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DRACONIAN: Interview mit Johan Ericson

08.11.2020 | 21:58

Nach langen fünf Jahren des Wartens steht endlich ein neues DRACONIAN-Album in den Startlöchern. Und die Meister der dunklen Töne haben sich nicht lumpen lassen und mit "Under A Godless Veil" ein sowohl musikalisch als auch optisch und konzeptionell hochinteressantes Werk erschaffen. Das nahmen wir zum Anlass, um mit dem kreativen Kopf Johan Ericson einmal über das siebte DRACONIAN-Album zu sprechen.

Johan, vielen Dank, dass du dir für meine Fragen ein wenig Zeit nimmst. Wie ist denn die derzeitige Stimmung bei DRACONIAN?

Wir freuen uns enorm über unser neues Album. Es ist immer äußerst interessant, die Reaktionen unserer Fans zu neuer Musik zu hören und zu sehen. Nicht so erfreulich ist natürlich die momentane Covid-Situation. Es ist schon eine Weile her seit unseren letzten Live-Shows und die Zukunft sieht nicht sonderlich besser aus, um ehrlich zu sein.

Ja, das stimmt leider. Seit eurer letzten Scheibe "Sovran" sind einige Jahre ins Land gezogen, eure bislang längste Album-Pause. Magst du mir ein kleines Update geben, warum "Under A Godless Veil" erst jetzt erscheint?

Seit unserer letzten Scheibe haben wir natürlich einige kleinere Tourneen gespielt, mussten jedoch eine Pause aufgrund Heikes Visa-Situation einlegen. Sie durfte nicht mehr aus Schweden ausreisen, also habe ich angefangen, neues Material zu schreiben. Das war diesmal ein recht langer Prozess, da meine Familie und ich uns auch ein neues Haus gekauft haben und manchmal ist es schon schwer, das Familienleben, einen Full-Time-Job und das Schreiben neuer Musik unter einen Hut zu bringen.

Okay, das ist verständlich. Wann hast du denn mit den Arbeiten zu eurem siebten Album begonnen?

Im Grunde genommen haben wir 2018 schon damit angefangen. Dieses Mal wollte ich, dass das Album ein bisschen anders ist, sozusagen eine breitere Farbpalette bekommt. Ich wusste damals noch nichts über Anders' gnostische Texte, aber nachdem er mich über seinen Ansatz informiert hatte, fühlte ich mich weiter inspiriert und das Schreiben nahm wirklich Fahrt auf. Obwohl diesmal viele neue Elemente in die Musik aufgenommen wurden, fühlt es sich in jeder Hinsicht wie ein DRACONIAN-Album an.

Das stimmt! Das letzte DRACONIAN-Album klang jedenfalls etwas anders. Gibt es deiner Meinung nach überhaupt größere Unterschiede?

Es gibt viele Unterschiede. "Sovran" ist heavier und das neue Album fühlt sich subtiler und dunkler an. Und wie oben erwähnt, zeigt sich ein großer Abwechslungsreichtum im neuen Album. Wir sind auch natürlicher geworden, wenn es um Sounds und den gesamten Aufnahmeprozess geht. Es ist nicht so poliert wie "Sovran", sondern im guten Sinne rauer.

Auch optisch hat sich einiges verändert. Man betrachte einmal das Artwork. Was hat es damit auf sich?

Ich denke, es passt perfekt zur Musik. Wir wollten diesmal mit etwas anderem punkten. Da alle Cover bis zu diesem Zeitpunkt Illustrationen waren, wollten wir diesmal ein Artwork auf Fotobasis. Die Frau auf dem Cover repräsentiert die unterdrückte Sophia, eine wichtige Figur in der Gnosis.

Und das spiegelt sich auch im Konzept der neuen Platte wider? Was genau ist die Gnosis bzw. der Gnostizismus?

Das Konzept ist inspiriert und stammt aus dem Gnostizismus. Es ist eine ziemlich komplexe Sache. Der Gnostizismus basiert auf einer Sammlung religiöser Ideen und Systeme, die aus frühchristlichen und jüdischen Sekten stammen. Nach Ansicht der Gnostiker ist diese Welt wie eine Simulation, eine Projektion, die von einem höchsten bösartigen Wesen gehandhabt wird. Der Titel bezieht sich auf den gnostischen Mythos der Weisheitsgöttin Sophia und ihren Fall aus dem höchsten Bereich des Seins. Mit diesem Fall wurde ein Schleier oder besser gesagt eine Wolke zwischen dem höchsten Reich, dem Pleroma, und dem, was unsere materielle Welt werden sollte, errichtet. Die Songs basieren also darauf, mit Ausnahme des Tracks 'Night Visitor', der für sich steht.

Ein ziemlich spannendes Konzept jedenfalls! Bist du denn im Vergleich zu vorherigen Alben anders an die Arbeiten zu "Under A Godless Veil" herangetreten?

Für jedes neue Album versuche ich, dem Ganzen etwas Neues hinzuzufügen. Doom Metal kann manchmal ziemlich monoton sein und es mangelt an Variation, und wir haben immer versucht, davon wegzukommen, ohne das Genre vollständig zu verlassen. Als Songwriter finde ich es grundsätzlich sehr wichtig, neue Ideen hinzuzufügen, um es frisch und interessant zu machen, ohne den ursprünglichen Sound der Band aufzugeben.

Wenn du mich fragst, ist die neue Scheibe ein sehr emotionales, sensibles und einfühlsames Album geworden. Wie siehst du das?

Ich denke, das war bei jedem DRACONIAN-Album zu der Zeit, als sie erstellt wurden, der Fall. Aber ich denke, dieses Album ist in seiner Art sehr ausgereift, vielleicht sind wir alle ein bisschen als Individuen gewachsen.

Das kann man nicht leugnen. Was steht denn bei den nun gewachsenen Individuen demnächst noch so an?

Wir haben eine Europatour für März geplant. Es ist also Zeit, sich darauf vorzubereiten sowie neues Merchandise und neue Ideen für Live-Shows zu entwerfen.

Drücken wir einmal die Daumen, dass es auch hinhaut. Dir jedenfalls gebühren die letzten Worte. Vielen Dank noch einmal für das tolle Gespräch!

Danke auch dir! Passt in diesen harten Zeiten aufeinander auf. Hoffentlich ist diese COVID-Sache bald vorbei und die Dinge normalisieren sich wieder. Und ich hoffe, wir sehen uns im März auf Tour.

Redakteur:
Marcel Rapp

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