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Doom Over Leipzig 2018: Etabliert und doch überraschend

24.03.2018 | 14:29

Zum nunmehr achten Mal stemmt eine Gruppe von Enthusiasten ein Festival, welches den Begriff "Doom" so weit wie möglich fasst. Und trotz des etwas muffigen Rufes, der diesem Begriff so anlastet, gelingt ihnen immer wieder eine Frischekur.

Wenn hier das Wort muffig benutzt wird, so ist das keinesfalls abwertend. Im Innenblick und Diskussion innerhalb der POWERMETAL.de-Redaktion einigt sich die Mehrheit schnell, dass Doom boomt. Bis auf ein paar Ausnahmen augenverdrehender Mitredakteure. In unseren Soundchecks sind die Alben, in denen sich der Doom herumtreibt, immer sehr hoch platziert. Als Beispiel sei nur dieser hier benannt.

DOL 2010

Wie breitgefächert jedoch das Genre sein kann, daran arbeiten sich seit knapp einem Jahrzehnt Leute aus Leipzig ab. Und haben mit dem frühjährlichen Szenetreff Doom Over Leipzig (DOL) mit dem Zentrum im wunderbaren UT Connewitz eine wohltuende Konstante in der Untergrundmusik geschaffen.

Mit Ausnahme des Jahres 2011, in der es in der Zeitenlinie eine Unterbrechung gab, ist das DOL in jedem darauf folgenden Jahre präsent und präsenter geworden. Eigentlich ist es so, dass sich der Szenetreff aus der Szene nicht mehr wegdenken lässt. Begonnen hatte das Ganze mit einem novembrigen Zweitägler 2010 im viel kleineren Club Zoro, das aber den Ansturm sehr gut wegsteckte und gleich mal auf mehr hoffen ließ. Der allererste DOL-Freitag ging ewig und präsentierte uns BAD LUCK RIDES ON WHEELS, das grandiose Duo KHUDA, die Würzburger Brachialos OMEGA MASSIF, TERZIJ DE HORDE und letztlich auch die abgeschrägten Neuseeländer HEIRS. Indem man tags darauf in das UT Connewitz überwechselte, um dort das traumhafte Lärmpaket AN EMERALD CITY, BLCKWVS, ROTOR, SUMA und RORCAL zu präsentieren, ist schnell die stimmige Melange zwischen DOL-Idee und UT Connewitz spürbar gewesen. Werden wir einfach mal pathetisch: RORCAL, die den Sud aus Dunkelheit und Nebel mit dem lautesten und aggressivsten Doom-Entwurf durchschnitten, wiesen den Weg in das Jahr 2012.

Mit einem Jahr Pause wurden jetzt größere Fladenbrote gebacken. Auch im nahen, beliebten veganen Imbiss. Es lassen sich die Stirnlampendurchdreher CELESTE, DOWNFALL OF GAIA, PLANKS blicken und hören, alles fulminante Sperrfeuer, während die psychedelischere Fraktion mit EARTH und den WHITE HILLS eingefangen und neben eher klassischen Doom-Akteuren auch der leichtere Gang gewählt wird, indem man Scott "Wino" Weinrich und Conny Ochs verpflichtet.

Spätestens hier haben sich die Macher des Festes professionalisiert und sich die vielfältigen Aufgaben aufgeteilt. Schnell sind die Karten vergriffen, das selbe Schicksal erlebt das Festival auch im Folgejahr.

DOL 2

Das dritte DOL 2013 läßt mehr Experimentelles und Ambientiges zu. Ergänzt werden die Sphärischen von den Instrumentalisten: BOSSK, HEIRS, HEXIS, LENTO, MY EDUCATION, NIGHTSLUG, ONEIROGEN, WITCHSORROW, ZATOKREV und ZERO ABSOLU.

Das DOL ist nun etabliert und hat auch diese Generalprobe des Herumprobierens dunkellächelnd überstanden. 2014 folgt ein Jahr der Gefühlswallungen, wobei die Finnen CIRCLE mit ihrem unkonventionellen Auftritt neben dem Überraschungseffekt auch die meiste Nachwirkung erzielt haben dürften. Superb auch das Gefeuer von OLD MAN GLOOM - in dem Gefüge, dem vier gestandene Szenegrößen angehören, darunter ein zugebärteter Aaron Turner (ISIS, SUMAC, Hydra Head Records). In diesem Jahr erscheinen zudem wegweisende Alben von Doombands, die sich auch Mitte April 2014 beim DOL einfinden: die Weltenzerstörer CONAN und THE BODY, die starke Ami-Fraktion INTER ARMA, GRAVES AT SEA, SOURVEIN, INDIAN, KONGH und WINDHAND. Dazu die Urdoomer ESOTERIC und natürlich die zarte Musik des Mister Walker mit 40 WATT SUN, der sich erst 2017 zu einem seiner seltenen Exklusivkonzerte im UT Connewitz wieder einfinden wird.

2015 startet furios mit den groß erwarteten RUSSIAN CIRCLES. Und damit ist der Takt vorgegeben, Highlight folgt auf Highlight. Wobei man sich hier auch wieder verstärkt an den Rändern des "Dooms" wiederfindet. Daher eine der spannenden Ausgaben dieser Reihe. Mit ACID WITCH hat man eine Institution des Stoner Rock erwischt, mit YEAR OF NO LIGHT findet sich eine der besten Postrockmetalbands Frankreichs oder überhaupt des Planeten in Leipzig ein. Das UT Connewitz hat sich zu diesem Zeitpunkt sowieso und vor allem in der Musikszene aus Übersee als "Da sollte man gewesen sein"-Club etabliert. Die Liste der formidablen Bands in diesem alten Kino ist lang, lang, lang.

Vor zwei Jahren dann das bisher größte Line-up. Das für seine der klanglichen Perfektion nahen Anlage bekannte IFZ (Institut für Zukunft) wie auch die nahe Paul Gerhardt-Kirche im Stadtteil Connewitz treten als Auftrittsorte hinzu. Bedeutet auch, dass sich die Aufspannweite der teilnehmenden Künstler verbreitert. Die Galerie KUB und auch die Umgebung des Zoro sind als Partner für Austellungen, Diskussionsrunden oder Performances im Rahmen des Festivals schon länger involviert und etabliert. Der Knaller ist die Verpflichtung der Schweden von CULT OF LUNA, die die Liste der bemerkenswerten Bands in diesem Jahr zu krönen scheint: ABSTRACTER, ADDAURA, BEHOLD! THE MONOLITH, BURIED AT SEA, CHRCH, DEAD TO A DYING WOLRD, DOWNFALL OF GAIA, ESBEN AND THE WITCH, FVNERALS, HELL, JUCIFER, OAKE, PHURPA, SSSS, SAMUEL KERRIDGE, THAW oder THE EYE OF TIME. Die Belgier THE BLACK HEART REBELLION, insgesamt chronisch unterschätzt und somit untergewertschätzt, spielen einen seltsamen, aber irgendwie sehr nachhaltigen Auftritt, in aller Munde und Ohre wird das norddeutsche Duo MANTAR geführt, das auch hier gewohnt den Abriss liefert.

DOL 3

Zu spüren ist 2017, dass sich das Fest an einer Schwelle befindet. Kann man noch steigern, andere Wege gehen, auch ohne all zu sehr in die Negativbilanz zu rutschen? Denn das hier tun immer noch Enthusiasten, die an der nunmehr vier Tage dauernden Untergrundzusammenkunft gerade mal die Kosten decken dürften. Wenn überhaupt.

Man entscheidet sich für die Aufrechterhaltung eines hohen Lärmpegels und Gitarrenanteils, denen aber eine Vielzahl von Nebenschauplätzen anbei gestellt werden. (((unterholz))) heißt da so ein Ausstellungsforum. Es gibt (wieder) einen DIY-Markt mit vielen wunderlichen und wunderbaren Exponaten, Felix-Florian Tödtloff und Lars Ennsen von SUN WORSHIP informieren in einem gut besuchten Kolloquium über die Begriffe Drone, Ambient und Improvisation, besagter Aaron Turner läßt zusammen mit Eugen Robinson von OXBOW in die Künstlerseelen blicken und (natürlich!) gibt es Lesungen aus außergewöhnlichen Büchern.

Und es gibt Konstanten. Seit 2014 nun kann man den Besuch des DOL nun immer für die zweite oder dritte Aprilwoche einplanen, die Eintrittspreise der Tickets konnten großteils auf einem Niveau verbleiben, der Vorverkauf läuft gut an, was die Planungen der Enthusiasten ziemlich erleichtert. 2017 kehren Bands wieder heim in den DOL-Nebel, die in früheren Ausgaben bereits mitwirkten. Sie werden begleitet von Szenegrößen, die in unseren Breitengraden nur sehr selten erlebbar gemacht werden. Das sah dann im letzten Jahr so aus: ALARIC, [B O L T], COME TO GRIEF, COMMON EIDER KING EIDER, (DOLCH), GROUPER, INTER ARMA, MONACHUS, PALLBEARER, ORANSSI PAZUZU, OXBOW, PINKISH BLACK, SINK, SUMA, SUMAC, ULTHA, UNEARTHLY TRANCE, WOE, WOLVES IN THE THRONE ROOM.

Ja, richtig gelesen: Die gewisse Portion Black Metal ist auch zu finden. Und 2018? Wieder Mitte April? Da wird es diese Jahr "The Bridge" geben, einen ausgewiesen geschmackvollen Art & Design Markt. Und dieses Line-up, wieder voll von unbekannten Bands, Neuaufsteigern und Szenemonolithen:

ALDA

BELL WITCH

BIG I BRAVE

BISON

BLISS SIGNAL

CELESTE

DBIAPB

FATHER MURPHY & JARBOE

KHEMMIS

LEECHFEAST

MYRKUR

OCCVLTA

SANNHET

SONGS FOR PNEUMONIA

THE BLACK HEART REBELLION - Scores "A Girl Walks Home Alone At Night"

THE OCEAN COLLECTIVE - Plays "Precambrian (Proterozoic)"

UNIFORM

WRECK AND REFERENCE

WREKMEISTER HARMONIES

YELLOW EYES

Die Karten für das DOL 2018 gibt es hier. Wer den Doom lebt, sollte also Leipzig besuchen.

DOL 4

Redakteur:
Mathias Freiesleben

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