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EISBRECHER: Interview mit Alexx Wesselsky

01.12.2006 | 17:18

Im Triumvirat der Neuen Deutschen Härte gab es genau drei Acts: RAMMSTEIN, OOMPH! und MEGAHERZ. Nun gibt es seit längerem EISBRECHER, die Band vom MEGAHERZ-Sänger Alexx, die mit ihrem neuen Album "Antikörper" ihren Status als neues Mitglied in der oberen Spitze wohl verdient haben, obwohl sie ein klein bisschen anders, ein klein bisschen elektronischer ist. Über Themen wie Konkurrenz, MEGAHERZ-Pläne und anderes habe ich mich mit Alexx Wesselsky unterhalten.

Lars:
Hi, wie geht's?

Alexx:
Es geht mir gut, ich sitze gerade bei meinen Grafiker hier in München und wir arbeiten gerade am Merchandising und sind dabei, krank zu werden.

Lars:
Morgen erscheint euer neues Album "Antikörper". Und, schon Würmchen im Arsch? Oder siehst du es alles eher gelassen?

Alexx:
Ne, da stellt sich eher die Frage, ob die Platte rechtzeitig im Laden stehen wird. Wie der Handel es oft schafft, gerade bei nicht so bekannten Bands, werden die CDs nicht am Tag der Veröffentlichung ins Regal gestellt. Das heißt, ich habe eher logistische Würmchen im Arsch. Ich hoffe nur darauf, dass die Läden Bock darauf haben die Scheibe morgen ins Regal zu stellen.

Lars:
Für die Leute die euch noch nicht kennen, was ist EISBRECHER?

Alexx:
Zwei Leute: Pix und Alexx. Beide früher bei MEGAHERZ. Wir beide sind die Masterminds, die hinter dem Namen EISBRECHER stehen. Pix komponiert und ist der Produzent, ich schreibe die Texte und bin fürs Organisatorische zuständig. Wir sind unser eigenes Management und unsere eigene Produktionsfirma. Für EISBRECHER steht das, was man auf "Antikörper" hört. Es ist guter, deutscher und moderner Rock, den ich 2006 und in Zukunft hören will.

Lars:
Also bezeichnest du deine Musik eher als Rock, nicht als Darkwave, wie euch manche nennen?

Alexx:
Okay es ist Dark, es ist Wave und es ist auch gotisch und es ist sogar poppig. Wir arbeiten mit 80er-Elementen genauso wie mit Rock, Metal und moderner Elektronik. In welche Schublade uns die Leute am Schluss stecken, ist deren Ding. Ich wehre mich nicht dagegen.

Lars:
Alte MEGAHERZ-Fans haben sich ja beschwert, dass die Gitarre bei EISBRECHER eher im Hintergrund läuft. Seid ihr darauf eingegangen oder braucht das der eigenständige EISBRECHER-Sound nicht?

Alexx:
Wir haben das erste Album nur zu zweit gemacht und wussten nicht wohin die Reise geht. Wir haben eine Platte gemacht und die klang halt dann so. Wir müssen nicht rocken wie MEGAHERZ. Wir haben nie gesagt, wir heißen jetzt EISBRECHER und setzten den Weg von MEGAHERZ fort. EISBRECHER ist ein neuer und eigener Sound. Auf der neuen Platte sind mehr Gitarren vertreten. Das haben wir gemerkt als wir plötzlich zu sechst auf der Bühne standen und merkten, dass wir als EISBRECHER richtig gut rocken können. Wir haben sogar kein Problem im Vorprogramm von CLAWFINGER zu bestehen. EISBRECHER rockt live.

Lars:
RAMMSTEIN legen eine Pause ein und OOMPH! lassen sich zurzeit nicht auf der Bildfläche blicken. Ist das jetzt der richtige Zeitpunkt für EISBRECHER? Oder wollt ihr diesen kommerziellen Weg gar nicht einschlagen?

Alexx:
Die Platte ist fertig, und wenn eine Platte fertig ist, dann ist es Zeit sie an die Öffentlichkeit zu bringen. Wir haben keine Strategie im Hintergrund laufen, wie wir uns jetzt vermarkten. Gut, wir gehören zu diesen Richtung namens Neue Deutsch Härte, ich mag diese Bezeichnung nicht, Bands wie RAMMSTEIN oder ähnliches, aber was die treiben, ist uns im Grunde scheiß egal.

Lars:
Beim vorherigen Album wurden als besonderer Bonus zwei bedruckte Rohlinge beigelegt. Was erwartet diesmal den Fan?

Alexx:
Die Fans kriegen diesmal zwei Versionen, einmal als limitiertes Digipack mit einem Bonustrack und einem Video von 'Vergiss mein nicht' und einmal als normal CD ohne Bonus.
Mehr an Extras und Gimmicks gibt es nicht. Damals 2003 war's mit den Privatkopien ein ganz heißes Thema. Die Plattenfirma hat damals überlegt einen Kopierschutz auf die Platte zu pressen. Da hab ich gesagt: "Vergesst es! Ganz im Gegenteil, wir bedrucken zwei Rohlinge und legen diese dazu." Das Problem sind nicht die Leute, die eine Platte kaufen, sondern die Piraten und man bestraft am Schluss die Unschuldigen. Aber dieses Mal ist uns einfach nichts Entsprechendes über den Weg gelaufen, was wir dazu legen könnten.

Lars:
Kotzt es dich langsam an, dass du ständig mit Bands wie RAMMSTEIN oder OOMPH! verglichen wirst? Oder ist es eher eine künstlerische Ehre?

Alexx:
Ich habe überhaupt kein Problem damit. Es kommt ganz darauf an, wie man verglichen wird. Wenn einer sagt ihr seid Scheiße und die anderen sind geiler, dann ist es nur eine Frechheit. Ich bin schon seit Anbeginn ein RAMMSTEIN- und OOMPH!-Fan und ich werde viel lieber mit diesen Bands verglichen, als mit welchen, die ich gar nicht kenne. Wir bewegen uns im selben Terrain. Es ist nun mal eine Musikrichtung, die von diesen Bands und uns bedient wird. Es ist doch besser eine Orientierung zu haben für Fans, die in derselben Musikrichtung mal jemand anderes hören wollen. Inzwischen ist es für mich sogar ein Kompliment. Und wenn mich einer fragt, was wir für Mucke machen, dann würde ich auch sagen, wenn du auf die und die abfährst, dann bist du bei uns genau richtig.

Lars:
Durch was holst du dir beim Songschreiben deine Inspiration?

Alexx:
Ich lebe. Ich kenne viele Menschen. Ich laufe mit relativ offenen Augen durch die Welt. Beobachte, lebe leidenschaftlich und intensiv. Deswegen schreibe ich dann darüber was mich persönlich bewegt. Das Leben ist einfach der Quell meiner Inspiration.

Lars:
Hast du eigentlich noch Kontakt zu alten Megaherzern?

Alexx:
Wir haben unseren Streit beigelegt. Es war ja lange Zeit ziemlich heftig. Ich war ein sturer Bock. Doch Zeit heilt alle Wunden und inzwischen können wir wieder ganz normal miteinander umgehen. Wir haben jetzt keinen intensiven Kontakt, aber man kriegt mit, was die Jungs so treiben.

Lars:
Gibt es eine Zukunft mit MEGAHERZ?

Alexx:
Never say never. Ich weiß nicht was die Zukunft bringt. Im Moment kommt es gar nicht in die Tüte. Jetzt heißt es EISBRECHER.

Lars:
Was war das Peinlichste, was dir je auf der Bühne passiert ist?

Alexx:
Ich habe mal einen Joint vor einem Auftritt geraucht. Es war noch zu MEGAHERZ-Zeiten. Ich dachte, ich bin der Größte, und dass es das geilste Konzert meines Lebens ist. Und ich war glücklich und alle anderen auch. Doch während des Konzerts standen zehn angepisste Leute hinter der Bühne. Ich ging dann von der Bühne und alle kamen auf mich zu. Ich dachte, jetzt klopfen sie mir auf die Schulter und sagen: "Alexx, du bist Gott." Doch sie sagten alle zu mir, wie scheiße ich war. Ich laberte während des ganzen Konzertes nur Mist und traf keinen Ton. Danach hieß es für mich nie wieder stoned auf die Bühne.

Lars:
Was war der größte Tiefpunkt für dich in deiner Karriere?

Alexx:
Das war die letzte MEGAHERZ-Tour. Wir sprachen kaum miteinander. Das war dieser Tiefpunkt, nicht zu wissen was los ist und wie es weiter gehen wird. Eigentlich waren wir am Höhepunkt unserer Karriere, und dennoch war es negativ. Von dem, was wir leisteten, waren wir am Limit, doch emotional waren wir total tief unten. Deswegen habe ich auch circa zwei Jahre gebraucht um das irgendwie zu verarbeiten.

Lars:
Und was war der Höhepunkt deiner Karriere?

Alexx:
Hört sich blöd an, aber das war der Moment, als uns nach unserem ersten EISBRECHER-Album unsere Plattenfirma an die Luft gesetzt hat. Alle Plattenlabels haben uns damals abgewiesen, und zwar genau jene, die zu mir immer sagten "Hey Alexx, wenn mal was ist, dann komm vorbei". Wir haben erfahren, dass dies eine scheiß Branche ist. Am Schluss haben wir beim Label AFM unterschrieben. Wir hatten wieder einen Deal und endlich wieder Glück. Und diese Zeit hat mich und Pix zusammen geschweißt. Das ist und war für mich der absolute Höhepunkt.

Redakteur:
Lars Strutz

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