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DEADLOCK: Interview mit John Gahlert

15.02.2011 | 16:18

DEADLOCK haben mit "Bizarro World" erneut ein starkes Album vorgelegt, auch wenn es etwas weniger Experementierfreude beinhaltet. Wir sprachen mit dem gesprächigen Bassisten John Gahlert über diese bizarre Welt.

Der Vorgänger "Manifesto", war ein mutiges, ziemlich experimentelles Werk, das dem Metaller mit seinen Techno- und HipHop-Einlagen eine Menge Toleranz abverlangte. Das Echo darauf fiel nicht nur positiv aus und auch DEADLOCK selbst waren der Meinung, dass weniger hier mehr sei. "Ja, das stimmt auf jeden Fall.", gibt John zu. "Es war einhelliges Feedback, dass auf "Manifesto" viele Experimente darauf sind. Die einen fanden das besser, die anderen weniger gut, aber angesprochen wurde dies immer. "Bizarro World" ist dagegen runder, homogener und auch durchgängig auf die Live-Situation übertragbar. Das klingt alles wie aus einem Guss. Da trägt natürlich auch die Produktion dazu bei, die sehr state-of-the-art und dennoch sehr erdig ist." Die großen Experimente hat man aber nicht abgeschafft, wie John gleich lachend nachlegt: "Natürlich gibt es diese Experimente immer noch, aber die haben wir uns diesmal für die Limited Edition aufgehoben. Da gibt es die dann aber auch mit der vollen Breitseite. Wir haben da auch tolle Partner für die Experimente gefunden. Das eine DJ-Duo kommt eher aus dem Hardline-Techno-Bereich, während das andere eher in Richtung Goa/Trance geht. Das sind also auch Genres, an die wir uns bislang noch gar nicht rangewagt haben."

Und weil DEADLOCK schon immer Fannähe bewiesen haben, hat man sich für die Fans auch noch ein Extra ausgedacht: "Wir gehen ja auf eine kleine Record-Release-Tour und dort werden wir die Limited Edition dann zum Preis der normalen CD anbieten können." Ein Mehrwert ohne Mehrkosten ist natürlich immer gern gesehen. Nach dieser kurzen Tour geht es dann auch gleich mit ILL NINO und BREED77 auf Tour. Überhaupt fällt auf, dass DEADLOCK bei der Wahl ihrer Tourpartner ein breites Spektrum abgrasen, wie die Packages gemeinsam mit SONIC SYNDICATE oder LACUNA COIL und DOMMIN beweisen. Über die gern gescholtenen Jungspunde von SONIC SYNDICATE hat John aber nur positive Worte übrig: "Ja, die Tour mit den Jungs hat wirklich Spaß gemacht und auch unsere Manager haben sich gut verstanden. Und man kann ja über die Musik sagen, was man will, aber mit welcher Professionalität sich die Band jeden Abend auf ihre Show vorbereitet, sich schon vorher schon anstachelt und immer auch eine Riesenshow abzieht, ist schon beeindruckend. Davor kann man nur den Hut ziehen.", gibt John zu Protokoll. "Für uns ist einfach nur toll zu sehen, dass wir sowohl mit SONIC SYNDICATE oder LACUNA COIL, wo wir ja die härteste Band im Billing waren, als auch mit DARK TRANQUILITY und HEAVEN SHALL BURN eine tolle Resonanz bekommen. Das ist ja eine große Wertschätzung für uns." Dass DEADLOCK mit all diesen Bands auf Tour gehen können und auch auf den Alben die Grenzen immer auslotet, liegt nicht ausschließlich an der "Freiheit des kleinen Künstlers". "Das ist ein schöner Begriff und das stimmt natürlich auch, aber es ist bei uns auch einfach so, dass die Individuen in unserer Band das so einfordern. Wir sind einfach alle so offen und wollen das ganz genau so haben.", erklärt John.


Der Eindruck, dass Goldkehlchen Sabine auf "Bizarro World" mehr denn je in den Vordergrund gerückt ist, kann John nicht wirklich entkräften, aber erklären: "Einen Song wie die Abschlussballade hatten wir ja bereits auf den beiden Vorgängern, aber dass bei 'State Of Decay' nur Sabine singt, liegt einfach daran, dass unser Sänger Joe beim Hören des Songs gemeint hat, dass die Nummer besser klingt, wenn nur Sabine singt. Wir haben ihn ja ursprünglich mit Joe aufgenommen, aber er war dann der Meinung, dass es mit seinen Vocals einfach nicht so passt." Egos werden bei DEADLOCK offensichtlich nicht besonders wichtig genommen. Sehr sympathisch. Die Entscheidung 'State Of Decay' als digitale Single vorher zu veröffentlichen, war zu diesem Zeitpunkt bereits gefallen. "Ja, den Song hätten wir auch mit Joes Vocals ausgekoppelt. Da muss sicher niemand einen kommerziellen Gedanken suchen. Es wäre ja albern zu glauben, dass wir einen Song vorab veröffentlichen, weil wir uns da in kommerzieller Hiinsicht irgendetwas erhoffen. Wenn ich dann schon irgendetwas von "sell-out" lese, wird mir ganz anders. Für einen "sell-out" muss man ja überhaupt erst einmal etwas verkaufen.", stellt John klar und fügt an: "Das soll nicht heißen, dass wir nicht zufrieden sind, denn unser letztes Album hat sich ja auch für unsere Verhältnisse weltweit ganz gut verkauft und wir hatten die Möglichkeit in Japan & Russland zu spielen, das ist alles spitze. Aber es ist nun mal nicht so, dass wir jetzt mit der Band das große Geld verdienen können. Wir sind sechs berufstätige Leute, die sich freuen Musik machen, aus der Bandkasse den Proberaum bezahlen und auf Tour gehen zu können, vom großen Erfolg träumt da bei uns keiner mehr.", gibt John zu.


Wie bei DEADLOCK üblich sind die Texte auf "Bizarro World" mehr als ein Ohr wert. John erläutert die Idee hinter den Lyrics: "Es geht darum, dass das, was uns als gut z.B. von den Politikern und den Medien verkauft wird, tatsächlich etwas Schlechtes ist. Das ist so der rote Faden, der sich durch die Texte zieht. Also absurde Tatsachen, verdrehte Fakten, faule Kompromisse, die uns tagtäglich medial als Realität untergejubelt werden. Und das Ziel der Übung ist dann einfach zu sensibilisieren, darauf hinzuweisen, dass man nicht alles fressen sollte, was einem vorgelegt wird und auch kritisch hinterfragen muss. Unter diesem Aspekt ist es dann natürlich auch toll, wenn man sieht, dass die Leute wie jetzt bei Stuttgart21 auf die Straße gehen. Es ist doch wünschenswert, dass die Menschen wieder für sich selbst denken und entscheiden."

Redakteur:
Peter Kubaschk

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