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Gruppentherapie BARREN EARTH - "A Complex Of Cages"

01.05.2018 | 13:38

Einen geteilten dritten Rang gab es für die Finnen BARREN EARTH in unseren März-Soundcheck, doch die Meinungen unserer Gruppentherapeuten lassen darauf schließen, dass für den neuesten Langspieler der Progressive-Metaller durchaus auch die Pole Position hätte drin sein können. Einzig die Frage, ob der Vorgänger "On Lonely Towers" sogar noch besser war als "A Complex Of Cages" entzweit unsere muntere Truppe ein wenig - doch lest selbst...

Ich muss zugeben, dass ich mich bislang mit BARREN EARTH nur zur Veröffentlichung von "The Devil's Resvolve" im Rahmen des damaligen Soundchecks mal beschäftigt hatte, damals noch mit Mikko Kotamäki (SWALLOW THE SUN) am Mikro. Das Album fand ich gut, ist aber auch nicht wirklich nachhaltig in Erinnerung geblieben, so dass ich den Nachfolger "On Lonely Towers" sogar komplett verpasst hatte. Das habe ich schnell geändert, als mir bewusst wurde, dass Jón Aldará (HAMFERD) auch dort bereits die Vokallinien zu verantworten hatte. Ja, für mich ist Jón wohl der größte Pluspunkt im Vergleich zu "The Devil's Resolve". Seine Klangfarbe ist es, die mich mit den ersten gesungenen Tönen von 'The Living Fortress' sofort gefangen nimmt. Ich denke dabei sogar kurz an Eric Clayton von den wahrhaft göttlichen SAVIOUR MACHINE. Und wer mich kennt, weiß, dass da nicht viel drüber geht. Doch auch das Songwriting passt auf "A Complex Of Cages" für mich. Natürlich klingt BARREN EARTH total finnisch, dennoch aber eigenständig genug, um nicht dauernd an AMORPHIS, SWALLOW THE SUN oder MOONSORROW denken zu müssen. Das liegt auch daran, dass Jón Aldará noch mehr Platz als auf "On Lonely Towers" (das ich natürlich mittlerweile gehört habe) bekommt. Vor allem das abschließende, komplett mit Klargesang veredelte 'Withdrawal' bereitet immer wieder absolute Entenpelle. An der ein oder anderen Stelle würde ich mir vielleicht etwas kompaktere Kompositionen wünschen ('Solitude Path', 'Zeal'), aber das ist schon Meckern auf extrem hohem Niveau. "A Complex Of Cages" ist das beste Album aus dem März-Soundcheck.

Note: 8,5/10
[Peter Kubaschk]

 

Also zuerst einmal muss ich Peter definitv recht geben, "A Complex Of Cages" ist ganz klar das beste Album des März-Soundchecks. Trotzdem sehe ich im Gegensatz zu unserem Chefredakteur im direkten Vergleich den Vorgänger "On Lonely Towers" ganz knapp vorne, wobei ich allerdings nicht genau festmachen kann, woran das liegt. Vielleicht ist es genau der Punkt, dass Jón Aldará auf dem aktuellen BARREN EARTH-Langeisen wirklich mehr Raum für seine großartigen Gesangspassagen bekommt, der mich eben doch die auf dem Vorgänger noch deutlich ausufernderen Instrumental-Passagen vermissen lässt. Das alles ist aber natürlich nur Gemäkel auf allerhöchstem Niveau, denn auch mit deutlich präsenterem Gesang sind Songs wie das herrliche 'Further Down' oder 'The Living Fortress' noch immer absolute Gourmet-Kost für Liebhaber von melodischen und trotzdem harten Klängen. Dabei finde ich eigentlich, dass die Truppe gar nicht so typisch finnisch klingt, auch wenn natürlich die Parallelen zu MOONSORROW oder SWALLOW THE SUN durchaus vorhanden sind. Viel mehr erinnert mich der Sound regelmäßig an die Briten PARADISE LOST und stellenweise scheinen dank der recht präsenten Synthesizer und Keyboards sogar klassische Prog-Acts wie PINK FLOYD durch. Aber egal wo man BARREN EARTH nun musikalisch verorten möchte, antesten sollte man diesen wunderbaren Silberling auf jeden Fall, denn in Sachen erhabener Melodik kommen kaum Bands an die Herrschaften aus Helsinki heran.

Note: 9/10
[Tobias Dahs]

 

Ja und ja. Ja, Peter, der Gesang ist wirklich Extraklasse und ich kenne nicht viele in meinen Ohren noch mitreißendere Gesangsakrobaten. Ja, Tobias, mir kommen auch nicht zu allererst andere finnische Bands in den Sinn, wenn ich BARREN EARTH lausche. PARADISE LOST höre ich auch hier und da heraus; und werfe zudem mal noch DARK SUNS (alle Phasen), OPETH (früher), vereinzelt gar AYREON (z.B. 'Zeal' vor dem Doom-Part) und der Vollständigkeit halber dann doch noch die Finnen von AMORPHIS in den Raum. Dieses punktuelle Zutagetreten von Assoziationen mit bekannten Bands finde ich hier super; weder stört es den Fluss der Kompositionen, noch klingt es wie billiges Kopieren - eher nach einem "Best of" aus allem, was man aus den Genres Prog-, Death- und düsterem Metal in Einklang bringen kann. Es zeigt, dass die Stärke von BARREN EARTH nicht in der Innovation, sondern in der gekonnten und variantenreichen Kombination gewohnter Elemente und Stilistiken liegt. Und darüber hinaus, wie fesselnd man solch eine Bandbreite songschreiberisch unter einen Hut bekommen kann, denn gerade im Melodiebereich ist "A Complex Of Cages" herausragend.
Und noch ein "ja" in Richtung meiner Vorschreiber: Wenn ich in den betreffenden Soundcheck rüberblicke (an dem ich nicht teilnahm und daher auch nicht alle Scheiben gehört habe), wäre "A Complex Of Cages" vermutlich auch mein Monats-Highlight geworden, da das Album (dieses Mal) sogar meine persönlichen Favoriten PRIMORDIAL und MONSTER MAGNET aus jenem Monat in den Schatten stellt. Und das will schon einiges heißen. Warum also eigentlich nur Platz drei, liebe Kollegen?

Note: 9/10
[Stephan Voigtländer]

 

Werte Kollegen, in welch angenehmer Gesellschaft ich mich hier doch befinde... Anders als Peter und genauso wie Tobias sehe ich den Vorgänger "On Lonely Towers" einen klitzekleinen Tick vorne. Die von Herrn Dahs erwähnten instrumentalen Passagen verliehen dem Vorgänger eine Leichtigkeit, die ich auf "A Complex Of Cages" vermisse. Dafür steht der Gesang deutlich weiter im Vordergrund - und mir fallen hier spontan Sangeshelden wie Dan Swanö und Mikael Åkerfeldt ein, die es schaffen, sowohl im Bereich Growls wie im Klargesang derart zu überzeugen. Die Vocals sind auf vorliegendem Album der finnisch-färöischen Kollaboration klar das Sahnehäubchen auf dem Schweinebraten!
Bei den Bandvergleichen, die die Kollegen hier aufzählen, kann ich ehrlich gesagt nicht ganz mithalten. Ich bleibe von der ersten bis zur letzten Sekunde bei DEM Suomi-Album, namentlich "Elegy" von AMORPHIS, hängen. Was sicherlich nicht von ungefähr kommt, denn mit Ex- und Neu-Basser Olli-Pekka Laine ist ein tragendes Element im Line-up von BARREN EARTH am Werkeln. Hinzu kommt mit WALTARI- und KREATOR-Sami einer der besten Songwriter und Leadgitarristen der gesamten Metal-Szene, der auch auf "A Complex Of Cages" seinen markanten Stempel aufdrückt. Wobei BARREN EARTH keinesfalls bestrebt ist, "Elegy" zu covern. Die sechs Herren führen das Album eher fort, stricken die orientalisch anmutenden Elemente ('Solitude Pith') weiter, genauso wie die Death-Metal-Riffs und die tollen 3/4-Schunkeltakte auf Höchstniveau. Ach ja, bleibt abschließend noch eine kurze Antwort zu Stephans Frage: Ich kann nur für mich sprechen, aber PRIMORDIAL hat ein nahezu perfektes Album veröffentlicht, mein Unterkiefer schleift immer noch auf dem Boden. Trotz Jahres-Hits wie 'Ruby' oder 'Further Down' haben diesmal die Iren leicht die Nase vorn bei mir.

Note: 9/10
[Haris Durakovic]

Redakteur:
Tobias Dahs

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