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Das "Hammerheart": Interview mit Christian Metzner

24.03.2014 | 09:18

Auch heute, in Zeiten des Internets und der globalen Krise der Printmedien gibt es noch idealistische Macher metallischer Fanzines.

Eines davon ist zweifelsohne das "Hammerheart", welches von Christian Metzner ins Leben gerufen wurde. Mit einigen aktiven und fachlich kompetenten Mitstreitern widmet sich der Herausgeber vor allem den dunklen, mystischen und atmosphärischen Spielarten des Metals, wobei die Schwerpunkte in den Bereichen Black Metal, Pagan Metal und Doom zu suchen sein dürften. Dabei zeichnet das Fanzine eine ausgeprägte Liebe zum Detail aus, sowohl in Sachen Layout und Artwork, als auch im Bereich der Interviews, in deren Rahmen die Musiker ausführlich zu Wort kommen, und die sich eben nicht auf oberflächliche Promofloskeln beschränken. Über das Konzept des Magazins, sowie über Freud und Leid der Fanzineschreiberei im Zeitalter der globalen Krise der Printmedien und des überbordenden Online-Schreibertums sprachen wir mit Herausgeber und Schreiber Christian Metzner.



Rüdiger: Hallo Christian, stelle doch bitte mal kurz dein Projekt vor! Seit wann gibt es das "Hammerheart", mit wie vielen Leuten hast du angefangen, wie stark hat sich die Stammredaktion seither verändert? Was ist anders als bei deinem früheren Mag "Streetcleaner"? Wer sind aktuell deine Mitstreiter?

Christian Metzner: Hallo Rüdiger! Nun, das "Hammerheart"-Fanzine wurde von mir 2006 ins Leben gerufen. Ich hatte vorher schon jahrelang beim "Streetcleaner"-Fanzine mitgewirkt und wollte irgendwann auch gerne ein eigenes Zine an den Start bringen. Außerdem merkte ich, dass ich lieber mein eigener Boss bin und mir meine Zeit so besser einteilen kann. Gleich zu Beginn standen mir Katja Pabel und Rayk Metze (das Nürtinger Power-Duo und damals ebenfalls beim Streetcleaner-Zine dabei) zur Seite und ich konnte anfangs auch noch Christian Klee vom "Totentanz"-Zine für dieses Projekt begeistern. Dennoch stammten alle Interviews der ersten Ausgabe aus meiner Feder und die anderen Mitstreiter konzentrierten sich zunächst nur auf die Reviews. Das änderte sich aber ab der zweiten Ausgabe und mit den Jahren gab es auch immer wieder mal ein paar Neuzugänge, allerdings verließen uns auf der anderen Seite auch immer wieder Schreiberlinge wie z.B. Micha vom Klasma Zine oder auch Christian Klee und Jeanette Lohaus. Zur Zeit wirken beim "Hammerheart"-Zine noch Thor Joakimsson Wanzek (den man von seinem eigenen Zine "Mörkeskeye" sowie seinen früheren Beiträgen im Legacy kennen sollte – er ist zudem auch in diversen anderen Projekten verwickelt und hat nun mit Trollmusic sein eigenes Label am Start), Katja Pabel, Rayk Metze, Christoph Heß, Oliver Moosdorf und Adam Bilke mit. Leute kommen und gehen und das ist absolut in Ordnung so - es handelt sich schließlich um ein zeitraubendes Projekt und es ist wirklich nicht immer leicht, dies mit seinem Berufs- und Privatleben unter einen Hut zu bekommen. Dennoch sind Katja, Rayk und Thor schon seit Jahren beim "Hammerheart"-Zine tätig und zählen auch zum harten Kern des Heftes, da sie dieses Zine durch ihre zahlreichen und ausführlichen Interviews und Berichte enorm bereichert und mitgeprägt haben. Ich bin ihnen wirklich außerordentlich dankbar für ihren Input, aber auch für ihre ehrlichen Anregungen zum Heft.

Was anders ist als beim "Streetcleaner"-Zine? Ganz sicher die musikalische Ausrichtung der Bands – es kommen zudem für die Auslese nur Bands in Frage, die uns in der jeweiligen Zeit maßgeblich beeindruckt haben. Und das merkt man den ausführlichen Interviews auch an, dass hier immer eine gewisse Leidenschaft durchschimmert. Wir sind schließlich auch nur Fans und meiner Ansicht nach besteht der Sinn eines Fanzines darin, dies auch deutlich nach außen zu tragen. Es gibt daher also schon deutliche Unterschiede zwischen beiden Zines. Das ist auch gut so, denn sonst würde es ja auch nicht viel Sinn machen, in der heutigen Zeit quasi zwei vergleichbare Zines zeitgleich zu verkaufen, da beide Zines auch öfters zusammen bestellt werden. Der Käufer erhält zwei völlig voneinander unabhängige und unterschiedliche Fanzines, die aber beide ein enormes Maß an Leidenschaft zum Ausdruck bringen - jedes auf seine eigene Art und Weise.  

Die stilistischen Schwerpunkte liegen zwischen den Polen "Düsternis" und "Atmosphäre", würde ich sagen. All das im metallischen Gewand. Welche Genres liegen dir dabei besonders am Herzen? Wie bei mir sehe ich auch bei dir eine große Vorliebe für die "Zweite Welle", für den norwegischen Black Metal der 90er.

Da liegst Du absolut richtig mit Deiner Vermutung. Die sogenannte "Zweite Welle" des Black Metals der 90er hat ganz hervorragende Bands hervorgebracht und ich denke jeder Black-Metal-Fan, der diese Zeit miterleben durfte, wird dem zustimmen. Aber nicht nur norwegische Bands haben mich begeistert, sondern generell skandinavische Bands aus dieser Zeit. Auch heute noch lege ich diese Schätze oft bei mir auf und erfreue mich an den höchst anspruchsvollen Alben. Ganz besonders stehe ich auch auf absolute Geheimtipps dieser Zeit wie z.B. BLOT MINE oder auch DAWN aus Schweden. Dennoch würde ich nicht sagen, dass wir uns nur Black Metal auf die Fahne geschrieben haben. In jeder Ausgabe gab es bisher eigentlich immer eine ganz gute Mischung aus Black, Death (bis hin zum Grind), Doom und hin und wieder auch mal Thrash oder klassischen Metal. Selbst Ambient gesellt sich hier und da mal hinzu - auf die Qualität kommt es an und was uns begeistert, wird auch näher vorgestellt. Es gibt jetzt also keine Vorgabe meinerseits, welcher Musikstil im Heft vertreten sein soll, sondern es ist mir viel wichtiger, dass die entsprechenden Bands Qualitätsarbeit abliefern und aus der Masse positiv hervortreten - dann möchten wir diese auch unbedingt unseren Lesern ans Herz legen und stellen sie in ausführlichen Interviews vor. 



Wie gewichtig ist für dich heute noch die Szeneinstitution des Print-Fanzines? Welche Rolle spielt das Fanzine heute noch für die Szene, speziell zwischen den "großen Konkurrenten" der kommerziellen Printmagazine einerseits und der Onliner andererseits?

Eine kleine, aber ganz sicher weiterhin feine Rolle. Dass es in der heutigen Zeit immer schwieriger wird, ein Fanzine zu verkaufen, ist ganz sicher kein Geheimnis mehr. Auch wir haben das in den letzten Jahren immer deutlicher zu spüren bekommen. Aber es gibt sie noch, die wahren Supporter der Fanzine-Szene, die in jährlicher Regelmäßigkeit bei uns anklopfen und sich stets auf die neuen Ausgaben freuen. Mit vielen von ihnen sind wir seit jeher in Kontakt. Und es kommt auch weiterhin sehr viel persönliches Feedback zu den jeweils aktuellen Ausgaben zurück. Ich bin immer wieder äußerst positiv überrascht, wenn ausführliche Briefe oder E-Mails eintrudeln und mir die Leser teilweise haargenau beschreiben, was sie beim Lesen bestimmter Interviews empfunden haben. Auch Vorschläge für neue Ausgaben in Sachen Interviewkandidaten werden erteilt, was ich immer ganz lustig finde. Von daher kommt nach wie vor sehr viel Feedback zurück. Ich freue mich auch immer jedes Jahr über neue Besteller, die jetzt erst auf das Zine aufmerksam geworden sind und gleich alle noch vorhandenen Ausgaben mitbestellen. Sowas ist doch einfach klasse! Ich möchte somit nicht mit einem reinen Onliner tauschen wollen, weil mich die reine Onliner-Geschichte auch nicht zufriedenstellt. Ich habe mich nach meinem Austritt beim Streetcleaner Zine damals vorerst nur auf unser Webzine adnoctum.de konzentriert und schnell gemerkt, dass mir das so nicht reicht. Denn letztlich betrachte ich alle veröffentlichten Ausgaben irgendwo auch als eine Art "Tagebuch". Wenn ich heute noch die alten Ausgaben aufschlage, weiß ich sofort, welche Bands mich damals schwer beeindruckt haben und es kommen viele schöne Erinnerungen an die damalige Zeit hoch, eben wie auch bestimmte Interviews zustande kamen oder auch geführt wurden. Ein Online-Magazin kann einem dieses Gefühl meiner Ansicht nach nicht geben, denn hier verschwinden alle Beiträge und Interviews irgendwann in den Weiten des Weltalls und werden mit der Zeit aus dem Gedächtnis gestrichen. Ganz egal, ob man auf diese Art und Weise natürlich dennoch viel mehr Leser erreicht - das zählt für mich persönlich nicht. Das war auch einer der Beweggründe für mich, dass ich das "Hammerheart"-Zine gründen wollte. Aber vermutlich wirst du dies als Onliner alles ein wenig anders beurteilen.

Nein, nicht unbedingt, altersbedingt hängt mein Herz ja auch am Printmedium, aber der Onliner hat natürlich auch gewisse Stärken. Naturgemäß ist das klassische Fanzine in Sachen Reichweite und Aktualität nicht "konkurrenzfähig". Was muss also ein gutes Fanzine - wofür ich das "Hammerheart" zweifellos halte - heute noch bieten, um in der Szene noch wahrgenommen zu werden und seine treuen Stammleser zu finden?

Ganz klar Authentizität. Ein heutiges Fanzine muss eine ganz eigene "Handschrift" haben und darf sich niemandem anbiedern. Ganz im Gegenteil, ein gutes Fanzine muss sich meiner Meinung nach kritisch mit allem auseinandersetzen. Bei uns ist es seit der ersten Ausgabe so, dass wir gerade bei den zahlreichen Reviews immer sehr deutliche Worte finden und keiner Band Honig ins Maul geschmiert wird, die es nicht wirklich verdient hat. Wer unsere Ausgaben und gerade die Reviews in den jeweiligen Ausgaben kennt, kann dies ganz sicher bezeugen. Durchschnittsware wird ganz klar aussortiert und schlechte Bands werden deutlich als Schmutzfinken gekennzeichnet, was uns im Laufe der Jahre teilweise auch heftiges Feedback beschert hat von Seiten der betroffenen Bands und auch Labels. Es gibt keine Ausgabe bisher, die nicht in irgendeiner Form Beschwerdemails bis hin zu Shitstorm-Aufrufen im Internet (wie bei der aktuellen Ausgabe 7) zur Folge hatte, aber das ist uns egal. Selbst wenn Labels bei uns eine Anzeige im Heft schalten, ist dies kein Freischein für positive Reviews und das wissen die jeweiligen Labels mittlerweile auch. Es ist ja auch nicht so, dass wir persönlich etwas gegen betroffene Bands oder Labels haben, eben weil Musikgeschmack nunmal rein subjektiv ist und jeder seine eigene Meinung hat. Man muss auch mit Kritik leben und diese sportlich nehmen können, anders gehen wir ja auch nicht mit Kritik um. Jedoch stellen wir uns bei jeder Ausgabe die berechtigte Frage, wie man der Veröffentlichungsflut der Labels überhaupt noch Herr werden kann und wer das alles kaufen soll? Das geht doch gar nicht - umso kritischer muss man die Neuerscheinungen betrachten und auch klar aussortieren. Nichts ist meiner Ansicht nach schlimmer als Zines jeglicher Couleur, die jedes Album lobpreisen und überschwänglich abfeiern. Das ist reine Verarsche und bringt dem Leser überhaupt nichts. Da es immer unübersichtlicher geworden ist und heutzutage schon eine Mammutaufgabe darstellt, die wirklich originellen und ausgereiften Alben herauszupicken, ist es meiner Ansicht nach gut, wenn es Fanzines wie eben das "Hammerheart" gibt, die hier ganz deutlich Stellung beziehen und deutliche Kritik durch unsere Wortwahl so verpacken, dass auch der Leser etwas zum Schmunzeln hat und ein kurzweiliges Lesevergnügen garantiert ist.    



Wie gut gelingt dir das mit dem "Hammerheart"? Auf welchen Wegen findet dein Heft dem Weg zu seinen Lesern, und wie sehr bist du mit dem Absatz und der Akzeptanz für dein Magazin zufrieden?

Zu beurteilen, ob mir das mit dem "Hammerheart"-Zine gelingt, wäre meiner Ansicht nach etwas anmaßend. Ich denke, dass sollte der Leser für sich beurteilen, ob er mit dem "Hammerheart" zufrieden ist oder nicht. Ich will auch ganz sicher nicht "everybody's Darling" sein, wenn jemand mit den deutlichen Worten, gerade bei den Reviews, nicht einverstanden ist, braucht er sich das Heft ja nicht mehr zu kaufen. Ich will jetzt auch nicht den Eindruck vermitteln, dass wir uns bei den Reviews auf schlechte Bands eingeschossen hätten, denn das trifft ganz sicher nicht zu. Die absolute Priorität des "Hammerheart"-Zines liegt auf den ausführlichen Interviews, die mit Bands geführt werden, die uns wirklich am Herzen liegen und bei denen wir unseren eigenen kleinen, aber feinen Beitrag leisten möchten, um die Leser auf jene Bands aufmerksam zu machen.

Die meisten Hefte werden direkt bei mir bestellt, also direkt an der Quelle. Das hat auch den Vorteil, dass man bei Bedarf gleich ältere Ausgaben noch mitbestellen kann. Ich lege ab und an auch immer noch Gratis-CDs aus dem Redaktionsfundus bei, je nachdem wie es mit der Verfügbarkeit solcher CDs aussieht. Auch bei anderen Schreiberlingen kann man gewöhnlich immer die Ausgaben bestellen - aus diesem Grund werden vorne im Impressum auch immer Kontaktmöglichkeiten angegeben, falls Leser mit bestimmten Schreibern Kontakt aufnehmen möchten. Ansonsten werden alle noch erhältlichen Ausgaben bei diversen Mailordern angeboten und können auch dort noch bestellt werden, selbst wenn diese bei mir schon längst vergriffen sind. Eine aktuelle Übersicht, bei welchen Mailordern man das "Hammerheart"-Zine zusätzlich bestellen kann, findet man auf der "Ad Noctum"-Webseite.

Bezüglich der Akzeptanz des Zines habe ich mich in den vorigen Fragen schon dazu geäußert. Ich bin sehr zufrieden mit dem bisherigen Feedback und auch bei der großen Presse kommt das Heft immer sehr gut an. Gerade Götz Kühnemund nahm sich damals beim Rock Hard eine neue Ausgabe immer sehr genau zur Brust, was uns auch sehr gefreut hatte.

Nun, Absatz ist ein schwieriges Thema, aber letztlich bin ich zufrieden, eben weil die Ausgaben nach einer gewissen Zeit wirklich ihre Käufer finden und dann auch vergriffen sind. Aber früher war es dennoch deutlich leichter, sein Fanzine bei einem Konzert an den Mann zu bringen. Das ist nunmal Tatsache - die Leute kaufen sich heutzutage lieber ein Bier mehr an der Theke als für das gleiche Geld ein Zine zu unterstützen, welches zig Stunden Lesespaß garantiert und aufwendig hergestellt wurde. In Zeiten, in denen im Internet alles kostenlos zur Verfügung gestellt wird und auch gerade bei den Onlinern ein Überangebot an Informationen besteht, ist es schwer für ein Fanzine, ganz egal ob es liebevoll zusammengestellt wurde oder nicht, hohe Auflagen komplett absetzen zu können.

Wenn ich mir das Inhaltsverzeichnis des "Hammerheart" #7 so anschaue, dann finde ich zum Beispiel im Vergleich zu #2 und #6 nur ganz wenige "große Namen". Hier ist wohl schon MEMORY GARDEN der größte Name, während dort POWERWOLF, PRIMORDIAL, HELHEIM, NAGLFAR oder sogar NAPALM DEATH zu Buche schlagen. Was ist für dich die richtige Balance zwischen großen Namen und tiefstem Underground? Sollte das Fanzine dort anfangen, wo die Berichterstattung der Großen aufhört, oder braucht auch das Fanzine die großen Aufhänger, die auch im Rock Hard oder im Hammer vertreten sind, um bei potentiellen Lesern Aufmerksamkeit zu erregen?

Nun, auch wir sind letztlich Fans und natürlich stehen wir auch auf die "größeren" Bands. Es gibt in dieser Hinsicht keine Beschränkungen. Und wenn eine unserer Fave-Bands gerade ein starkes Album veröffentlicht hat und wir die Chance haben, mit einer solchen Band ein Interview führen zu dürfen, nehmen wir diese Gelegenheit nur allzu gerne wahr. Bei der aktuellen Ausgabe 7 war es so, dass uns eher nur die "kleinen" Bands begeistert haben und insofern ist das völlig ok, wenn keine so bekannten Namen im Heft vertreten sind. Bei den von dir genannten großen Bands war es hingegen damals so, dass diese sich mit starken Alben zu Wort gemeldet hatten und deshalb war da auch ein Interview angebracht. Aber mit einer Band wie POWERWOLF würde ich zum Beispiel gar kein Interview mehr in Erwägung ziehen, weil ich mit der kommerziellen Ausrichtung der Band heutzutage alles andere als einverstanden bin. Damals zu "Lupus Dei"-Zeiten war das noch ganz anders und auch qualitativ gefiel mir die Band damals um Längen besser.
Es ist letztlich also egal, ob es sich um einen großen Namen handelt oder nicht - einzig die Qualität der aktuellen Werke entscheidet, ob wir mit der Band ein Interview machen wollen oder nicht und ich persönlich habe es sogar lieber, wenn es sich um Insidertipps handelt, die den großen Namen in nichts nahestehen und abenteuerliche, zutiefst leidenschaftliche Musik spielen. Als Paradebeispiel kann ich hier wieder nur EREB ALTOR anführen, die mir wirklich überaus am Herzen liegen und als einzige Band bisher zweimal von mir für das "Hammerheart"-Zine interviewt wurden. Grundsätzlich finde ich aber schon, dass sich Fanzines vorrangig um den potenziellen und anspruchsvollen Nachwuchs kümmern sollten, eben weil dieser von der großen Presse oft nur belächelt bzw. maximal mit wenigen Standardfragen abgespeist wird.

Wie kostendeckend kann man heute ein Print-Fanzine betreiben? Welche Auflage fährst du hierbei? Und wie sicher kannst du davon ausgehen, dass sich deine Stammleser nach einem Jahr Veröffentlichungspause noch an dein Magazin erinnern?

Ganz ehrlich, wer denkt, mit einem Fanzine Geld verdienen zu können, ist hier wirklich fehl am Platz. Wenn ich es schaffe, die Kosten annähernd zu decken, bin ich überaus glücklich. Aber meistens zahle ich drauf, trotz Anzeigen im Heft. Ich könnte ganz sicher die Kosten um die Hälfte oder sogar 2/3 reduzieren, wenn ich wie die meisten Fanzines das Heft normal drucken bzw. kopieren würde. Das kommt für mich aber nicht in Frage, weil ich den Offset-Druck nunmal deutlich schöner und hochwertiger finde. Es ist ja schließlich mein Hobby, warum sollte ich hier nur halbherzig vorgehen? Dann kann ich mir die ganze Mühe auch sparen. Ich habe nunmal den Anspruch, ein hochwertiges Heft veröffentlichen zu wollen und da halten mich die Kosten nicht von ab. Letztlich zieht der verlangte Preis von gewöhnlich 3 € bis maximal 4 € eh mit Freibier gleich, ich müsste deutlich mehr für das Heft verlangen, um die Kosten komplett decken zu können und mein ehemaliger Marketing-Professor im Studium würde mir das Heft vermutlich auch links und rechts um die Ohren schlagen. Es ist mir egal, ich sehe es als ernstes Hobby an und da darf man nicht allzu geizig sein, was die Kosten betrifft. Viel wichtiger ist mir, dass das Heft gelesen wird und sich die Mühe somit bezahlt macht. Und wenn das Heft dann auch noch Gefallen findet und man es geschafft hat, die eine oder andere Band den Lesern ans Herz legen zu können, bin ich schon zufrieden.

Die Auflage variiert mit jeder Ausgabe und passt sich den vertretenen Bands an, auch der Umfang des Heftes hat hier natürlich Einfluss auf die Auflagenhöhe. Es ist daher schwierig, genaue Zahlen zu nennen, aber ganz sicher hat das "Hammerheart"-Zine eine deutlich höhere Auflage als so manch anderes Fanzine, was auch mit dem Offset-Druck zu tun hat, weil hier bestimmte Mindestauflagen eingehalten werden müssen – zumindest in der Druckerei, in der das "Hammerheart"-Zine gedruckt wird.

Die Stammleser können sich nach einem Jahr Pause noch sehr gut an das Zine erinnern. Im Gegenteil, da das Heft zumeist im Mai veröffentlicht wird, bekomme ich zu dieser Zeit schon oft vorab Anfragen, wie es denn nun mit der neusten Ausgabe aussieht. Und auch die Besucherzahlen auf unserer Website www.adnoctum.de steigen zu dieser Zeit immer deutlich, weil hier auch immer als erstes das neue Cover sowie weitere Infos zur neuen Ausgabe online gestellt werden. Abgesehen davon verschicke ich bei jeder Neuerscheinung eine Rundmail an die Stammleser, so dass es mit der Zeit jeder mitbekommen sollte, der sich für das Zine interessiert. Auch werden zu jeder neuen Ausgabe immer mehrere tausend Flyer gedruckt, um für die neuste Ausgabe zu werben.



Das Artwork der Hefte überzeugt auf ganzer Linie. Du hast hierbei zuletzt mit Frank Melech zusammengearbeitet. Wie kam es dazu und wie lief die Zusammenarbeit? Was kommt in Zukunft?

Mit Frank Melech arbeite ich nun schon seit der zweiten Ausgabe zusammen. Ich war auf der Suche nach passenden Covern und so stieß ich irgendwann auch auf Frank Melech, der in seinen Kreisen ganz sicher zu den absoluten Top-Könnern zählt und fantastische Bilder abgeliefert hat. Diese mussten nur noch für das "Hammerheart" zielgruppenspezifisch abgeändert werden und fertig waren die passenden Cover-Artworks. Eine wichtige Entscheidung war damals auch, auf das an sich lukrative Backcover als Werbeplatz zu verzichten und dafür lieber ein Doppelcover zu wählen, so dass sich das Cover ab der zweiten Ausgabe immer über zwei Seiten erstreckt und beim Aufklappen erst in seiner ganzen Pracht erscheint. Es ist mittlerweile ein Erkennungszeichen für das "Hammerheart"-Zine geworden, da es sich hierbei auch um ein Alleinstellungsmerkmal handelt.
Ich bin mit Frank in gutem Kontakt und schätze ihn auch persönlich sehr, habe sogar mal an seiner Bildbearbeitungsschulung vor Ort teilgenommen, aber schnell gemerkt, dass er einfach ein Meister seines Fachs ist und das viel besser kann als ich. Mir fehlt auch die hierfür nötige Zeit, um mich in dieses Thema einarbeiten zu können. Deshalb habe ich beschlossen, dass Frank für mich immer die Cover erstellt bzw. entsprechend abändert, natürlich gegen Bezahlung. Er hat bisher nur fantastische Arbeit abgeliefert und ich bin froh, dass er mir auch weiterhin für das "Hammerheart"-Zine zur Verfügung stehen wird. Was als nächstes in dieser Hinsicht kommt, wird sich wieder ein wenig von den letzten drei Covern unterscheiden, die allesamt sehr atmosphärisch ausgelegt waren. Ich möchte aber nicht immer nur ähnliche Cover-Artworks für das "Hammerheart" haben, von daher wird das Cover für die kommende Ausgabe 8 auch wieder in eine andere Richtung gehen. Ich möchte aber noch darauf hinweisen, dass Frank Melech auch nur allzu gerne Bands für derartige Dienste zur Verfügung steht und sich nun auch dem Metal-Genre geöffnet hat. Es lohnt sich daher auf jeden Fall, mit ihm Kontakt aufzunehmen, falls eine Band auf der Suche nach passenden Cover-Artworks für anstehende Veröffentlichungen ist. Am besten schaut mal auf seiner Website vorbei.

Was erwartet uns in Ausgabe Nr. 8? Welche Bands sind am Start, was gibt es sonst spannendes und ab wann können die Leute das Magazin bestellen?

Zum jetzigen Zeitpunkt geht die Ausgabe 8 schon langsam auf die Zielgerade. Die geplanten Interviews sind fast allesamt im Kasten. So wie es momentan aussieht, wird der Inhalt auch wieder ein wenig ansteigen und mehr Interviews bieten und weniger Reviews. Zu den Interviews kann ich jetzt schon sagen, dass da einige sehr ausführliche Gespräche geführt wurden und uns selbst manch namenhafte Band anschließend bescheinigt hat, noch nie so offen geantwortet zu haben. Bandnamen möchte ich an dieser Stelle noch nicht nennen, aber die Mischung und Ausrichtung wird mit den vorigen Ausgaben vergleichbar sein. Zudem haben wir eine alte, glorreiche Kult-Death-Metal-Band mit am Start, die schon leider seit einigen Jahren das Zeitliche gesegnet hat und bringen als Special auch noch einen weiteren ausführlichen Bericht zu einem überaus anspruchsvollen und interessanten Buchprojekt. Ich kann also jetzt schon versichern, dass Ausgabe 8 eine sehr kurzweilige Angelegenheit werden wird! Die neue Ausgabe soll wie jedes Jahr um Ostern rum gelayoutet werden und dann sollte es auch ganz schnell bis zur Veröffentlichung gehen, da ich aus dem Druckerei-Debakel der letzten Ausgabe gelernt habe und dieses Mal von vornherein bei der alten Druckerei bleiben werde.

Rüdiger, vielen Dank für Deine Fragen und Dein Interesse am "Hammerheart"-Zine!

Wir haben zu danken, Christian. Liebe Leser, wenn ihr nun Lust auf ein feines Print-Fanzine bekommen habt, dann haltet bitte Ausschau nach der bald kommenden Ausgabe und schaut euch einfach mal den YouTube-Trailer zum neuen Heft an, wo es auch schon ein paar Hinweise auf vertretene Bands gibt.

Redakteur:
Rüdiger Stehle

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