Gruppentherapie HIGH SPIRITS - "Motivator"

11.10.2016 | 11:03

Diese Band ist bis in die Haarspitzen motiviert!

Der Sommer hat sich langsam dem Ende zugeneigt, doch nach wie vor stehen alle Zeichen voll auf Rock. Denn HIGH SPIRITS tritt in die Fußstapfen der erfolgreichsten Fußballtrainer und stellt nicht nur den souveränen Soundcheck-Sieger des Monats September inklusive Jubelreview, sondern liefert für viele auch den nachhaltigsten Stimulus für Bewegung, gute Laune und sportlichen Siegeswillen. Oder gibt es vielleicht doch auch Leute, die beim Hören von "Motivator" lieber in ihrem Nest hocken bleiben wollen anstatt ins Freie zu streben? Die Gruppentherapie findet wie immer Antworten.

Nach einer Runde SKALMÖLD (Anm. T.B.: Michael wurde vom leicht sadistisch veranlagten powermetalianischen Cheftherapeuten höchstselbst dazu verdonnert, ein Album noch einmal anzuhören, auf das er 1,5/10 Punkten gegeben hat.) kann es nur ein Album diesen Monat geben, das meine Aggressionen in beste Laune verwandelt: "Motivator"! Und dieser Name ist hier sowas von Programm. Ein kurzes Intro und sofort leuchten die Augen. 'Flying High' ist aber auch mal ein Opener, der einen in die Luft hebt, ein paar Mal um die eigene Achse dreht und wie ein debil grinsendes Kleinkind zurück auf den Boden setzt. Und dann geht's nahtlos weiter mit Über-Überhits wie 'This Is The Night' und 'Reach For The Glory', zwei Songs, die auch nach Tagen einfach nicht das Ohr verlassen wollen. Die Gitarren bewegen sich wieder absolut zielsicher in den Gehegen von NWoBHM und (Classic-)Rock, dazu die Stimme des Herrn Black, der - seinem Namen zum Trotz - klingt wie ein vertonter Quell der Freude. Eigentlich braucht man zu der Platte gar nicht viel mehr zu schreiben, sondern eher dem Hörer folgenden Vorschlag zu unterbreiten: Lieber Heavy-Metal-Fan, tu dir einfach was Gutes, setz dich für eine halbe Stunde in dein Auto, kurble das Fenster runter, such dir eine schöne Landstraße und dreh verflucht noch mal dein Radio auf laut! Und wenn du nach der abschließenden Ode an die Freundschaft ('Thank You') nicht im Kreis grinst, ist dir wahrlich nicht mehr zu helfen, und du solltest dir lieber ein dunkles Kellerloch suchen! Oder um es mal geradeaus auf den Punkt zu bringen: "Motivator" ist das Heavy-Metal-Album des Jahres und sollte in einer gerechten Welt ziemlich bald Klassikerstatus erhalten!

Note: 10,0/10
[Michael Meyer]

Irgendwie verwundert es mich keineswegs, dass die Chicago-Schwermetaller von HIGH SPIRITS ein derart gutes Positiönchen erreichen konnten. Eine spitze Klampfenarbeit hier, toller Gesang dort und mit 'Flying High', 'Reach For The Glory' sowie 'Haunted By Love' hat Chris Black darüber hinaus Hymnen aus dem Boden gehievt, die sich schnurstracks festsetzen. "Motivator" macht seinem Titel dabei alle Ehre, weckt auch die müdesten Lebensgeister und hat enorm viel Potential. Doch der Spaß ist aufgrund der Spielzeit enorm kurzfristig, denn bevor die totale Euphorie aufkommen kann, fängt die Platte mit 'Up And Overture' wieder von vorne an. Hier wäre definitiv noch Platz gewesen! Dies ist neben dem nicht ganz so knackigen 'Take Me Home' für mich dann auch der einzige Wermutstropfen eines ansonsten guten bis stellenweise sogar sehr guten Albums, das von Durchgang zu Durchgang noch weiter wächst.

Note: 8,0/10
[Marcel Rapp]


Ich glaube, es ist für den Heavy-Metal-Fan die leichteste Übung, einem Album, das ihm gerade besonders gut gefällt, mal eben so den Klassiker-Status zu verleihen. Also sowas wie "Ride The Lightning" oder "Gutter Ballet". Ist "Motivator" wirklich aus demselben Holz geschnitzt, lieber Michael? Ich denke, wir lassen lieber mal die Kirche im Dorf und erfreuen uns eher an bester Sommersport-Musik.

Rückblick: Rock-Hard-Festival 2012, bestes Wetter, beste Laune und auf der Bühne zockt eine wahnsinnig sympathische Band namens HIGH SPIRITS eine ebenso lebensfrohe Musik, dass ich mit Gänsehaut im Nacken gleich zwei Biere auf einmal trinke. Es war ein großes "Das Leben ist schön"-Gefühl, an das ich gerne zurück denke! Leider hat das auf Platte und im Wohnzimmer nicht ganz so funktioniert mit HIGH SPIRITS und mir. Das konnte AUDREY HORNE - eine stilistisch mittlerweile sehr ähnliche Band - besser. Mit "Motivator" ist das aber anders. Es funkt. Ich will raus. Ich will mich bewegen. Ich will Leben. Ich will berühmt sein. Ich will nach Ruhm und Ehre streben. Ich will von der Liebe verfolgt werden. Ich will der Größte sein. Für eine halbe Stunde klappt das alles. HIGH SPIRITS, thank you!

P.S.: Ich habe mich bei der Notenabgabe vertan. Ehrlich. Verklickt. "Motivator" ist (und war schon beim ersten Durchlauf) eine dicke fette Acht mit Tendenz nach oben. Und über den "Klassiker" unterhalten wir uns dann in zehn Jahren, lieber Michael. Das hängt nämlich auch davon ab, wie viele Leute sich noch so von HIGH SPIRITS motivieren lassen. Bis dahin rocken wir die Bude!

Note: 8,0/10
[Thomas Becker]

Auch wenn es dem einen oder anderen wie Erbsenzählerei vorkommen mag: Auch ich habe mich wie Thommy schon mal bei HIGH SPIRITS vertan. Ich ärgere mich nämlich noch heute darüber, dass ich dem Debüt Ende 2011 im Soundcheck "nur" 8,5 Punkte gegeben haben. Im Laufe der nächsten Wochen hat das Teil bei mir noch mal eine Zündstufe nachgelegt, so dass ich heute mindestens eine glatte 9, wenn nicht gar eine 9,5 geben würde. Dabei ist die Musik, die Metal-Pharaoh Chris Black unter dem Label HIGH SPIRITS produziert, bestimmt nicht schwer zu begreifen. Das ist auch anno 2016 auf "Motivator" superfett rockender, komplett staubfreier NWoBHM-Stoff bester Sorte mit weit aufgespannten Earcandy-Melodiebögen, dem bei aller Power immer die Sonne aus dem Popo scheint. Die Grundgerüste der Songs sind meist denkbar unspektakulär, aber in Chris' Händen entsteht daraus etwas Magisches, Mitreißendes und wahrhaft Großartiges. Strahlende Klarheit und Natürlichkeit machen diese wunderbaren Melodien zu hartnäckigsten Ohrwürmern. Die flotten, spartanischen Riffs unterstützen hauptsächlich die atemberaubenden Gesangslinien, welche die Lieder ebenso leichtfüßig wie trittsicher tragen. Aufgefüllt wird das Ganze mit ein paar gedoppelten Leadgitarren der Marke THIN LIZZY und fertig ist ein Sound, der einfach wahnsinnig gute Laune macht und super geeignet ist zu so ziemlich allem, vom Autofahren, übers Tapezieren bis hin zur Beschallung des Grillabends mit Freunden - habe ich alles selbst ausprobiert! Natürlich ist das nicht ultraheavy, nicht innovativ und was weiß ich noch alles nicht. Interessiert mich aber nicht die Bohne. HIGH SPIRITS fuckin' rockz! Ein bisschen Wasser muss ich aber doch in den Wein gießen, denn das Debüt war noch eine Ecke frischer und unbekümmerter, und manche Melodien von "Motivator" wirken allzu arg recycelt von eben jenem Jung-Klassiker (sic!) "Another Night". Darum gibt's wieder "nur" 8,5 Punkte, dieses Mal zu Recht.

Note: 8,5/10
[Martin van der Laan]

Da hat mich Cheftherapeut Thommy also dazu auserkoren, in dieser Runde den Grummelgriesgram zu geben, habe ich unserem Monatssieger mit meinen dreisten siebeneinhalb Zählern doch glatt in die Hochzeitssuppe gekleckert. Und warum? Nun, weil die Scheibe, so lange sie läuft, zwar schon irgendwie Spaß macht, aber weil sie eine Halbwertszeit hat wie eine Schüssel Popcorn beim Kindergeburtstag. Bei den Jubelarien allerorten und allenthalben, und der klassisch-traditionellen Heavy-Rock-Ausrichtung der Band sollte ich doch eigentlich mit einstimmen in die Huldigungen, aber ich, Herrschaftszeiten aber auch, hock hier in meinem Nest und frag mich, ob sie das denn öfters machen, dieses Huldigen.

Klar, den in elysischen Sphären schwebenden Kollegen ist sicherlich zuzugeben, dass die gefühlt dreiunddrölfzigste Soloschote des PHARAOH-Trommlers Chris Black mit ihren positiv und energisch rockenden Ohrwürmeleien für gute Laune und einen Hang zum Mitsingen sorgen mag. Auch die Tatsache, dass sich der Herr eine richtig fein natürliche Produktion eingetütet hat, will ich gar nicht verleugnen, auch wenn sie nicht ganz so hoch-energetisch rockt, wie die Band uns selbst glauben machen möchte. Dazu ist es dann doch ein wenig zu zahm und nett. Hier ein wenig NWoBHM-Leadgitarren-Worship, dort rockt bluesig das U.F.O. und zwischendurch riffen die Gitarren simpel punkig durch die Lauscher, aber was bleibt am Ende vom vermeintlich tollen Songwriting? Nun, vielleicht tatsächlich zu gutes Songwriting und zu viel Flutschi auf den Hooks, denn die rutschen durch die Löffel wie das Spiegelei durch die Teleshop-Pfanne mit dem patentierten Lotuseffekt. Sind sie dann noch Haken, wenn sie flutschen? Fragen über Fragen.

Mal abgesehen von der Produktion, bei der die Black'sche Nase doch eine Länge voraus ist, liefert uns die Hochgeistigkeit aus Illinois im Endeffekt nicht viel anderes als Koggenkäpt'n Rolf mit seinen Projekten TOXIC TASTE und GIANT X: Hier leicht glamourösen, dort dezent punkigen, stets jedoch massiv eingängigen Powerrock, der in jedem zweiten Song der kommenden - oder vergangenen - Nacht huldigt. Uns-Rolf wurde von der heimischen Szene dafür nahezu unisono ausgelacht, den Chris feiert sie. Da ich so Zeug ja nie wirklich schlecht finde, gibt's für HIGH SPIRITS von mir auch die gute Sieben plus, aber ein Album des Jahres? Leute? Ich bitte euch! Das darf dann gern auch Widerhaken, Ecken, Kanten, Charisma und ein wenig mehr Punch haben, und all das hat der "Motivator" nun wirklich nicht im Überfluss.

Note: 7,5/10
[Rüdiger Stehle]

Redakteur:
Thomas Becker

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