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Diskografie-Check: CHILDREN OF BODOM

30.07.2020 | 20:26

Am 1. November des letzten Jahres überraschte CHILDREN OF BODOM die Metalgemeinde mit der Ankündigung der Bandauflösung zum Ende des Jahres. Keine lange Abschiedstour und für viele Fans auch keine Möglichkeit mehr, die finnischen Melodic-Deather noch einmal in voller Besetzung zu erleben. Grund für den Split waren Uneinigkeiten zwischen Basser Henkka Seppälä, Keyboarder Janne Wirman und Schlagzeuger Jaska Raatikainen auf der einen und Fronter Alexi Laiho auf der anderen Seite, die nach 25 Jahren keinen gemeinsamen Nenner mehr finden konnten. Das erstgenannte Trio sicherte sich bei einer Einigung allerdings geschickterweise die Rechte am Bandnamen und so wurde CHILDREN OF BODOM am 15. Dezember 2019 mit einer letzten Show offiziell zu Grabe getragen. Vor diesem Hintergrund haben wir uns in der Redaktion noch einmal den gesamten Backkatalog vorgenommen und präsentieren euch nun hier unseren Diskografie-Check.

10. Relentless Reckless Forever

Los geht unser Countdown mit dem siebten Langspieler "Relentless Reckless Forever", dessen Position als Schlusslicht wohl kaum jemanden überraschend dürfte, immerhin bezeichneten selbst Laiho und Wirman den Silberling in Interviews gerne als den Tiefpunkt der eigenen Diskografie. Kein Wunder also, dass nur Kollege Mario Dahl der Scheibe aus dem Jahr 2011 einen großzügigen sechsten Platz gewährte. Es fällt aber auch wirklich nicht leicht, die großteils sehr uninspirierten und mit massivem Thrash-Metal-Einschlag versehenen Nummern zu mögen, dafür haben sich die Finnen angetrieben von Produzent Matt Hyde zu sehr von der eigenen Identiät als Band entfernt. Hyde drängte den Fünfer während der Studioaufnahmen, die zu allem Übel auch noch zwischen zwei Touren in gerade einmal sechs Wochen durchgeprügelt wurden, den rohen Sound der New Wave Of American Heavy Metal für sich zu adaptieren, was damals bei den Bandmitgliedern auf offene Ohren stieß. Und auch die Fans waren bei Veröffentlichung durchaus angetan vom Silberling und bescherten der Platte im Heimatland nach nur einer Woche den Goldstatus. Im Rückblick bleibt außer der Single 'Was It Worth It?" und dem noch recht ordentlichen Opener 'Not My Funeral' nichts Zählbares hängen, an das man sich auf lange Sicht erinnern würde. Das wissen auch die Finnen selbst und so verschwinden die Songs nach der Tour zum Album prompt wieder in der Versenkung, wo sie hingehören. Punkt.

9. I Worship Chaos

"I Worship Chaos" kommt auf Platz 9 nur knapp vor "Relentless Reckless Forever" über die Ziellinie? Ja, ihr habt richtig gelesen: Das vorletzte Album der Bandgeschichte erfreut sich bei unseren Redakteuren durch die Bank weg keiner besonderen Beliebtheit, obwohl Kollege Marcel Rapp dem Silberling in seiner Rezension im Jahr 2015 sogar ganze neun Punkte zugestand. Im Rückblick sieht er das allerdings auch anders und setzt den Silberling in seiner Liste für diesen Diskografie-Check nur auf den vorletzten Platz. Seine ursprüngliche Wertung kann ich aber irgendwie nachvollziehen, denn auch wenn ich die Scheibe heute einlege, dann macht mir das großteils auf Vollgas getrimmte Material durchaus Spaß und weckt sogar phasenweise wohlige Erinnerungen an das großartige Frühwerk. Mit dem Ende der Spielzeit verschwinden aber praktisch sämtliche Nummern wieder aus dem Langzeitgedächtnis. Einzig das großartige 'Morrgian' hat Hit-Potential und lässt den Finger beim Player schnell zur Repeat-Taste zucken; im Vergleich zur übrigen Diskografie ist nur ein wirklicher Volltreffer auf Albumdistanz aber natürlich bei weitem nicht ausreichend. Ob der Mangel an eingängigen Melodien daran gelegen hat, dass Gitarrist Rope Latvala, der seit 2003 bei den Finnen die zweite Gitarre beisteuerte, die Band kurz vor den Aufnahmen verlassen musste? Das darf bezweifelt werden, wenn man sich den nächsten Platz anschaut.

8. Halo Of Blood

Denn nur Millimeter vor dem ersten Album ohne Rope kommt sein letzter Langspieler mit COB über die Ziellinie. Den entscheidenden Ausschlag gab hier Kollege Julian Rohrer, der "Halo Of Blood" insgesamt sogar auf dem vierten Platz sieht. Der Rest der Redakteure hat für das achte Album des Fünfers nur wenig Liebe übrig. Dabei war die allgemeine Reaktion auf den Silberling im Jahr 2013 eigentlich extrem gut und auch die erneute Beteiligung von Peter Tägtgren als Produzent (auch wenn er nur die Gesangsaufnahmen überwachte) ließ Erinnerungen an die großen Glanztaten der frühen Zweitausender wach werden. Im Nachhinein muss man die extrem guten Kritiken (Kollege Marcel Rapp zückte auch hier ganze neun Punkte) aber wahrscheinlich im zeitlichen Kontext betrachten, denn mit einer Rückbesinnung auf die eigenen Tugenden, einer deutlich besseren Produktion und einigen starken Tracks wie 'Transference' oder 'Waste Of Skin' war das Album im Vergleich zum Vorgänger "Relentless Reckless Forever" ein Quantensprung in die richtige Richtung. Gleichsam zelebrieren Laiho und Co. hier mit 'Dead Man's Hand On You' erstmalig so etwas wie eine Ballade, die überraschend gut funktioniert, eine gute Portion Abwechslung in das ansonsten doch recht auf Vollgas gebürstete Material bringt und für mich bis heute das Highlight der Scheibe markiert. Dennoch hat "Halo Of Blood" in der Langzeitwirkung deutlich gelitten, was die anfängliche Begeisterung bei Kritikern und Fans im Nachhinein doch als sehr vorschnell erscheinen lässt und damit die schwache Platzierung der Scheibe in unserem Countdown rechtfertigt.

7. Blooddrunk

Je weiter wir in unserer Liste kommen, umso mehr muss man das Gefühl bekommen, dass bei COB nach dem Livealbum "Chaos Ridden Years" aus dem Jahr 2006 die Luft raus war, denn mit "Blooddrunk" landet auch der vierte Langspieler aus dieser Ära auf den hinteren Plätzen in unserer Rangliste. Kein Redakteur sah die Scheibe dabei höher als auf dem sechsten Platz und Kollege Mario Dahl findet sogar, wir hätten es hier mit dem zweitschlechtesten Silberling der Finnen zu tun. Ganz so harsch muss man "Blooddrunk" dann vielleicht auch wieder nicht sehen, denn auch wenn der Thrash-Metal-Einschlag hier erstmalig wirklich die Überhand gewinnt und die typischen melodischen Leads  großteils in den Hintergrund geraten, so hat die Scheibe aus dem Jahr 2008 doch auch einige Highlights zu bieten. 'Hellhounds On My Trail' und der starke Titeltrack hätten sich beispielsweise auch auf "Hate Crew Deathroll" gut gemacht, und mit 'Banned From Heaven' zaubert Laiho einen groovenden Melodie-Brocken aus dem Ärmel, der mir bis heute noch immer eine Gänsehaut verpasst. Selbst ein paar Prog-Anleihen finden sich im sperrigen 'LoBodomy' und verpassen dem gewohnten Sound der Finnen so einen frische Note. Dennoch setzt sich die Entwicklung weg von virtuosen Gitarrensoli und klassisch inspirierten Keyboard-Leads hin zu Drop-Tunings und stumpfen Thrash-Riffs weiter fort, was die meisten Fans der ersten Stunde vor den Kopf stößt. Laiho selbst erklärt die musikalische Veränderung mit einer "aggressiven Stimmung", in der er sich während des Songwritings befand, kritische Stimmen werden aber wohl eher den Alkoholkonsum anführen, der zu dieser Zeit langsam Überhand nahm und auch bei den Liveshows zu einigen ungewohnten technischen Flapsigkeiten beim einstmaligen Gitarren-Idol führte. Dem Erfolg des Fünfers tut das zu dieser Zeit jedoch keinen Abbruch, immerhin erreichte "Blooddrunk" im Heimatland schon auf Grund der Vorbestellungen Gold-Status. In der Retrospektive ist die Scheibe dennoch der Beginn der langen Durststrecke der Finnen, in der kreativ wenig zu holen war.

6. Hexed

Das Ende der Durstrecke kam erst im vergangenen Jahr mit dem letzten Langspieler "Hexed", was die Auflösung der Band nur knapp neun Monate nach dem Release umso ärgerlicher macht. Ja, auch dieses Mal ist die erste Albumhälfte wieder recht durchwachsen und wirkt phasenweise wie eine müde Selbstkopie, dann wacht der Fünfer (der inzwischen Daniel Freyberg für den Platz an der zweiten Gitarre rekrutiert hatte) aber auf und findet plötzlich zu den eigenen Wurzeln zurück. 'Kick In A Spleen' tritt das Gaspedal ordentlich durch und weckt wohlige Erinnerung an den "Are You Dead Yet?"-Hit 'In Your Face', bevor 'Platitudes And Barren Words' den Hörer prompt an die Eingängigkeit der "Hate Crew Deathroll"-Arä erinnert. Generell gelingen den Finnen endlich mal wieder eingänge Strophen und Refrains, die dem Hörer auch auf lange Sicht im Gedächtnis bleiben. Wenn Freyberg und Laiho dann im Titeltrack nach mehr als zehn Jahren erstmalig wieder die neoklassischen Gitarrenlicks auspacken, die COB überhaupt erst diese Sonderstellung im Melodic-Death-Sektor eingebracht haben, dann sind nach zwölf Jahren auch endlich die Fans der Anfangstage versöhnt. Die Krone setzt dem Album schlussendlich die Neuafnahme des "Trashed, Lost And Strungout"-Tracks 'Knuckleduster' auf, der auch nach all den Jahren nichts von seiner Eingängigkeit und Rotzigkeit verloren hat. Ist der Fünfer damit wieder auf dem Niveau der frühen Zweitausender angekommen? Nicht ganz, aber erstmalig sind die Mannen vom Lake Bodom wieder auf dem richtigen Weg, was sich auch darin widerspiegelt, dass mit Julian, Marcel und mir selbst drei Redakteure die Scheibe in den Top 5 sehen. Einzig Mario steht dem Silberling kritisch gegenüber und verhindert mit seiner Platzierung als Schlusslicht eine bessere Ausbeute im gesamten Ranking. Ob das Album der Befreiungsschlag für Laiho und Co. geworden wäre, werden wir aber wohl nie erfahren.

5. Are You Dead Yet?

Der Anfang vom Ende, oder doch eines der stärksten Alben der Diskografie der Finnen? Hier gehen die Meinungen zu "Are You Dead Yet?" in unserer Redaktion auseinander. Während Kollege Mario die Scheibe nur auf Platz 8 sieht, ist sie in meiner ganz persönlichen Liste sogar auf dem dritten Rang gelandert. Gut, vielleicht bin ich hier auch etwas vorbelastet, da der fünfte Silberling für mich der erste Berührungspunkt mit COB war. Dennoch lässt sich die durchaus gute Platzierung locker mit den vielen Knallern untermauern, die sich Laiho und Co. im September 2005 aus dem Ärmel schüttelten. Los geht es mit dem unheimlich eingängigen 'Living Dead Beat', bevor der Titeltrack mit massiven Thrash-Metal-Anleihen und einem wuchtigen Refrain punktet. Der bekannteste Track der Scheibe dürfte dennoch 'In Your Face' sein, der zwar auf die typischen melodischen Leads weitgehend verzichtet, dafür aber dank des simplen Riffs bei den Shows der Finnen für Moshpits und Nackenschmerzen sorgt. Zwischen diesen bekannten Hits verstecken sich mit 'Next In Line' oder 'We're Not Gonna Fall' einige oftmals übersehene Perlen, die sich auch auf dem Vorgänger "Hate Crew Deathroll" gut gemacht hätten. Insgesamt präsentiert das Langeisen die perfekte Schnittstelle zwischen Frühwerk und der thrashigeren Ausrichtung späterer Jahre, wobei die großen Hooks hier noch wunderbar von den treibenden Thrash-Metal-Riffs ergänzt werden, wo sie in späteren Jahren immer weiter ins Hintertreffen gerieten. Folgerichtig war "Are You Dead Yet?" dann auch der bis dato größte kommerzielle Triumph der Finnern, der im Heimatland sogar satte zehn Wochen lang die Charts anführte und es auch in Deutschland bis auf eine ordentliche 16. Position brachte. Die Zukunft sah 2005 also mehr als rosig aus, auch weil sich alle Befürchtungen eines Einbruchs nach dem überraschenden Abgang von Gitarrist Alexander Kuoppala während der vorangegangenen Tour und dessen Ersetzung durch SINERGY-Gitarrero Rope Latvala als vollkommen unbegründet erwiesen. Hätten wir damals bloß schon gewusst, dass wir wohl das letzte wirklich relevante COB-Album in den Händen hielten...

4. Hate Crew Deathroll

Würden wir bei unserem Ranking nach der Relevanz für die Karriere der jeweiligen Band gehen, dann müsste "Hate Crew Deathroll" die Spitzenposition belegen. Immerhin katapultierte die Scheibe die Finnen im Jahr 2003 endgültig in die erste Metal-Liga, bescherte der Band die Spitzenposition in den heimischen Charts, sowie eine erste goldene Schallplatte und brachte auch endlich im gigantischen Markt Nordamerikas den Durchbruch. Die Meinungen der Redaktion gehen allerdings auseinander. So sieht Marcel die Scheibe als Krönung der COB-Schöpfung an und auch Kollege Jakob hat einen Platz auf dem Treppchen für "Hate Crew Deathroll" übrig, während es bei Julian nur zu einem schwachen 8. Platz reicht. In Summe ergibt das einen einsamen vierten Platz mit deutlichem Abstand nach vorne und hinten in der Endauswertung. Musikalisch sind die neun Songs dabei eigentlich über jeden Zweifel erhaben: 'Needled 24/7' legt direkt mit einem gigantischen Ohrwurm ein ordentliches Pfund vor, bevor 'Sixpounder' mit unglaublich fetten Riffs eine Belastungsprobe für jede Nackenmuskulatur ist. Mit 'Angels Don't Kill' hat die Scheibe fast schon eine Halbballade im Gepäck, die sich dank der Keyboards von Janne und Alexis starken Vocals schnell ins Langzeitgedächtnis gräbt, und für Partystimmung und lautes Mitgröhlen ist schließlich der legendäre Titeltrack geeignet. Dennoch tritt auch hier schon die Finesse an den Gitarren (insbesondere die neoklassischen Leads sind hier schon deutlich zurückgefahren worden) weiter in den Hintergrund und muss deutlich thrashigeren Riffs das Feld überlassen, was vielen Fans der Anfangstage nicht wirklich schmeckte. In Kombination mit einem untrüglichen Gespür für Hits erreichten die etwas gradlinigeren Kompositionen aber eine weit größere Anzahl von Metalheads und legten damit die Grundlage für eine fast zweijährige Tour rund um den Globus. Doch der Erfolg hat Schattenseiten, denn Alexander Kuoppala wird der andauernde Tour-Marathon zuviel und so verliert Laiho seinen genialen Partner an der zweiten Gitarre, was eine Lücke hinterlassen sollte, die keiner der Nachfolger je komplett schließen konnte.

3. Something Wild

Platz 3 in unserem Ranking geht an das Album, das Laiho bisweilen für das schlechteste Album seiner gesamten Karriere hält. Ja, richtig gelesen, der überkritische Finne hält "Something Wild" für seine schwächste kompositorische Leistung, was unsere Redakteure komplett anders sehen. So verorten Jakob und Mario die Scheibe in Einklang mit unserem Gesamtklassement auf der dritten Position, während Marcel und Julian den Erstling sogar noch eine Platzierung weiter vorne einsortieren. Wenigstens sieht Laiho selbst ein, dass die Platte, die 1997 in Finnland veröffentlicht wurde und im folgenden Jahr auch in Europa auf den Markt kam, der entscheidende Grundstein für die Karriere des Fünfers war. Damals war dieser Mix aus unheimlich prägnanten Keyboards, neoklassischen Gitarren-Leads im Stile von YNGWIE MALMSTEEN und schwarzmetallischer Raserei etwas komplett Neues, das die Musikwelt so noch nicht gehört hatte. Kein Wunder also, dass Kritiker und Fans das Album damals in den Himmel lobten, was die fünf blutjungen Finnen mit einem Schlag zu einem der großen Namen in der europäischen Metalszene machte. Und auch mehr als 20 Jahre später haben das herrliche 'Deadnight Warrior', 'The Nail' oder das wunderbar komplexe 'Lake Bodom' nichts von ihrer Schönheit verloren. Mein persönliches Highlight bleibt aber weiterhin 'Touch Like An Angel Of Death', das insbesondere mit seiner wunderbar düsteren Atmosphäre auftrumpft. Großen Anteil am eigenwilligen und vor allem eigenständigen BODOM-Sound hat dabei Keyboarder Janne Wirman, der seinen musikalischen Werdegang ursprünglich als Jazzpianist begann und dank seiner unheimlichen Fingerfertigkeit den fantastischen Leadgitarren aus Laihos Feder Paroli bieten kann. Natürlich ist hier noch nicht alles so rund und eingängig wie auf den beiden Alben, die folgen sollten, und auch manchem Song fehlt noch ein wenig der rote Faden (insbesondere die beiden 'Red Light In My Eyes'-Teile fallen mir hier ein), doch gerade diese raue Ungeschliffenheit, die sich auch in der erdigen Produktion widerspiegelt, macht einen großen Teil des Charmes aus, den das Debüt auch heute noch immer versprüht. Abgerundet wird der Silberling schließlich vom eigentlich schlichten, aber dennoch ikonischen Artwork mit dem Sensenmann als Hauptperson, welches das gesamte Auftreten der Band für die folgenden Jahre prägen sollte.

1. Hatebreeder

Wo ist Platz 2 geblieben, fragt ihr euch? Es gibt ihn in unserem Ranking nicht, denn "Follow The Reaper" und "Hatebreeder" verzeichnen nicht nur exakt die gleiche Punktzahl nach der Auswertung, sondern werden auch jeweils von zwei Redakteuren als Spitze des COB-Katalogs gesehen. Entsprechend gab es keine andere Möglichkeit, als einen geteilten ersten Platz zu vergeben. Der Zweitling aus dem Jahre 1999, der wieder einmal den ikonischen Sensenmann in einem komplett grünen Artwork präsentiert, markiert dabei für Jakob und mich selbst den Höhepunkt des Schaffens der fünf Finnen. Und warum hat die Scheibe für mich die Nase vor "Follow The Reaper"? Weil während der Studioaufnahmen Ende des Jahres 1998 unter der Leitung von Produzent Ansi Kippo der perfekte Melodic-Death-Metal-Sturm zustande kam, der die rohe und ungestüme Energie des Debüts mit den großartigen Melodien und der technischen Finesse, die die Markenzeichen des Nachfolgers werden sollten, kombinierte. Wenig überraschend strotzt die Spielzeit nur so vor Highlights und beginnt mit dem großartigen 'Warheart' mit einem ordentlichen Knall. Ähnlich temporeich geht es auch im düsteren 'Black Widow' zu, das noch am ehesten auf "Something Wild" gepasst hätte, während der Titeltrack, 'Bed Of Razors' oder 'Towards Dead End' jeweils ein wahres Feuerwerk von großartigen Melodien zünden. Insbesondere der letztgenannte Track trumpft dabei mit fantastischer Gitarrenabeit und einem epischen Solo auf. Ihr mögt es etwas rockiger? Dann dürfte 'Children Of Bodom' mit seinem Riff, das praktisch nur so vor Referenzen an die großen Hard-Rocker der Achtziger trieft, genau euer Ding sein. Die Spitze der Fahnenstange ist damit aber noch nicht erreicht, denn mit 'Silent Night, Bodom Night' und dem unsterblichen 'Downfall' habe ich die zwei ganz großen Hits der Scheibe bisher noch nicht einmal erwähnt. Das fantastische 'Aces High'-Cover, das auf der Sonderedition der Scheibe enthalten ist, setzt dem ganzen dann schlussendlich noch die Krone auf. Das Gesamturteil ist damit ganz einfach: "Hatebreeder" ist eine der besten Scheiben, die der melodische Death Metal je hervorgebracht hat und gehört in jede gut sortierte Metalsammlung!

1. Follow The Reaper

Gleiches gilt ebenso für unseren zweiten Spitzenreiter, wobei es wohl ganz am persönlichen Geschmack liegt, welches der beiden Alben für den COB-Fan nun die Nase vorn hat. So sind es bei uns Mario und Julian, die dem etwas klinischer und aufgeräumter klingenden Drittwerk aus dem Jahr 2001 (wobei die Scheibe in Finnland bereits 2000 das Licht der Welt erblickte) den Vorzug geben. Einen großen Anteil am deutlich aufgeräumteren und weniger rohen Sound hat dabei Peter Tägtgren, dessen legendäres Abyss-Studio die Finnen für die Aufnahmen aufsuchten und der "Follow The Reaper" mit einer gewohnt klaren und unterkühlten Produktion ausstattete. Das Songmaterial steht dabei "Hatebreeder" in nichts nach und trumpft von vorne bis hinten mit großartigen Nummern wie 'Mask Of Sanity', 'Children Of Decadence' oder 'Bodom After Midnight' auf. Die ganz großen Highlights, die den Fans aber wohl bis heute im Gedächtnis geblieben sind, markieren allerdings der Titeltrack, das unverschämt eingängige 'Hate Me' und natürlich die Single 'Everytime I Die', die erstmalig vermehrt die Thrash-Metal-Einflüsse durchscheinen lässt, die uns später Granaten wie 'In Your Face' bescheren sollten. Für mich persönlich ist der absolute Höhepunkt des Silberlings aber der Rausschmeißer 'Kissing The Shadows', an dessen grandiosen Licks und Soli sich Gitarristen bis heute die Finger wund üben. Ja, selbst Alexi Laiho hatte in den letzten Jahren oftmals Mühe, die Perfektion dieser Aufnahme auch auf die Bühne zu bringen, weshalb der Track es leider viel zu selten in die Setlist der Finnen schaffte. Noch eindrucksvoller ist der Track übrigens, wenn man weiß, dass der Song als letzter Track praktisch im Studio improvisiert wurde und Laiho die Texte praktisch während der Aufnahme erst niederschrieb. So kann das Fazit auch hier nur lauten, dass selbst wenn ihr mit CHILDREN OF BODOM ansonsten wenig anfangen könnt, "Follow The Reaper" in jede Sammlung gehört, die in Sachen metallischer Historie vollständig sein möchte.

Und damit sind wir am Ende unseres Diskografie-Checks angelangt und freuen uns nun darauf, auch eure Meinung zum COB-Backkatalog zu hören. Liegen wir mit unserem Ranking richtig, haben wir eine Scheibe sträflich unterbewertet? Wir freuen uns, eure Meinung im Forum zu lesen! Und nun folgen wie immer die Listen der einzelnen Redakteure:

Tobias Dahs:

1. Hatebreeder
2. Follow The Reaper
3. Are You Dead Yet?
4. Hate Crew Deathroll
5. Hexed
6. Blooddrunk
7. Something Wild
8. I Worship Chaos
9. Halo Of Blood
10. Relentless Reckless Forever
Jakob Ehmke:

1. Hatebreeder
2. Hate Crew Deathroll
3. Something Wild
4. Follow The Reaper
5. Are You Dead Yet?
6. Hexed
7. Bloddrunk
8. I Worship Chaos
9. Relentless Reckless Forever
10. Halo Of Blood
Marcel Rapp:

1. Hate Crew Deathroll
2. Something Wild
3. Follow The Reaper
4. Hatebreeder
5. Hexed
6. Blooddrunk
7. Are You Dead Yet?
8. Halo Of Blood
9. I Worship Chaos
10. Relentless Reckless Forever
Mario Dahl:

1. Follow The Reaper
2. Hatebreeder
3. Something Wild
4. Hate Crew Deathroll
5. I Worship Chaos
6. Relentless Reckless Forever
7. Halo Of Blood
8. Are You Dead Yet
9. Blooddrunk
10. Hexed
Julian Rohrer:

1. Follow The Reaper
2. Something Wild
3. Hatebreeder
4. Halo Of Blood
5. Hexed
6. Are You Dead Yet?
7. Blooddrunk
8. Hate Crew Deathroll
9. I Worship Chaos
10. Relentless Reckless Forever

Redakteur:
Tobias Dahs

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