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DARK BOUND E.V.: Interview mit Vereinsvorstand

27.11.2007 | 17:41

Nicht nur ein feucht-fröhliches Zusammensein auf alkoholischer Basis wollen die Jungs und Mädels des Dark Bound e.V. schaffen. Bei ihrem Konzept der Underground Metal Messe Pt. II wollen sie Idee der skandinavischen Metal Expo-Events in der thüringischen Provinz umsetzen. "Wir möchten die Akteure des Metal-Business an einen Ort zusammenbringen, damit sich vor allem der Underground besser vernetzen kann", sagt die 21-jährige Teresa aus dem Vorstand des Vereins aus Northeim.

Die Stadt westlich vom Harz ist das geographische Zentrum des Vereins, die meisten seiner Mitglieder wohnen da und in der Umgebung. Außer Teresa: Sie kommt aus Weimar. Und in der Goethe- und Schillerstadt soll denn auch zu Pfingsten im kommenden Jahr die Metal-Messe stattfinden. Am 10. und 11. Mai ist dafür das Jugend- und Kulturzentrum "mon ami" mitten in der Innenstadt gemietet. Die Dark Bound-Mitglieder hoffen auf bis zu 500 Besucher und rund 30 Aussteller - von Bands über Labels, Vertriebe, Fanzines, Veranstalter, Merchandiser, Instrumentenbauer bis hin zu Technik-Ausstattern. "Wir möchten die Messe auf keinen Fall als einfaches Konzert mit ein paar mehr Ständen verstanden wissen", sagt der 27-jährige Florian, auch einer vom Vorstand. Im Idealfall stellen sich die Vereinsmitglieder den Ablauf so vor: Während sich tagsüber Aussteller auf der Messe präsentieren, soll auf der Bühne ein Programm mit Diskussionen, Workshops und kleineren Vorführungen stattfinden. Dazu kommt eine Gastro-Ecke und jeden Abend ein Konzert. "Die Drahtzieher der Szene sollen ins Gespräch kommen, um so vielleicht gemeinsame Projekte zu entwickeln, die allen Seiten - Fans, Bands, Labeln - nutzen, weil Erfahrung so gebündelt wird", erklärt Teresa. So sollen zwangsläufig vorhandene Distanzen aufgehoben werden. Fast betriebswirtschaftlich spricht sie von einer "Win-Win-Situation" - alle haben etwas davon. In anderen Ländern funktioniert das Konzept bereits: Etwa in Finnland, wo einmal im Jahr die Finnish Metal Expo in einem riesigen Messe-Komplex stattfindet: Beispielsweise mit solchen Schmeckerchen wie Gitarren-Workshops mit CHILDREN OF BODOM, fetten Abend-Gigs und hunderten Ständen aus aller Welt. In Deutschland gibt es so etwas bisher noch nicht. Und auch in Weimar ist das Vorhaben wesentlich kleiner. "Dennoch sei so vieles denkbar", sagt Teresa - und wenn es ein gemeinsam organisiertes Konzert in Regionen ist, um die Tourbusse der größeren Bands sonst einen Bogen machen: "Wir hoffen zusätzlich, dass mit der Messe auch die Besucher ermutigt werden, selbst in der Szene aktiv zu werden: Sei es als Musiker, Veranstalter oder Journalist..."

Schon immer, so betonen die Vereinsmitglieder unisono, habe ihnen solche Art Förderung am Herzen gelegen. 1999 wurde der Zusammenschluss gegründet, in diesem Jahr ins Vereinsregister eingetragen. Im vergangenen Jahr im Mai organisierten die Mitglieder schon ihre erste Metal-Messe, allerdings mit "durchwachsenem Erfolg", wie sie bekennen. "Allerdings haben wir dadurch dennoch viel Erfahrung und ein großes Netz an Kontakten gewonnen", sagt Teresa. Dazu versteht sich der Verein auch ein Stück als Label für kleine Bands. MEMBARIS aus dem Westerwald sind so ein Beispiel: Deren Album "Poetry Of Chaos" wurde über Dark Bound produziert. Dabei vertritt der Verein die typische Underground-Philosophie: Kein Kommerz. "Wir sind gemeinnützig und selbstlos", sagt Teresa. Ihr 26 Jahre alter Freund Jörgen, bei Dark Bound-Konzerten für die Technik zuständig, nickt dabei und ergänzt: "Wir teilen alle die Leidenschaft für Death und Black Metal, haben eine Abneigung gegen die Kommerzialisierung der Szene, gegen Nazis und gegen künstliche Hypes, die um eigentlich stinknormale Bands veranstaltet werden."

In diesem Sinne ist auch das bisher feststehende Programm der Metal-Messe gehalten. Einige Stände sind schon bestätigt: Das Party.San Open Air kommt, der Cudgel-Vertrieb ebenso. Ebenso ist das Veranstaltungsportal www.metal-events.de und das Thüringer Label Nocturnal Empire mit dabei, dazu Outer Noise Media, eine Firma, die Flyer druckt. Als Bands konnten bisher die Lokalmatador-Deather DISASTER K.F.W., die Berliner Todesblei-Proggies von UNSOUL, die Berliner Death-Walze GOLEM, die Düsseldorfer Brachial-Kracher VERMIS und das Oldenburger Zerstörungskommando OBSCENITY gewonnen werden. "Wir planen pro Abend etwa fünf Bands spielen zu lassen", sagt Florian. Im Gespräch sei darüber hinaus das Kino nebenan nutzen zu können, etwa für einen Film-Nachmittag mit "coolen Rock-Filmen." Die Preise sollen dabei human gestaltet sein: Rund 20 Euro kostet der Eintritt für die zwei Tage, in eben dieser Klasse sollen auch die Standmieten liegen. "Wir kalkulieren ohne Gewinn und hoffen, dass wir nichts drauflegen müssen", sagt Florian. Um die Besucher unterzubringen, sollen mehrere Jugendherbergen in der Nähe reserviert werden. Ganz Unentwegte können sogar auf einem Zeltplatz bei Weimar campen. Ebenso wollen sich die Dark Bound-Leute um günstiges Catering und billige Getränke für ihre Gäste bemühen. "Wir möchten einen großen Gemütlichkeitsfaktor", sagt Teresa. Doch um die Messe eben zu so einer bunten Veranstaltung wie geplant zu machen, braucht sie noch mehr Stände, die sich präsentieren und den Weg nach Weimar wagen. "Wenn ihr einen neuartigen Weg sucht, etwas in der Metalszene zu bewegen, wenn ihr dem übersättigen Festival- und Konzertmarkt etwas Innovatives entgegensetzen wollt, dann kooperiert mit uns", wirbt Teresa. Denn je mehr Leute dabei seien, umso größer der Erfolg, desto wahrscheinlicher fruchtbringende Kontakte und Projekte. Teresa: "Wenn die Messe ein Erfolg werden sollte, könnte sie längerfristig eine regelmäßige Institution werden - und so den Zusammenhalt in der Szene stärken helfen."

Im Internet: www.darkbound.net

Redakteur:
Henri Kramer

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