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DRACONIAN: Interview mit Anders Jacobsson

17.01.2005 | 23:18

Bereits DRACONIANs Erstling "Where Lovers Mourn" ließ die Fachpresse wie auch die metallische Zunft aufhorchen. Doch ein großer Erfolg bliebt mit besagter Scheibe noch aus. Gerade mal anderthalb Jahre später stehen die jungen Schweden mit neuem Material vor der Tür und fordern das, was ihnen zusteht. Anerkennung und den Weg zur breiten Masse, den sie natürlich stilgerecht in einem schmerzenden und herzzerreißenden Trauermarsch hinter sich bringen werden. "Arcane Rain Fell" schimpft sich das neue Epos und quillt fast über vor doomiger Metalkunst, die kalt und heftigst intensiv unter die Haut zu dringen vermag. Als ich die Scheibe zum ersten Mal hörte, war klar, dass ein Interview her muss, um den Namen DRACONIAN auch in Deutschland etwas salonfähiger zu machen. Sänger Anders Jacobsson war darüber nicht unglücklich.

Alex:
Hi Anders, eure neue Scheibe "Arcane Rain Fell" wird in Kürze spruchreif. Kannst du mal euren bisherigen Werdegang beschreiben, von den Anfängen der Band bis hin zum neuen Masterpiece?

Anders:
Die Band wurde 1994 von Johan und zwei früheren Mitgliedern unter dem Banner KERBEROS gegründet. Sechs Monate später kam ich dazu. Im Jahr darauf nahmen wir unser erstes Demo "Shades Of A Lost Moon" auf, das wirklich sehr gute Resonanzen einfuhr. In dieser Zeit definierten wir uns als heavy melodic gothic Death/Black-Metal-Band. Wir nahmen 1997 ein weiteres Teil auf, das aber so schlecht wurde, dass wir uns gegen einen Release entschieden. Die Produktion war einfach viel zu mies. Zweieinhalb Jahre drauf spielten wir "The Closed Eyes Of Paradise" ein, was unseren eigentlichen Einstieg in die Welt gesignter Bands darstellen sollte. Im Endmix beschlossen wir jedoch abermals, die Scheibe nicht zu veröffentlichen. Nicht weltweit zumindest! Ich denke, wir hatten schon damals eine sehr gute Band am Start, was man aber nicht hören konnte, weil die Produktionen so schlecht waren. Wir hätten uns zu Narren gemacht, wenn wir mit diesen Demos an Labels herangetreten wären. Zum Jahrtausendwechsel produzierten wir eingenmächtig eine Promo mit dem Namen "Frozen Features" und von nun an ging alles recht schnell. Unser Sound wurde dunkler und langsamer, mit mehr Tiefe und Traurigkeit und wir konnten allerorts neue Fans dazugewinnen. Im Jahr 2002 machten wir dasselbe nochmal und nahmen das fünfzigminütige Demo "Dark Oceans We Cry" auf, was zu einem vollen Erfolg wurde. Zu dieser Zeit war dann auch unsere Sängerin Lisa mit an Bord und die Band und ihr Sound war endlich komplett. Napalm Records erhielten eine Promoversion und mailten mir noch am selben Tag. Der Vertrag war schnell unter Dach und Fach.
Die Roots DRACONIANs liegen eigentlich im melodischen Death/Black Metal und im Gothic, bei Bands wie etwa MOONSPELL. Heutzutage sind die Spektren weiter gefasst. Irgendwie ist alles von MY DYING BRIDE zu ANATHEMA, von PORCUPINE TREE zu ARENA interessant für uns.

Alex:
Euer Debüt "Where Lovers Mourn" ist erst anderthalb Jahre alt. Arbeitet ihr immer so schnell oder standen Strukturen des neuen Albums bereits mit dem Release des alten?

Anders:
Nein. Wenn wir uns gut fühlen und das richtige Klima in der Band haben, geht das sehr schnell. Nach dem Release von "Where Lovers Mourn" wollten wir diese Scheibe so schnell es geht vergessen und uns neuerem und besserem Material widmen. Es lag also an Johan diesen Anspruch zu erfüllen, wobei wir alle nach den Erfahrungen, die wir mit dem Debüt sammeln konnten, wussten, wie wir ihn dabei am effektivsten unterstützen konnten. Wir sahen einfach, was getan werden musste.

Alex:
Was ist seit eurem Debüt alles rund um euch passiert?

Anders:
Eigentlich nicht so viel. Mehr Gigs, Interviews und das neue Material. Es ist großartig, mit deinem eigenen Material auf die Bretter zu gehen. Doch allzu oft war es nach dem Debüt nicht der Fall. Dieses Versäumnis können wir uns aber selber auf die Fahne schreiben, denke ich. Das Label hat natürlich viel mehr Zeit in uns investiert, das ist klar. Die neue Scheibe hat wirklich überall sehr gute Kritiken bekommen. Ich denke, wir werden jetzt auf jeden Fall die Chance für eine flächendeckende Stagebeackerung bekommen.

Alex:
Wie schreibt ihr eure Songs? Es passiert ja eine ganze Menge in ihnen.

Anders:
Nun, ein Song entsteht bei uns eigentlich völlig nackt, aber gespickt mit Einzelideen und wir setzen die Bausteine hinzu, die sich gut anfühlen. Nur wenige Sachen werden noch im Studio modifiziert oder improvisiert.

Alex:
Ihr habt mit "Arcane Rain Fell" wirklich großes Entertainment geliefert. Was sagt den die internationale Presse im Detail?

Anders:
Ich habe bisher ein Review mit der vollen Punktzahl gelesen und zahlreiche im oberen Bereich. Die Scheibe sollte nach meiner Meinung auf jeden Fall besser abschneiden als unser Debüt, zumindest wenn alles mit rechten Dingen zugeht. Aber irgendeine Stimme in meinem Kopf sagt mir, dass die schreibende Zunft mehr Probleme mit "Arcane Rain Fell" hat, als mit "Where Lovers Mourn".

Alex:
Na dann bring doch mal eine kritische Selbstbeschreibung.

Anders:
Die neue Scheibe ist düsterer! Sie ist ein sehr schweres und bitteres Album, voll von Trauer und Schmerz. Der Sound konzentriert sich noch mehr auf Doom, auf das Schleppende des Lebens. Und letztendlich gibt es auf "Arcane Rain Fell" auch weniger weibliche Vocals zu hören. Die Produktion der neuen Scheibe ist transparent und kommt dem ultimativen DRACONIAN-Sound sehr nahe.

Alex:
Einmal mehr hat eure Frontlady Lisa einen erstklassigen Job gemacht.

Anders:
Ja, das muss man ganz klar sagen. Wir haben sie lediglich etwas zurück genommen, weil wir ein noch düsteres Album als das Debüt haben wollten. Das heißt aber nicht, dass es jetzt dabei bleiben soll. Ich denke, auf der nächsten Scheibe wird Lisa wieder mehr Spielraum haben.

Alex:
Wie schätzt du euer momentanes Standing in Schweden und Europa ein?

Anders:
Puuhh, kann ich nicht. Ich wüsste selbst gern, wie es um uns bestellt ist (lacht). Wenn du diesbezüglich irgendwelche Informationen hast, rufst du mich bitte an!

Alex:
Wie haben sich die Aufnahmen von "Arcane Rain Fell" gestaltet?

Anders:
Wir haben die Scheibe im Underground Studio unter den Fittichen des Studioeigners Pelle Saether aufgenommen. Er ist ein wirklich sehr guter Produzent und es hat uns sehr viel gebracht mit einem solchen Menschen zusammengearbeitet zu haben. Er holte aus jedem von uns das absolute Maximum heraus und gab uns dafür genau das, was wir wollten. Es war von Zeit zu Zeit sehr hart. Aber durch Disziplin, Arbeit und Schweiß kommt man zum Erfolg.

Alex:
Gab es auch angenehme oder witzige Erlebnisse oder nur Arbeit und Schweiß?

Anders:
Vielleicht nicht witzig im eigentlichen Sinn. Eher comicartig! Andreas Karlsson hatte extreme Probleme damit, morgens aufzustehen und an die Arbeit zu gehen. Desweiteren hatte er klaustrophobische Anwandlungen, während wir alle gemeinsam in einem kleinen Raum nächtigten. Und manchmal machte er uns total wahnsinnig und drehte auf ohne Ende. Nicht nur die Musiker, auch unser Produzent ließ dabei ziemlich viele Nerven, vielleicht sogar ganze Stränge (lacht). Wir waren irgendwann völlig hinter dem Zeitplan, was aber eigentlich völlig typisch für Andreas ist. Seit unseren ersten Aufnahmen 1997 war das nicht anders. Er ist eine sehr komplizierte Person.

Alex:
Wie sieht es auf der lyrischen Seite DRACONIANs aus? Kannst du mir etwas über eure Texte erzählen?

Anders:
Die Scheibe ist mehr oder weniger ein Konzeptalbum über Luzifer und die gefallenen Engel und ihre emotionale und philosophische Sicht auf Spiritualität und Unabhängigkeit. Es ist eine Dokumentation beider Seiten, dem Gefallenen und seines Richters. Ich entschied mich für dieses Konzept, weil mich dieser Gedanke wirklich bewegt. Und die Bezeichnung Luzifer sollte meiner Meinung auch reingewaschen werden von Missverständnissen und religiösen Behaftungen. Die eigentliche Message des Albums ist, dass Gott der eigentliche Tyrann ist und sein angeblich heiliges Licht eine verblendende Täuschung darstellt. Luzifer realisiert dies und begehrt gegen seinen Herrn auf. Doch er verliert alles und wird aus dem Himmel gebannt. Die größte Geschichte von allen... zumindest für mich! Und ja, auf der Scheibe liegt eine große Trauer, genau wie auf der auf ihr erzählten Geschichte. Von daher denke ich, dass alle Komponenten besten zueinander passen.

Alex:
Wie kann ich mir diese Story in ihrer Umsetzung auf der Bühne vorstellen?

Anders:
Leider konnten wir wie bereits angedeutet noch keine großen Liveerfahrungen sammeln. Doch auf der Bühne gehen wir völlig auf und wir versuchen so intensiv zu sein wie es situativ geht.

Alex:
Anders, ich danke dir erst mal für dieses Interview. Schön, dass du es einrichten konntest. Die berühmten letzten Worte?

Anders:
Ich habe zu danken, vor allem für eure Unterstützung. An all diejenigen, die düsteren und emotionalen Metal mögen: Kauft unser neues Album "Arcane Rain Fell" und supportet die DRACONIAN-Horde. Je mehr Support wir erhalten, desto mehr können wir in die Band investieren und zu euch kommen, um euch unsere Show zu bringen. Erinnert euch immer daran: "Long better to reign in hell, than serve in heaven!"

Redakteur:
Alex Straka

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