side banner 175

Diskografie-Check: Ronnie James Dio - weitere Veröffentlichungen

01.08.2022 | 13:13

Der Name Ronnie James Dio wird für immer mit den Bands DIO, BLACK SABBATH und RAINBOW verbunden sein, aber Ronald James Padavona hat auch abseits der Studioalben dieser drei Metal-Monumente interessante Momente vorzuweisen. Hier sind einige davon.

Fangen wir doch einfach einmal ganz vorne an. Früh begann Ronnie in der Band VEGAS KINGS, die ersten Veröffentlichungen erschienen unter dem Namen RONNIE AND THE RED CAPS und später als RONNIE AND THE PROPHETS, die Ende der fünfziger und Anfang der sechziger Jahre zahlreiche Singles veröffentlichten, die dem typischen Sound der Zeit entsprachen und gegen Ende sogar David Feinstein, Dios Cousin, im Line-Up hatte. 1967 enstand dann eine weitere Single unter dem Namen THE ELECTRIC ELVES, danach machte man als THE ELVES mit zwei weiteren Singles weiter und veröffentlichte dann schlussendlich als ELF 1972 ein vollständiges Studioalbum. Das ist auch das erste, das wir uns ansehen wollen.

 

ELF - Elf (1972)

Das erste Album mit Ronnie James Dio am Mikrophon, das für den modernen Rocker interessant ist, hört auf den Namen "Elf". Entdeckt wurde die Kapelle von Roger Glover und Ian Paice, die die Band sahen und ihr halfen, einen Plattenvertrag zu bekommen und das Debütalbum dann auch gleich produzierten. 1972 ist nach "In Rock" und nach "Fireball", aber wer jetzt Schwermetallgewitter erwartet, liegt natürlich falsch. Zwar ist auch David Feinstein noch mit von der Partie, der später mit THE RODS bekannt wurde, aber ELF ist eine Bluesrock Band. Der Opener 'Hoochie Koochie Lady' zeigt die Richtung, aber auch hier thront Dios Stimme über allem, der hier zum einzigen Mal abgesehen von Singles mit seinem echten Namen Padavona verewigt ist. Auch sonst dominieren oft Blues und Rock 'n' Roll in all ihren Facetten, aber zwei Lieder sind herauszuheben. Das ist zum einen der Hardrocker 'I'm Coming Back For You', der auch heute noch eine gute Figur macht, zum anderen das absolute Highlight 'Never More'. Das ist Dio, ja, das ist sogar schon DIO, RAINBOW und die typische Epik, die große Stimme. Das Stück allein ist es wert, sich das Album ins Regal zu stellen, zumal auch die Solosektion ganz fantastisch ist. Ich sage es mal so: Wenn Ronnie das Lied auf seinen Touren gespielt hätte, hätten die Besucher nachher gefragt, woher das tolle Lied stammte, dass sie gar nicht kannten. Übrigens, auf diesem Album spielt Ronnie auch den Bass. Und ist laut James Curl in seinem Buch über Ronnie auch der Elf auf dem Cover!

 

ELF - Carolina County Ball (1974)

Die Scheibe, die in den USA und Japan als "L.A. 59" veröffentlicht wurde, wurde nach dem Weggang von David Feinstein komponiert und ist eine Kollaboration zwischen Ronnie Dio und Keyboarder und Gitarristen Micky Lee Soule. Die beiden haben ihren Spaß an Blues und Rock 'n' Roll und leben selbigen aus, mit einer gegenüber dem Vorgänger größeren Produktion, dominantem Piano, verstärkten Chorgesängen. Ronnies Stimme klingt noch kraftvoller und die zügigeren Lieder machen eine gute Figur, vor allem die ersten drei, allerdings hat sich mit 'Happy' auch ein echter Stinker eingeschlichen. Dass es auf dem Album einen Song namens 'Rainbow' gibt, ist allerdings eine Ironie des Schicksals, denn ELF ging nach dem Album auf Tournee als Vorband von DEEP PURPLE und so freundete sich Ronnie mit dem Gitarristen Ritchie Blackmore an, die beiden entdeckten Gemeinsamkeiten, musikalisch wie auch abseits des Bandzirkus' und so kam es, dass...

 

Roger Glover - The Butterfly Ball and the Grasshopper's Feast (1974)

... nein, zuerst half Ronnie Dio auf dem Soloalbum des DEEP PURPLE-Bassisten Roger Glover aus. Auch Micky Lee Soule war mit von der Partie, genauso wie David Coverdale und Glenn Hughes. Das Konzeptalbum basiert auf dem Kindergedicht von William Roscoe mit dem gleichen Titel und hat natürlich mit Rock oder gar Hardrock nahezu nichts zu tun. Trotzdem enthält es ein paar sehr hörenswerte Stücke wie beispielsweise 'Behind The Smile' mit dem Gesang von David Coverdale, das von Hughes gesungene 'Get Ready' und das dramatische 'Watch Out For The Bat' mit John Gustafson am Mikro, der mit QUARTERMASS bereits gearbeitet hatte und später ROXY MUSIC und die IAN GILLAN BAND verstärken sollte. Dio ist auf 'Sitting In A Dream' zu hören, einem ruhigen Stück, in dem er die Rolle von "Froggy" übernimmt, dem absichtlich BEATLES-esken 'Love Is All' und dem Schlusssong 'Homeward'. Insgesamt mehr ein musikalisches Geschichtsstündchen denn ein Album, das regelmäßg laufen würde, aber mit ein paar beachtenswerten Momenten.

 

ELF - Trying To Burn The Sun (1975)

Doch dann war es Zeit für... RAINBOW, genau. Ritchie wollte den Coversong 'Black Sheep Of The Family' für DEEP PURPLE aufnehmen, der Rest der Band wollte nicht und ein bockiger Ritchie holte sich ELF für die Aufnahmen. Zu diesem Zeitpunkt war allerdings "Trying To Burn The Sun" bereits im Entstehen und wurde noch fertiggestellt, erschien aber erst, nachdem die Band ELF das Zeitliche gesegnet hatte. Dabei setzt das Album den Weg seiner Vorgänger recht konsequent fort, ist nochmal etwas besser produziert, gelegentlich rockiger. 'Prentice Wood' ist gut, auch 'Liberty Road', wieder machen die schnelleren, kraftvollen Stücke einen nachhaltigeren Eindruck, auch wenn die Band wieder sehr abwechslungsreich unterwegs ist und mit 'Wonderworld' sogar einen ziemlich bombastischen Rocksong am Start hat. Aber es klingt einfach seltsam, Ronnie in 'Shotgun Boogie' zu hören. Hör mal selbst rein, das ist schon gut, cool, aber eben auch weit entfernt von den sonstigen Dio-Sphären. Übrigens spielt am Schlagzeug Mark Nauseef, der später mit der IAN GILLAN BAND, THIN LIZZY und GARY MOORE musizieren sollte.

 

RAINBOW - On Stage (1977)

Neben den Studioalben, die bereits in den beiden vorherigen Teilen zum Zuge kamen, kommt man nicht umhin, das 1977er Live-Album "On Stage" als Highlight in der Karriere des großartigen Sängers zu würdigen. In den Siebzigern spielten Bands wie DEEP PURPLE und eben RAINBOW live nicht einfach nur ihre Lieder nach, sondern machten aus dem Auftritt eine echte Show. Man begann mit 'Kill The King', was für das Publikum sicher ein Erlebnis war, denn "On Stage" erschien vor "Long Live Rock 'n' Roll". Besonders zu erwähnen sind allerdings eher die langen, aufufernden Beiträge, bei denen 'Man on the Silver Mountain' und 'Starstruck' zu einem Stück zusammengeführt wurden, 'Catch The Rainbow' locker die Viertelstunde hinter sich lässt und 'Still I'm Sad' mit Gesang und einem umwerfenden Keyboardsolo einen absoluten Höhepunkt bildet. Zu dem Doppel-Album, das sich als echter Chartsstürmer erwies, wurde sogar eine EP mit dem Stück 'Kill The King', die bis Platz 44 der UK-Single-Charts stieg, veröffentlicht. Einziger Nachteil des Albums ist, dass die Reihenfolge der Lieder für die Vinylveröffentlichung geändert wurde und die Stücke von verschiedenen Konzerten stammen. An der Qualität ändert das allerdings nichts. Eine Deluxe-Version gibt es auch von diesem Werk, das zusätzlich Aufnahmen vom Konzert in Osaka 1976 enthält, darunter auch 'Do You Close Your Eyes', das auf der Originalveröffentlichung nicht enthalten ist.

 

RAINBOW - Live In Germany 1976 (1990)

Und nochmal zurück zur gleichen Tour. Auch wenn diese Live-Scheibe erst 1990 veröffentlicht wurde und nahezu die gleiche Trackliste hat wie "On Stage", sind die Aufnahmen fast durchgehend andere und vor allem: 'Stargazer' ist ebenfalls dabei - in einer siebzehnminütigen Version! Ein langes Keyboardintro von Tony Carey und dann einige Gitarreneskapaden aus Ritchie Blackmores Ärmel und dazu Dio in Höchstform. Dieses Scheibchen wird nur noch durch das 2006 erschienene "Deutschland Tournee 1976" erweitert, das drei komplette Konzerte enthält, aber nicht alle Aufnahmen von "On Stage" und "Live In Germany", die teilweise von einem vierten Auftritt stammen. Allerdings wurde jeden Abend die gleiche Setliste gespielt, sodass letzterer Release durchaus nur etwas für richtige Fans ist. Das Pflichtprogramm "On Stage" kann man aber ohne Weiteres noch mit "Live In Germany" abrunden.

 

Kerry Livgren - Seeds Of Change (1980)

Ende der siebziger Jahre gab es Gerüchte, dass es im Camp der Band KANSAS rumoren würde, denn Sänger Steve Walsh nahm eine Soloscheibe in Angriff und kurz darauf auch Gitarrist Kerry Livgren. Darauf wollte er musikalische Ideen, die er für KANSAS nicht verwenden konnte, umsetzen. Dazu holte er sich Gäste ins Studio, darunter auch KANSAS-Sänger Steve Walsh, KANSAS-Schlagzeuger Phil Ehart und KANSAS-Violinist Robby Steinhardt, was zeigt, dass der Haussegen bei seiner Hauptband nicht allzu schief hing, und Mitglieder damaliger US-amerikanischer Acts wie LE ROUX oder AMBROSIA.

Wir wollen uns aber auf zwei Lieder konzentrieren, die Ronnie James Dio eingesungen hat. "Seeds Of Change" entstand, nachdem sich Livgren dem Evangelikalismus zugewandt hatte, einer besonders bibeltreuen Variante der christlichen Religion. Das spiegelt sich in den Texten wieder, ist aber besonders ironisch, wenn man bedenkt, dass Dio zu diesem Zeitpunkt bereits Sänger von BLACK SABBATH war, einer Band, die nie in Verdacht stand, besonders christlich zu sein.

Das Album selbst ist stark und insgesamt ein Hineinhören wert, aber das zweite Lied 'Mask Of The Great Deceiver' ist neben dem letzten Lied, 'Ground Zero', das David Pack eingesungen hat, das Highlight des Albums . Nach einem langen Instrumentalteil gibt Dio wirklich alles und erhält auch den Freiraum, um zu glänzen. Progressive Spielchen lockern den zeitweise doch recht hardrockenden Track auf, der sich weigert, in eine Schublade zu passen. Das zweite Lied mit Ronnie am Mikrophon ist das ruhige 'To Live For The King', das erst durch Dios Stimme zu einem großartigen, epischen Song wird, der zudem mit einem tollen Gitarrensolo imponiert. Nicht nur wegen der beiden Dio-Lieder möchte ich "Seeds Of Change" empfehlen.

 

HEAR 'N' AID - An All-Star Album For Famine Relief (1986)

Wir springen mal ein paar Jahre in die Zukunft zu einem ganz besonderen Projekt, dessen Besetzung sich liest wie das Telefonbuch von Metal City. Beispiel gefällig? Es waren dabei Ted Nugent, Yngwie Malmsteen, Tommy Aldridge, Musiker von DIO, JUDAS PRIEST, IRON MAIDEN, QUIET RIOT, DOKKEN, MÖTLEY CRÜE, TWISTED SISTER, QUEENSRŸCHE, BLUE ÖYSTER CULT, VANILLA FUDGE, Y&T, ROUGH CUTT, GIUFFRIA, JOURNEY, W.A.S.P., NIGHT RANGER und SPINAL TAP. Der Grund für dieses beinahe unglaubliche All-Star-Projekt war die Hungersnot in weiten Teilen Afrikas. Bob Geldof von den BOOMTOWN RATS hatte mit seinem BAND AID-Projekt ein Vorbild geschaffen, für das Dio ein Äquivalent im Metalbereich schaffen wollte. Das Lied 'Stars' wurde von den Mitgliedern der Band DIO gemeinsam komponiert und ist ein toller Ohrwurm, bei dem es Spaß macht, die einzelnen Musiker herauszuhören.

Das Lied schaffte es im UK bis auf Platz 26 der Charts und spielte für die extra geschaffene Non-Profit-Organization HEAR 'N AID, INC. zwischen einer und drei Millionen Dollar ein. Es gibt auch ein Album, auf dem neben besagtem Hit weitere neun Lieder zu finden sind, zumeist von Bands, die wegen Touraktivitäten nicht dabei sein konnten und deswegen ihre Songs zur Verfügung stellten, darunter ACCEPT, SCORPIONS, MOTÖRHEAD und RUSH. Manche der Live-Aufnahmen sind nicht auf anderen Tonträgern erhältlich. Dieses Projekt ist laut einer Liste auf einem Video von VH1 der "Most Metal Moment" in der Geschichte unseres Lieblingsgenres. Ja, das kann man sicher behaupten, ohne sich lächerlich zu machen.

 

DIO - Intermission (1986)

Auch ein DIO-Live-Album gehört meiner Ansicht nach in diese Liste der weiteren erwähnenswerten Alben, denn obwohl es mehrere offizielle Live-Alben gibt, hat "Intermission" etwas Besonderes, nämlich einen zusätzlichen Studio-Bonustrack. Kurz zuvor war Vivian Campbell während einer Tourpause vor die Tür gesetzt worden, laut einem Interview mit Shut Up & Rock On, das von den Kollegen von sleazeroxx.com in Auszügen noch zu lesen ist[1], wegen ausbleibender Zahlungen trotz des großen Erfolges der Band. Parallel hatte Wendy Dio als Managerin bereits mehrere Jahre lang eine Band namens ROUGH CUTT unter Vertrag gehabt, die auch als Vorband für DIO mit auf Tour gewesen war. Deren ehemaliger Gitarrist Craig Goldy, zu diesem Zeitpunkt bei GIUFFRIA aktiv, wurde zu DIO geholt und sollte zukünftig gleich mehrfach Ronnies musikalischer Weggefährte sein, zuerst bis 1988 und dann nochmal ab 1999.

Doch zuerst stand das Live-Album "Intermission" auf dem Programm, auf dem man, um Goldy vorzustellen, den Midtempo-Song 'Time To Burn' platzierte. Als Live-Album ist "Intermission" eine zwiespältige Angelegenheit. Musikalisch ist an den vier Liedern und einem Medley wenig auszusetzen, aber für ein erstes Live-Album sind 29 Minuten und ein Studio-Song doch etwas dürftig. Ich weiß noch, wie ich mich über die Scheibe gefreut habe und gleichzeitig enttäuscht war, dass es nicht ein komplettes DIO-Konzert war. Tatsächlich sollte es noch mehr als zehn Jahre dauern, bis mit "Inferno - The Last In Live" endlich ein solches erschien. Aber 'Time To Burn' war damals doch eine gute Entschädigung.

[1] Olivier (2017): Vivian Campbell explains how he was fired from Dio in middle of ‘Sacred Heart’ tour, https://sleazeroxx.com/vivian-campbell-explains-how-he-was-fired-from-dio-in-middle-of-sacred-heart-tour; angerufemn am 27.7.2022

 

Eddie Ojeda - Axes 2 Axes (2005)

Ronnie sammelte in den letzten Jahren seines Lebens noch so einige Gastauftritte an, die alle durchaus hörenswert sind. 2005 produzierte der ehemalige TWISTED SISTER-Gitarrist ein Soloalbum mit dem Titel "Axes 2 Axes", auf dem er alle Gitarren spielte und, mit Ausnahme der drei Instrumentals natürlich, zumeist auch den Gesang übernahm. Aber auf drei Stücken singen bekannte Mikroartisten, nämlich Dee Snider von TWISTED SISTER, Joe Lynn Turner von RAINBOW und DEEP PURPLE, und eben Ronnie James Dio, der den Opener veredeln darf. Das Stück 'Tonight' ist ein feiner, einfacher Midtempo-Song, der Ronnies Stimme toll zur Geltung bringt. Auch der Rest von "Axes 2 Axes" ist feiner, harter Rock, wenn es auch nichts spektakulär Neues bietet, aber man muss sich das Scheibchen nicht nur wegen der dreieinhalb Minuten mit Dio kaufen.

 

 

TENACIOUS D - Tenacious D in The Pick of Destiny (2006)

Jack Black und Kyle Gass, besser bekannt als TENACIOUS D, veröffentlichten 2006 den Film "Tenacious D in The Pick of Destiny". Kommerziell war der Film ein kompletter und vollständiger Rohrkrepierer, aber über die Jahre hinweg hat sich der Streifen zu einem echten Kultfilm gemausert, den man als Metaller gesehen haben sollte. Ronnie James Dios Auftritt ist tatsächlich nur äußerst kurz, aber erwähnenswert, denn in dem Opener 'Kickapoo' singt er zusammen mit Jack Black und Meat Loaf und das Lied ist absolut großartig. Wenn Ronnie aus dem Plakat an der Tür zu dem zu ihm betenden und um Hilfe beim Rocken flehenden Jungen singt und ihm Anweisungen gibt, muss man schon ziemlich humorbefreit sein, um nicht zu schmunzeln. Hierbei beziehe ich mich natürlich auf das dazugehörige Video beziehungsweise den Teil des Filmes, in dem der Song vorkommt. Daher: am besten mal anschauen. Da auch der Rest des Albums durchaus hörenswert ist, wird das Soundtrack-Scheibchen hier erwähnt. TENACIOUS D hatte übrigens auch vorher bereits ihrer Verehrung für Dio Ausdruck gegeben, denn auf dem Debütalbum des Duos gibt es einen Song namens 'Dio', dessen Text Ronnie zwar auffordert, zurückzutreten, aber nur, damit er die Krone des Heavy Metal an TENACIOUS D weiterreichen könne. Ja, die beiden haben einen eigenartigen Humor, über den ich lachen kann. Und Ronnie konnte das offensichtlich auch.

 

QUEENSRYCHE - Operation Mindcrime 2 (2006)

Zu dieser Zeit war QUEENSRYCHE ein schwacher Abklatsch ihrer selbst. "Hear In The Now Frontier" war schwach, "Q2K" war ein wirklich schreckliches Album, "Tribe" besser, aber meilenweit von den früheren Großtaten entfernt. Konnte QUEENSRYCHE noch solch große Hymnen schreiben wie bis 1994? Wahrscheinlich wusste man im Camp der Seattler, dass nur ein echter Paukenschlag das Ruder herumreißen konnte und so nahm man sich vor, an das überragende Werk "Operation Mindcrime" anzuschließen. Das Unterfangen war natürlich zum Scheitern verurteilt. Das wäre, als wenn ein Freizeitkletterer, der sonst zehn Jahre lang nur die Fränkische Schweiz durchstreift hatte, plötzlich unvorbereitet den Mount Everest erklimmen wollte. Natürlich endete das Vorhaben als Rohrkrepierer, wobei man zugeben muss, dass es eben auch daran liegt, dass die Band vorher so große Alben vorgelegt hatte. In unserem Zusammenhang ist es aber deswegen erwähnenswert, weil Dio auf dem Album den Part von "Dr. X" übernimmt. Leider nur in dem Song 'The Chase', aber da zeigt er eine völlig ungewohnte Seite seines Könnens und ein Duett mit Geoff Tate ist allemal eine Erwähnung wert, zumal ich den Song als einen der besten des Albums empfinde. Der Rest des Albums ist durchwachsen, hat aber einige hörenswerte Höhepunkte. Dass QUEENSRYCHE überhaupt auf Dio gekommen ist, erklärt sich aus der Metal-Geschichte, wie James Curl in seiner Ronnie James Dio-Biographie beschreibt. DIO war die erste bedeutende Band, die QUEENSRYCHE mit auf Europa-Tournee nahm, zitiert er darin Sänger Geoff Tate. Übrigens trat Ronnie auf einigen Konzerten in seiner Rolle als Dr. X mit QUEENSRYCHE auf. Das hätte ich gerne gesehen.

 

BLACK SABBATH - The Dio Years (2007)

Diese Best-Of-Scheibe wurde bereits im ersten Teil unserer Diskographie erwähnt, denn sie führte dazu, dass sich HEAVEN & HELL formierte. Wie Toni Iommi in der Biographie "Iron Man" ausführt, trat ihr Label an ihn heran mit dem Vorhaben, eine Best-Of-Scheibe der Jahre mit Dio zusammen zu stellen. Toni hatte die Idee, Ronnie anzurufen und zu fragen, ob man nicht zu diesem Anlass zwei neue Lieder komponieren und aufnehmen sollte. Aus diesen zwei Liedern wurden drei Stücke, nämlich 'The Devil Cried', 'Shadow of the Wind' und 'Ear in the Wall', insgesamt fast sechzehn Minuten neue Musik, abwechslungsreich wie auf allen Alben, typisch BLACK SABBATH, ein Must-Have. Das bedrohliche Midtempo-Lied 'The Devil Cried' wurde sogar als Single ausgekoppelt und erreichte Platz 38 der Mainstream-Rock-Charts der USA. Das schwerfällige, alles plattwalzende 'Shadow of the Wind' zeigt die doomige Seite der Band, während der Rausschmeißer 'Ear In The Wall' das Tempo beachtlich anzieht. Alle anderen Lieder des Albums stammen von den regulären Alben, sind aber neu gemastert worden, sodass diese Doppel-CD ins heimische Regal gehört.

 

THE RODS - Vengeance (2011)

Ein Album mit Ronnie von 2011 enthält die letzte Studioaufnahme des Sängers. Es ist irgendwie passend, dass diese Performance auf einem Album mit Gitarrist David Feinstein veröffentlicht wurde, der mit Ronnie Dio bereits in den Siebzigern bei ELF zusammen gearbeitet hatte, der ersten Band, die den Stil der späteren Karriere des Metal-Barden andeutete. Dio singt die Vocals für das Lied 'The Code' ein, das ich persönlich nur mittelmäßig finde, das aber durch den weiterhin kraftvollen Gesang stark gewinnt, obwohl Dio zu diesem Zeitpunkt sicherlich bereits an seiner Krebserkrankung laborierte.

 

Und so geht unsere Reise im Jahr 2011 zu Ende, die mit der Geburt von Ronald James Padavona 1942 begann, 1957 erstmals zu musikalischen Gehversuchen führte und mit "Elf" 1972 schließlich in hardrockende Gefilde mündete. Natürlich ist diese Liste nicht vollständig. Aber das waren die Alben, die ich dir ans Herz legen möchte. Natürlich sind auch das Live-Album "Live from Radio City Music Hall" von HEAVEN & HELL, das vor dem Album "The Devil You Know" erschien und bereits eine Live-Version von 'The Devil Cried' enthält, und das DIO-Live-Album "Inferno: Last in Live", bei dem DIO den DEEP PURPLE-Song 'Mistreated' covert, absolut empfehlenswert. Wenn man durch die Geschichte des Sängers einen roten Faden suchen möchte, dann ist es die immer und ausnahmslos grandiose Leistung eines der größten Musiker der Metalgeschichte. Wer noch weitere der Gastauftritte kennenlernen möchte, kann sich die Momente mit David Coverdale, HEAVEN, DOG EAT DOG, Pat Boone, DEEP PURPLE, ROUGH CUTT, Ian Gillan, GIRLSCHOOL und David Feinstein vornehmen. Es gibt sicher noch mehr, die mir nicht bekannt sind, aber für den Hardrocker sollte diese Liste relativ vollständig sein.

Als ich mich für diesen Artikel wieder durch die Diskographie Ronnie James Dios gehört habe, ist mir einmal mehr bewusst geworden, wie sehr er mich geprägt hat und ebenso unzählige Fans und Musiker. Dass er schon mit 67 gestorben ist, ist ein großer Verlust. Wie ich eingangs in Teil 1 sagte: etwa fünfzig Alben zu früh. Aber das Vermächtnis, das er hinterlassen hat, wird in den Playern und den Herzen der Metalfans weiterleben.

Redakteur:
Frank Jaeger

Login

Neu registrieren