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CATTLE DECAPITATION: Interview mit Travis

01.01.1970 | 01:00

Death Metal beschäftigt sich lediglich mit Tod, Horror und Hackfleisch? Einspruch, denn mit CATTLE DECAPITATION mischt eine Band das Genre auf, die zum einen dadurch auffällt, dass sie lediglich aus Vegetariern besteht, auf der anderen Seite aber nicht minder geilen Death Metal spielt als ihre prominenten Szene-Kollegen. Wir klingelten bei Bandchef Travis an und fragten mal, warum CATTLE DECAPITATION eine besondere Stellung einnehmen:

Björn:
Hallo, wie geht's denn so?

Travis:
Nun, ich vermute, dass bei mir verdammt noch mal alles okay ist.

Björn:
Ihr habt ein neues Album mit dem Titel "Humanure" auf den Markt gebracht: Was steckt hinter diesem Titel?

Travis:
Es ist ein richtig antimenschliches Album. Es ist so ähnlich wie das letzte und das vorletzte und das vorvorletzte. Haha, nein, jetzt im Ernst: Es ist ein Schlag gegen die Menschheit. All unsere Albumtitel hatten einen Bezug zu Menschen oder das Menschliche in ihnen. Und es schien der logische nächste Schritt zu sein. Unser Letztes handelte besonders davon, wie Menschen als Mahlzeit verzehrt werden und danach dachten wir, dass beim nächsten Mal der Müll weggeräumt werden müsste. Wir haben dies in Form unseres alten Schlagzeugers erledigt und nun sind wir wieder zurück mit einer Ladung voll Gore.

Björn:
Und wie würdest du die Musik von CATTLE DECAPITATION im Jahre 2004 beschreiben?

Travis:
Sie ist um einiges musikalischer, melodischer und hörbarer, obwohl die Brutalität nicht entfernt wurde. Es ist sicherlich an vielen Stellen noch abgedrehter und sehr energetisch. Ich wünschte, wir könnten schon bald zu euch herüberkommen und euch unsere Liveshow zeigen, denn wir sind viel mehr eine Liveband als ein Studio-Act.

Björn:
Ich habe über den politischen Inhalt eurer Lyrics gelesen. Worum genau geht es da?

Travis:
Das muss damit zu tun gehabt haben, dass wir Vegetarier sind und wir dies durch einige ironische Aussagen in unseren Texten auch nach außen tragen. Unsere Texte verurteilen zumeist die Menschen für die sinnlose Zerstörung der Erde und die Perversitäten des Alltags.

Björn:
Außerdem ist die Misshandlung von Tieren ein Thema, so sagt es zumindest der Begleittext eurer neuen Platte. Habt ihr diesbezüglich einen speziellen Background, abgesehen von eurem Dasein als Vegetarier?

Travis:
Viele Leute denken aufgrund unseres Bandnamens, dass wir Tiere hassen. Darüber kann ich nur lachen! Ich habe einige Reaktionen von indischen Leuten gehört, die sich von dem Namen in religiöser Hinsicht beleidigt fühlten, aber diese Leute finden es dann umso cooler, wenn sie die wahre Bedeutung des Namens herausfinden. Unsere ersten Songs kritisierten die Misshandlung von Tieren hingegen um einiges intensiver als dies auf unseren letzten Releases der Fall war. Es gibt einfach so vieles, was es über dieses Thema zu sagen gibt, bis es dann mal an der Zeit ist, die Sache aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, und genau das tun wir auf unserer neuen Platte.

Björn:
Die ganze Thematik wurde ja auch auf dem Cover von "Humanure" noch einmal eindruckvoll beleuchtet. Wer steckt hinter diesem Cover und welche Idee steckt dahinter?

Travis:
Das war die Idee von Wes Benscoter. Er schnappte den Namen des Albums auf, mochte meine eigenen Ideen, die ich ihm vorgetragen hatte, nicht so besonders und sagte nur "gib mir ein paar Tage" und dann trat er mit diesem Cover an uns heran. Es ist ein brillantes Bild. Verdammt Ekel erregend und genau so provokant wie das Titelbild von "To Serve Man".

Björn:
Das Cover von "To Serve Man" wurde ja in Deutschland zensiert. Fürchtet ihr nicht, dass dies auch mit eurem neuen Album passieren könnte?

Travis:
Nun, es ist bereits passiert. Es stinkt mir gewaltig, denn es ist nun viel schwieriger für die Fans, das Album zu bekommen bzw. sich daran zu erinnern, wenn sie es im Laden sehen, da es gar nicht erst im Angebot ist. Man kann es nur über Mailorder bekommen, und ja, das ist ziemlich scheiße! Wir sind nun einmal nicht CANNIBAL CORPSE und deswegen haben wir auch nicht die Kohle, um ein komplett anderes Cover anzubieten.

Björn:
Welche Kriterin muss ein Cover denn erfüllen, damit es CATTLE DECAPITATION-Album zieren darf?

Travis:
Nun, da dies zu meinen Aufgaben gehört, muss ich sagen, dass es auf jeden Fall eine Aussage haben soll und zur gleichen Zeit auch abstoßend sein muss. Ich liebe diese durch die Brutalität gewonnene Spitzfindigkeit. Unser neues Cover mag dies zwar nicht ganz so ausdrücken, wirft aber einen abstoßenden Blick auf die Menschen. Es ist ein gehäutetes, enthauptetes Kalb, dessen Kopf auf dem Boden liegt, während die Innereien herausquellen. Hey, wir hätten nicht einmal unseren Namen draufschreiben müssen, da es genau das aussagt: CATTLE DECAPITATION! Und das ist verdammt cool!

Björn:
Okay, kommen wir zurück zu eurer Musik: Ihr spielt einigen komplexen Stoff, kommt aber gleichzeitig auch immer wieder ziemlich direkt zur Sache. Welche Bands haben diesbezüglich einen großen Einfluss auf euch gehabt?

Travis:
CARCASS, CANNIBAL CORPSE, NAPALM DEATH, REPULSION, alter Hardcore, Grindcore und Death Metal.

Björn:
Ich würde eure Musik auch als Death Metal bezeichnen, jedoch weicht ihr durch eure politisch motivierten Inhalte ein bisschen von diesen typischen Death-Metal-Themen ab. Würdest du sagen, ihr passt jetzt trotzdem in dieses Standard-Death-Metal-Raster?

Travis:
Ja, ich denke schon. Aber wenn du mich fragst, muss ich schon eingestehen, dass ich ein wenig überrascht darüber bin, dass sich Leute überhaupt Gedanken über so etwas machen, da sie normalerweise ja auch pervers und abstoßend sind. Am Ende handelt es immer auf irgendeine Art und Weise von Blut (Gore) und Tod und genau damit soll sich Death Metal auch befassen.

Björn:
Ihr seid alle Vegetarier und kehrt diese Lebensweise auch deutlich nach außen. Warum habt ihr euch für diesen Lebensstil entschieden?

Travis:
Die Leute können tun, was sie wollen, unsere Texte sollen sie nur darin erinnern, dass sie Lutscher sind, haha! Wir sind alle Vegetarier, das ist richtig. Fleisch ekelt uns einfach nur an, Punkt! Und außerdem lieben wir alle Tiere!

Björn:
In einem Interview hat ein recht bekannter Death-Metal-Sänger auf die Frage, worum es im Death Metal geht, geantwortet, dass Death Metal sich ausschließlich mit Fleisch beschäftigt. Was hättest du ihm auf eine solche Aussage geantwortet?

Travis:
Das ist die Aussage eines Arschlochs. Falls wir über Kannibalismus reden, gut, aber das ist nur ein Thema, von dem viele Death-Metal-Bands sprechen. Andererseits denke ich, dass Steaks und Hühner kein bisschen mit Death Metal zu tun haben. Das wäre irgendwie auch merkwürdig. Ich würde ihm wahrscheinlich dann auch entgegnen "das macht keinen Sinn" oder "das ist ein wirklich dummer Versuch, mir auf den Sack zu gehen" oder ich würde einfach nur anfangen zu lachen und dann das Thema wechseln oder gar weggehen.

Björn:
"Humanure" ist euer zweites Album für Metal Blade, aber nicht erst generell eure zweite Veröffentlichung. Was hat es vor "To Serve Man" noch alles gegeben und wie hat eure Musik damals geklungen?

Travis:
Davor hat es noch zwei reguläre Alben und einige 7"-Aufnahmen gegeben. Diese Sachen gingen alle etwas mehr in die Grindcore-Ecke, da fast ausschließlich Songs unter einer Minute enthalten waren und sie wirklich schnell und mit vielen Blasts aufgefüllt waren.

Björn:
Und wie würdest du eure Entwicklung seitdem beschreiben?

Travis:
Die Musik ist um einiges ausgereifter heutzutage, vor allem, weil die Songs länger sind und nicht, weil es eine typische und anmaßende alte Phrase ist. Es ist nämlich tatsächlich wahr, die Songs sind viel melodischer und es passiert einiges mehr in den einzelnen Passagen.

Björn:
Wie lange existieren CATTLE DECAPITATION denn jetzt schon?

Travis:
Wir gehen seit vier bis fünf Jahren ernsthafter an die Sache heran, existieren tun wir aber schon seit sieben Jahren.

Björn:
Wie war eure erste Reaktion, als ihr damals den Vertrag mit Metal Blade angeboten bekommen habt?

Travis:
Ich dachte, es sei verrückt. Ich dachte immer nur, dass CANNIBAL CORPSE die einzige Band gewesen wäre, die sie ernsthaft haben wollten, da sie eine so lange Beziehung mit ihnen hatten, also was konnten sie da mit uns schon anfangen? Es fühlte sich jedenfalls erst einmal recht komisch an.

Björn:
Hm, aber bei Metal Blade sind doch auch jede Menge anderer Bands. Nun ja, du hast es eben angesprochen, dass ihr eigentlich eine Liveband seid. Was können wir in der Hinsicht denn in der nächsten Zeit erwarten?

Travis:
Bei uns stehen eine ganze Mengen Tourneen in diesem Jahr an. Wir sind eigentlich fast den gesamten Rest des Jahres unterwegs gewesen und werden auch schon bald wieder mit DEICIDE unterwegs sein und dann auch mit NAPALM DEATH. Nächsten Monat sind wir mit THE BLACK DAHLIA MURDER und GOATWHORE unterwegs und das wird sicherlich verdammt geil.

Björn:
Werdet ihr uns auch mal in Europa besuchen kommen?

Travis:
JA! Wir versuchen gerade irgendetwas für Ende des Jahres an Land zu ziehen. Wir wollen auf jeden Fall schnellstmöglich nach Europa und Japan, um dort zu spielen.

Björn:
Welche Ziele verfolgst du ansonsten noch mit der Band?

Travis:
Für das nächste Album würde ich mir wünschen, dass wir eine Berechtigung finden, eine eigene Tour mit selber ausgesuchten Bands zu starten. Das wäre fantastisch! Und natürlich wollen wir nach Japan und Europa!!!

Björn:
Gut, dann sage ich einfach schon einmal "Bis Bald!".

Travis:_
Ja, wir sehen uns. Stay Gore! Und vielen Dank für dieses Interview, mein Feund!

Redakteur:
Björn Backes

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