top banner 156

ENGINE OF PAIN: Interview mit gesamte Band

01.01.1970 | 01:00

ENGINE OF PAIN kommen aus Holland und werden am Freitag nachmittag auf dem Wacken Open Air die Thrash-Keule kreisen lassen.
Sänger Nick, die Axemen Pat und Ruud, Viersaiter Mies und Trommler Joep geben Auskunft über die Band und informieren über die MCD "Here Is The Pain!" (kann über die Bandhomepage bestellt werden) und den kommenden Wacken-Auftritt.


Stephan:
Stellt unseren Lesern doch bitte mal kurz die Band vor.

Nick:
Wir spielen Thrash!

Pat:
Lass mich das ein wenig präzisieren. ENGINE OF PAIN entstanden aus der Asche einer Band namens FIFTH. Eigentlich war FIFTH der Neuanfang der ziemlich erfolgreichen holländischen Band FORM, hatte aber viele andere musikalische Einflüsse. Unglücklicherweise kam es ein Jahr, nachdem ich bei FIFTH als neuer Rhythmus-Gitarrist eingestiegen war, zum Split der Band, weil einige Bandmitglieder nicht genügend Zeit aufbringen konnten. Dies passierte im Mai 2003.
Ich wollte allerdings nicht aufhören und da ich die musikalische Ausrichtung von FIFTH sehr mochte, fragte ich meinen ANGELS DECAY-Bandkumpel Maurice Brouwers, ob er in einer neuen, groovigen Band mit Thrash-Einflüssen (ein Mix aus SLAYER, TESTAMENT, PANTERA, ANNIHILATOR, DEATH ANGEL) mitmachen wollte.
Sänger Nick Hameury (ex-FORM, ex-FIFTH) hatte ähnliche Vorstellungen, also wollte auch er von Anfang an bei ENGINE OF PAIN dabei sein. Maurice wusste, dass auch Joep 'Jeep' Beckers (ex-AFTER FOREVER) auf Thrash steht und so kam auch er zur Band. Damit war das Fundament von ENGINE OF PAIN geschaffen.
Ursprünglich sollte die Band bloß aus einem Gitarristen bestehen, aber nach ein paar Monaten rekrutierte Nick seinen Kumpel Ruud Banziger (ex-DEFCON ONE) für die Band. Ruud ist ein großartiger Solo- und Rhythmus-Gitarrist, also genau das, was die Band brauchte um so wie heute zu klingen.

Stephan:
Sind eigentlich immer noch Bandmitglieder in ANGELS DECAY (oder anderen Bands) tätig und wie sind eure Prioritäten verteilt?

Ruud:
Ich bin bei der technischen Death-Metal-Band DEFCON ONE ausgestiegen, da sich die Sache einfach irgendwann totlief. Daher ist ENGINE OF PAIN meine Top-Priorität, sogar noch vor meinem Job.

Pat:
Ich spiele immer noch Gitarre bei ANGELS DECAY. Es ist eine andere Art von Metal, die Mitglieder bringen mehr verschiedene Einflüsse in die Band. Man kann sich das in etwa wie harmonischere, melodischere DEATH ANGEL mit cleanem Gesang vorstellen. ANGELS DECAY existiert jetzt seit zehn Jahren und es ist eine sehr harte Band, bei der alle Bandmitglieder eng befreundet sind.
Im Moment bekommen ENGINE OF PAIN von Magazinen und Veranstaltern mehr Aufmerksamkeit, aber ich versuche beiden Bands die Energie zu geben, die sie brauchen. Und wenn wir über Prioritäten sprechen: ich habe einen dreijährigen Sohn, eine Frau und einen verantwortungsvollen Job. Das alles benötigt ebenfalls viel Energie. Dennoch ist Metal nicht bloß mein Hobby, es ist meine Passion. Ich brauche es einfach und kann ohne nicht leben.

Mies:
Ich spiele auch noch bei ANGELS DECAY. Außerdem bin ich zusammen mit dem ENGINE OF PAIN-Drummer Joep noch in einer Band namens TRIPLE 7.

Stephan:
Steht bei ENGINE OF PAIN der Spaß im Vordergrund oder werkelt ihr auch konzentriert an der Karriere der Band?

Nick:
Unser Hauptziel ist es Spaß zu haben, aber am meisten würde es mir gefallen um den ganzen Planeten zu touren.

Pat:
Das Wichtigste für mich ist, Spaß daran zu haben die Art von Metal (Thrash) zu spielen, die ich am meisten mag. Der Rest kommt dann ganz von selbst. Wenn du an deiner Karriere arbeitest im Sinne von Geld verdienen, wirst du bei dieser Art von Musik sehr schnell enttäuscht sein, weil es so lange dauert. Nur Bands wie SLAYER, METALLICA verdienen genug Geld für jetzt und die Zukunft. Aber wenn wir über die Musik reden (und nicht das Geld), da versuchen wir natürlich schon das Bestmögliche zu erreichen. Man muss sich einfach erreichbare Ziele setzen, sonst wird es irgendwann langweilig.

Ruud:
Genau, Pat und Nick haben schon alles dazu gesagt.

Stephan:
Ihr habt in wenigen Tagen euren bisher größten Auftritt auf dem Wacken Open Air. Wie habt ihr es geschafft, auf das diesjährige Billing zu rutschen?

Pat:
Armageddon Records und das Wacken Open Air haben für die 15. Auflage des Festivals nach talentieren Bands ohne Plattenvertrag gesucht. Der Gewinner bekommt einen Platten- und Vertriebsvertrag beim deutschen Label Armageddon Records. Das belgische Magazin "Mindview" hat dafür nach einem repräsentativen Vertreter für Benelux gesucht. Sie bekammen Tonnen von Demos und MP3 und haben das an die Wacken-Leute weitergeleitet.
Wir schickten ihnen zwei MP3 (noch nicht mal unsere MCD) und wurden von der Wacken-Jury ausgewählt. Mindview und Wacken sind klasse! Es ist eine große Ehre für uns in Wacken zu spielen und unsere Länder zu repräsentieren.

Nick:
Mit meiner früheren Band FORM habe ich schon mal auf dem Dynamo Open Air gespielt, das damals noch ein bisschen größer als Wacken war. Da das Dynamo mittlerweile aber meiner Meinung nach so gut wie tot ist, ehrt es uns sehr, dass Wacken uns eingeladen hat und wir fiebern der Show sehr entgegen.

Stephan:
Hast du die Befürchtung, dass sich durch den gleichzeitigen Auftritt von AMON AMARTH auf der Hauptbühne eure Zuschauerzahlen in überschaubaren Grenzen halten werden?

Nick:
Ich habe nur Angst vor einem kleinen Schwanz...

Pat:
Erste Regel bei ENGINE OF PAIN ist: hab niemals Angst, wenn es nicht nötig ist, haha. Die Antwort ist also: nein. Ich dachte eigentlich ARCH ENEMY spielen zur selben Zeit? (Stimmt, mein Fehler... - d. Verf.) Wie auch immer, glücklicherweise gibt es immer ein paar coole Metalheads, die sich lieber unbekannte Bands als die großen Acts anschauen.

Stephan:
Wart ihr privat schon mal auf dem Wacken und wie waren eure Eindrücke?

Mies:
Ich war im letzten Jahr zum ersten Mal da, was für ein tolles Festival!

Ruud:
Dieses Jahr bin ich zum fünften Mal dort. Ich liebe es. Es hat ein gutes Campinggelände, ein schönes Partyzelt und eine exzellente Main Stage. Es ist einfach großartig!

Stephan:
Wie ist eure Meinung zum Dynamo Open Air, was ja das größte Metal-Festival in Holland ist? Habt ihr die Entwicklung des Festivals in den letzten Jahren beobachtet, als es ja einige Probleme rund ums Dynamo gab?

Nick:
Ich finde es traurig, wie ein so schönes Festival langsam ausblutet. Es galt mal als das coolste Festival für Metalheadzz, aber seit sie den Flughafen Eindhoven verlassen mussten und das Programm auf einen Tag zusammenkürzten, fühlt es sich nicht mehr wie Dynamo an...

Pat:
Ich war auf dem ersten und zweiten Dynamo. Lange Zeit ist es her. Dann warf ich eine holländische Gulde in die Tonne und sah TESTAMENT, das war unglaublich. Nun lese ich nur noch in den Zeitschriften darüber. Mir ist es einfach zu groß, ich muss zugeben, dass ich Club Gigs den großen Festivals eindeutig vorziehe.

Mies:
Ich finde, es ist zu teuer geworden. Als ich das erste Mal dort war, kosteten die drei Tage fünf Euro. Im letzten Jahr wollten sie für nur einen Tag 55 Euro haben.

Stephan:
Auch wenn ihr zumindest mit ENGINE OF PAIN bisher erst auf einem Open Air gespielt habt (laut HP), ist es euch lieber in einem kleinen Club zu spielen, wo ihr nur einen Meter vor den Fans steht, oder bevorzugt ihr eher eine große Festivalbühne?

Ruud:
Sobald ich auftreten kann, bin ich glücklich. Die Club Gigs machen immer eine Menge Spaß, aber auf einer großen Bühne hat man mehr Platz um sich zu bewegen und meist auch einen besseren Sound.

Pat:
Ich spiele seit 15 Jahren in Metalbands und ich habe die Auftritte in kleinen Clubs immer gemocht. Aber natürlich wollen wir die Gelegenheit nutzen auf einem großen Festival wie Wacken aufzutreten. Es ist eine wichtige Erfahrung und macht den Namen der Band bekannt. Unsere Homepage-Zugriffe schossen in den Himmel, als die Neuigkeit kam, dass wir in Wacken auftreten würden.

Nick:
Das sind zwei Paar Schuhe. In einem kleinen Club ist die Interaktion mit dem Publikum viel größer, aber ein großes Outdoor-Festival gibt einem ein ganz besonderes Gefühl, denn es ist cool mit anzusehen, wie eine große Menschenmenge zu deiner Musik abgeht.

Stephan:
Sind eure Lieblings-Thrashbands eher in Amerika (Bay Area) oder eher in Europa zu finden?

Nick:
Verrückt genug, aber ich finde amerikanischen Thrash Metal besser.

Pat:
Auch ich mag die amerikanischen Thrash-Bands mehr. Ich finde, dass sie authentischer klingen. Denk an die 80er-Jahre-Bands wie SLAYER, TESTAMENT, LÄÄZ ROCKIT, EXODUS, FORBIDDEN, MEGADETH usw. Die sind ohne Zweifel immer noch geil. Aber mittlerweile gibt es auch einige fette europäische Bands wie THE HAUNTED.

Mies:
Wir mögen auch PANTERA und MEGADETH.

Joep:
Und vergiss HATESPHERE nicht, eine absolute Kick-ass-Band aus Dänemark.

Pat:
Genau, die habe ich in unserem lokalen Metalcafé "Ed & Rocco's" in Geleen vor ein paar Monaten gesehen. Die Typen thrashen richtig los!

Stephan:
Wie findest du eure Landsmänner bzw. -frauen von den so erfolgreichen Bands WITHIN TEMPTATION und AFTER FOREVER?

Joep:
Ich finde, sie machen ihre Sache richtig gut. Ich mag die Musik von AFTER FOREVER sehr, nicht nur deshalb, weil ich in dieser Band gespielt habe und sie ihren Stil in den letzten Jahren stark verändert haben, sie sind außerdem auch noch sehr professionelle Musiker.

Mies:
Ich mag das letzte Album von AFTER FOREVER sehr.

Ruud:
Es ist toll für sie, dass sie Erfolg haben, aber es ist nicht meine Art von Metal.

Nick:
Wir sind natürlich sehr stolz, dass solche bekannten Bands aus so einem kleinen Land wie Holland kommen.

Pat:
Es freut mich, dass sie erfolgreich sind, aber bin ich ein Arschloch, wenn ich gestehe, dass ich keinen ihrer Songs kenne? Ich werde mir AFTER FOREVER mit Sicherheit auf der Main Stage beim Wacken Open Air anschauen.
Nebenbei erwähnt: Der Keyboarder von AFTER FOREVER Joost van den Broek hat unser Intro gemacht.

Stephan:
Ich habe in meinem Review ja geschrieben, dass ich eure Kritik an den USA im Song 'Land Of The Free (Home Of The Slave)' zu platt finde. Damit wir uns nicht missverstehen, ich bin mit euch absolut einer Meinung, nur finde ich die Lyrics dieses Songes nicht so gelungen. Findet ihr, dass ihr diesem Songtext das zum Ausdruck gebracht habt, was ihr sagen wolltet?

Nick:
Danke, dass ich es erklären darf. Erstens sind wir keine politische Band und ich will niemanden belehren. Was du da liest, ist nur meine persönliche Sichtweise. Zweitens solltest du meine Lyrics nicht zu ernst nehmen. Ich versuche eine Prise Humor in die Songtexte zu bringen, denn ich finde, dass die üblichen Metal-Lyrics zu ernsthaft sind. Aber ich bin dann eben sehr zynisch.
Drittens würde ich gern das Beispiel, dass du in deinem Review gebracht hast, aufgreifen. "It's strange and disturbing, you're farting and burping" bezieht sich darauf, dass die Amerikaner zu fett sind. Die Übergewichtigkeit ist das größte Gesundheitsproblem in den USA. Du kannst also sehen, dass sich der Song nicht bloß um Politik dreht, es ist meine persönliche Sichtweise von den US of A.

Pat:
Ich sehe es wie mit anderen Lyrics auch. Es ist Nicks Meinung und seine Art sich auszudrücken, genauso wie ich es mit den Gitarrenriffs mache. Sieh es nicht als politisches Statement an. ENGINE OF PAIN ist keine politische Band. Das Thema des Songs ist ernst, aber müssen es die Lyrics deswegen auch sein? Betrachte es unter einem zynischen Hintergrund.

Stephan:
Habt ihr die Hoffnung, dass sich in den USA etwas ändert, falls John Kerry die Wahlen gewinnt?

Nick:
Es gibt ein bisschen Hoffnung. Die Hauptsache ist momentan, dass Bush aus dem Weißen Haus geworfen wird. Dieser Mann ist eine Gefahr für die Gesellschaft, und zwar nicht nur die amerikanische, sondern für den gesamten Planeten. Wenn Kerry die Wahl gewinnt, dann hat er ein bisschen Zeit, das zu reparieren, was Bush kaputt gemacht hat (bilaterale Beziehungen, das Kyoto-Abkommen, Arbeitslosigkeit - muss ich noch mehr aufzählen?). Sicherlich wird Kerry niemals einen großartigen Präsidenten abgeben, aber ist nun mal im Augenblick die einzige Option.
Und wenn die Republikaner die Wahl verlieren, dann wird es mit Sicherheit weniger Arroganz und Ignoranz in der amerikanischen Gesellschaft geben als im Moment.

Ruud:
Wenn Kerry nichts ändert, dann werden es diese Middle-East-Wackos für ihn tun.

Stephan:
Wenn du in Bezug auf ENGINE OF PAIN einen Wunsch frei hättest, was würdest du dir wünschen (den Wacken-Auftritt natürlich außen vor gelassen)?

Nick:
Ich würde gern mehr hübsche Mädels auf unseren Konzerten sehen. Und freien Wodka.

Ruud:
Mit MEGADETH zusammen spielen, wenigstens dann, wenn David Ellefson SOULFLY verlässt und wieder bei MEGADETH einsteigt.

Pat:
Auf größeren Veranstaltungen mit bekannten Bands zu spielen und eine Full-Length-CD aufzunehmen. die weltweit verkauft wird. Interessierte Plattenfirmen, die meinen, dass sie ein gutes Angebot für uns haben, können uns unter info@engineofpain.com kontaktieren. Am Wichtigsten ist mir aber, dass wir weiterhin Spaß an der Sache haben.
Tja, das waren nun vier Wünsche anstelle von einem.

Stephan:
Vielen Dank für das Interview und viel Spaß auf dem W:O:A.

Pat:
Danke für deine tolle Unterstützung und dein Interesse an ENGINE OF PAIN.
Wir hoffen, dass die deutschen Metalheads auf dem Wacken Open Air uns einen Besuch abstatten werden. Unsere MCD sowie brandneue ENGINE OF PAIN-Shirts und Girlies werden auf dem Wacken zu sehr moderaten Preisen zu haben sein, wenn es nach uns geht.
Man sieht sich und viel Spaß mit unserer Musik.

Redakteur:
Stephan Voigtländer

Login

Neu registrieren