top banner 77
side banner 78

FINNUGOR: Interview mit Gabriel Wolf

01.01.1970 | 01:00

Gabriel Wolf von FINNUGOR scheint besessenen von seiner Musik. Vielleicht fällt es ihm auch daher so schwer meine Fragen direkt zu beantworten. Jedenfalls gerät dieser faszinierende Mensch immer wieder ganz schnell vom Thema ab und lässt stattdessen eine ganze Menge aus seinem Privatleben heraus. Nicht nur deswegen war dieses Interview eines der interessantesten, die ich je machen durfte, auch die Beschreibung der Musik von FINNUGOR und Gabriel's Meinung zur ungarischen Metal-Szene waren höchstinteressant und machten mir sofort noch einmal Lust auf einen Durchlauf des letzten FINNUGOR-Outputs "Darkness Needs Us". Vielleicht verspürt ihr diese Lust ja nach dem Lesen des Frage-Antwort-Marathons auch...

Björn:
Hi, alles klar bei dir?

Gabriel:
Ja, ausnahmsweise bin ich mal in einer sehr guten Verfassung. Vielleicht bin ich sogar glücklicher als je zuvor. Vor wenigen Tagen habe ich mich unsterblich verliebt und ich denke, dass diese Liebe für immer bestehen bleiben wird. Für alle Ewigkeit! Ich habe die Frau gefunden, die ich mein ganzes Leben lang gesucht habe. Ihr Name ist Nola. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man die andere Hälfte seiner Seele gefunden hat. Eine Hälfte ist nur ein Körper ohne Spirit. In dieser Hinsicht kannst du nur dann vollkommen werden, wenn deine Seele am Ende erwacht.

Björn:
Ihr seid recht schnell beim Herausbringen neuer Alben. Eure letzte Scheibe "Death Before Dawn" ist gerade mal ein Jahr alt und schon habt ihr eine neue Platte draußen. Woher bekommst du die Inspiration, um so schnell an neuem Material zu arbeiten?

Gabriel:
Alle Bands, die ich mag, inspirieren mich, zum Beispiel CRADLE OF FILTH und LIMBONIC ART. Aber Inspirieren ist dabei nicht mit Kopieren gleichzusetzen. Ich wollte nie eine andere Band kopieren. Stattdessen wollte ich den Regeln unserer großen Vorfahren folgen - aber sehr oft brechen wir dabei mit den typischen Klischees, die einem das Genre auferlegt und es limitiert. Manchmal klingt unsere Musik absurd und grotesk. Als Beispiel sei das "Zirkus"-Thema genannt, welches in unserer Musik stetig wiederkehrt, aber eben nicht auf eine lustige Art und Weise. Meine Bezeichnung hierfür wäre 'evil circus feeling'. Es steht für die Angst und den Horror, der hinter der illusorischen Fröhlichkeit steht. Das ist der Punkt, an dem die Ängstlichkeit und die Dunkelheit starten.
Meine Texte waren im Vergleich zu anderen Black-Metal-Bands schon immer sehr eigenständig. Normalerweise handeln Black-Metal-Songs ja von antichristlichen Ideologien, doch solche Texte habe ich selber nie verfasst. Meistens schreibe ich über meine eigenen Visionen und Träume, oder aber über philosophisches Gedankengut und meine eigenen Probleme. Es ist tatsächlich so, dass uns nicht in erster Linie andere Bands inspirieren, sondern Künstler aus anderen Territorien der Kunst, so wie Poeten, Maler, etc. Ich glaube Tomi's größte Inspiration ist J.R. Tolkien. Er ist ein richtiger Tolkien-Fanatiker. Die meisten unsere fantasievollen Ideen sind von Tolkien's genialen Werken beeinflusst worden. Ich selber betrachte John Caldwell, den größte Fantasy-Schriftsteller Ungarns, als große Inspirationsquelle. Auf allen meinen Alben, auch auf denen mit anderen Bands, finden sich Einflüsse aus seinen Romanen wieder. Wir beide sind sehr große Fantasy-Fans. Außerdem mag ich die gotische Kunst sehr, zum Beispiel die unglaublichen Werke von Hieronymus Busch aus dem 15.Jahrhundert. Er ist in dieser Hinsicht mein absoluter Favorit. Diese Bilder, die Absurditäten und diese versteckte Bösartigkeit haben mir sehr viele groteske und verrückte Ideen für unsere Songs gegeben. Die meiste Inspiration stammt von diesen Leuten. Als letztes müsste ich jetzt noch H.P. Lovecraft nennen, der auch einen großen Einfluss auf mich hatte.

Björn:
Waren eigentlich schon einige Tracks fürs neue Album fertig, als ihr "Death Before Dawn" herausgebracht habt?

Gabriel:
Ich schrieb 'Forest Of Bane' einige Monate bevor wir die Arbeiten am neuen Album starteten, aber zu dieser Zeit stand "Death Before Dawn" schon längst in den Läden.

Björn:
"Death Before Dawn" war mein erster Kontakt mit FINNUGOR, aber ich glaube, dass dies nicht euer Debüt war, oder?

Gabriel:
"Death Before Dawn " ist unser zweites Album. Der Titel unserer ersten Platte lautet "Black Flames". Hierzu habe ich eine kleine Geschichte:
John Caldwell ist der beliebteste Fantasy-Autor in ganz Ungarn. Er ist ein guter Freund und gleichzeitig ein großer Black-Metal-Fan. Als wir das erste FINNUGOR-Album fertig hatten, schickte ich es ihm als ein persönlicher Geschenk, da ich wusste, dass er Black Metal sehr gerne hört. Er mochte unser Album dann so sehr, dass er darauf basierend ein weiteres Fantasy-Buch schrieb. Die Geschichte des Buches basierte wiederum auf dem Song 'Behind The Mirror'. Das gesamte Buch besitzt einen sehr düsteren Unterton und spiegelt unsere Songtexte exakt wieder. Jedes Kapitel beginnt mit Zitaten aus dieser Komposition. Bereits zwei Monate später wurde das Buch auf den Markt gebracht. Es ist eines der dunkelsten und speziellsten Werke, an denen er je gearbeitet hat. Direkt zu Beginn wurde zu einem sehr beliebten Bestseller, es war sehr erfolgreich. Ich glaube, dass sie mittlerweile alle 20.000 Exemplare verkauft haben, und das ist in Ungarn schon eine ganze Menge. Selbst für mich war es schwierig ein eigenes Exemplar zu bekommen, da es in vielen Buchhandlungen schon restlos ausverkauft war. Das Buch machte mich und Tomi zu so was wie einer legendären Black-Metal-Truppe in der Gefolgschaft der John Caldwell-Fans. Leider sind in Ungarn nicht so viele Black-Metal-Fans, doch diejenigen, die sich mit dieser Musik beschäftigen, haben sicherlich schon alle von diesem Album gehört. Ein Jahr später bekamen wir einen Vertrag bei Adipocere Records und veröffentlichten die Platte im September 2002.

Björn:
Ihr seid ja nur zwei Leute bei FINNUGOR. Deswegen liegt die Vermutung nahe, dass es sich nur um ein Studioprojekt handelt.

Gabriel:
Ja, FINNUGOR sind weiterhin ein Studioprojekt, aber vielleicht nicht für alle Zeiten. Das kann ich jetzt noch nicht genau sagen.

Björn:
Ihr habt also noch nicht mit FINNUGOR live gespielt?

Gabriel:
Ich habe meine Songs noch nie live gespielt und dafür gibt es zwei Gründe. Erstens würde ich mich selber nicht ale einen Performer betrachten. Ich bin ein Komponist, der es mag mit Musik zu arbeiten, der aber in seinem Privatleben seine Ruhe braucht. Ich mag es nicht in der Mitte von hundert Leuten zu stehen. Man könnte sagen, ich bin so etwas wie ein einsamer Wolf. Ich gehe meinen Weg immer alleine oder mit meinen besten Freunden zusammen. Wie ich bereits sagte, ich brauche Ruhe und Ausgeglichenheit in meinem Privatleben um auch weiterhin kreativ und eigenständig zu bleiben. Darum habe ich auch vier verschiedene Bands gleichzeitig laufen ohne dass mir die Ideen ausgehen.
Der andere Grund ist, dass ich in meinen Projekten fast alles alleine mache, vom Komponieren über das Schreiben der Texte bis hin zur Gestaltung des Artworks. Falls ich mich dazu entschließen sollte live aufzutreten, müsste ich eine ganze Reihe Gastmusiker bezahlen, die dann meine Studioparts übernehmen. Ich benutze einen Haufen Instrumente und Equipment in meiner Musik und es wäre sehr teuer Leute zu finden, die mit diesem Equipment umgehen könnten. Wenn ich zum Beispiel einen YWOLF-Song oder einen FINNUGOR-Gothic-Song live spielen wollte, bräuchte ich ca. 16-20 Personen, da in der Musik so viele Instrumente enthalten sind. Ich nehme normalerweise die Musik von YWOLF auf 16-20 Kanälen in meinem Studio auf, doch auf der demnächst erscheinenden Platte von YWOLF werden es teilweise bis zu 60 Instrumente zur gleichen Zeit sein. Jedes dieser Instrumente würde einen Musiker verdienen, der mit dem Equipment zumindest genau so gut umgehen kann wie ich selber. Das wäre einfach zu teuer, das kannst du dir gar nicht vorstellen! Ich habe nicht so viel Geld um diese Leute zu finden und zu bezahlen. Meine einzige Chance wäre es, die Musik vom Band kommen zu lassen und einzig die Vocals live beizusteuern. Aber das wäre lächerlich, ich würde es nicht mögen. Ich bin doch keine verdammte Britney Spears!
Wir planen also keine Live-Konzerte mit FINNUGOR, aber man weiß ja nie, was die Zukunft bringen wird. Es könnte eines Tages passieren... sogar eine Tour wäre dann drin. Es wäre sicher nicht schlecht, aber ist eben noch kein Thema für die nahe Zukunft, soviel steht fest. Und es hängen viele Sachen davon ab; viel Geld, meine Gesundheit, freie Zeit, eine Menge Energie und gute Nerven, und noch mal: ein Haufen Geld!

Björn:
Was könnten wir denn dann auf der Bühne erwarten?

Gabriel:
Wenn ich jemals live spielen sollte, dann kannst du die dunkelste und angsterfüllendste Show erwarten, der du je beigewohnt hast. Eine schockierende Erfahrung, die du nie mehr vergessen wirst, etwas, das dein Leben verändern wird.

Björn:
Okay, dann lass uns mal über euer neues Album reden, welches ja sehr lang geworden ist. Mehr als eine Stunde habt ihr mit symphonischem Black Metal gefüllt. Wie habt ihr es dabei geschafft in dermaßen kurzer Zeit so viel Material zu sammeln, ohne dass die Songs dabei an Qualität verlieren?

Gabriel:
Wir haben an diesem Album sehr lange gearbeitet, fast ein ganzes Jahr. Es wurde jedoch nie langweilig, da wir immer eine Pause zwischen den einzelnen Songs genommen haben. Wir haben uns jedes Mal genügend Zeit gelassen um die nächste Herausforderung anzunehmen. Vielleicht konnten wir deshalb auch unsere Kreativität beibehalten und hatten so immer haufenweise Ideen für einen neuen Song.

Björn:
Welche Bedeutung hat diese Musik für dich?

Gabriel:
Es ist schwer zu beschreiben, was mir Black Metal persönlich bedeutet. Es ist mehr als nur Musik und es ist auch mehr als nur ein Stil, es ist eine Lebenseinstellung. Unsere Quellen der Inspiration, fieberhafte Träume von der Prophezeiung sowie die philosophischen und künstlerischen Ideologien haben etwas geboren, was tief in unserem Geist und unserer Seele verborgen war. Es hat schon immer in uns existiert, aber nur Intelligenz und Talent waren in der Lage es an die Oberfläche zu schwemmen. Es ist das Zutagetreten des Unbewussten, die Grenzlinie zwischen grotesker, finsterer und logischer Absurdität und der versteckten, erstaunlichen Schönheit hinter dem Schleier von Alpträumen. Es ist eine Art transzendente Kommunikation zwischen unseren Hörern und uns.

Björn:
Ihr habt für dieses Album eine ganze Schar Gastmusiker eingeladen, so zum Beispiel Morfeus von LIMBONIC ART und den ehemaligen MAYHEM-Fronter Attila Csihar. Wie habt ihr all diese Leute für eure Musik begeistern können?

Gabriel:
Ich glaube, dass über uns höhere Mächte zum Tragen kommen, die das durchschnittliche menschliche Gehirn nicht begreifen kann. Ich glaube, dass ein höherstehender Wille mich an die Hand genommen hat, als ich diese Produktion organisiert habe, denn im Normalfall wäre es sicherlich unmöglich, alleine etwas Derartiges auf die Beine zu stellen - gerade in diesem Land, wo niemand den anderen unterstützt. Daher stammt auch der Titel für diese Scheibe. Der Titel entstand erst am Ende. Ich weiß noch immer nicht, wer oder was diese höhere Macht gewesen ist. Vielleicht war es die Dunkelheit selber oder aber mein eigener Wahnsinn und Fanatismus. Letzterer ist bei den Aufnahmen ein wenig außer Kontrolle geraten. Ich wurde wirklich wahnsinnig von den ganzen Arbeiten und ich wurde sehr krank, aber ich hörte nicht auf zu arbeiten.
Ich halte weiterhin den Kontakt mit den meisten Gastmusikern per Telefon, SMS, e-Mail, usw. Ich mag diese Leute wirklich sehr gerne. Vor einigen habe ich einen sehr großen Respekt, andere wiederum sind sehr gute Freunde. Wir sind irgendwie alle gleich und aus meiner Sicht miteinander vereint.

Björn:
Wir lange hast du gebraucht um all diese Leute ins Studio zu bringen?

Gabriel:
Wir nahmen die Stücke mit den Gastmusikern nacheinander auf. Wie ich bereits sagte, es dauerte ein ganzes Jahr. Es war ziemlich schwierig überhaupt mit ihnen in Kontakt zu treten, geschweige denn einen Zeitpunkt zu finden, an denen sie verfügbar sind.

Björn:
Gibt es auch einen Gastmusiker, bei dem du besonders stolz drauf bist, dass er an diesem Unternehmen teilgenommen hat?

Gabriel:
Diese Frage kann ich nicht beantworten. Ich bin wirklich stolz auf jeden einzelnen, der auf diesem Album mit dabei ist und ich mag sie alle sehr gerne. Jeder von ihnen ist ein großartiger Mensch. Es war mir eine große Ehre mit ihnen zusammenzuarbeiten.

Björn:
Wie ist es denn eigentlich zu der Idee gekommen all diese Leute mit auf dem Album zu haben?

Gabriel:
Ich wollte etwas ganz Neues machen, etwas sehr Interessantes und Monumentales. Das einzige Kriterium für die Auswahl der Musiker war mein eigener Geschmack. Ich lud also meine Freunde aus aller Welt, die ich am meisten respektiere, ein, an diesem Album teilzunehmen. Ich wusste, dass sie einen meisterhaften Job abliefern würden, da ich ja auch ihr Talent kannte. Und ich hatte recht. Alle haben einen erstklassigen Job gemacht. Ich mag ihre Werke sehr und hoffe, dass es auch den Fans gefällt.
Meiner Meinung nach spielen sie in den besten Bands dieses Universums. Die Dunkelheit befahl mir sie einzuladen. Denn die Dunkelheit braucht uns! Hier ist ein Zitat aus der Albumankündigung, das sich mit dieser Sache befasst:
Viele Leute dachten, die ungarische Black-Metal-Szene sei tot. Doch sie wurde von Gabriel Wolf wiederbelebt, dem Vertreter der begrabenen hypnotischen Philosophie. Er lud die größten Namen des gesamten Genres ein um die Begründung für dessen Existenz abzuliefern. Aus der tiefsten Grube verschollener, fieberhafter Träume schrie jemand nach Hilfe. Irgendetwas wollte neu geboren werden. Gabriel sagte: "Darkness Needs Us to keep him alive. So, we re-animated it."

Björn:
Ist "Darkness Needs Us" ein Konzeptalbum?

Gabriel:
Ja, es ist eine Art Konzeptalbum. Manchmal sind meine Texte von Caldwell's Romanen beeinflusst, aber die meisten davon, gerade auf diesem Album, sind meine eigenen Storys. Wir können sie aus diesem Blickwinkel auch reale Geschichten nennen, denn alle wurden von wahren Begebenheiten inspiriert, eben Sachen, die in meinem Leben passiert sind. Es geht um die wahre Seite des Schmerzens. Leiden und Schmerz haben mir eine Menge Inspiration für dieses Konzept geliehen, auch wenn ich sie nie gemocht habe. "Pain is the kingdom of eternal wisdom, I am the Lord of the darkest freedom" - die meisten Songs auf "Darkness Needs Us" handeln von diesem Thema. Einige der Texte sind auch bei weitem ernster gemeint, als du dir das auf den ersten Moment vorstellen kannst.
Hier nur ein Beispiel, was ich unter Schwierigkeiten verstehe: Im letzten Jahr, während der Aufnahmen des Albums, litt ich viermal an einer Lungenentzündung. Ich habe keine Ahnung, wie ein Mensch alleine sich so oft erkälten kann. Jedes Mal fing es mit einer Erkältung an, doch nach 1-2 Tagen ging das Ganze dann in eine Lungenentzündung über, manchmal spuckte ich dabei sogar Blut aus. Aber ich habe niemals aufgehört an der Platte zu arbeiten, selbst die Vocals habe ich weiterhin eingesungen. Wenn also irgendwer wissen will, wie wichtig mir Black Metal ist, dann ist das die Antwort. In dieser Zeit fühlte ich mich, als müsste ich sterben, und das ist kein dummer Spruch. Aber ich schritt weiterhin im selben Tempo voran. Kannst du dir vorstellen, wie einfach es ist, mit Fieber, Lungenentzündung und ständigem Husten diese hohen lauten Screams und Growls einzusingen? Nun, das ist ganz bestimmt keine einfache Sache. Aber so lange ich an mich selber glaube, kann mich auch niemand stoppen. Dieses Album ist der Beweis dafür. Die Kraft, die man beim Glauben an etwas entwickelt, ist wichtiger als alles andere; sie hilft dir unglaubliche Sachen zu verwirklichen. Man kann das mit wissenschaftlichen Erklärungen gar nicht erklären.
Dieses Album ist wirklich eine Art Konzeptalbum. Es geht zum größten Teil um diese harte Zeit in meinem Leben, aber ich könnte die Texte jetzt nicht nacheinander beschreiben. Sie handeln zum größten Teil von meiner Person, von meiner dunklen Vergangenheit, von einer hoffnungslosen Zukunft, einer problemvollen konfusen Gegenwart, Visionen, Verlangen, Wünschen, Ängsten und Träumen. Der Song 'Wings Of Kryy' handelt von meiner seltsamen Beziehung zu meiner ex-Geliebten.
Es gibt nur einen fiktionalen Text auf dieser Platte, nämlich 'Hands Of Light' Er basiert auf einem Fantasy-Buch von Susan Salina, einer guten Freundin von John Caldwell. Das Intro ist ebenfalls eine Ausnahme, es handelt nicht ausschließlich von mir. Es geht dort um die gesamte Welt, in der wir leben, die Gegenwart, die Leute in der heutigen Zeit, die Kunst- und Musikszene heutzutage und natürlich um diesen Musikstil, den wir spielen, den Black Metal. Und zuletzt geht es um die gesamte Produktion und die großartigen Menschen, die auf diesem Album zu hören sind.

Björn:
Daraus schließe ich, dass ihr keine satanische Band seid.

Gabriel:
Nein, FINNUGOR sind nie eine satanische Band gewesen. Unsere Texte basierten immer auf Fantasy-Geschichten, oder wenn ich es aus dem Blick der Band betrachte, dann ist unser Stil 'Philosophical Fantasy Horror Black Metal'. Es geht aber auf keinen Fall um irgendwelche Religionen oder Anti-Religionen.

Björn:
Wie stehst du denn zum Satanismus?

Gabriel:
Ich bin nicht der nächste Antichrist, falls es das ist, was du hören möchtest. Aber manche Leute denken, ich wäre so etwas wie ein Hexenmeister, der in der Lage ist andere Menschen zu manipulieren. Sie denken, dass ich Kraft meines Willens dazu fähig sei ihre Gefühle und ihre Seele zu beherrschen. Das ist eine komische und lange Geschichte. Ein gewisser Teil ist auch wirklich wahr. Höre dir meine Musik an und mache dir selber ein Bild, ob es nun Fakt oder doch nur Fiktion ist.

Björn:
Für viele ist Satanismus ja eines der leitenden Motive in einer Black-Metal-Band zu spielen. Warum spielst du denn diese Musik?

Gabriel:
Ich konnte meiner Bestimmung nicht aus dem Weg gehen. Black Metal ist mein Schicksal, meine Bestimmung, mein Leben. Und es soll auch mein Tod sein.

Björn:
Du stammst aus Ungarn und ich denke mal, dass es generell gar nicht so einfach ist in einem osteuropäischen Land diese Form der Musik zu spielen. Ich habe letztens einen Artikel über ein Ereignis in Polen gelesen, wo Menschen, die sich diese finstere Musik angehört haben, hart bestraft wurden. Wie sieht es da in Ungarn aus. Wird Metal und im speziellen Falle Black Metal dort toleriert oder sind die Verhältnisse bei euch ähnlich wie in diesem geschilderten Beispiel?

Gabriel:
Nun, ich denke, dass der durchschnittliche Ungar diese Musik akzeptiert. Du kannst natürlich im ungarischen Radio keinen Black Metal hören und es laufen auch keine Black-Metal-Videos im ungarischen Fernsehen. Vielleicht sind wir sogar die einzigen, die den Kampf gewinnen und ein wenig aus dem Underground ausbrechen konnten. Unser Video zu 'Cosmic Nest Of Decay' (mit Attila Csihar) wurde vom größten ungarischen Musiksender VIVAPlus zwei Jahre lang gespielt. Wir haben die Leute vorm Fernseher also eine ganze Weile terrorisiert. Es gibt sogar einige fanatische Liebhaber dieses Videos, es ist also weitaus erfolgreicher, als wir uns das am Anfang gedacht hatten.

Björn:
Es mag vielleicht einige ungarische Metal-Bands geben, die man bei uns in Deutschland kennt, doch über die Szene im Allgemeinen ist nicht viel bekannt. Wie ist es denn um die Szene in deiner Heimat bestellt?

Gabriel:
Ich denke, dass sie tot ist. Vielleicht war sie aber auch nie lebendig. Meiner Meinung nach ist das größte Problem der Mangel an Unterstützung, Harmonie und Einigkeit. Niemand unterstützt die Musikstile, die ich mit meinen Bands verkörpere, und damit meine ich nicht nur Black Metal. Es gibt keine ungarischen Plattenfirmen für diese Musik und es gibt weder Radio- noch Fernsehstationen, welche diese Musik spielen oder unterstützen würden. Anzeigen, Hilfe oder Unterstützung ist uns hier fremd. Falls eine Black-Metal-Band versuchen würde in Ungarn berühmt zu werden und von der Musik zu leben, dann würde sie sehr schnell den Hungertod sterben. Es gibt einige Metal-Magazine hier, aber das größte Problem bei ihnen ist, dass sie fast ausschließlich Kritiken und Interviews von bekannten ausländischen Bands abdrucken. Sie kümmern sich kaum um ungarische Bands. Und wenn sie dann mal ein Review schreiben, dann ist es meistens auch noch negativ. Ich habe schon vor einigen Jahren realisiert, dass ich mir erst einmal in anderen Ländern einen Namen machen muss, wenn ich diesen Musikstil ernsthaft betreiben möchte. Danach habe ich dann die Chance 'nach Hause zu kommen'. Nur so können die Dinge funktionieren. Weißt du, niemand kann in diesem Land ein Prophet sein, aber meine Prophezeiung sieht nun mal so negativ aus.

Björn:
Gibt es denn wenigstens ein paar Konzerte in Ungarn?

Gabriel:
Es scheint so, als würden sich die Dinge zum Positiven verändern. In fast jedem Monat der vergangenen zwei Jahre gab es hier ein cooles Konzert. In diesem Jahr sind wir schon von so großartigen Bands wie CRADLE OF FILTH, OPETH und FINNTROLL besucht worden. Und ich freue mich schon sehr auf die anstehenden Konzerte von MORTIIS, TRISTANIA, THERION und TRAIL OF TEARS, die im Oktober und November hier in meiner Stadt stattfinden werden.

Björn:
Wäre es denn kein besonderes Ziel eines Tages selber in deiner Heimatstadt live zu spielen?

Gabriel:
Ich weiß es nicht. Wenn ich tatsächlich irgendwann mal live spielen sollte, dann werde ich irgendwo anders starten. Genauso ist es ja auch mit den Veröffentlichungen meiner Alben. In meinem Land würde niemand unsere Performance richtig verstehen können.

Björn:
Wie bist du denn damals überhaupt mit Metal in Kontakt gekommen?

Gabriel:
Als ich ein Teenager war, hörte ich mir sehr viel Dark Wave an, zum Beispiel solche Bands wie FIELDS OF THE NEPHILIM, SISTERS OF MERCY, THE CURE oder THE MISSION. Danach wurde mein Interesse für Industrial von Gruppen wie FRONTLINE ASSEMBLY, SKINNY PUPPY und WUMPSCUT geweckt. Ich erinnere mich nicht mehr genau, aber ich habe irgendwann in den Neunzigern angefangen Black Metal zu hören. Und ich begann 2000 diese Musik selbst zu spielen, nämlich als ich zusammen mit Tomi Kalliola FINNUGOR gründete.

Björn:
Wer sind denn heutzutage deine Favoriten?

Gabriel:
Die einzige ungarische Band, die mir gut gefällt, ist SEAR BLISS. Über die restlichen Truppen aus Ungarn kümmere ich mich nicht besonders. Heute höre ich mir genau die vier Musikstile an, die ich in meinen jeweiligen Bands auch spiele: Black Metal, Gothic, Industrial und Dark Ambient. Ich mag sie alle, denn jeder einzelne dieser Musikstile enthält Elemente, die mir sehr am Herzen liegen und meine Gedanken wiedergeben. Wenn ich aber einen herauspicken müsste, dann würde ich mich für Black Metal entscheiden. Wenn ich in meiner Freizeit Musik höre, dann sind von zehn CDs mindestens acht aus dem Black-Metal-Bereich, meistens von meinen Lieblingsbands. Ich brauche sie jetzt nicht mehr nacheinander aufzulisten, denn sie sind alle auf dem neuen FINNUGOR-Album enthalten. Das sind meine Favoriten und deswegen habe ich sie auch eingeladen. Es gibt nur zwei Bands, von denen leider niemand auf dem Album vertreten sind, nämlich CRADLE OF FILTH und BAL-SAGOTH, die ich ebenfalls zu meinen Favoriten zähle. Übrigens hatte Byron von BAL-SAGOTH meine Einladung, an meinem Album teilzunehmen, eigentlich angenommen, jedoch konnte er sie aus zeittechnischen Gründen nicht wahrnehmen. Sie waren gerade dabei an ihrem neuen Studioalbum zu arbeiten, als ich ihn fragte. Ich habe wirklich sehr großen Respekt vor Byron und BAL-SAGOTH. Alle ihre Platten sind absolute Meisterwerke.

Björn:
Wir nähern uns dem Ende des Interviews, aber mich würde noch interessieren, ob ihr in Zukunft weiterhin in solch kurzen Zeitabständen neue Scheiben auf den Markt bringt oder wird es beim nächsten Mal etwas länger dauern?

Gabriel:
Ich bin momentan sehr beschäftigt. Ich muss den ganzen Tag arbeiten um über die Runden zu kommen und habe daher auch nicht viel Zeit um neue Musik zu komponieren. Trotzdem habe ich schon zwei neue Projekte begonnen. Eines davon ist das neue YWOLF-Album, welches wohl irgendwann im nächsten Jahr fertig sein wird. Das andere ist eine komplett neue Geschichte. Ich arbeite an einer Electro-Industrial-Scheibe, aber ich weiß noch gar nicht, ob ich dieses Album jemals fertigstellen werde. Ich hatte von Beginn an einige große Schwierigkeiten und aus heutiger Sicht denke ich, dass es vielleicht sogar sinnlos wäre überhaupt noch weiterzumachen. Aber ich habe mich da noch nicht entschieden.
Mit FINNUGOR haben wir erstmal keine weiteren Pläne. Aber wir planen auch nie irgendetwas Neues zu kreieren, es passiert einfach so. Sobald die Zeit für eine neue Platte von FINNUGOR gekommen ist, werden wir uns sofort an die Arbeit machen. Wir warten noch auf die Ankunft dieser Zeit, doch wir sind definitiv bereit die nächste Herausforderung anzunehmen - und wir werden auf jeden Fall auch wieder wissen, was zu tun ist.

Björn:
Irgendwelche letzten Worte?

Gabriel:
Verpasst auf keinen Fall unser neues Album. Die Zeit ist gekommen und es wird sich etwas verändern. Euer Leben wird nicht mehr das selbe sein! Etwas schrie nach Hilfe und wollte wiedergeboren werden. "Darkness Needed Us to keep him alive, so we re-animated it. But now, Darkness Needs YOU!" Zeige dich von deiner wahren Seite und verbünde dich mit uns! Wir sind bereits auf der Hut!

Redakteur:
Björn Backes

Login

Neu registrieren

Wir verwenden Cookies, um unsere Website besser gestalten und verbessern zu können. Diese nutzen wir unter anderem für die Reichweitenmessung und zu Marketing- und Optimierungszwecken. Durch die weitere Nutzung der Website stimmst Du der Verwendung von Cookies zu (weitere Informationen gibt es hier).