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Euroblast-Festival 2015: Interview mit Veranstalter John Sprich

26.09.2015 | 09:34

Wenn die Festivalsaison vorbei ist, kommt für viele Progressive Metal-Fans das großte Highlight erst noch: Das Euroblast-Festival! Wir sprachen wie die Jahre zuvor kurz vor der Showtime mit dem Veranstalter John Sprich über vergangenes, aktuelles und nächstes Jahr und natürlich über Musik.

Wie lief es letztes Jahr für euch als Veranstalter, insbesondere im Vergleich zu 2013? Gab es wie gewünscht mehr Routine oder wahr es noch sehr chaotisch?

Letztes Jahr war extrem geschmeidig, würde ich sagen! Da waren wir auf jeden Fall hundertprozentig zufrieden. Es gab natürlich einiges, das außerhalb unserer Kontrolle lag, also von der Essigfabrik selbst, welche ich anders machen würde, aber diese sind einfach nicht erfüllbar oder realisierbar. Z.B. das Kartensystem, das da überraschender Weise war oder das sie nicht genügend Reinigungskräfte hatten und die Thekenkräfte langsam waren. Das sind alles Sachen, die müssen von der Venue kommen, sonst können wir uns auch eine eigene Venue hinbauen. Das lief halt von deren Seite nicht so cool ab, von unserer Seite aber, von den Bands und vom Ablauf her, lief alles total geschmeidig.

Wie habt ihr die Stimmung vor und auf der Bühne wahrgenommen?

Ich würd sagen, die ist insgesamt immer auf einem Hoch, es fällt mir schwer das zu unterscheiden, da wiederhole ich mich vermutlich auch zu unseren Gesprächen in den letzten Jahren. Ich habe da keinen Unterschied wahrgenommen, zu den Jahren davor - also es lief einfach sehr gut, die Musiker waren sehr gut drauf, sie haben das sehr genossen, denke ich. Wir haben eben dieses sehr spezifische Publikum. Die Leute haben da auch einfach Bock drauf. Tosin Abasi [ANIMALS AS LEADERS] meinte ja auch während des Konzertes: “You have a great taste of music!” Also solche Kommentare, sowas bringt man nicht einfach auf irgendeinem Festival, sondern da weiß man schon, dass es um spezifische progressive Musik geht. Das ist auch so der generelle Vibe, die Stimmung. Ich glaub die zieht sich vom Anfang bis zum Ende durch, jetzt unabhängig von den Besuchern und den Bands. Ich glaub da entsteht auch ein Familien- und Community-Gefühl, da gibt's diese typischen Leute, die man dann einmal im Jahr auf dem Festival sieht, über die man sich freut, obwohl man nicht so viel Kontakt zu ihnen hat. Man sieht aber wiederum auch Leute, zu denen man durchs Festival mehr Kontakt aufgebaut hat. Das ist glaub ich eine ganz gute Mischung aus neu und alt.

Das Crowdfunding wurde ja groß angekündigt und als Überlebenswichtig fürs Festival angepriesen. Dann wurde es relativ leise, obwohl es gut lief. Wie steht es darum und muss ich mir als Fan des Festivals weiterhin die Frage stellen, ob es das letzte Euroblast gewesen ist oder gibt es eine Absicherung?

Also das Crowdfunding hat tatsächlich einen großen Unterschied gemacht, wir haben zwar nicht unser Ziel erreicht, aber das war nicht so wichtig. Wir haben es dadurch tatsächlich das erste Mal geschafft - dass erste Mal in der Euroblast-Geschichte - den Break Even zu erreichen. Das ist einfach das Wichtige und das war auch das, was den Unterschied ausgemacht hat und wodurch wir Altlasten reduzieren konnten und die Situation auch insgesamt besser geworden ist. Allein symbolisch, nicht nur direkt monetär, hat das einfach für das Team den Unterschied gemacht und insbesondere für Daniel [Co-Veranstalter] und mich, die das in Verantwortung machen und das hat uns einfach viel Kraft gegeben, um das weiter zu machen, auch wenn das nicht die finanzielle Situation des Festivals verändert, aber das hat einfach seine Berechtigung! Wenn das nicht passiert wäre, hätten wir nicht weitergemacht, das ist ganz einfach so! Wir haben gemerkt, da ist auch einfach ein bisschen Support und dadurch haben wir mehr Möglichkeiten, dadurch haben wir mehr Sponsoren und wir kriegen es besser hin, Kosten zu reduzieren und effektiver zu sein und das merkt man dann auch, dass es uns leichter fällt, es durch zu ziehen.

Also, du bist nicht enttäuscht, dass die 20.000€ nicht eingenommen sind?

Nein, überhaupt nicht, wir haben ja siebentausend eingenommen und das ist einfach eine stolze Zahl und eine super Message, die da rübergekommen ist. Wir wollten dann auch nicht ewig auf diesem Crowdfunding rumreiten, ist zwar theoretisch noch online...

Und wird langsam auslaufen?

In Prinzip kann es da einfach so stehen, als Symbol. Also wir gucken von da aus in die Zukunft.

Wie sieht es denn aktuell mit 2016 aus?

Das kann man halt erst nach dem jeweiligen Festival sagen, das ist halt immer so ein Balanceakt. Man muss schon einen Blick ins nächste Jahr werfen und gleichzeitig weiß man aber noch nicht, wie dieses Jahr gelaufen ist. Beim Wacken ist das vielleicht was anderes, wenn das immer sofort ausverkauft ist, aber bei uns ist das eigentlich so, dass wir schon an die Zukunft denken müssen und gleichzeitig wissen wir noch nicht in welcher Form es weitergeht. Ich hab jetzt auf jeden Fall ein gutes Gefühl, unsere ganze Art und Weise wie wir es machen wird besser und da tut sich einfach viel, wir versuchen es effektiver zu machen, auch in unseren Aktionen und Prozessen, da tut sich einfach viel. Jetzt, wo wir über den Berg gelaufen sind - also wir hatten so schlimme Zeiten mit dem Euroblast, also intern - wo es so schwierig war, das hin zu kriegen und nun sind wir durch das Gröbste durch. Jetzt ist es doch wesentlich entspannter als vor zwei oder drei Jahren, wenn ich schon daran denke, wie schwierig das war, alles irgendwie finanziert zu kriegen, dagegen ist es jetzt ein Zuckerschlecken!

Wie gestalten sich denn die Kartenverkäufe?

Die sind also genauso wie letztes Jahr, sogar ein bisschen besser. Die Leute wollen mehr Hard-Tickets haben, da haben wir eine große Verschiebung festgestellt und ansonsten ist es sehr solide, es scheint sehr konstant zu sein und es scheint sich auch rum zu sprechen. Letztes Jahr war der Laden ja schon sehr voll, wir hatten 95% Kapazität, ich glaub das es dieses Jahr ähnlich wird.

Jedes Jahr verbessert ihr das Festival und sie Umgebung. Was ist dieses Jahr an Änderungen geplant?

Also wir haben in der Location auch nicht so mega viel Spielraum, um superviele neue Sachen aus zu probieren. Es gibt sehr viele Pläne, aber was kann man realistisch umsetzen? An dem Freitagabend haben wir diese Open Jam Session, wo jeder, der Lust hat, mitmachen kann. Da werden sicher alle möglichen Prominente aus der Progressive-Metal-Szene mitmachen, da kann aber auch einfach mal jemand anderes eine Runde mitjammen. Das ist ein Experiment, ich hab keine Ahnung, ob und wie das funktioniert, aber wir machen das jetzt einfach mal so.

Und um das Festival rum?

Da haben wir, wie in den letzten Jahren auf Grund des guten Feedbacks nicht viel verändert, höchstens, dass wir ein paar mehr Stände haben. Dabei sind wieder Ibanez und Klang Technologies aus Aachen, die machen 360-Grad Monitoring Systeme. Dann haben wir Vision Ears aus Köln, die machen Custom In Ear Systeme. Beides sehr spannend für Musiker. Das ist alles mit Kemper ausgestattet, es wird  also auch Kemperworkshops geben. Das wird ganz lustig. So ein Mikromusikmessen-Feeling. Meine Jungs von VOLA werden da eine Runde spielen, bei Klangtechnologies auf dem Stand. Remi von THE ALGORITHM wird ein Workshop bei Klang geben. Der BETWEEN THE BURIED AND ME-Gitarrist Paul Waggoner wird einen Workshop geben, weil er jetzt eine Ibanez-Signature-Gitarre hat. Ich persönlich habe auch Vorstellungen, was ich ändern möchte, aber das ist in der Essigfabrik einfach nicht realisierbar, aber wenn wir eine neue Venue haben, dann könnten wir einiges auch anders machen. Eine neue Venue muss auf jeden Fall her, nicht nur kapazitätstechnisch, da kommen auch noch ganz viele andere Faktoren hinzu und das wird sich auch ganz stark auf dem Festival konkretisieren. Wir können uns sonst auch nicht weiterentwickeln und da gibt es einige Faktoren, die uns noch in unserer Kreativität beschränken.

Bemerkenswert ist, wie ihr jedes Jahr die Musikrichtung weg von Djent, hin zum Prog öffnet. Wie wollt ihr mit dem Line Up in Zukunft verfahren? Wird es ein Prog-Festival bleiben oder sich noch mehr öffnen?

Es gab ja Zeiten, wo der Begriff Djent nur ein bisschen durch die Gegend flog, es ist ja mehr zum progressiven Rock- und Metal-Festival geworden, was ich ja auch viel besser finde, weil es ja auch alles progressive Rock- und Metalbands sind. Dieses Jahr ist es halt noch mehr in die klassische Progrichtung gegangen. Mit dem Begriff verbinde ich ja nicht progressiv und nach vorne denkend sondern mit dem Wort Prog verbinde ich einen bestimmten Sound, der irgendwann mal entstanden ist, mit Bands wie WATCHTOWER oder DREAM THEATER. Bands wie SOEN und HAKEN - das ist der typische Prog-Sound und das ist eigentlich schon von dem Wort progressiv entfremdet, meiner Meinung nach, weil das zu einer gewissen Zeit vielleicht noch progressiv war und es ist auch immer noch ein bisschen progressiv ist, aber ich will das einfach nochmal abgrenzen von dem Begriff progressiver Metal, progressiver Rock, weil man dann eben nicht direkt an James Labrie-Vocals über Sechzehn Achtel-Dreizehn Achtel-Gitarrensolos denkt. Es wird sicher stärker in die Progrichtung gehen, da sind wir jetzt ja schon superstark dabei. Es geht wirklich um progressiven Rock und Metal und im weitesten Sinne natürlich auch um progressive Musik, weil das ein Phänomen ist, das nicht nur in unserem Team von mittlerweile 70 Leuten eine Rolle spielt, sondern auch im Allgemeinen. Umso mehr ich mit Musikern auf Tour bin und je mehr Musiker ich treffe, desto mehr merke ich einfach, das ich Leute treffe, die Bock auf gute Musik haben, die musikalisch und intellektuell nach vorne blickt. Bock auf was Neues, auf Veränderung, nicht verhaftet sein in einem alten Sound, darum geht es für mich in progressiver Musik! Einfach mal über den Tellerrand schauen, im Bereich Akustik, Elektronik oder in anderen Bereichen, wo es Bands gibt, die man nicht unbedingt mit dem Euroblast in Verbindung bringt, die aber einfach offen sind und da perfekt reinpassen würden! Ich finde wir haben die Mission, unsere Besucher ein bisschen herauszufordern, auch wenn nicht alles gleich gut ankommen wird. Wenn wir staatlich gefördert werden würden, wäre es von unserer Seite auch so eine Art Bildungsauftrag. Obwohl es auch sehr wertvoll ist, das es Tradition gibt und man sich jedes Jahr in einem ähnlichen Rahmen eines Festivals begegnet, warum ich das Wacken auch sehr schätze, einfach die familiäre Atmosphäre. Zum Wacken gehe ich aber nicht hin, um meinen musikalischen Horizont zu erweitern.

Auf welche Bands bist du dieses Jahr besonders stolz bzw erwartungsvoll?

Ich bin da natürlich etwas befangen, da ich viele Bands persönlich kenne. ...aus Kopenhagen wird VOLA spielen, die habe ich mit entdeckt, von denen weiß ich, wie gut die live sind, die sind sicher eine Bereicherung fürs Festival! Remi [THE ALGORITHM] kann wieder einen auftrumpfen und wird einen drauflegen wie jedes Jahr. Der wird exklusiv zwei neue Tracks von seinem aktuellen Album spielen. Ich freue mich auf diese Entwicklung. Natürlich spielen MONUMENTS und THE ALGORITHM seit Jahren bei uns und da ist es schön zu sehen, dass sich da was verändert! Das ist auch das Thema: Welche Bands entwickeln sich weiter, welche nicht...nicht nur auf der Bekanntheitsebene, sondern auch inhaltlich! Das macht das Booking auch immer spannend für mich.

Wenn alle denken, dass die Festivalsaison zu Ende ist, kommt doch erst das Beste: Das Euroblast! In diesem Sinne: Bis Donnerstag!

Interview und Bearbeitung: Jakob Ehmke

Transkription: Jana Simon (Danke!)

Weitere Infos und Tickets: www.euroblast.net

Redakteur:
Jakob Ehmke

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