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FEUERSCHWANZ: Interview mit Hodi und dem Hauptmann

01.10.2016 | 09:22

Auf dem WACKEN spielten die tollkühnen Barden von FEUERSCHWANZ todesmutig gegen Headliner IRON MAIDEN an und zerlegten dabei am Donnerstagabend die Wackinger Stage. Tags darauf trafen wir Prinz Richard "Hodi" Hodenherz und den Hauptmann zum Interview.

Auf dem Wacken Open Air hattet ihr nur einen Slot und den ausgerechnet parallel zum Headliner IRON MAIDEN. Eine undankbare Geschichte für euch, oder seid ihr dennoch zufrieden?

Hodi: Wir waren total überrascht, wie viele Leute dann bei uns und nicht bei MAIDEN waren und haben das Publikum gefragt, was denn mit ihnen los ist. Denn ich wäre auf jeden Fall zu IRON MAIDEN gegangen.

Ach Quatsch, bei denen war es nicht spektakulärer als bei euch! Auf Wacken habt ihr auch den Titelsong eures neuen Albums "Sex Is Muss" ausgepackt. In dem Video zu dem Song hüpft ihr in Bienchen- und Blümchenkostümen durch die Gegend - auf die Idee muss man auch erst einmal kommen!

Hodi: Das war tatsächlich auch eine schwere Geburt. Es dauert immer ein wenig, bis man die tausend Ideen auf das Geilste heruntergebrochen hat.

Hauptmann: Die Idee mit den Hummeln und Bienen war uns allerdings schon länger klar.

Hodi: Und wenn es um Bienen und Blumen geht, dann muss die Biene halt einfach ein Date mit der Blume haben! Und nachdem wir dann darauf gekommen sind, konnten wir uns die ganzen anderen verrückten Sachen ausdenken, wie Würstchen mit Honig essen - diese ganzen fürchterlichen Dinge, die wir tun mussten und für die wir uns auf ewig schämen werden.

Was habt ihr denn an tausend anderen Ideen verworfen?

Hauptmann: Das waren ganz verschiedene Geschichten: In einer Version kam auch ein Storch im Bezug aufs Kinderkriegen vor. Wir haben allerdings eine Weile gebraucht, bis wir festgestellt haben, dass Kinderkriegen doch gar nicht so witzig ist. Das liegt allerdings daran, dass wir gerade zwei junge Väter in der Band haben. Unser Schlagzeuger ist ja unser Videomann uns ist bandintern mittlerweile berühmt-berüchtigt für seine verrückten Ideen.

Wie lange habt ihr denn am kompletten Clip gesessen?

Hauptmann: Die Idee hatten wir schon vor einem Jahr.

Hodi: Wir haben uns schon extra früh getroffen und Termine für den Dreh ausgemacht. Die Termine haben natürlich alle nicht funktioniert und so haben wir es doch irgendwie zwischen alles andere gequetscht - letztendlich haben wir dann zwei Tage effektiv gedreht und Lanze muss danach zwei oder drei Wochen lang schneiden.

Warum kommt eigentlich ausgerechnet jetzt ein Album mit dem schönen Titel "Sex Is Muss" von euch? Wenn man mal so darüber nachdenkt, ist das ja schon lange Dauerthema bei euch.

Hauptmann: Bei unserer letzten Scheibe haben wir das aber ein bisschen vernachlässigt. Deshalb mussten wir es jetzt gescheit machen.

Hodi: "Auf's Leben" war sehr geradlinig. Bei unserer neuen Platte haben wir uns über den Humor viele Gedanken gemacht: Wir wollten nicht einfach nur übers F***** singen, sondern den Hintergrund mehr einfließen lassen. Da haben wir uns etwas an den alten ÄRZTE-Platten orientiert und uns angeschaut, wie die ihre Witze reißen. In so eine Richtung wollen wir auch gehen.

Wobei das 'Nachtlied' ja schon ziemlich herausfällt, was den Humor betrifft.

Hauptmann: Es ist so, dass wir seit "Auf's Leben" gerne mal einen Ausreißer mit aufs neue Album nehmen. Das ist ein Song, den wir genau so meinen, ohne doppelten Boden.

Hodi: Da haben wir auch eine Weile gebraucht, um es uns selbst zu erlauben, ein Lied ohne Ironie oder bösen Humor zu schreiben. Lange haben wir gedacht: "Das können wir doch nicht machen, wir sind doch FEUERSCHWANZ!" Aber wir haben schon bei "Auf's Leben" mit dem Song 'Auf Wiederseh'n' schnell festgestellt, dass auch diese Songs gut bei unseren Fans ankommen und diese bewegen.

Gibt es eigentlich viele Bands aus dem Mittelalter-Genre, die sich von euch und eurer Ulkerei immer noch auf den Schlips getreten fühlen?

Hodi: Ja, bestimmt. Aber dass uns jemand verfolgt oder mit Steinen beschmeißt, so schlimm ist es dann noch nicht.

Hauptmann: Es ist natürlich so, dass wir nicht jedermanns Sache sind. Das ist aber auch okay.

Hodi: Von Kollegen wurden wir aber bisher noch nie dumm angemacht. Jeder, der schon eine Zeit lang Musik macht, sollte ohnehin schon so ein gewisses Maß an Selbstironie haben und sich selbst nicht so ernst nehmen. Dann versteht er uns auch.

Ist es denn eigentlich schwieriger, ein ernstes Lied zu schreiben, wenn man jahrelang nur Klamauk gemacht hat?

Hauptmann: Es ist immer schwierig, etwas Neues anzufangen, wenn man lange auf der gleichen Schiene gefahren ist. Da ist es egal, ob Spaß oder nicht.

Hodi: Tendenziell würde ich aber sagen, dass Klamauk auf längere Sicht schwieriger ist. Alles, was so dein eigenes Muster herunterbricht, fühlt sich erst einmal frisch an. Wenn du auf einmal etwas Neues macht - wir haben ja so eine richtige Metal-Nummer gemacht: 'Krieger des Mets'. Da wollten wir die ganzen Metal-Klischees, von denen wir schon seit Jahren träumen, endlich mal ausleben. Das geht dann raus und macht richtig Bock!

Hauptmann: Ich glaube, es ist aber auch wichtig, die eigenen Muster immer wieder zu durchbrechen. Das ist natürlich schwierig, wenn man für eine Schiene bekannt ist.

Seid ihr denn immer noch aufgeregt, wenn der Release eines neuen Albums ansteht oder legt sich das mit der Zeit?

Hauptmann: Es ist natürlich nicht mehr so, dass man den Traum hat, mit dem neuen Album die Weltherrschaft an sich zu reißen.

Ach, das war eigentlich euer Ziel?

Hodi: Hallo, merkt man das nicht oder wie?

Ich glaube, da habe ich etwas überhört...

Hauptmann: Es läuft ja immer irgendwie in die gleiche Richtung: Aufregung wird es jedenfalls jetzt nicht mehr werden. Aber es ist immer wieder schön, das zu erleben. Das ist doch eine schöne Geburt, wenn jetzt wieder ein neues FEUERSCHWANZ-Album da ist.

Hodi: Aufregend sind dann immer die neuen Sachen. Wenn man neue Themen hat oder eine neue Umgebung. Die ganze Thematik war ja schon irgendwie neu und aufregend: "Sex Is Muss" - da haben wir schon kurz überlegt, ob wir das machen wollen. Eine Band, die FEUERSCHWANZ heißt... Ein Album, das "Sex Is Muss" heißt... Das ist ja schon eine ganz schöne Aussage. Bisher haben sich die Leute, die uns sonst immer Sexismus vorgeworfen haben, noch nicht gemeldet. Da fragen wir uns auch: "Warum nicht?"

Vielleicht ist die Kunde noch nicht zu ihnen durchgedrungen.

Hauptmann: Wir hoffen ja noch auf Rückmeldungen.

Hodi: Auf böse, wütende Internet-Rückmeldungen.

Bad news are good news.

Hodi: Ja, nach unserem Trauma-Erlebnis im letzten Jahr wartet man fast darauf, angekackt zu werden. Es gehört ja auch mittlerweile zum guten Ton, online andere Leute anzuschreien. Da warten wir gerade noch darauf: Also, liebe POWERMETAL.DE-Leser: Werdet mal ein bisschen wütend!

Letztes Jahr hattet ihr auf dem Wacken noch zwei Sets, in diesem Jahr eines. Wie kam es dazu?

Hodi: Wir sind gerade dabei, uns ein bisschen zu konzentrieren. Anstatt die Witze zehnmal zu erzählen - dann werden sie nämlich nicht lustiger - nur einmal und es dann gescheit zu machen. Dass das parallel zu IRON MAIDEN geschieht, ist natürlich schlecht. Aber es war dann doch geil, und es hat uns darin bestätigt, lieber einmal Volldampf zu geben, denn dann kommen die Leute auch dann, wenn IRON MAIDEN spielt.

Redakteur:
Leoni Dowidat

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