DEVIN TOWNSEND: Interview über "Empath"

29.01.2020 | 23:41

Vergangenen November hatte ich das Glück, DEVIN TOWNSEND himelf (in Fachkreisen auch "The Dev" genannt) vor dem Konzert in Berlin im Astra Kulturhaus zu einem Interview zu treffen. Wir haben uns hauptsächlich über sein aktuelles Album "Empath" und die darauf enthaltene musikalische Bandbreite unterhalten, ich konnte ihm aber auch einige interessante Antworten in Bezug auf sein früheres Schaffen entlocken.

Es ist Nachmittag, als ich im Astra Kulturhaus aufschlage. Da ich etwas zu früh dran bin, darf ich noch einige Minuten warten und kann mir bereits die Konzerthalle ansehen, wo die Vorbereitungen für die Show am Abend bereits auf Hochtouren laufen. Schließlich werde ich in einen kleinen Nebenraum geleitet, in dem mich Devin mit einem freundlichen Grinsen im Gesicht empfängt.

Nach der herzlichen Begrüßung spreche ich ihn darauf an, dass seine letzte Akustik-Tour komplett ausverkauft war und die Karten für die aktuelle Tour ebenfalls weggehen wie warme Semmeln. "Ja, das ist verrückt", erwidert er lachend. "Es ist immer schön für einen Musiker, wenn sich die Fans für das interessieren, was man macht. Das gibt einem die Bestätigung, dass man irgendetwas richtig gemacht hat."

Natürlich interessiert mich in Bezug auf seine aktuelle Scheibe "Empath" brennend, warum diese als erste seit 2007 wieder unter seinem eigenen Namen veröffentlicht wurde, und nicht wie die letzten Alben als DEVIN TOWNSEND PROJECT. "Nun ja, vielleicht hätte ich es von Anfang an unter meinem eigenen Namen herausbringen sollen. Mir ist einfach in den letzten Jahren bewusst geworden, dass ich in einer festen Band nicht so funktionieren kann wie ich möchte. Ich habe genaue Vorstellungen, wie bestimmte Dinge gehandhabt werden, und andere Bandmitglieder habe diese auch", antwortet er lachend. "Man wird mit den Jahren eben schlauer und sieht manche Dinge anders als früher. Ich habe festgestellt, dass ich besser arbeiten kann, wenn ich die Musik komplett alleine mache und mir nur für die Liveshows andere Musiker mit ins Boot hole. Die Musik eines Albums spiegelt immer meine derzeitige Stimmung und Gefühlslage wider, und ich möchte einfach nicht mehr Kompromisse mit den anderen Bandmitgliedern eingehen müssen. Ich kann manchmal ein ziemlicher Sturkopf sein", sagt er mit einem zwinkernden Auge.

Da ich in einem englischsprachigen Magazin gelesen hatte, dass er zuerst vorhatte, ein Pop-Album zu schreiben, muss ich natürlich nachbohren, ob das denn stimmt. "Ja, das stimmt tatsächlich", antwortet er lachend. "Ich hatte ein Interview mit einem Radiosender und habe das dort direkt erzählt, weil es zu diesem Zeitpunkt genau das war, was ich machen wollte. Allerdings ist das immer so eine Sache, wenn ich mir vornehme, wie meine Musik klingen soll, dann kommt am Ende oft genau das Gegenteil dabei heraus." Dem kann ich nur zustimmen, denn "Empath" ist alles andere als ein Pop-Album geworden, es enthält mit 'Hear Me' sogar den härtesten Song seit vielen Jahren. "Die Idee mit dem Pop-Album war bereits zwei Wochen nach dem Interview längst wieder vom Tisch, aber das Internet vergisst eben nichts", erwidert er augenzwinkernd. "In den letzten Jahren habe ich auch gedacht, dass ich keine harten Songs mehr machen will. Das hatte ich damals mit STRAPPING YOUNG LAD zur Genüge gemacht, da musste ich genau solche Songs schreiben, weil ich voller Wut war. Aber ich habe gemerkt, dass mir die harte Musik immer noch sehr gefällt, FLESHGOD APOCALYPSE beispielsweise finde ich richtig stark. Wenn ich diese Art von Musik immer noch mag, und viele meiner Fans mögen sie ebenfalls, warum also nicht mal wieder einen härteren Song machen. Mir war einfach danach."

Mit 'Why?' wurde auf "Empath" dann direkt im Anschluss ein Song platziert, der gegensätzlicher nicht sein könnte. "Ja, das ist auch so eine Geschichte. Einen Song wie diesen hätte ich früher wohl nie geschrieben, weil er mit Heavy Metal nicht viel zu tun hat. Heute ist mir das egal, ich schreibe einfach die Musik, auf die ich Lust habe, denn es wird immer Leute geben, denen es nicht gefallen wird. Andererseits gibt es immer Leute, die es mögen. Jedem einzelnen kann man es ohnehin nicht recht machen. Ich bin eben sehr flexibel und höre sehr viel verschiedene Musik. Da meine Mutter sehr viel Musicals und Gospelmusik gehört hat, wurde ich vor allem in meiner Kindheit sehr viel damit konfrontiert. Ich hatte einfach mal Lust, einen solchen Song zu schreiben und finde auch, dass er an dieser Stelle am besten funktioniert, gleich nach dem härtesten Song des Albums." Dem kann ich nur zustimmen, auch das Video dazu ist übrigens sehr gelungen.

Die musikalische Bandbreite von "Empath" ist bekanntlich wieder sehr breitgefächert, da bin ich doch gespannt, ob es eventuell schon Pläne für den Nachfolger gibt. "Bis jetzt noch keine konkreten, allerdings habe ich mir vorgenommen, die nächste Scheibe etwas geordneter zu gestalten als "Empath", also nicht so viele verschiedene Musikstile einfließen zu lassen. Vielleicht wird es ein härteres Album, vielleicht auch ein softeres. So denke ich heute, wie ich mich kenne, kann das morgen allerdings schon wieder ganz anders aussehen", antwortet er mit breitem Grinsen. "Ich bin ganz schlecht im Planen von Musik. Das was gerade in mir ist beziehungsweise in mir vorgeht, das muss kanalisiert und auf Platte gepresst werden. So bin ich immer vorgegangen und das funktioniert so ganz gut."

Ob die Möglichkeit einer STRAPPING YOUNG LAD- oder DEVIN TOWNSEND PROJECT-Reunion besteht? "Momentan ganz klar nein. Aber nicht, weil ich die alten Songs nicht mehr mag, sondern weil ich mir dieses Bandding einfach nicht mehr vorstellen kann. Es ist natürlich gut möglich, dass wir auf zukünftigen Touren wieder einige dieser Lieder ins Programm nehmen werden. Ich schließe auch nicht aus, dass ein zukünftiges Album von mir wieder in Richtung STRAPPING YOUNG LAD gehen wird, aber es wird dann unter dem Namen DEVIN TOWNSEND veröffentlicht. So viel kann ich bereits jetzt sicher sagen." Das macht ja zumindest Hoffnung, denn vor allem die STRAPPING YOUNG LAD-Sachen haben immer noch sehr viele Fans, wozu ich mich selbst auch zähle. "Darauf werde ich oft angesprochen. Früher habe ich auch in vielen Interviews gesagt, dass es solche Musik von mir nicht mehr geben wird, weil mir damals einfach nicht danach war. Aber ich kann mir aktuell schon vorstellen, in Zukunft wieder eine komplette Scheibe mit Songs vom Kaliber 'Hear Me' zu schreiben. Dann aber wie gesagt unter dem Banner DEVIN TOWNSEND." Das ist doch mal eine Ansage, die bei vielen Fans für Begeisterung sorgen dürfte.

Leider ist unsere Zeit begrenzt, der nächste Interviewer wartet bereits vor der Tür. Ein schnelles Foto geht aber noch, bevor ich mich bei Devin für seine Zeit und seine interessanten Ausführungen bedanke und ihm alles Gute für das Konzert heute Abend sowie die restlichen Termine der Tour wünsche. In meinen Augen kann Devin nicht nur super Musik schreiben, sondern ist auch eine verdammt coole Socke und zudem überaus sympathisch. In Deutschland gibt es The Dev in diesem Sommer auf dem Wacken Open Air zu sehen, das solltet ihr euch auf keinen Fall entgehen lassen. Und wer "Empath" mittlerweile immer noch nicht gehört hat, sollte diese Lücke schnellstmöglich schließen.

Redakteur:
Hermann Wunner

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