DESTRUCTION: Interview mit Mike

01.01.1970 | 01:00

Das Schicksal meinte es gut mit mir. Die Interviewtermine mit Schmier hatte ich verpasst, da ich zu dieser Zeit gerade im Urlaub weilte, aber ich wollte mir DESTRUCTION natürlich trotzdem nicht entgehen lassen. Also bekam ich jetzt Gitarrist Mike an den Hörer und das war mehr als in Ordnung. Denn Schmier-Interviews kann man ja nun wirklich überall lesen, aber dass Mike mit überaus witzigen, intelligenten und sehr ehrlichen Antworten aufzuwarten weiß, geht da doch ein wenig unter. Das war jedenfalls das coolste und interessanteste Interview, das ich bisher führen durfte. Nichts gegen Schmier, aber DESTRUCTION-Fans sollten sich auch mal zu Gemüte führen, was Sympathicus Mike so zu sagen hat. Sehr lesenswert!


Stephan:
Was für 'ne Laus war euch denn über die Leber gelaufen, dass ihr so einen Wutklumpen fabriziert habt?

Mike:
(Schüttelt sich erstmal ausgiebigst vor Lachen) Ja, Läuse gibt's genug, die auf der Welt rumkriechen, würde ich mal sagen. Mal den Fernseher einschalten und mal die Tagesschau gucken oder das allgemeine Programm. Da gibt's dann schon viel zu maulen, finde ich.

Stephan:
Und gab es auch spezielle Gründe?

Mike:
Nein, eigentlich nicht. Die ganze Welt ist eigentlich ein spezieller Grund. Ich denke mal, dass es alle Menschen hier gut haben könnten, nur dass es halt da ein paar Arschlöcher gibt, die da was dagegen haben. Und das ist schade, da kann man schon 'ne Wut kriegen.

Stephan:
Bei der Veröffentlichung gab es ja ein paar sehr merkwürdige Pannen. Was ist denn da genau passiert?

Mike:
Es gibt vieles, was nicht so hätte sein sollen. Wo fange ich da am besten an? Erstmal mit dem Pappschuber. Der sollte eigentlich schwarz sein und jetzt ist er halt braun. Jetzt ist es eben ein Kackschuber. (Gelächter) Da haben sie einfach die Farben in der falschen Reihenfolge drauf gedruckt und da kam das dabei raus. Und da haben sie auch gleich ziemlich viel davon gemacht und da war es zu spät, um das zurückzunehmen. Und dann geht das weiter mit der vertauschten Reihenfolge, die Tracklist ist irgendwie fucked up. Da haben sie den vierten Song als zweiten gemacht. Nur das wird jetzt geändert, wir machen noch mal ein neues Mastering, weil auch noch ein paar kleine Cracks drauf sind. Die Leute können die "Fuck up"-Version einschicken und kriegen eine Vernünftige dafür.

Stephan:
Oder sie behalten sie als Sammlerexemplar.

Mike:
Ja, wenn sie wollen. Was mir aber nicht so recht wäre. Klar wäre es mir lieber gewesen, wenn alles mit rechten Dingen zugegangen wäre. Weil es sind so viele Fehler, da müssen wir auch noch ein ernstes Wörtchen mit ein paar Zuständigen reden. Weil es macht wirklich keine Freude, wir reißen uns da den Arsch auf, halten jeden Termin ein und dann so was.

Stephan:
Würdest du mir zustimmen, dass die neue Scheibe sich eher an euren allerersten Platten orientiert und nicht so modern wie "All Hell Breaks Loose" klingt?

Mike:
Kann wohl sein, das sagen auch die meisten Leute. Ich hab's da nicht so bewusst darauf angelegt, Schmier vielleicht ein bisschen eher. Der Gesang ist auch wesentlich aggressiver, der schreit schon mehr. Und bei den Gitarren weiß ich jetzt auch nicht, ich hab halt ausgepackt, was möglich war. Nur geguckt, dass es mehr auf die Nuss geht.

Stephan:
Ich finde, es klingt mehr old-School.

Mike:
Ja, das sagen eigentlich Alle, da muss es wohl auch so sein. Wir haben schon darauf geachtet, dass wir bei der Neuen ein bisschen mehr in die Fresse gehen.

Stephan:
Habt ihr sonst noch was verändert im Gegensatz zu "All Hells Breaks Loose"?

Mike:
Nicht wirklich. Wir haben einfach viel gespielt zwischendurch, viele Konzerte gemacht und auch im Proberaum nicht faul gewesen. Bei der "All Hell..." waren wir noch nicht so lange zusammen. Wenn man das aber eine Weile macht, dann sollte da eine Entwicklung schon da sein und ich glaube, die hört man jetzt auf der neuen Scheibe. Die Band ist einfach eingespielter.

Stephan:
Was denkst du im Nachhinein, hätte man an der aktuellen Platte vielleicht noch verbessern können?

Mike:
Das ist jetzt noch zu früh zu sagen. Ich kann sie jetzt noch nicht so oft wieder hören, obwohl es mittlerweile schon wieder geht. Wenn man das die ganze Zeit spielt, dann braucht man erstmal ein bisschen Abstand. Es ist noch ein bisschen zu frisch.

Stephan:
Worauf habt ihr bei den Songs besonderen Wert gelegt?

Mike:
Sie sollen halt aggressiv rüberkommen. Die Texte sind relativ aggressiv und da muss die Musik auch aggressiv sein. Es muss halt Energie dabei rauskommen. Wir haben im Studio zwar auch die neueste Technik verwendet, sprich Pro-Tools und so was. Aber viele Bands stückeln bloß ihre Musik damit zusammen. Die nehmen irgendwas auf und machen Loops damit oder richten das Schlagzeug damit gerade, wenn irgendwelche Schlagzeugfehler drauf sind. Aus dem Grund haben wir's nicht gemacht, wir haben alles so gelassen wie es war. Einfach nur aus soundtechnischen Gründen, wegen der Dynamik und so.

Stephan:
Ich würde mal behaupten, "Thrash Till Death" und "Nailed To The Cross" gehören so ziemlich zum Besten von DESTRUCTION, zumindest aber werden sie wohl oder übel ziemlich bald als Klassiker bezeichnet werden.

Mike:
Das hört man gern.

Stephan:
Wenn man solche Songs schreibt, geht man da irgendwie anders ran, gibt's da irgendwas Besonderes oder ist das genauso wie bei den Übrigen auch?

Mike:
Man weiß eigentlich nie vorher, was bei einem Song rauskommt. Manchmal machen wir den auch im Studio noch ein bisschen anders. Da kommt der Tägtgren (HYPOCRISY, PAIN sowie Producer von ca. 1000 Bands) an und sagt, jetzt würde ich aber die Drums anders herum spielen oder so. Manchmal ist es ganz komisch, da mag man, bevor man ins Studio geht einen Song am liebsten und nachher findest du alle Anderen besser.

Stephan:
Wann merkt man, dass ein Song ein absoluter Volltreffer geworden ist oder merkt man das gar nicht?

Mike:
Meistens ist es die Reaktion der Leute. Bei "Thrash Till Death" haben wir schon selber ein bisschen gedacht, der könnte ein Hit sein. Aber das fängt auch schon im Proberaum an. Da kommen dann irgendwelche Kumpels rein und sagen: "Wow, das ist gut" und du denkst "Ach, leck mich, DAS? So besonders finde ich das gar nicht". (Gelächter) Das ist halt so ein Prozess, aber bei "Thrash Till Death" haben wir uns das schon so ein bisschen gedacht, dass der was werden könnte.

Stephan:
Das wird er bestimmt auch.

Mike:
(lacht) Das wär wünschenswert. Es gibt viele Leute, die sagen, die neueste DESTRUCTION ist eigentlich die Beste. Das haben bei der Letzten nicht so Viele gesagt. Aber es gibt halt auch noch viele Old-Schools, die da mehr "Eternal Devastation" (1986, drittes Album - Anm. d. Verf.) oder so was mögen.

Stephan:
Gibt es für dich persönlich eigentlich eine DESTRUCTION-Platte, die dir besser gefällt als das aktuelle Album?

Mike:
Nö, nicht wirklich. Ich bin ganz zufrieden mit dem neuen Album. Auch soundtechnisch ist es ganz gut geworden, bis auf die Cracks halt, aber das machen wir ja jetzt noch mal neu.

Stephan:
Wie ist das beim Songwriting, schreibt ihr die Songs zusammen oder macht Schmier da die Hauptarbeit?

Mike:
Zusammen ist es immer. Zuerst ist meistens ein Riff da und die meisten Riffs mache ich wohl. Aber Schmier hat da auch immer ein paar Ideen. Meistens ist es komisch, da hab ich was und da kommt der Schmier an: "Oh, da hab ich neulich auch so was ähnliches gemacht" und dann mischen wir das irgendwie zusammen. Die meisten Riffs mache ich und die Hooklines macht dann der Schmier gerne, das ist eben Teamwork. Und die Texte macht dann der Schmier, wenn er so ein Grundgerüst hat. Und wenn er dann einen Text hat, dann muss man hinterher meistens noch mal umstellen. (röchelt) Refrain zweimal oder so. Die Arrangements macht man dann halt ganz zum Schluss.

Stephan:
Gibt es bei den Lyrics irgendeinen roten Faden, der sich durch das Album zieht?

Mike:
(röchelt) Hass! (lacht)

Stephan:
Nur Hass?

Mike:
Schon ziemlich viel Hass. Muss ich schon sagen, da ist schon ziemlich viel Wut dabei.

Stephan:
Und mehr thematisch?

Mike:
Thematisch ist es dann schon die Kritik an vielen Missständen, die wir hier auf der Erde haben. Das ist dann schon der rote Faden, da gibt es viel zu motzen.

Stephan:
Habt ihr euch eigentlich schon mal Gedanken darüber gemacht, wie um alles in der Welt ihr "The Antichrist" mit dem nächsten Album toppen wollt?

Mike:
Macht man sich nie...

Stephan:
Könnte schwierig werden.

Mike:
(lacht) Uh, wir probieren halt. Keine Ahnung. Vielleicht noch ein bisschen Sport machen zwischendurch, dann kann man vielleicht noch schneller spielen. (Gelächter) Aber schneller muss es ja auch gar nicht sein. Aber darüber darf sich ein Musiker eigentlich keine Gedanken machen. Wenn's dann nicht so gut wird, dann haben wir halt Pech gehabt. Wir geben uns auf jeden Fall Mühe.

Stephan:
Habt ihr auch schon Kritik am neuen Album einstecken müssen?

Mike:
Ja, so ein paar Sachen halt, dass das Cover zu klischeemäßig wär. Ich weiß selbst, dass es Klischee ist, aber was ist nicht Klischee? Die Leute, die daran rummotzen, deren Klischee ist es eben, dass sie gerne motzen. Und dann eben irgendwelche inkompetenten Outfitsachen, Stänkerer halt...

Stephan:
Aber an der Musik wohl nicht?

Mike:
Bis jetzt habe ich das eigentlich noch nicht gehört, aber da gibt's sicher welche, die sagen, das klingt zu modern oder nicht dreckig genug. Ich kenne die Leute, das sind die Black Metal-Fans oder die, die wirklich auf 'nen dumpfen Knüppel stehen. Wenn sie das hören wollen, sollen sie es hören, aber das ist wirklich Geschmackssache. Ich mag auch nicht so, was die hören, aber ich motze die ja auch nicht an, was sie in meinen Augen für einen komischen Musikgeschmack haben. Überhaupt Toleranz ist ja auch wichtig und warum soll ich noch klingen wie vor 15 Jahren. Wenn man immer nur das Gleiche macht, dann finde ich das langweilig und das tun eigentlich auch nur dumme Leute, die sich nicht verändern wollen.

Stephan:
Wie gehst du mit unberechtigter Kritik um?

Mike:
Zum einen Ohr rein und zum Anderen raus. Gut, das nervt dann manchmal schon. Kommt auch darauf an, von wem die Kritik kommt. Manchmal denke ich wohl, es ist unberechtigt und dabei hat es doch irgend einen Hintergrund. Nur zu viel denke ich nicht darüber nach, wenn ich ehrlich bin. Über gute Kritik auch nicht. Die baut zwar auf, aber ich habe schon so viel Plattenkritiken gelesen, da machst du irgendwann einfach zu.

Stephan:
Mit Peter Tägtgren werdet ihr sicherlich bis in alle Ewigkeit aufnehmen, oder?

Mike:
Das weiß ich noch nicht. Auf der Letzten hatten wir das Angebot vom Andy Sneap (KREATOR u.a.), auch ein interessanter Mann. Immer beim Gleichen ist dann vielleicht auch nicht gerade ein Fortschritt. Aber das sind noch ungelegte Eier und auf "The Antichrist" hat der Tägtgren sich wirklich den Arsch aufgerissen und hat auch eine Weiterentwicklung gebracht. Und jetzt muss man mal gucken, ob da noch Spaß dabei ist oder ob man vielleicht doch mal den Andy probieren soll, weil die machen halt auch gute Sachen.

Stephan:
Wer war denn für das ziemlich geile Cover verantwortlich?

Mike:
Der hat auch schon SPOCK'S BEARD- und HYPOCRISY-Cover gemacht, Eberhard heißt der.

Stephan:
Eher typisch für 'ne Black Metal Band ist ja eigentlich der Titel "The Antichrist". Warum habt ihr das Album nicht viel passender einfach "Thrash Till Death" genannt?

Mike:
Das findest du passender? Na, es ist vielleicht ein bisschen glatter und bei "The Antichrist" kann man sich vielleicht ein bisschen mehr dazu denken. Es ist auch ein bisschen provokant und viele Leute haben uns auch davon abgeraten, das so zu nennen. Sie meinten, wir könnten damit Probleme kriegen und das stimmt auch. Zum Beispiel ist die ganze Ladung für die Schweiz am Zoll hängen geblieben. Ich weiß auch nicht warum, irgendwie wollten sie die wohl auf den Index setzen. Aber gerade weil es so provokativ ist, haben wir es so genannt. Aber "Thrash Till Death" hatten wir auch im Hinterköpfchen. Und als wir in Kolumbien gespielt haben, kamen total viele Leute mit dem Buch von Nietzsche - "Der Antichrist" - und wollten da unbedingt unsere Unterschrift drauf haben. Wir haben ja auch einen alten Song, der schon so heißt. Und das ist uns da wieder eingefallen, da kann man ja vielleicht die Platte so nennen. Ja, und dann haben wir es einfach gemacht.

Stephan:
Auf dem With Full Force habt ihr auch das THE EXPLOITED-Cover "Fuck The USA" als neuen Song gespielt. Was passiert jetzt mit dem? Der ist ja nicht auf dem Album.

Mike:
Der ist in Europa nicht drauf, weil die Japaner wollen halt immer Einen extra. Und da musst du Einen extra aufnehmen, sonst wollen die das gar nicht rausbringen. Ja, aber wir hatten auch Bock drauf, weil das war uns ein bisschen wie ein Anliegen. Weil auf der letzten Ami-Tour, da lief's ja wieder ab. Die nerven uns einfach die Amis. Und da haben wir gedacht, so kann man es mal machen.

Stephan:
Wie zufrieden warst du mit eurem Auftritt beim WFF?

Mike:
Ich fand das ganz okay da. Viele Leute haben gesagt, es war zu leise, aber es war eigentlich bei jeder Band zu leise. Oder es war zu viel Bass. Gut, SEPULTURA waren ganz schön...

Stephan:
SOULFLY!

Mike:
Ja, das war ganz schön laut, aber der Sound war nicht gerade gut. Aber lange Rede, kurzer Sinn - die PA war halt zu schwach. Das nächste Mal müssen sie eine stärkere Anlage hinstellen. Da haben sie ein bisschen gespart, das fand ich schade.

Stephan:
Und welche Bands hast du dir noch angesehen?

Mike:
Oh, wart' mal, wer hat denn da jetzt noch alles gespielt? Das weiß ich schon gar nicht mehr...

Stephan:
Also, MOTÖRHEAD zum Beispiel.

Mike:
Na, die waren einen Tag vor uns, da waren wir noch in Belgien am Spielen beim Graspop. Aber SOULFLY hab ich gesehen und im Zelt am nächsten Tag, da hat so 'ne komische irische Punk-Fun-Band gespielt, die fand ich nicht schlecht. (Die sind zwar aus Boston, aber ich glaube, er meint REACH THE SKY - d. Verf.) Und was war denn da alles... ach, der TOWNSEND noch...

Stephan:
PAIN haben auch gespielt.

Mike:
Ach, PAIN. Die hab ich wohl auch gesehen. (Peter hätte dir auch in den Hintern getreten, wenn nicht... - d. Verf.) War schon nicht schlecht, gell?

Stephan:
Jüpp, hat schon echt Spaß gemacht.

Mike:
Ja, ich bin ja eh gern auf dem Festival, weil es ist einfach das Beste. (Endlich mal Einer, der nicht bloß das Wacken lobt... - d. Verf.) Es ist nicht so groß und es sind einfach nette Leute dort. Nur wie gesagt, diesmal war mir echt die PA zu schwach, da müssen sie das nächste Mal gucken, dass sie was Besseres auffahren.

Stephan:
Freust du dich schon auf die Hammertour Ende des Jahres mit SODOM und KREATOR?

Mike:
Ja klar freue ich mich drauf. Es werden wohl genug Leute kommen und die Jungs sind cool.

Stephan:
Wie werden denn da die Spielzeit und die Running Order aufgeteilt?

Mike:
Das ist noch nicht wirklich durch. Da müssen wir uns noch mal unterhalten. Die Spielzeit ist wohl für alle drei gleich lang, vielleicht so 75 Minuten.

Stephan:
Wie wär's, wenn ihr das Monster-Package perfekt machen würdet und noch HOLY MOSES und TANKARD mitnehmen würdet?

Mike:
(lacht) Ja, klingt schon sehr interessant. Wär dann vielleicht ein bisschen gigantomanisch, weil jede Band ist bei einer anderen Agentur. Und das ist dann manchmal auch nicht so einfach, das alles unter einen Hut zu kriegen. Ist wohl im Moment noch ein bisschen zu viel Aufwand.

Stephan:
Fest steht auch schon, dass ihr auf dem Wacken Open Air nächstes Jahr spielen werdet. Plant ihr noch weitere Festivalauftritte?

Mike:
Hey, das weißt du aber alles schnell. Das weiß ich ja erst seit vorgestern.

Stephan:
Ich weiß es auch erst seit gestern.

Mike:
(lacht) Okay. Jaja, das ist ziemlich sicher, das wir da beim nächsten Mal spielen, aber sonst habe ich echt noch keinen Plan. Wahrscheinlich machen wir da mehrere Festivals, so die ganzen europaweiten Sachen wie Milano (er meint das Gods Of Metal - Anm. d. Verf.) und Schweden-Metal und so was.

Stephan:
Jetzt habt ihr live ja wirklich die Qual der Wahl, welche Songs ihr spielt. Wie wird das Verhältnis zwischen den Songs der letzten beiden Alben und den alten Schinken sein?

Mike:
Ja, das wird schwer. Von der Neuen müssen wir schon zwei, drei Songs spielen. Von der "All Hell..." würde ich auch sagen, zwei bis drei Songs. Und was bleibt dann noch übrig - acht Alte oder so. Vielleicht machen wir es so, dass wir mehr Medleys spielen, also so ein paar Alte zusammenhängen. Wird schwierig, weil dann kommt immer jemand und sagt: "Ohr, warum habt ihr den nicht gespielt". Oder vielleicht wechseln wir es auch mal ab, dass wir jeden Abend ein bisschen anderes Programm machen. Weil manche Leute kommen ja zweimal und dann haben die zwei verschiedene Shows gesehen. Das ist vielleicht noch eine Idee.

Stephan:
Ich hab kürzlich den Veranstalter vom Leipziger Kultevent "Heavy Metal - nix im Scheddel" getroffen und der...

Mike:
Oh, die Aufkleber hab ich bei mir zu Hause an der Tür. (lacht)

Stephan:
Jedenfalls erzählte der mir, dass ihr gerne mal bei ihm auftreten würdet. Warum wird daraus aber vermutlich trotzdem nichts werden?

Mike:
Das ist doch so ein kleiner Keller mitten in der Stadt, oder?

Stephan:
Na, die sind jetzt in ein größeres Teil umgezogen. (Nennt sich Kulturbundhaus, um mal ein bisschen Werbung zu machen - d. Verf.)

Mike:
Ja, weißt du, wir kennen die Leute vom Hellraiser (der größte Metal-Club der Stadt - d.Verf.) halt ziemlich gut und die sind dann auch immer ziemlich verrückt, "Ihr müsst unbedingt bei uns spielen" und so...

Stephan:
Auf jeden Fall meinte der, euer Label hätte wohl was dagegen, dass ihr bei ihm spielt.

Mike:
Also nicht wirklich das Label. Aber der letzte Stand der Dinge war der, dass er gesagt hat, in den Keller gehen ungefähr 300 Leute rein, aber in den Hellraiser gehen mindestens 1000 rein. Und wenn wir schon in Leipzig spielen, dann spielen wir lieber die große Show, weil der zahlt auch mehr. Wir müssen ja auch leben. Wir haben ja auch nicht gesagt, dass wir grundsätzlich nicht bei ihm spielen möchten.

Stephan:
Er hat ja auch gesagt, dass ihr als Band sehr gerne bei ihm auftreten würdet.

Mike:
Jaja, an sich schon, aber ein bisschen rechnen muss man auch. Also wenn die Location größer ist und die kriegen die voll, dann spielt man die Große. Wenn der vom "Nix im Scheddel" was machen will, dann muss er sich halt 'ne Halle mieten und sagen, ich bring 1500 und dann spielen wir dort. Das klingt jetzt ein bisschen kapitalistisch, tut mir leid. Aber es ist halt so, es muss sich auch alles ein bisschen rechnen.

Stephan:
Ist DESTRUCTION die beste deutsche Thrash-Metal Band?

Mike:
Das weiß ich nicht. Da musst du die Leute fragen. Ich find KREATOR auch ganz gut.

Stephan:
Dann frag ich mal anders, wer gehört deiner Meinung nach noch zu den Top Five in Deutschland?

Mike:
Also ich find KREATOR schon ziemlich gut, HOLY MOSES war eben auch geil da am Full Force Festival. SODOM, die haben halt Höhen und Tiefen, ich hab jetzt die Neue noch nicht gehört ("M 16", kommt am 22.10. in die Läden - Anm. d. Verf.). Aber die sind halt auch ganz gut. Was gibt's da noch?

Stephan:
TANKARD vielleicht...

Mike:
Ja, TANKARD. Geile Liveband! Machen immer gut Stimmung. Auf Platte ist mir die Bier-Thematik manchmal ein bisschen zu... äh...

Stephan:
Langweilig?

Mike:
Ja, sagen wir mal so. Aber an sich gibt's bei denen nix zu maulen, das sind nette Jungs. Die tun ihr Bestes und live gefallen die mir echt.

Stephan:
Hast du eigentlich schon was vom neuen SLAYER-Album gehört?

Mike:
Ja, aber ich habe da nur die kurze Version gehört und da waren nur sechs Songs drauf. Aber es heißt, das sind die Langsamen davon. Und das ist auch noch gar nicht gemastert, was ich habe, die haben sie scheinbar noch mal neu gemastert. Alle haben eigentlich gesagt, es ist Scheiße, aber ich finde es nicht so schlecht, dafür dass es die langsamen Songs sind. Es hat mich zwar nicht gerade vom Sessel gehauen, aber ich fand es okay. Und wenn da noch ein paar Schnellere dabei sind, könnte ich wohl damit leben. Hast du die Ganze?

Stephan:
Nein, ich habe die noch gar nicht. Die kommt ja auch erst heute offiziell raus.

Mike:
Na, mal gucken, vielleicht kaufe ich die mir sogar.

Stephan:
Wenn man euch live spielen sieht, merkt man, dass DESTRUCTION nicht bloß aus Schmier bestehen, sondern eine richtige Band sind. Glaubst du, dass das früher anders war?

Mike:
Es kann ja nicht anders sein. Stell mal nur den Schmier auf die Bühne, da kommt halt Bass und Gesang und das klingt dann schon ein bisschen dünn ohne Schlagzeug und Gitarre. (Gelächter) Eine Band braucht eigentlich Jeder, sogar MALMSTEEN braucht eine. (Punkt für dich! - d. Verf.)

Stephan:
Also: Glaubst du, dass du mit Schmier jetzt besser harmonierst als früher?

Mike:
Auf jeden Fall. Früher war halt mal kurz der Wurm drin und dann hat's auch gleich gescheppert. Jetzt sind wir sicherlich ein bisschen vorsichtiger miteinander. Und wir sind ja auch älter, da ist man nicht mehr so impulsiv. Also da gibt's keine Probleme mehr.

Stephan:
Wer hält eigentlich die Namensrechte für DESTRUCTION?

Mike:
Das ist nicht so ganz klar. Auf jeden Fall gehört er uns. Mit Steamhammer (Ex-Label - d. Verf.) hatten wir ja einen langen Prozess deswegen, der ging über drei, vier Jahre. Mit zweiter Instanz und so - Scheiße alles! Also der Name gehört schon uns und nicht mehr dem Label, sonst hätten wir den für die neuen Sachen ja gar nicht benutzen dürfen. Also so viel ist klar, er gehört halt Schmier und mir.

Stephan:
Wie siehst du im Nachhinein Schmier's Trennung von der Band?

Mike:
War wahrscheinlich schon ein Fehler. Da hätten wir uns vielleicht dazumal doch ein bisschen hinhocken und noch mal reden sollen. Das war ein etwas voreiliger Entschluss und hat Beiden nicht so gut getan. Aber aus Fehlern kann man ja auch lernen und wer weiß, ob es wirklich ein Fehler war. Vielleicht hätten wir uns dann noch mal hingesetzt und uns trotzdem die Schädel eingeschlagen. Es lief halt so und jetzt ist es wieder okay.

Stephan:
Hast du es erwartet, dass eure Fans euch so vehement zurückfordern würden?

Mike:
Nicht wirklich. Ich hab zwar immer noch die Szene verfolgt und mir immer so die guten Sachen gekauft, aber eben nicht mehr jedes Magazin gelesen. Und dann kamen aber immer mehr Kumpels mit dem und dem Heft und sagten, die Band, das sind DESTRUCTION-Fans und so. Und da dachte ich mir, ist ja toll, die mögen das alle. Und dann hat eines Tages der Schmier mal angerufen und gemeint, die wollen, dass wir auf dem Wacken und so spielen, ob ich nicht doch Bock hätte. Kann man ja mal probieren, hab ich gesagt. Weil zuerst mal, musst du ja sowieso proben und schauen, ob du es überhaupt noch drauf hast. Auch mit dem neuen Schlagzeuger und ob das überhaupt Spaß macht. Aber es war cool und dann hammer halt...

Stephan:
Macht es dir eigentlich was aus, zumindest in puncto Popularität hinter Schmier nur die zweite Geige zu spielen?

Mike:
Nö, das ist mir sogar ganz Recht. Der Schmier hat ein hartes Los. Wenn er irgendwo ist, da kleben die Leute sofort an ihm und ich kann mich schön ab und zu vorbeischmuggeln. Schmier macht das auch gerne, im Mittelpunkt stehen und so, aber ich hab halt auch gerne mal meine Ruhe. Und das passt ganz gut so.

Stephan:
Na, dann werde ich dir jetzt mal wieder deine Ruhe lassen...

Mike:
Ruhe hab ich jetzt noch keine, ich hab noch vier Interviews. Aber ich hab noch 'ne schöne Flasche Wein hier stehen, da geht das alles.

Stephan:
Hast du noch irgend welche letzten Worte?

Mike:
Letzte Worte? Immer reinhauen, immer wacker, Heavy Metal is the law!

Stephan:
Dann vielen Dank für das Interview. Und wir sehen uns dann auf jeden Fall auf der Tour Ende des Jahres.

Mike:
Wunderbar. Hau rein!

Redakteur:
Stephan Voigtländer

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