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CROSSCUT: Interview mit Frank Holtmann

01.01.1970 | 01:00

Kommenden Montag, den 29.11., ist offizieller Release der dritten und überaus eindrucksvollen CROSSCUT Scheibe "Director's Cut". Wenn man der umstrittenen Aussage - das dritte Album einer Band ist das entscheidende, wegweisende Album - folgen darf, stehen die Ruhrpott-Metaller an einem Scheideweg Richtung Himmel oder Hölle, zwischen Gut oder Böse und aufs Biz bezogen, zwischen Erfolg und Misserfolg.
Diesem Denken steht man im Hause CROSSCUT allerdings mehr als gelassen gegenüber, wie mir Bandsprachrohr Frank Holtmann im folgenden Interview suggerieren konnte.

Oliver:
Servus Frank, und alles fit im Schritt bei CROSSCUT?

Frank:
Alles bestens! Die Veröffentlichung der neuen Platte steht an, bisher gibt’s nur sehr positive Reaktionen, wir haben soeben die Bestätigung fürs With Full Force erhalten und die Tour rückt immer näher.... was will man da mehr!?!

Oliver:
Erst einmal Gratulation zu "Director's Cut". Verdammt heftiges und intensives Album, das ich in der Form nicht erwartet hätte und mit Sicherheit einige andere Leute auch überraschen dürfte, glaubst du nicht auch?

Frank:
Vielen Dank! Es stimmt, das Album ist heftiger geworden als "God Given Time" und "NoSizeFitsAll". Bisher hat es die Hörer und Kritiker auch überrascht, und zwar positiv! Das freut uns natürlich!

Oliver:
Was mir beim ersten Durchhören sofort in den Sinn gekommen ist: "Director's Cut" ist alles andere als ein Album, mit dem CROSSCUT auf "Nummer sicher" gegangen sind. Ich hätte eher ein Album erwartet, das von der Eingängigkeit her in Richtung "NoSizeFitsAll" geht, aber Pustekuchen. Dafür meinen Respekt! Wie seit ihr das Songwriting angegangen und lastete irgendeine Art von Erwartungsdruck auf euch?

Frank:
Eigentlich lastete kein Erwartungsdruck auf uns. Zwar gibt es hier und da Erwartungen von verschiedenen Seiten. Das hat uns aber noch nie wirklich unter Druck gesetzt. Auf gewisse Art und Weise sind wir schon auf "Nummer sicher" gegangen, nämlich dass wir uns total mit dem Album identifizieren können und es bisher am ehesten an das rankommt, was wir wirklich machen wollen! Beim Songwriting haben wir uns an einer Erfahrung orientiert, die wir während der Tour zum letzten Album gemacht haben. Da bestand das Live-Set hauptsächlich aus harten Songs. Somit war es nur folgerichtig, dass wir beim Album auch etwas an Härte zulegen, da wir eine Band sind, die sich in erster Linie über den Live-Sektor etabliert. Und daher wollten wir auf dem Album nichts anderes machen, als auf der Bühne.

Oliver:
Kann es sein, dass Ihr euch in letzter Zeit des öfteren Acts wie KILLSWITCH ENGAGE oder SHADOWS FALL und Konsorten reingezogen habt? Ein dezenter Einschlag in die Richtung dieser Bands lässt sich nicht verleugnen, ohne euch in irgendeiner Weise Abkupferei zu unterstellen. Vielmehr finde ich, dass euch dieser "Einfluss" verdammt gut zu Gesicht steht.

Frank:
KILLSWITCH ENGAGE und Konsorten befinden sich schon in unseren CD-Regalen. Wir hören auch Musik in der Richtung. Allerdings ist es eher der Schritt in Richtung Thrash Metal und damit ein Schritt zurück in die Richtung von Musik, mit der wir damals begonnen haben. KILLSWITCH ENGAGE, HATEBREED oder wer auch immer aus dem Genre haben die Musik, die sie machen, auch nicht (neu) erfunden. Sie setzen sie aber gut um! Nichts anderes wollen wir auch machen - die Musik, die wir machen, gut umsetzen!

Oliver:
Allgemein finde ich, dass die Scheibe im Vergleich zum Vorgänger eindeutig mehr "Old School Metal"-Elemente aufweist, aber auf der anderen Seite noch abwechslungsreicher ist. Die Scheibe ist ein einziges Feuerwerk, bei der man ständig Neues entdecken kann. Was allerdings für den ein oder anderen "Normalokonsumenten" etwas zu sperrig sein dürfte bzw. dieser sich nicht die Zeit für das Album nimmt, der es unbedingt bedarf. Wie siehst du die Thematik?

Frank:
Du hast es genau auf den Punkt gebracht. Es ist schon so, dass sich der Hörer / die Hörerin bitte die Zeit nehmen muss, um sich in das Album etwas reinzuhören. Denn nur dann hat man die Möglichkeit, auch alles zu entdecken und parallel mit dem Textheft vielleicht Situationen zu finden, die man ähnlich durchlebt hat! Das ist auch übrigens eine der Hauptaussagen, die wir oft zu "Director’s Cut" erhalten: Je öfter ich das Album höre, um so besser finde ich es! Was will man da mehr!?!

Oliver:
Was hat die Stadt Las Vegas verbrochen, dass man sie niederbrennen müsste? In dem Song ('Burn Down Las Vegas') heizt ihr der Stadt ordentlich ein ... geiles Stück!

Frank:
Haha, die Stadt selbst gar nichts! Es wird quasi als Synonym benutzt, als Verkörperung von äußerer Schönheit, verblendend und von einer extremen Oberflächlichkeit gekennzeichnet; ebenso für Vertrautheit und Offenheit, die aber nur fadenscheinig ist und nicht der Wirklichkeit entspricht.

Oliver:
Nach "NoneSizeFitsAll" musstet ihr plötzlich ohne die Turntables auskommen. Das hat die Sache live irgendwie rauer und authentischer gemacht. Die Suche nach einem neuen Plattendreher hat wohl nichts ergeben, oder? Wird es in dieser Richtung noch irgendwelche zukünftigen Anstrengungen geben?

Frank:
Es kamen nach vielen Konzerten Besucher zu uns und haben uns gesagt, dass ihnen CROSSCUT ohne DJ viel besser gefällt. Darüber sind wir natürlich erleichtert, zumal es doch den ein oder anderen Song - wie beispielsweise 'Radio Pilot' - gibt, bei denen die Turntables eine relativ wichtige Rolle spielen. Daher hatten wir anfangs auch überlegt, dass wir einen Ersatzmann an Bord holen. Allerdings hat sich niemand passendes gefunden. Mittlerweile sind wir aber eigentlich ganz glücklich. Ob es für immer bei dieser CROSSCUT-Formation bleibt, lässt sich aber jetzt noch nicht sagen. Momentan fahren wir aber so ganz gut!

Oliver:
Ich bin regelmäßiger Besucher eurer Homepage und amüsiere mich jedes Mal, wenn ich eure Tagebücher lese. Mir scheint, ihr seid getränketechnisch keine Kostverächter? Euer Glück dabei ist wohl auch, dass ihr einen Kollegen im Line-Up habt, der nichts trinkt und somit wohl immer zum Fahren verdammt ist. Das hab ich doch noch richtig im Kopf, oder!?

Frank:
Das hast du nur halb-richtig im Kopf, leider. "Leider" deswegen, weil Timo, der keine alkoholischen Getränke konsumiert, keinen Führerschein hat. Ironie des Schicksals! Hehe... (Tja, was man nicht im Kopf hat, hat man... - Anm. d. Verf.).

Oliver:
Konzentriert ihr euch im nächsten Jahr eher wieder auf Wochenend-Shows oder gibt's diesmal auch eine längere zusammenhängende Tour, evtl. auch als Support für einen größeren Headliner? Da würden sich ja mittlerweile etliche Bands hervorragend anbieten...

Frank:
Wir werden wahrscheinlich wieder eine Wochenend-Show-Tour machen, da wir damit die besten Erfahrungen gemacht haben. Das Ganze wird schwerpunktmäßig im Januar und Februar stattfinden. Ob es daneben noch eine Supporttour für einen größeren Headliner geben wird, ist jetzt noch nicht sicher. Das hängt auch davon ab, ob sich was anbietet. Wir sind da offen für (fast) alles!

Oliver:
Frank, was hat dich eigentlich dazu bewogen, die Haare ein paar Etagen kürzer zu tragen?

Frank:
Den Gedanken hatte ich eigentlich schon länger. Letztlich hat dann meine mündliche Examensprüfung den Zeitpunkt bestimmt. Nach 13 Jahren langer Haarpracht war ein Wechsel mal ganz gut. Allerdings bin ich echt erstaunt, wie viele Leute mich darauf anhauen! Vielleicht sollte ich sie wieder wachsen lassen, haha.

Oliver:
Wie definierst du den "perfekten Song" und welchen eurer Songs findest du persönlich perfekt?

Frank:
Den "perfekten Song", der von jedermann als perfekt empfunden wird, gibt es nicht. Von unseren Songs hat jeder Song eine besondere Art, zumindest für uns. Der "perfekte Song" bzw. das Gefühl, einen perfekten Song zu schreiben, zu hören oder als solchen zu empfinden, ist einerseits total subjektiv und andererseits absolut situationsbezogen. Es gibt also wahrscheinlich eher für bestimmt Situationen perfekte Songs.

Oliver:
In wie viel Prozent der Fälle bist du von Interviews gelangweilt? Was muss ein Interview haben, dass du hinterher auch sagen kannst "Ja, das hat was getaugt"?

Frank:
Also die Anzahl der interessanten Interviews überwiegt absolut. Vor allem ist es so, dass fast alle Interviews interessantere Fragen und eher nicht so interessante Fragen haben. Selbst wenn, was z. B. bei der "NoneSizeFitsAll" wegen der Guestvocals von Mille und Braz der Fall war, immer die gleichen Fragen kommen, ist es okay, schließlich bieten sich viele Fragen auch einfach an. Man muss nur aufpassen, dass man nicht anfängt, robotermäßig auf Fragen zu antworten. Für mich hat ein Interview "was getaugt", wenn ich danach das Gefühl habe, durch die Fragen des Interviewpartners und meine Antworten den Leser oder Hörer mit allen wichtigen Infos über CROSSCUT gefüttert zu haben. Es hängt also auch davon ab, dass ich gute Antworten gebe, haha.

Oliver:
Was ist für dich persönlich interessanter, die Zeit vor oder nach einem Album-Release? Also die Zeit des Schreibens und Studios oder Interviews, Promogeschichten und Touren?

Frank:
Total diplomatisch: beide Zeiträume sind interessant! Vorher ist es immer wieder aufregend zu sehen, wie sich Songs hier und da entwickeln und selbst im Studio noch Feinheiten erarbeitet werden. Nach dem Studioaufenthalt freut man sich natürlich über seine Arbeit und ist voller Vorfreude bis zum Album-Release! Momentan freuen wir uns total auf weitere Reaktionen ab dem 29.11., wenn "Director’s Cut" endlich in den Läden steht. Interviews, Promogeschichten und - last but not least - die Tour ist ein stressiger, aber großartiger Teil des Ganzen. Vor allem - und das noch als Ergänzung zur Vorfrage - wenn man zwischendurch immer wieder neue Fragen, Reaktionen etc. von vielen verschiedenen Leuten erhält.

Oliver:
Ein schlauer Kollege von mir hat mal den Spruch abgelassen: "Musik ist kein Wettbewerb". Wie stehst du zu dem Statement? Was hältst du von den ganzen Bandwettbewerben, die es so für junge Bands gibt? Wenn Musik kein Wettbewerb ist, was ist sie dann?

Frank:
Ganz schlaue Antwort, aber total wahr: Musik ist ein Lebensgefühl! Bandwettbewerbe, wobei es da auch vom Wettbewerb selbst abhängt, sind eine ganz gute Sache. Junge Bands bekommen eine Möglichkeit, vor etwas größerem Publikum zu spielen. Außerdem kann man hier und da auch gute Preise absahnen. Dadurch, dass wir z. B. damals vier von vier Wettbewerben gewonnen haben, konnten wir z. B. immer wieder neue Demos aufnehmen! Wahrscheinlich kommt es auch auf die innere Einstellung an, die man bei der ganzen Sache hat und was man erreichen will. Wenn man viel erreichen will, kann Musik schon ein Wettbewerb sein. Allerdings nicht unbedingt mit anderen Bands, sondern mit sich selbst. (Gut gebrüllt, Löwe - Anm. d. Verf.).

Oliver:
Okay, dann wäre ich auch schon am Ende. Danke für deine Zeit. Die letzten Worte gehören dir...

Frank:
Zunächst mal besten Dank fürs Interview und deine / eure treue CROSSCUT-Unterstützung! Ist ja schließlich nicht das erste Interview mit euch! Ich hoffe, dass das Interview für die Leser "was getaugt hat" und er / sie zumindest einen ersten bzw. weiteren Eindruck von CROSSCUT erhalten hat. Um diesen Eindruck zu intensivieren, hilft ein Blick auf unsere Homepage. Dort gibt’s weitere Infos, über Tourdates bis hin zum "Free Download" von unserer ersten Clubsingle 'Parade Of Clones'!


Redakteur:
Oliver Kast

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