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BLOODGOOD: Interview mit Michael Bloodgood

01.01.1970 | 01:00

Es war eine Ehre für mich, mit Michael Bloodgood ein paar E-Mails zu wechseln. Dabei kam dieses Interview zustande. BLOODGOOD war die bekannteste White Metal Band (außer STRYPER) in den 80er Jahren und für viele die Musik ihrer Jugend. Zweifellos hätten sie mit ihrer Musik auch den "üblichen" Markt erobern können und müssen, doch das verhinderte wohl vor allem das kleine Plattenlabel (Intense Records), wo sie unter Vertrag standen. BLOODGOOD war und sind eine ganz große Band. Mit ihrer fast theatralischen Liveshow werden sie für immer unvergessen bleiben.

MetalS:
Wie seid ihr auf diesen Bandnamen gekommen, heißt du wirklich so?

Michael:
Bloodgood ist wirklich mein Nachname. Es ist eine englische Übersetzung eines holländischen Namens. Meine Vorfahren kamen von Amsterdam in die "Neue Welt" um 1600. Ich dachte schon immer, dass mein Nachname ein toller Name für eine Rock Band wäre. Er hat eine große Bedeutung, besonders für eine White Metal Band (das gute Blut Jesu Christi).

MetalS:
Erinnerst du dich gerne an die alten Zeiten und hast du noch guten Kontakt zu den anderen Bandmitgliedern?

Michael:
Ich habe nach wie vor sehr engen Kontakt mit den BLOODGOOD Mitgliedern. Besonders mit Les Carlsen, David Zaffiro und Paul Jackson. Sicher, wir lieben es in den Erinnerungen zu schwelgen. Sie waren sehr wichtig für uns alle. Niemand von uns hat etwas ähnliches zuvor oder danach getan. Das werden immer besondere Erinnerungen für uns bleiben.

MetalS:
Was war der Grund für die Auflösung von BLOODGOOD?

Michael:
Ich hasse es, die Bezeichnung "aufgelöst" zu benutzen. Ich bevorzuge "pensioniert" (das ist echt gut -MetalS). Wenn du über eine Band hörst sie habe sich aufgelöst, dann denkt man meistens, sie hätten sich nicht mehr verstanden und so weiter. Ich habe wirklich gefühlt, dass der Herr mir sagte, wir haben getan, was er von uns wollte. Wir hatten sozusagen den "Auftrag beendet". Irgendwie wußte ich, nachdem wir im Winter 1992 in Russland gespielt hatten, dass es das Ende der Band sein würde. Ich begann im selben Jahr zu fühlen, dass ich ein Pastor werden sollte. Das war der Anfang vom Ende der Band. Ich wollte immer mein bestes geben. Ich wollte die Band nicht weitermachen, nur dass es halt weitergeht, wie es bei vielen anderen Bands der Fall ist. Es ist wie der Spruch "ein totes Pferd treten". Ich fühlte und das fühle ich immer noch, dass unsere letzte Veröffentlichung "All Stand Together" die beste war (Ääääh... anhören tut sie sich aber ganz anders.. -MetalS). Dort kam alles zusammen: Das Songwriting, die Performance, die Produktion.

MetalS:
Was machen die ehemaligen BLOODGOOD Mitglieder heute, hat noch jemand was mit Musik zu tun?

Michael:
Ich bin Pastor in einer Kirche in Redmond, Washington: Calvary Chapel Redmond. Und ich leite auch die Anbetungsmusik in der Kirche, ich mache also immer Musik. Professionell habe ich immer DAVID ZAFFIRO geholfen. So auf manchen Soloprojekten mit Co-writing, produzieren und Bass spielen. Ich wäre froh, einen guten Deal zu bekommen, um meine neuen Lieder der Öffentlichkeit zeigen zu können, aber diese Richtung habe ich bisher noch nicht verfolgt.
Les hat momentan überhaupt nichts mit Musik zu tun. Obwohl er mal in meiner Kirche war um seit Jahren mal wieder etwas Musik zu machen. Er singt immernoch großartig, das kann ich euch sagen!
Paul Jackson (Gitarre) lebt immernoch hier im Nordwesten. Er arbeitet für Sprint PCS und mit seinem Bruder zusammen hat er eine "über 40 Club Band", die vor Ort auch auftritt.
David Zaffiro ist immernoch sehr aktiv in der Musikszene. Er ist mitlerweile ein erfolgreicher Produzent und Songwriter.
Paul Roraback, unser letzter Drummer, hatte ja die Band GRAMMATRAIN gegründet (die es jetzt nicht mehr gibt -MetalS). Im moment ist er in der Band GIDEON´S PRESS, die gerade im Underground eine CD veröffentlicht haben. Die Band plant im Herbst nach Austin, Texas zu ziehen.
J.T. Taylor, unser erster Drummer, lebt auch in Nashville, wo er Drums und Percussion in einer örtlichen Kapelle spielt.
Ich bin nicht sicher, was Mark Welling (Drums on Detonation, Rock In A Hard Place) und Kevin Whistler (Drums on Out Of The Darkness, Live In Amerika/Shakin´ The World) jetzt machen. Ich weiß, dass sie beide in der größeren Seattle Umgebung wohnen.

MetalS:
Was würdest du heute von damals ändern, wenn du könntest?

Michael:
Ich würde die Plattenfirmen wechseln! Wir wurden dermassen vom Label behindert, dass es mich noch heute verblüfft. Wir hatten einigemale die Möglichkeit bei einem Major-Label herauszukommen, doch sie (die Plattenfirma) liessen uns nicht gehen. Sie versuchten immer das größte Label im christlichen Bereich zu sein, dass die gesamten Bands unter Vertrag hat, während das Major-Label in erster Linie an BLOODGOOD interessiert war.

MetalS:
Was für Musik hörst du heute so und welche Bands?

Michael:
Ich bin immernoch ein großer BEATLES Fan, das werde ich immer sein. Einige meiner Lieblingsbands sind TOM PETTY AND THE HEARTBREAKERS, BRIAN SETZER ORCHESTRA, JOHNNY LANG, DARRELL MANSFIELD und die Liste geht weiter und weiter. Wie du sehen kannst, mag ich alle möglichen Musikrichtungen (..ausser Metal -MetalS). Wie auch immer, momentan ist CREED meine Lieblingsband. Ich sah ihre Show in Seattle vor ein paar Monaten und sie bliesen das Haus um! Ich mag ihre poetische und immernoch kraftvolle Haltung zur Musik. Die meiste andere Musik, die es momentan so gibt geht ziemlich an mir vorbei.

MetalS:
Was für Musik würdest du heute machen, wie würde BLOODGOOD heute klingen?

Michael:
Wir würden immernoch ziemlichen Heavy klingen und wären auch noch melodisch.

MetalS:
Kannst du mir sagen, was "Tune In" ist und was du dort machst? (http://crossrock.com/)

Michael:
Der lokale DJ, Keith Black, und ich betreuen nebenbei ein Programm. Es heißt "The Eternal Rock Show", in der die beste christliche Rockmusik von den 60ern bis Anfang der 90er gespielt wird. Leider gibt es crossrock.com mitlerweile nicht mehr. (man kann lediglich noch 1 Std. Programm hören, von X-SINNER über WHITECROSS usw. -MetalS)

MetalS:
Kannst du dir heute eine Reunion Tour durch Deutschland vorstellen und denkst du, es besteht eine Chance euch irgendwann nochmal live zu sehen?

Michael:
Interessant, denn zum ersten mal hatten Les und ich eine ernsthaftere Diskussion über ein paar Reunion Shows im nächsten Jahr. Es ist noch nichts perfekt, aber wir machen uns ein paar Überlegungen. Wenn wir die Band wieder zusammenholen, bin ich sicher, dass Deutschland ein Teil der Tour wäre. Deutschland war immer etwas besonderes für uns und ist auch so in unserer Erinnerung.

MetalS:
Was denkst du über die verschiedenen Reunion Gerüchte um STRYPER und das Sanctuary Reunion Festival mit VENGEANCE ?

Michael:
Die Gerüchte um eine STRYPER Reunion gibt es schon seit sie damals aufhörten. Meines Wissens sind das immernoch Gerüchte, aber das ist eine Frage für die Jungs und nicht für mich. Nebenbei, Oz Fox (STRYPER Gitarrist) und ich gehen im Herbst nach England zur "Meltdown Conference". Das wird bestimmt ein Spass! Außerdem unterstütze ich Bob Beeman (Pastor) von Sanctuary (Metalgemeinde in den Staaten). Wir kamen nie in ihrem Line Up (für das Festival) vor. Wir leben außerhalb von Seattle und die meisten Bands, die dort aufgetreten sind, waren aus der Umgebung von Los Angeles. Les wollte dorthin fahren um jeden zu sehen, aber ich bin nicht sicher, ob er dort war.

MetalS:
Was denkst du über die heutige White Metal Szene, kennst du noch gute Bands?

Michael:
Die Szene ist nicht mehr das, was sie mal war. Aber es gibt immernoch gute Bands, die den Glauben bewahren. Es sieht fast so aus, als würde eine Wiederauflebung des MetalS hier bei uns stattfinden. Alles findet in Perioden statt, so ist es jetzt an der Zeit, dass Hard Rock wieder populär wird. Ich meine, wieviel Britney Spears kann ein Mensch vertragen ! (stimmt, das war schon zuviel bevor sie bekannt war -MetalS)

MetalS:
Gibt es eine Chance für eine neue BLOODGOOD CD?

Michael:
Nun, falls die Reunion stattfindet, wäre ich nicht überrascht, wenn es auch ein neues Album geben würde.

MetalS:
Was für Pläne hast du für die Zukunft?

Michael:
Also meine Frau und ich sind immernoch ziemlich mit der Familie beschäftigt. Mein ältester Sohn Paul ist erwachsen und lebt schon außer hause. Adam (9) un Mark David (6) halten mich aktiv! Zwischen dem und der Zeit als Pastor in der Kirche habe ich ein ziemlich ausgelastetes Leben. Aber wie jeder Christ es tun würde, bete ich immer zum Herrn für die Richtung in meinem Leben, damit ich immer seinen Ruf erhöre und im folge.

MetalS:
Noch irgendwelche letzten Kommentare?

Michael:
Es ist eine Freude und erbauend von BLOODGOOD Fans zu hören. Nach all diesen Jahren erstaunt es mich immernoch zu sehen, wie der Herr unsere Verkündigungen wirken ließ und immernoch wirken lässt. Ich möchte alle christlichen Musiker ermuntern, tapfer zu sein in der Verkünddigung des Evangeliums. Zuviele Bands sind heutzutage vom Inhalt her zu seicht oder verändern die Botschaft Christi. Die heutigen Menschen brauchen keine Allegorien oder Spitzfindigkeiten. Sie brauchen die direkte, klare Botschaft des Heils durch die Person und das Wirken Jesu Christi.
"Ich hatte mir vorgenommen, euch nichts anderes zu bringen als Jesus Christus, und zwar Jesus Christus, den Gekreuzigten." (1. Korinther 2:2)

MetalS:
Vielen Dank! Es war wirklich interessant, die Worte eines Pfarrers und Kult-Bassisten zu hören!

Redakteur:
Stefan Lang

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