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Gruppentherapie GATE 6-"God Machines"

27.10.2012 | 09:36

Ein Newcomer auf dem zweiten Platz des Oktober-Soundchecks? Vom Namen her ja, doch hinter GATE 6 stecken routinierte Musiker, die schon lange im Progbereich tätig sind. Hier die Gruppentherapie zu GATE 6 und "God Machines".

Hinter dem etwas seltsamen Namen GATE 6 stecken eine Handvoll Routiniers aus der holländischen Neoprogszene. Die Gruppe rekrutiert sich aus Musikern von SYMMETRY, MARATHON oder THE BARSTOOL PHILOSOPHERS. Das sind zugegebenrmaßen keine big shots, aber dennoch Namen, die dem Experten munden sollten. GATE 6 haben einige von uns ziemlich verzaubert, allen voran unseren Peter, der knapp vor der Höchstnote steht (zum Review).  Was der Rest der Redaktion von diesem Science-Fiction-Konzeptalbum hält (das Internet wird selbstständig), verrät die Gruppentherapie.

 

cover

 

Das ist eine Eigenproduktion. Das ist eine Eigenproduktion? Soll das ein Scherz sein? Wer bei Inside Out hatte denn da Tomaten auf den Ohren? Das ist ja eine der großartigsten Prog-Scheiben des Jahres und muss sich kaum hinter THRESHOLD oder der hochgelobten ETHEREAL ARCHITECT verstecken. Zwar gehen die Holländer etwas weniger metallisch zu Werke, und gelegentlich fühle ich mich an VANDEN PLAS erinnert und in den ruhigen Passagen gar ein wenig an die FLOWER KINGS, die ähnliche atmosphärische Teile zelebrieren, nur eben immer rund zehn Minuten länger, aber einen Vergleich haben die Herren überhaupt gar nicht nötig. Gefühlvoller Sci-Fi-Prog-Metal, der auch deswegen so toll ist, weil Sänger Erik Masselink eine ausgezeichnete Prog-Stimme hat. Dazu weinen, heulen und jammern die Gitarren, dass es nur so eine Freude ist. Das muss man einfach haben, wenn man nur eine kleine Affinität zu diesem Stil hat. Bestellen ist für Progger Pflicht!

Note: 9,0/10

[Frank Jaeger]


Aber Frank, Prog ist das ja eigentlich nicht wirklich, oder? Gut, den FLOWER KINGS-Vergleich habe ich nach Deinem Hinweis dann auch verstanden, aber so richtig was zum knobeln geben uns GATE 6 doch nur äußerst selten. Mich erinnert das eher ein wenig an neuere ARENA oder SYLVAN, also eine Mischung aus Melodic- und Artrock mit gelegentlichen Riffgitarren. THRESHOLD light könnte man auch schreiben. Dabei tönen GATE 6 in der Tat richtig angenehm in meinen Ohren, was vor allem am Klang (tolle, warme Produktion) und am Gesang liegt. Dennoch habe ich ewig gebraucht, um mich zu entscheiden, "God Machines" doch noch auf die acht Punkte zu hieven. Denn obwohl die Scheibe sehr eingängig ist, hat es lange gedauert, bis die acht Punkte rechtfertigenden Jubelstürme ausbrechen konnten. Aber 'Casualties Of War' oder 'Killing Me' knallen nun doch mit Verspätung rein und 'Man To Be' ist einfach nur schön.  Ob nun GATE 6 den entscheidenen Kick mehr haben als die Vorgängerbands der beteiligten Musiker und ob sie folglich mehr als nur Achtungserfolge feiern werden, das wage ich aber auch nach dem zehnten Durchlauf von "God Machines" zu bezweifeln. Der Freak-Faktor fehlt einfach völlig.

Note: 8.0/10
[Thomas Becker]

 

bandphoto

 

Eine Band hat so ziemlich alles richtig gemacht, wenn die Songs auf einem Album sofort zünden, aber weiterhin wachsen und wenn anspruchsvolle Songs trotzdem so eingängig sind, dass man jeden Ton mitsingen möchte. GATE 6 haben genau solch ein Album aufgenommen, das eigentlich nur aus Hymnen besteht. Quasi im Vorbeigehen meistern sie dabei sowohl schwelgerische Parts als auch harte Nummern. Ach, ja, die elektronischen Sounds aus dem Keyboard von Jan Koster geben der Musik eine wunderbare Note, ohne aufgesetzt zu wirken, daran scheitern meiner Meinung nach viele Bands dieses Genres. Bei GATE 6 klingt all das so spielend leicht, dass man kaum Ansatzpunkte für Kritik findet. Im Gegenteil, es lässt sich noch viel mehr Positives über "God Machines" berichten. Auch wenn natürlich besonders die Progger große Freude an diesem Album haben dürften, erschließen sich die elf Songs auch für Fans anderer Sparten. Frickel-Einlagen bleiben nämlich genau so im Schrank wie verkopfte Passagen oder zu viel Pomp. Und nach etlichen Durchläufen mehr als bei Notenabgabe, würde ich mittlerweile sogar eine höhere Note zücken.

Note: 9.0/10
[Nils Macher]



Wir haben es hier mit einem wunderbar zugänglichen Album zu tun. "God Machines" funktioniert beim ersten Durchlauf schon bestens, kann bei den nächsten Durchläufen aber auch noch einiges zulegen. Der Sound ist wunderbar und klar, die Songs sind dabei vollkommen unaufgeregt und natürlich komponiert, das Klavier sowie sonstige Spielereien sind dezent und passend eingesetzt. Zudem ist der Gesang kraftvoll und würde sich auch auf einem Hardrock-Album mehr als gut machen. Ich kann das allerdings kaum noch als Prog bezeichnen, denn selbst die Elemente, die mittlerweile "konventionellen Prog" ausmachen, fehlen bei GATE 6 meiner Ansicht nach. Mir kommt viel eher "Melodic Rock/Metal" in den Sinn und fühle mich beim Hören des Öfteren an AVANTASIA erinnert, was vor allem auch an der Stimme von Erik Masselink liegt, welche in den hohen Lagen der von Tobias Sammet ähnelt - und ich möchte an dieser Stelle ganz ausdrücklich sagen, dass dieser Vergleich absolut nicht negativ gemeint ist. THRESHOLD passt als Vergleich aus dem Prog-Sektor wohl noch einigermaßen, denn schließlich machen diese auch sehr eingängige Musik ohne jegliche "Passagen der Selbstdarstellung". Dass "God Machines" aber nicht an deren letztes Werk heranreicht, liegt natürlich zum einen an der Klasse von "March Of Progress", aber zum anderen auch daran, dass manche Übergänge bei GATE 6 etwas gewollt klingen - so als wären Einzelteile zusammengeschustert worden. Aber das ist dann auch der einzige wirkliche Kritikpunkt eines ansonsten starken Albums. Wer mit den genannten Bands etwas anfangen kann, sollte reinhören!

Note: 8,0/10
[Oliver Paßgang]

 

Bei Olivers AVANTASIA-Vergleich muss ich dann doch ein wenig schlucken. Besonders leicht ist mir der Zugang zu "God Machines" auch nicht gefallen. Trotzdem komme ich in der Gesamtschau zu dem gleichen Ergebnis wie der Kollege Passgang: Wir haben es hier mit einem Album zu tun, das sehr stark ist, aber den Sprung in die Weltklasse knapp verpasst. Vom ersten Ton an fühlte ich mich emotional hingezogen zu GATE 6 und ihrer Musik. Das mag daran liegen, dass Erik Masselink vor mehr als einer Dekade mein allererster Interview-Partner für ein Online-Magazin war. Damals hatte er gerade mit SYMMETRY ein grandioses Album namens "Watching The Unseen" hingelegt. Dieser Sympathiebonus sollte aber nicht zum Blick durch die rosarote Brille führen. Ja, "God Machines" ist ein sehr schönes, nachdenklich-melancholisches und ästhetisch wertvolles Stück Musik, das klingt wie eine Mischung aus THRESHOLD (gell, Olli!) und dem Smooth Prog Rock/Pop, den das rührige Heidelberger Label Quixote Music gelegentlich unters Volk zu bringen pflegt (POOR GENETIC MATERIAL oder TEA FOR TWO anyone?). Doch im Gegensatz zum aktuellen Meisterwerk des britischen Schwellenwerts erscheint "God Machines" nicht ganz so kohärent und durchkomponiert. Dabei kommen dann solche Großartigkeiten wie 'Father Son' und 'Casualties Of War' heraus, aber eben auch seltsam selbstreflektierende, mir immer wieder aus den Händen gleitende Stücke wie 'Man To Be' oder 'Turn The Page' heraus. Wahrscheinlich ist das sogar alles so gewollt. Bei mir persönlich will sich aber der vollkommene Hörgenuss nicht einstellen. Das sollte aber keinen, der aktuellen Light Prog oder auch alte GENESIS mag, davon abhalten diese Scheibe mal anzuchecken.

Note: 8,0/10
[Martin van der Laan]

Redakteur:
Thomas Becker

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