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FINNTROLL: Interview mit Vreth

16.01.2010 | 23:14

Die Könige des Humppa Metals sind endlich zurück. Grund genug, Frontmann Vreth auszulöchern.

FINNTROLL gehören ohne Wenn und Aber zu den Erfindern des Humppa Metals - doch wie viel ist vom alten Sound noch übrig geblieben? Statt wie die Konkurrenz immer auf die gleichen Zutaten zu setzen, kochen die Finnen auf jedem Album ein neues Süppchen. So auch auf "Nifelvind", welches am 19. Februar auf die Menschheit losgelassen wird. Mathias "Vreth" Lillmåns stellt schon mal den Herd an - die Fans und wir haben Hunger!

Enrico:
Hallo Mathias, schön dich zu hören. Wie viel Blut, Schweiß und Tränen habt ihr für "Nifelvind" vergossen?

Mathias:
Es war wirklich eine sehr stressige Zeit, vor allem im Studio. Wir hatten die ganze Zeit echt jede Menge Dinge zu tun. Es war sehr hart, alle Ideen umzusetzen und auf die Scheibe zu bekommen. Aber es hat sich gelohnt.

Enrico:
Wann habt ihr mit den Arbeiten zu "Nifelvind" begonnen?

Mathias:
Die Vorproduktion war im Frühling - ins Studio ging es dann später. Dort haben wir insgesamt fünf Wochen gebraucht. Drei Wochen für die Aufnahme und zwei Wochen fürs Mixen.

Enrico:
Wie würdest du das neue Album in wenigen Sätzen beschreiben?

Mathias:
"Nifelvind" ist eine Kombination aus allen vorherigen FINNTROLL-Alben, plus einigen neuen Elementen.

Enrico:
Welche neuen Elemente meinst du?

Mathias:
Zum Beispiel die orchestralen Parts oder die vielen "realen" Instrumente. Die Arrangements der Songs unterscheiden sich doch erheblich von den älteren Stücken. Ich glaub, diesmal ist wirklich für jeden was dabei.

Enrico:
Ist es nicht schwierig, bei so vielen kleinen und großen Elementen, den ursprünglichen Charakter eines Songs zu bewahren?

Mathias:
Nein, eigentlich nicht. Du willst ja, dass es nicht so klingt wie bei den ersten Aufnahmen. FINNTROLL-Songs sind voller Leben und entwickeln sich ständig. Wenn ein Song wie bei der Vorproduktion klingen würde, wäre es ziemlich langweilig. Sobald man im Studio ist, sprudeln die Ideen nur so aus einem raus und man versucht sich an den unterschiedlichsten Dingen.

Enrico:

Welcher Song hat für dich den meisten Impact?

Mathias:
Das ist eine echt harte Frage. (lacht) 'Solsagan', der wahre Opener, war von Beginn an einer meiner Favoriten. Mittlerweile habe ich den Song jedoch so oft gehört, unter anderem beim Videodreh, dass ich es im Moment nicht wirklich sagen kann. (lacht) Aber zu Beginn mochte ich ihn am meisten.

Enrico:
Eine Klassikerfrage: Wo siehst du die größten Unterschiede im Vergleich zu "Ur Jordens Djup"?

Mathias:
"Ur Jordens Djup" war sehr dunkel und harsch. Bei "Nifelvind" sind viele dieser Elemente auch noch enthalten und sogar ausgebaut worden. Darüber hinaus ist der Melodie wieder mehr Platz eingeräumt wurden und es befinden sich auch mehr schnelle Songs auf dem Album.

Enrico:
Ich finde "Nifelvind" auch wieder etwas positiver und fröhlicher. Ist da ein wenig "back to the roots betrieben worden?

Mathias:
Ja schon. Wie ich bereits sagte, haben wir Elemente aus allen Phasen der Band integriert, sodass einige Songs locker auch auf dem Debütalbum hätten stehen können.

Enrico:
Gleichzeitig ist es sehr komplex und ich habe wirklich einige Durchläufe gebraucht, um das Album als Ganzes zu verstehen.

Mathias:
Aber das war keine wirkliche Absicht. Wir setzen uns nicht hin und sagen "Lasst uns diesmal etwas Kompliziertes machen." (lacht) So was entsteht von selbst, genau wie jeder in der Band sich musikalisch und technisch weiterentwickelt. Es würde auch nicht zu FINNTROLL passen, wenn wir immer wieder die gleichen Riffs verwenden würden und als Band keine Entwicklung hätten.

Enrico:
"Nifelvind" enthält neben den Humppa-Einflüssen jede Menge Folk, Death Metal und natürlich Black Metal. Würdet ihr euch eigentlich selber noch das Etikett Pagan Metal aufdrücken?

Mathias:
Oh nein. Ich glaube nicht, dass wir in diese Gattung gehören. Natürlich gibt es Teile der Musik, der man diese Bezeichnung geben kann. Was sind wir eigentlich? (lacht) Ich glaub, wir einfach eine Metal-Band, welche von vielen Genres beeinflusst ist. Nicht nur vom Metal, sondern auch vom Pop, vom klassischen Rock und sogar 80er Jahre-Musik.

Enrico:
Es unterscheidet FINNTROLL damit auch vom Rest der Kollegen - ein großer Vorteil, wie ich finde. Immerhin gibt es Bands wie KORPIKLAANI, die jedes Jahr das gleiche Album herausbringen.

Mathias:
Ja, das stimmt. Aber es ist nicht unbedingt beabsichtigt. Es passiert einfach. Wenn wir Songs schreiben, sehen wir in welche Richtung es sich entwickelt. Wir legen es nicht vorher fest, sondern lassen es sich ganz natürlich entwickeln.  

Enrico:
Mit 'Galgasång' habt ihr einen Song auf "Nifelvind", der auch wunderbar auf eure Akustik-CD gepasst hätte. Wieso habt ihr euch für so einen Ausreißer entschieden?

Mathias:
Zunächst hatten wir die Lyrics - diese passten vom Aufbau und Rhythmus wunderbar für ein akustisches Stück, daher entschieden wir, es in der Form aufzunehmen. Außerdem ist es gut für das Album, dass mit diesem Song in der Mitte ein großer Break ist.

Enrico:
Weil du die Lyrics gerade ansprichst, welche Themen umfasst "Nifelvind"?

Mathias:
Zunächst muss ich sagen, dass es thematisch kein Konzeptalbum ist. Es hat zwar ein gemeinsames Thema, mehr jedoch nicht. Es dreht sich um Mythen und Legenden, welche wir nutzen um die Menschheit zu beschreiben, in all ihrem Facettenreichtum.

Enrico:
Also nicht wirklich Fantasy-Themen?

Mathias:
Zumindest nicht sehr viel - nur wenig skandinavische Folklore.

Enrico:
Themen, die das reale Leben betreffen?

Mathias:
Das kann man schon so sagen, auch wenn es in einer etwas alten Art und Weise geschrieben ist.

Enrico:

Wir haben in Deutschland die Nibelungensaga, in Finnland gibt es die Kalevala. Habt ihr schon mal darüber nachgedacht, sie in die Texte einzubinden.

Mathias:
Nicht wirklich. Das haben bereits so viele Bands gemacht. Alles, was man mit der Kalevala machen könnte, wurde bereits getan. (lacht)

Enrico:
Kommen wir mal zu einem Thema, welches mich wirklich verwundert hat in den letzten Jahren. Pagan Metal hat sich zu einem echt großen Ding gemausert und viele Bands sind nach oben geschossen und haben von eurem Sound profitiert. Die einzige Band, die von dem Boom nicht profitiert hat, sind eben FINNTROLL. Ihr wart auf einmal verschwunden.

Mathias:
Findest du? Wann sind wir denn deiner Meinung nach verschwunden? Dann kommen wir der Sache vielleicht einfacher auf den Grund.

Enrico:
"Ur Jordens Djup" wurde 2007 veröffentlicht. Danach folgte nur eine Tour, welche auch erst ein Jahr nach der Veröffentlichung anstand. Und das war alles. Wenn ich Bands wie ENSIFERUM oder KORPIKLAANI sehe, die spielen übertrieben gesagt jede Woche in der Nähe und sind immer auf dem Schirm.

Mathias:
Ich beginne zu verstehen. Das erste Jahr mit "Ur Jordens Djup" spielten wir zwei Europatourneen, wovon die erste leider ein totales Desaster war.

Enrico:
Das war...

Mathias:
...das Earthshaker-Roadshock. Aufgrund dessen habt ihr uns wohl nicht so oft sehen können. Dann haben wir viele Festivals gespielt und sind auf eine US-Tour mit NILE und SIX FEET UNDER gegangen. Das war sicher die Zeit, als viele Pagan-Bands in Deutschland massig abgeräumt haben. Ende 2007 hatten wir die Heiden-Fest-Tour und Anfang 2009 brauchten wir einfach mal eine Pause vom Touren. Außerdem benötigten wir die Zeit um an "Nifelvind" zu schreiben.

Enrico:

Wie lief denn die Tour mit NILE und SIX FEET UNDER? Musikalisch passten FINNTROLL nicht wirklich in das Package.

Mathias:
Ja, das war wirklich eine seltsame Kombination. Aber ich glaube, dass wir viele neue Fans auf der Tour gefunden haben. Viele der Crewmitglieder kamen Abend für Abend zu uns und meinten, dass wir das Publikum echt bewegt haben und dass wir die besten Reaktionen aller Bands bekommen haben. Dafür waren wir echt dankbar.

Enrico:
Für euch als Band muss doch solch eine Tour mehr geben, als zum Beispiel die Pagan-Fest-Tour, bei der eh alle Anwesenden euch kennen und ihr daher keine neuen Fans gewinnen könnt.

Mathias:
Das ist wahr und spielte auch bei der Wahl der Tour von unserer Booking-Agentur eine große Rolle. Wir wollten uns ein wenig von der Pagan-Metal-Szene entfernen und zeigen, dass wir auch bei anderen Metal-Fans Erfolg haben können.

Enrico:
Was hält das Jahr 2010 für FINNTROLL bereit?

Mathias:
Es wird ein hartes Jahr werden. Wir werden viel auf Tour sein und auch etliche Festivals spielen.

Enrico:
Für eure Promo-Bilder habt ihr euch wunderbar in Schale geworfen. Werdet ihr dieses Make-up auch auf der Bühne tragen?

Mathias:
Oh nein, wir werden so auf die Bühne treten, wie wir das immer gemacht haben. Es wäre echt hart, das Make-up jeden Abend aufzulegen. Außerdem würde es sich wohl relativ schnell auflösen. (lacht)

Enrico:
Die Pagan-Fest-Tour wird euch in einigen Wochen wieder nach Deutschland führen. Ist es diesmal ausschließlich eine Europa-Tour oder geht es im Anschluss wieder in die USA?

Mathias:
Es ist diesmal nur eine Europa-Tour. In die USA gehen wir mit einem anderen Package.

Enrico:
Warum spielt ihr aber keine eigene Headliner-Tour, sondern seid lediglich Teil des Pagan Festes?

Mathias:
Die Veranstalter wollten uns unbedingt und machten uns ein gutes Angebot. Aber da wir die Headliner sind, ist es im eigentlichen Sinne unsere Tour. Es trägt nur den Namen Pagan Fest.

Enrico:
Hast du noch ein paar letzte Worte für eure deutschen Fans?

Mathias:
Oh! (lacht) Darin bin ich echt schlecht. Ich hoffe, sie haben uns nicht vergessen (lacht) und kommen zahlreich zur Pagan-Fest-Tour.

Enrico:
Und trinken gemeinsam ein paar Bier.

Mathias:
Natürlich.

Enrico:
Viele Biere.

Mathias:
Sechs Bier.

Enrico:
Magst du das deutsche Bier?

Mathias:
Oh ja. Wir sind ja gerade in Dortmund und die haben unglaublich tolles lokales Bier hier. Ich habe auch gleich ein neues Lieblingsbier für mich entdeckt: Hövels. Ein dunkles Bier und wirklich großartig.

Enrico:
Na dann Prost!

Mathias:
Prost!

Redakteur:
Enrico Ahlig

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