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Gruppentherapie JUDAS PRIEST - "Firepower"

25.03.2018 | 22:40

Der Metal God eröffnet das Feuer und alle sind begeistert, aber auch zu Recht? Zumindest hört man den allgemeinen Tenor und kann sich das zufriedene Grinsen ob der Rückkehr des Schwermetall-Flaggschiffes nicht verkneifen. Hätte man das nach "Redeemer Of Souls" noch erwartet? Auch wenn selbst solch ein formidables Riff-Feuerwerk wie "Firepower" PRIMORDIAL nicht vom Thron stoßen kann, ist JUDAS PRIEST wieder in aller Munde. Auch in unserer Redaktion:


Die Priester sind zurück, und das neue Album wird in allen Gazetten abgefeiert, als hätten die Jungs eben ein Seelenbuch abgeliefert. Ist das angemessen? Oh, und wie es das ist. Sind wir mal ehrlich: Nach "Painkiller" gab es nur noch ein wirklich durchgehend starkes JUDAS-PRIEST-Album, nämlich die Halford-Comeback-Scheibe "Angel Of Retribution". Alles andere war langweilig oder teilweise sogar richtig enttäuschend. Andy Sneap haucht mal wieder einer Band neues Leben ein (sorry an alle Sneap-Basher, der Typ ist doch eigentlich genial), und die Gitarren klingen so grandios wie seit dem Schmerzmittel nicht mehr. Dabei ist der Sound nie zu druckvoll oder modern. Aber ihr wollt ja keinen Sermon über den Sound lesen. Am meisten begeistert mich, dass JUDAS PRIEST erstmals seit 2005 wieder Hits am Start hat, die im Ohr hängen bleiben - 'Evil Never Dies' ist eine echte Rob-Nummer, fein gesungen. 'Never The Heroes' hätte auch auf etlichen Mitt-Achtziger-Alben eine gute Figur gemacht. 'Rising From Ruins' ist packend aufgebaut und sicher der Hit des Albums, aus meiner Sicht ist die beste Nummer aber das rhythmisch herausragende 'Spectre'. Und 'Traitors Gate' klingt besser als der aktuelle gleichnamige (gute) Song von VISIGOTH. Keine Frage - nicht alle 14 Songs halten dieses schwindelerregende Niveau, aber aus meiner Sicht ist klar: Wir haben es mit dem besten PRIEST-ALBUM seit 28 Jahren zu tun.

Note: 9.5 / 10
[Jonathan Walzer]

Auch wenn ich im Fazit mit Jonathan durchaus konform gehe, sehe ich vieles doch anders als er. Ja, vielleicht ist "Firepower" das beste PRIEST-Album seit "Painkiller", aber die große Jubelarie, die er loslässt, wird man mir nicht entlocken können. Denn neben Höhepunkten wie das erwähnte 'Rising From Ruins', das Balladeske 'Sea Of Red' und das zu Beginn an MANOWARs 'Battle Hymn' erinnernde 'Traitors Gate', gibt es eben auch nicht so gelungene Songs wie das eher öde 'Children Of The Sun' oder die im Refrain mächtig abstürzenden 'Flame Thrower' und 'Necromancer'. Dazu hat eben auch keine Nummer wirklich das Niveau der ganz großen Hits wie 'The Sentinel', 'Beyond The Realms Of Death', 'Victim Of Changes', 'Between The Hammer & The Anvil' oder 'Love Bites'. Selbst die beiden besten Songs nach "Painkiller", namentlich 'Bullet Train' und 'Cathedral Spires' von "Jugulator", werden nicht erreicht. Nein, ich glaube, das Album profitiert sehr von der niedrigen Erwartungshaltung, die ich - und sicher viele andere - nach dem doch sehr durchschnittlichen "Redeemer Of Souls" hatte. Denn im Vergleich zum direkten Vorgänger ist "Firepower" eben doch ein Quantensprung und es macht auch wirklich Spaß das Album zu hören. Ein zukünftiger Klassiker ist es aber nicht.

Note: 8.0/10
[Peter Kubaschk]

So ganz kann ich die Euphorie, die einige beim Hören der neuen Priesterplatte verspüren, ja nicht ganz nachempfinden. Dafür gibt es zu viele Längen. Aber man muss das Ganze wohl historisch sehen, die von Peter angesprochene Erwartungshaltung erklärt da Vieles. Ich bin kein beinharter JUDAS PRIEST-Jünger und habe mir die Alben nach der "Angel Of Retribution" (die ich ganz nett fand) wegen der wenig motivierenden Resonanz erst gar nicht besorgt. "Firepower" hat mich dann natürlich neugierig gemacht. Und lässt man - sofern das möglich sein sollte - das Alter und den Status der Band mitsamt allem Anderen beiseite, ist es in meinen Augen einfach ein ordentliches Heavy Metal-Album. Es gibt verdammt gute Passagen und Lieder darauf, wie zum Beispiel das wunderschöne 'Traitors Gate' mit Gänsehaut-Gesang und Über-Solo. Auch 'No Surrender' gefällt mir gut und lässt man den Refrain weg, überzeugt auch der Titeltrack. Das ist ohnehin ein wunder Punkt des Albums: Das geniale 'Flame Thrower' wird ebenfalls durch einen langweiligen Refrain entstellt. Aber der Rest? Zu viel schon mal gehört, zu viel Wiederholung. Wenn man allerdings bedenkt, dass bisher jeder Redakteur andere Höhe- und Tiefpunkte genannt hat, wird klar, dass man das auch nicht überbewerten sollte. Das beste PRIEST-Album seit 28 Jahren ist aber auch wirklich keine Kunst, und mir nicht mehr ganz acht Punkte wert. Da höre ich lieber weiterhin die älteren Scheiben.

Note: 7,5 / 10
[Jakob Schnapp]

Das neue PRIEST-Album ist definitiv kein Grower, ganz im Gegenteil. Vielleicht liegt es auch an der niedrigen Erwartungshaltung, aber "Firepower" hat bei mir direkt gezündet. Interessanterweise tauchen nach mehrmaligem Hören eher ein paar leichte Mängel und Füller auf, die man in der ersten Euphorie einfach überhört zu haben scheint. Trotzdem ist der aktuelle Rundling in seinem Gesamtwerk das beste Album seit "Painkiller". Und wer schafft es heute noch auf Albumlänge (immerhin 14 Titel), Dynamik und Faszination hoch zu halten? Eben. Die Engländer haben sich hörbar ihre eigene musikalische Vergangenheit noch einmal zu Gemüte geführt und die Stärken fein säuberlich herausgearbeitet, denn viele der neuen Nummern gehen auch als kleine Huldigungen an die Glanztaten alter, seliger Tage durch. Kein Problem, Innovation hatte eh niemand wirklich erwartet und Songs wie 'Lightning Strike', 'Rising From Ruins', 'Evil Never Dies', 'Spectre' oder das Titelstück sind Songs, die auch heute super funktionieren und jede Setlist bereichern (und erschweren). Die Produktion ist amtlich (und nicht zu modern), die Klampfen braten ordentlich und auch der Metal God geht nicht nur (wie auf den letzten Scheiben) auf Nummer Sicher, sondern gelegentlich an seine heutigen Leistungsgrenzen. Lässt man mal die Rosa-Rote-Nostalgiebrille im Schrank, kann "Firepower" mit den Bandklassikern mithalten und im internen Ranking sogar ein erhebliches Wörtchen mitreden. Hätte nicht gedacht, dass Halford und Konsorten noch ein solches, auch heute noch relevantes Scheibchen veröffentlichen würden. Chapeau.

Note: 8,5/10
[Chris Staubach]

Hätte "Firepower" zwei, drei Songs weniger im Gepäck, wäre es ein Hammer-Album geworden. So ist die mittlerweile 18. Studioplatte von JUDAS PRIEST "lediglich" sehr gut. Doch was genau macht die Kraft des Feuers derart gut? Ich muss sagen, dass ich nach "Redeemer Of Souls" ein wenig die Hoffnung aufgegeben hatte. Zum einen war die Produktion einfach nicht PRIEST-würdig, zum anderen gab es zwar gute Songs, aber wirklich perfekt ins Licht gerückt wurden sie auch nicht. Doch dann kam 'Lightning Strikes', das erste musikalische Lebenszeichen nach vier Jahren, und sofort stand fest, dass die neue Platte zumindest den alten Spirit aufleben lassen könnte. Und das tut "Firepower". In Stahl geschmiedete Riffs, ein Rob Halford in bemerkenswerter Form und Songs, die sofort zünden. Ich glaube, dass ein gewisser Richie Faulkner seine Finger tatkräftig im Spiel hatte und der Band zu einer Frischzellenkur verhalf, die auf dem Vorgänger noch nicht recht zum Vorschein kommen wollte. Fakt ist, dass Johnny Recht hat: "Firepower" ist das beste Album seit "Painkiller", obgleich ich als großer Freund von "Angel Of Retribution" die letzten 28 Jahre nicht einfach vergessen kann.

Note: 9,0/10
[Marcel Rapp]

Redakteur:
Raphael Päbst

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