etwas, das dir auf dem Herzen liegt und du unseren Lesern gerne mit auf den Weg geben möchtest?

Danke für das durchdachte und interessante Interview, Mahoni. "Lightning Strikes Again" ist bald erhältlich. Schaut vorbei in unserem Shop: www.blackslash-band.de/shop and see you on the road. Shine On!

Vielen Dank für deine Zeit und die Beantwortung meiner Fragen. Ich hoffe, ich sehe euch zum aktuellen Album wieder auf den Brettern, die die Welt bedeuten.

Redakteur:
Mahoni Ledl

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