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CONRAD, CONNY: Interview mit Conny Conrad

05.12.2008 | 10:14

POWERMETAL.de im Gespräch mit einem bemerkenswerten Komponisten und Musiker, der auch mit 50 noch voller Energie und Ambitionen steckt.

Conny Conrad, seines Zeichens Gitarrenvirtuose, Songwriter und Texter, gilt in Fachkreisen als einer der bedeutendsten Liedschreiber der Neuzeit in Deutschland. Der Künstler kann über zwei Millionen verkaufte Tonträger vorweisen und auf etwa 1.300 Kompositionen aus seiner Feder zurückblicken. Die Kreativität und Schaffenskraft des bodenständigen Musikers ist bemerkenswert, veröffentlichte Conny Conrad im Juni 2008 mit "Guitarworld" ein tolles Instrumentalalbum, ehe im November 2008 mit "Generations 2" ein feines Rockalbum des Meisters erschien.

Kaum zu glauben, aber wahr: Der arbeitswütige Musiker hat auch ein neues Album seiner Prog-Rock-Formation DARK OCEAN schon so gut wie in trockenen Tüchern. Ich traf Conny Conrad (Das Foto zeigt ihn rechts im Bild mit seiner Band DARK OCEAN aufgenommen am 12.09.2008) im Oktober 2008 zu einem extensiven Interview in Stuttgart. Was der Vollblutmusiker mir über seine aktuellen Veröffentlichungen, seine Liebe zu BLACK SABBATH und seine Gedanken zur Casting-Industrie im Fernsehen erzählte, das ist nachstehend zu lesen. Viel Spaß!


Martin:
Du hast vor einigen Monaten "Guitarworld" veröffentlicht. Das Album deckt ein sehr weites Spektrum ab; stilistisch über Rock, Pop und auch Funk. Mich würde interessieren, über welchen Zeitraum hinweg die Kompositionen entstanden sind und wie lange du für den Aufnahmeprozess gebraucht hast.

Conny:
Es hat schon Monate gedauert. Die Idee schlummert in mir schon seit vielen, vielen Jahren, ein Album nur mit der Gitarre aufzunehmen. Ich kann zwar auch Keyboard spielen und viele andere Dinge. Ich bin mit der Gitarre geboren und ich werde auch mit der Gitarre sterben und da habe ich mir gedacht, dass man auch mal andere Instrumente mit der Gitarre simulieren könnte. Um eine Rockband zu simulieren, musst du ein Schlagzeug, Bass und auch das Keyboard irgendwie kopieren. Als ich die ersten Versuche gemacht hatte, habe ich das Ganze Freunden vorgespielt. Da kam die Frage auf, ob ich einen neuen Drumcomputer habe (lacht). Und dann habe ich gemerkt: Aha, es wird zumindest erkannt, dass man Drums simulieren will. Ich war begeistert und das hat mich motiviert. Dann hab ich mir gesagt, dass ich dieses Jahr mal nicht so viele Scheiben veröffentliche. Normalerweise bringe ich im Jahr so zwischen drei Entspannungsscheiben und zwei Rockscheiben raus. Aber dieses Jahr mache ich ein bisschen mehr Promo, weil ich ja jetzt 50 geworden bin und gönne mir dafür zwei Alben. Zum einen "Guitarworld" und zum anderen "Generations 2".

Zurück zur Frage: Du kannst komponieren nicht ein- und ausschalten wie ein Fernseh-Programm. Ich komponiere rund um die Uhr, da kann dir meine Frau Stories erzählen. Da steh ich nachts um halb drei auf, gehe an irgendein Instrument und probiere etwas aus. Ich bin zwar am nächsten Tag regelrecht tot, aber das muss sein! Wenn ich eine Melodie am nächsten Tag noch im Kopf habe, dann arbeite ich sie aus.

Martin:
Du hast ja wirklich alle Sounds auf der neuen CD mit E-Gitarre und Akustik-Gitarre erzeugt. Wie muss man sich das technisch vorstellen? Kannst du mal für Laien darstellen, wie das funktioniert?

Conny:
Es ist so: Ich habe mit der Faust auf jede Stelle der Akustik-Gitarre geschlagen und immer ein Mikrofon dran gehängt und am Rechner geschaut, wo werden die tiefsten Frequenzen übertragen. Also was klingt einer Kick- oder Bassdrum am ähnlichsten. Und diese Einstellung habe ich mir gemerkt: Dort, wo der Gurt hinten am Gitarrenkorpus fest gemacht wird.

Vielleicht die Keyboards noch: Seit ich Gitarre spiele, hat mich schon immer ein Sound fasziniert: Der Sound mit dem E-Bow (elektronischer Bogen). Das weltberühmte 'Love Hurts'-Gitarrensolo von NAZARETH wurde auf einem E-Bow gespielt. Auch Paul McCartney hat es auch schon verwendet. Auch eine meiner Lieblingsbands - THE STRAWBS - hat das damals auch schon verwendet. Mit der E-Bow kannst du Keyboard-Sounds auf der Gitarre simulieren. Man könnte nie vermuten, dass dieser Sound dann mit der Gitarre gemacht worden ist.

Martin:
Ist eigentlich vorher schon einmal versucht worden diese Sounds auf der Gitarre zu erzeugen oder bist du sozusagen der Innovator.

Conny:
Es ist mir nicht bekannt, dass das jemand zuvor gemacht hat. Ich möchte nicht behaupten, dass ich der erste bin, weil ich es nicht genau weiß. Ich würde mich freuen, wenn auch andere experimentierfreudiger an der Gitarre werden.

Martin:
Gibt es eine bestimmte Herangehensweise, wie du konkret an Kompositionen arbeitest und wie muss man sich das vorstellen? Gehst du nach einem regulären Arbeitstag in deinem Hauptberuf irgendwann abends nach Hause ins Studio, probierst was Neues aus, bringst Noten zu Papier oder sagst du gezielt in deinem Jahresurlaub: Okay, ich geh jetzt ins Studio, bunkere mich hier ein und arbeite konzentriert an einem neuen Album?

Conny:
So ist es nicht. Weder noch! (lacht) Ich komponiere rund um die Uhr. Ich habe ständig irgendwelche Melodien im Kopf. Und bei Melodien, die ich auch am nächsten Tag noch im Kopf habe, da setz ich mich dann an die Gitarre oder ans Klavier und probiere die Melodie mal ein bisschen aus. Ich spiele Akkorde oder Harmonien dazu. Wenn die Grundidee und die Harmonien dazu stehen, dann kannst du daraus einen Entspannungstitel oder auch einen Heavy-Metal-Song machen. Die Komposition bleibt dieselbe, nur das Arrangement ändert sich! Eigentlich wollte ich mich für dieses Jahr ein bisschen zurückziehen, aber auch durch das Geburtstags-Event sprudeln bei mir die Ideen. Manche Melodien habe ich dann am nächsten Tag immer noch im Kopf.

Martin:
"Guitarworld" ist jetzt erst ein halbes Jahr auf dem Markt (es erschien am 06.06.08) und du hast ja schon die nächste Veröffentlichung im Presswerk, "Generations 2". Erzähl uns doch etwas über deine neue Veröffentlichung.

Conny:
Beide Alben, "Generations 2" und "Guitarworld" werden, weil es Jubiläumsalben zu meinem 50. Geburtstag sind, nicht wie die früheren Produktionen einfach auf den Markt gebracht, so wie beispielsweise "Generations 1". Ich habe mir was Besonderes ausgedacht: Unser Label CoCo records international hat jetzt schon seit gut zwei Jahren den Umstieg von der CD-Herstellung zum Download-Bereich recht erfolgreich überwunden. Das heißt, wenn unser Label etwas veröffentlicht, dann gibt es das zunächst im Download-Bereich. Der zweite Schritt ist dann erst die Veröffentlichung auf CD. Zu meinem Geburtstag haben wir uns einen Gag erlaubt und zwar, dass von beiden CDs, "Guitarworld" und "Generations 2", jeweils 100 Stück mit jeweils dem Namen versehen werden, die die CD bestellen. Das hat natürlich nicht funktioniert, da keine 100 Namen auf die CD passen, aber 37 sind drauf.

OK, jetzt mal etwas zu einigen der Stücke auf "Generations 2" :

'Deep Inside - remix 2008'
Tja, was soll ich zum Chef einer der erfolgreichsten englischen Folkrock-Bands, nämlich THE STRAWBS, noch sagen? Sie hatten 1973 mit dem Lied 'Part Of The Union' übrigens in Deutschland einen Nr.1-Hit.

'Watching You Watch Over Me':
Auf dieses Stück bin ich besonders stolz, da ich Paul Roberts von SNIFFIN'THE TEARS dazu motivieren konnte, mitzumachen und damit seine Stimme 30 Jahre nach ihrem Welthit 'Drivers Seat' wieder zu hören ist. Zwischenzeitlich entwickelte er sich übrigens zu einem bekannten Maler.

'When The World Is Out Of Round':
Die "Heliumstimme" lebt! Nach dem Hit 'Julia' von PAVLOV'S DOG aus dem Jahr 1978 hat die Stimme von David Surkamp bis heute nichts an ihrer Faszination verloren.

'Open Your Heart':
Judith Hildebrandt ist eine bekannte und gleichermaßen auch sehr beliebte Schauspielerin. Sie spielt unter anderem in "Sturm der Liebe" und auch in der Serie "Marienhof". Sie kann als Sängerin bereits mehrere Veröffentlichungen vorweisen und überzeugt hier mit ihrer unglaublichen Rockröhre.

'Endless Road To Nowhere':
Herman Stones ist Deutschlands einziger rockender Krankenkassenchef. Ich habe mit ihm die Anti-Drogen-Initiative Propyact ins Leben gerufen. Hermann Stones ist über die Sendeformate SWR-Leute, SWR Leute Night und der SWR-Landesschau einem großen Publikum bekannt.

'This Is My Time':
Chris Dietrich ist ein gerade einmal 20jähriger Nachwuchssänger mit einer sehr außergewöhnlichen Stimme. Den solltet ihr mal testen!

'Message Of God':
Sänger Reno Rock ist Frontmann und Powerröhre der Rockband CABDRIVER. Er ist Besitzer eines Tonstudios, in dem ich "Generations 2" mixen und mastern lasse. Rene Rock singt hier eine interessante Variation meines DARK OCEAN - Klassikers 'Message of God'.

'Flight Into The Sun':
Mit Helena Mace kann ich eine junge, hochtalentierte Stimme aus Südengland (Bournemouth) fördern. Sie überzeugte bislang nicht nur mich.

'The Space Patrol Suite':
Mit diesem Instrumentalstück setze ich meinen orchestralen Stil der symphonischen Gitarren und monumentalen Keyboardklänge fort.

Martin:
Sag mal: Wann wurde eigentlich dein Label CoCo records international gegründet?

Conny:
Das war im Mai 1999.

Martin:
Auf deiner Geburtstagsfeier anlässlich deines 50. Geburtstags in Stuttgart hat George Holloway gesungen und du hast ihn als neuen Sänger von DARK OCEAN, deiner Prog-Rock-Band, vorgestellt. Wie und wo hast du ihn kennen gelernt? Hast du schon recht bald gewusst, dass du ihn als Sänger von DARK OCEAN haben möchtest?

Conny:
Aus verschiedenen Gründen hat es mit dem alten Sänger von DARK OCEAN, Elly Wilson, nicht mehr geklappt. Alles wurde auf Eis gelegt. Mit den anderen Mitgliedern hatte ich noch regen E-Mail-Kontakt und wir waren alle traurig, dass es nicht weiter geht. Dann ging die große Suche nach dem neuen Sänger los. Ich habe über 30 Sänger getestet - seit Mai 2006. Und das frustriert allmählich. Und eines Tages ruft mich unser Drummer Marc Coughlan an. Er habe neue Leute kennen gelernt und da sei ein Sänger dabei, der sehr motiviert sei. Die anderen haben dann ein paar Demo-Aufnahmen von alten DARK OCEAN-Titeln mit ihm am Mikrofon gemacht und von den Demo-Playbacks, die ich jetzt für das fünfte Album schon selbst hergestellt habe. Dann haben sie mir mal ein paar Ergebnisse aus England rübergebracht und ich hab gedacht: "Wow!" Alle alten Fans, die auch den ersten Sänger kannten, meinten, dass ich George schon von Anfang an hätte nehmen müssen. Er hat noch nie in einer Band gespielt, immer nur mit seiner Gitarre und dann auch nur gecoverte Lieder.

Martin:
Und wie gehen die Arbeiten am neuen DARK OCEANS-Album voran? Es soll ja im Frühjahr 2009 spruchreif sein.

Conny:
Ich komponiere seit 2006 am neuen Album. Und die gesamten Demos waren jetzt schon Monate lang in England, so dass alle schon die neuen Stücke kennen. Alle bis auf den Sänger. Nach meinem Geburtstagsevent ging es los mit Gesangsaufnahmen. Eric, unser Bassist, hat sein eigenes Studio so weit ausgebaut, dass er hervorragende Gesangsaufnahmen machen kann. Das heißt, es ist nicht mehr notwendig, dass George extra nach Deutschland kommen muss, um die Songs bei mir im Studio einzusingen. Es sind 12 oder 13 neue Titel und sie sind jetzt heftig am Einsingen. Mark wird im November/Dezember nach Deutschland kommen und eine Woche lang seine Drums hier einspielen. Ich bin sehr zuversichtlich, denn was meinen Part anbelangt: Ich bin mit allem fertig. Was ich selbst jedoch noch tun muss, wenn ich den Gesang von George habe, ist, dass ich die Chöre auf ihn anpassen muss. Dabei muss man auf Punkt sein mit dem Sänger. Das kann man vorher nicht machen.

Martin:
George hat ja wirklich eine ausgezeichnete Stimme. Er hat mir auch live sehr gut gefallen. Und auch Helena Mace ist eine sehr gute Sängerin. Sie sind ja beide an deinem Geburtstag aufgetreten. Wie ist das, wenn du das Talent von diesen Nachwuchskünstlern betrachtest: Ärgert es dich, wenn du irgendeine Casting-Show erblickst und du siehst, dass die Sänger dort von 0 auf 100 eine Karriere antreten und berühmt werden, während Sänger wie Helena und George womöglich niemals so berühmt werden?

Conny:
Mich ärgert das gar nicht, weil man dort zwischen musikalischem Können und Business unterscheiden muss. Und zwar ist es so: Die wirklich talentierten Sängerinnen und Sänger in den Casting-Shows sind - wenn die Show vorüber ist - wieder an genau dem Punkt, wo sie vorher auch waren. Dann sind sie wieder genau dort, wo George und Helen jetzt sind: am Anfang. Es ist so. Diese ganzen Casting-Shows werden von den Sendern ja nicht gemacht, weil sie jetzt ein soziales Verantwortungsgefühl entwickelt haben für irgendwelche Künstler, sondern sie brauchen Einschaltquoten. Das ist ein Format, das hervorragend funktioniert. Ich selber ertappe mich dabei, das Ganze intensiv anzuschauen. In der ersten Hälfte gefallen mir die Shows, weil die Jury (z.B. Dieter Bohlen) die Leute so runterlaufen lässt. Die zweite Hälfte ist interessant, weil dann die Leute übrig bleiben, die wirklich singen können. Der dritte Schritt bedeutet dann, dass die Nummer eins vermarktet wird; vielleicht noch am Rande die Nummern zwei und drei. Für den Rest heißt es: und tschüß! Die, die auf Nummer eins waren, von denen hört man oft gar nichts mehr. Und so etwas weiß man von vornherein. Deshalb kannst du diese Marktmacher gar nicht verurteilen. Jeder, der sich dort bewirbt, weiß, was auf ihn zukommt.

Martin:
Du hast laut deiner Website in deiner 35jährigen Karriere fast 1.300 Kompositionen verfasst. Hörst du auch alte Veröffentlichungen von dir von Zeit zu Zeit mal wieder an oder interessiert dich das, was du in der Vergangenheit gemacht hast, gar nicht? Konzentrierst du dich lediglich auf dein jetziges Wirken als Musiker?

Conny:
Das ist eine super Frage, die mich selber auch immer wieder beschäftigt. Was mich wahnsinnig interessiert, sind die wirklich ganz alten Sachen von mir aus den 1970er Jahren. Wenn ich die höre, dann weiß ich, wie ich mich in der Pubertät gefühlt habe. Ich habe hier einen richtig schönen A-B Vergleich, wie ich mich jetzt fühle. Der Unterschied ist gar nicht so groß. Man verändert sich zwar optisch, aber die Einstellung, die ich damals hatte, ist fast ähnlich zu meiner heute - trotz meiner Lebenserfahrung. Auch das Gespür, was mir genau am Gitarrespielen Spaß macht, das hatte ich damals schon. Und da muss ich immer schmunzeln, weil es damals nicht ganz so toll geklappt hat, wie es heute klappt. Was ich mir nicht gerne anhöre sind die Sachen, die in jüngster Vergangenheit produziert worden sind. Denn die könnte ich am Liebsten alle nochmal neu machen. Der Hauptgrund ist der, dass ich nie zufrieden bin mit dem, was ich gemacht habe. Ich muss irgendwann mal einen Punkt machen im Produktionsprozess und im kreativen Prozess. Mit der Komposition habe ich kein Problem, aber bei der Produktion musst du irgendwann mal 'nen Punkt machen, sonst kannst du sie nie veröffentlichen. Dieses ständige Nicht-Zufrieden-Sein führt mich dauernd weiter, wieder etwas Neues zu tun. Um eine Ausnahme zu nennen: Ich bin immer noch mit der "Guitarworld" hoch zufrieden. Das gab es bei mir wirklich noch nie. Für mich wäre es das Schönste, wenn mir das mit dem fünften DARK OCEAN-Album gelingen würde.

Martin:
Gibt es derzeit Metal- oder Hard-Rock-Bands, die dich wirklich interessieren? Beobachtest du, was Bands in diesem Genre derzeit so machen?

Conny:
Ich beobachte, aber ich habe auf Grund der derzeitigen ganzen Produktionen nicht die Zeit, speziell das, was im Metal-Bereich läuft, zu beobachten. Aber ich hab so meine "Agenten", die mir aus dem Internet Tipps zukommen lassen von Bands, die schlecht produziert sind, aber musikalisch einfach supergeil sind mit klasse Ideen. Kreativität kannst du dir nicht kaufen und Kreativität ist und bleibt Geschmackssache. Wenn ich derzeit aktuelle Sachen höre, dann ist nichts dabei, was ich mir kaufen würde. Aber für mich ist es egal, ob die Musik, die mir gefällt, von einer bekannten oder von einer unbekannten Band oder von einem Komponisten stammt.

Martin:
Ich habe gelesen, dass du ein großer BLACK SABBATH-Fan bist. Welche Scheibe ist eigentlich deine Lieblingsscheibe von SABBATH und warum? Schwierige Frage, oder?

Conny:
Nein, einfache Frage: "Sabotage"! Da haben sie auch sehr viel mit Keyboards gearbeitet und sie haben Chöre eingebaut. Ich mag das Album wegen dieser Keyboard-Einflüsse und den ruhigeren Titeln. Einer meiner Lieblingstitel von BLACK SABBATH ist immer noch ... (summt die Melodie und weiß zunächst den Titel nicht. Er überlegt weiter und flucht vor sich hin, weil ihm der Titel nicht einfallen will). Egal, ich habe alles von BLACK SABBATH. Ich hab auch alles von OZZY OSBOURNE und alles von TONY IOMMI, weil das einfach die Richtung ist, die ich gern höre, und zwar von frühester Jugend an.

Martin:
Wie bringst du deinen "Hauptberuf" als Kriminalbeamter ...

Conny:
(Conny fällt mir ins Wort) Wenn die Leute mitbekommen, dass ich Kriminalbeamter bin, dann bezeichnen sie es als "Hauptberuf". Warum eigentlich?

Martin:
Wie soll ich es sonst nennen? Deinen "Daily-Job"? Nein, Musiker ist auch ein Daily-Job.

Conny:
Ich habe sicherlich den Beruf als Kriminalbeamter und den übe ich auch gern aus seit 30 Jahren. Ich hab erst dieses Jahr 30-jähriges Dienstjubiläum gehabt. Das Problem, das ich in meiner Musikerkarriere erkannt habe, ist, wenn jemand weiß, dass ich noch bei der Polizei arbeite, er instinktiv das Level und die Qualität meiner Musik abwertet, ohne dass er es will. Dann sagt er: "Aha, du hast aber ein tolles Hobby!" Und wenn ich das Wort "Hobby" höre, dann kriege ich die Krise! Ich habe nun 92 CDs veröffentlicht in einer Auflage von insgesamt über 2 Millionen Exemplaren (!) und dann zu sagen: "Du hast aber ein schönes Hobby" ... Hobbys? Ich lese gerne Science-Fiction und spiele gern Tennis.
Ich will es einfach mal so sagen: Ich war schon viele Jahre Musiker. Da hätte ich nie gedacht, dass ich mal zur Kripo gehe. Weil zwischen deinem kreativen Potential und der Fähigkeit zu überleben, liegen Welten. Wenn ich neben der Musik keine andere Einnahmequelle hätte, dann müsste ich eine ganz andere Form von Musik machen, weil ich dann davon leben müsste. So aber bin ich kreativ frei und lebe nicht unter dem Zwang, etwas zu veröffentlichen, um meine Kinder zu ernähren und meine Brötchen zu verdienen. Das ist ein gravierender Unterschied. Ich hatte schon gigantische Erfolge und ich kenne viele große Namen, mit denen ich auch schon zusammen gearbeitet habe und dadurch wurde mein Schritt es so zu belassen, dieses Doppelleben zu führen, mehr als bestätigt. Ich bin ein Mensch, der in dem, was er tut, einen Sinn sehen muss. Nur etwas zu tun, damit du Geld verdienst, war noch nie mein Ding. Und da hin zu kommen, wo ich heute bin bei dem Tempo, war alles andere als einfach!

Martin:
Hast du eigentlich in deinem Büro an deinem Arbeitsplatz im Schrank irgendwo eine Gitarre stehen?

Conny:
Teilweise hatte ich das mal, ja. Über 70% meiner ganzen Musik läuft im Kopf ab! Ich brauche die Instrumente erst dann, wenn es zur Aufnahme geht.

Martin:
Gibt es eigentlich ein Instrument, das du überhaupt nicht ausstehen kannst?

Conny:
Oh ja! Ich sag mal, dass alles, was bläst, nicht so mein Ding ist. Blasinstrumente mag ich überhaupt nicht. Das Saxophon mag ich am wenigsten.

Martin:
Was wäre Conny Conrad ohne Musik?

Conny:
(ächzt und lacht) Conny Conrad ohne Musik wäre wie ein Auto ohne Reifen. Aus der Ferne sähe es wahrscheinlich aus wie ein Auto, aber je näher du ran kommst, desto weniger kannst du damit was anfangen. Ich hätte mit meiner Persönlichkeit so gut wie gar nichts zu tun, wenn ich kein Musiker wäre!

Martin:
Sally ist ja deine Ehefrau und gleichzeitig auch deine Managerin beziehungsweise die Geschäftsführerin von CoCo records international. Da entsteht doch bestimmt ein Spannungsfeld. Wie siehst du dieses Spannungsfeld Beziehung - Business?

Conny:
Dieses Spannungsfeld gibt es bei uns gar nicht. Sie ist Immobilienmaklerin und deshalb auch Geschäftsfrau und weiß, wie Geschäfte laufen. Ein Spannungsfeld gibt es, wenn wir uns über Musik unterhalten, weil sie ja keine Musikerin ist. Sie hört gern Musik, hat jetzt nicht wirklich meinen Geschmack und das ist aber auch das Gute! Ihr Musikgeschmack ist, seit sie mich kennt, durchaus rockiger geworden. Das stelle ich fest. Diese Diskussion der zwei Geschmäcker, das hat für mich was. Diese Diskussionen beeinflussen mich natürlich auch.

Martin:
Was bedeutet für dich, aus deinem persönlichen Blickwinkel heraus, das Wort "Erfolg"? Wie würdest du es persönlich beschreiben?

Conny:
Einfach ausgedrückt: Erfolg ist für mich, wenn immer mehr Menschen, die Musik, die du selbst machst, so toll finden, dass sie sie noch einmal anhören wollen. Das war's! Anders ausgedrückt: Du wirst durch die Medien gezwungen Musik zu hören, die du gar nicht hören willst. Im Prinzip, altersunabhängig, können sie nur unbewusst das kaufen, was ihnen die Industrie anbietet. Dadurch (durch Beruf, Familie ...) bekommen sie gar nicht mit, was es sonst noch auf dem Markt gibt. Es gibt Insider wie du, Martin und ich auch, die immer gierig darauf sind, was es Neues auf dem Markt gibt. Aber wir sind Exoten. Erfolg heißt für die meisten Leute hier: Je mehr du mit irgendetwas verdienst, desto erfolgreicher bist du. Das ist falsch! Erfolg heißt: Du tust irgendetwas, was anderen Menschen etwas bringt, das kann auch das intensive Gespräch sein. Das ist für mich Erfolg!

Martin:
Gib mir doch mal bitte ein Statement zu folgenden Künstlern:

- Jimi Hendrix -

Conny:
Ein revolutionärer Gitarrist, der allerdings in meinen Augen nicht zu den großen Virtuosen dieser Welt gehört, sondern er war ein Vorreiter, wenn es um Sound geht.

- Ronnie James Dio -

Conny:
Eine der gigantischsten Stimmen in der Rockmusik überhaupt, weil er sowohl in sehr tiefen Stimmlagen als auch in sehr hohen überzeugt und weil er genau die Romantik in der Stimme hat, die ich trotz aller Härte in der Rockmusik bei Sängern immer erwarte.

- TOKIO HOTEL -.

Conny:
Hä? Wer bitte?? (lacht) Ne, jetzt mal ganz im Ernst: Informierte Kreise behaupten, sie würden ihre Instrumente selbst spielen. Wenn dem wirklich so ist, dann ziehe ich den Hut, weil sie hervorragend eingespielt sind. Das ist jetzt kein Witz. Also wenn sie wirklich in diesem Alter ihre Instrumente so beherrschen, dann muss ich sagen: Die haben was drauf! Wie sie vermarktet werden, ist schlichtweg gigantisch! Jetzt als Komponist gesehen von der Musik her höre ich da nichts Neues, also gar nichts Neues. Also so was von überhaupt nichts Neues (lacht).

Das Problem, das ich mit Tokio Hotel habe, hab ich mit anderen ähnlich klingenden Bands auch, ob sie jetzt SILBERMOND heißen oder JULI oder CHRISTINA STÜRMER. Da kannst du einfach Sänger/Sängerin austauschen, oder nimm einfach die Stimmen weg, die Playbacks klingen alle gleich.

Martin:
Welche Charaktereigenschaft würdest du als deine positivste bezeichnen?

Conny:
Meinen Humor, der tut mir selber gut! Und diese Stehauf-Männchen-Mentalität. In meinem Leben ist schon sehr viel passiert und ich habe mich immer selbst wieder hoch gezogen. Dieses "Nicht-Aufgeben". Damit meine ich nicht nur die Musik, sondern das ganze Leben.

Martin:
Und welche Charaktereigenschaft würdest du als deine womöglich negativste ansehen?

Conny:
Negativ, hm ... was ist negativ? (Überlegt eine Weile). Ich hinterfrage manchmal zu viel. Da merke ich, manchmal wollen die Leute gar nicht mehr darüber reden und dann höre ich trotzdem nicht auf, weil ich es halt wissen will.

Martin:
Ich habe auf der Internetseite des DARK OCEAN-Fanclubs gelesen, dass du neben deiner Tätigkeit als Musiker gern liest und dass du gern Tennis spielst. Hast du für diese Freizeitinteressen noch Zeit angesichts der zahlreichen Kompositionen, an denen du arbeitest?

Conny:
Tja, das ist immer die große Frage. Ich finde erstaunlicherweise immer noch die Zeit, die meine Frau und ich einfach brauchen für uns und da gehört Tennisspielen einfach dazu.

Martin:
Wir sind jetzt am Ende des Interviews angelangt. Hast du noch eine Message parat, die du den Musikfans, den Conny Conrad-Anhängern und den Lesern von POWERMETAL.de mit auf den Weg geben willst?

Conny:
Bei dieser Freude an der Musik, die die POWERMETAL.de-Menschen haben und an den Tag legen (seit 2001, seitdem ich POWERMETAL.de kenne) muss ich sagen: Macht weiter so! Ich freue mich nach wie vor, dass es POWERMETAL.de gibt. Aus dem ganz einfachen Grund, weil schon viele andere, die es auch ehrlich meinen, einfach ihre Portale haben schließen müssen, aus welchen Gründen auch immer. Und weil einfach nicht das große Geld dahinter steht, sondern die gemeinsame Freude an einer ganz bestimmten Richtung von Musik, damit diese nicht ausstirbt. Und das finde ich einfach bewundernswert.

Martin:
Hast du noch eine Message an die Fans deiner Musik?

Conny:
Bleibt bei eurem guten Musikgeschmack!


Anmerkung:
Ein Dankeschön für die tatkräftige Unterstützung bei diesem Interview geht an Carolin Rist.

Redakteur:
Martin Loga

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