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Gruppentherapie SUMMONING - "With Doom We Come"

24.01.2018 | 13:51

Die Tolkien-Mystiker SUMMONING sind zurück und präsentieren mit "With Doom We Come" wieder ein Album voller Epik, Finsternis und Fantasy gehüllt in ein Gewand aus schwarzmetallischer Raserei. Doch die Reaktionen in unserer Redaktion fallen durchaus gemischt aus, denn nicht allen Redakteuren gefällt die urige Herangehensweise der beiden Österreicher an die Produktion ihrer Silberlinge. Doch lest selbst.

Ich mag SUMMONING. Ich mag auch "With Doom We Come". Weil ich es symphatisch finde, wie die beiden Österreicher ihr Ding durchziehen. Wem das jetzt zu platt oder promomäßig klingt, dem sei versichert, dass das Album auch dann großartig wäre, stammte es von einer anderen Band. Ich kann mit Ambient wirklich nichts anfangen, aber dieser hypnotische Strudel ist dermaßen faszinierend, dass ich mich sogar mit den Keyboardteppichen anfreunden kann, die - logischerweise - auch hier wieder vertreten sind. Schwarzmetallische Versatzstücke finde ich ebenfalls, nicht nur im Gesang, auch in der Gitarrenarbeit. Die Produktion ist nicht übertrieben fett und tönt daher passend charmant ...ähh... günstig. So muss das! Generell hört sich "With Doom We Come" zu keiner Zeit wie das achte Werk einer Band an, sondern versprüht immer Debüt-Atmosphäre. Und das meine ich absolut als Kompliment! Gefühl kommt eben vor Perfektion, Mut vor Sicherheit und feinste Melodien, gepaart mit schwarzmetallischer Garstigkeit, rennen beim geneigten Hörer offene Türen ein. Kollege Päbst beschreibt es in seiner Rezension zu 100 Prozent genau, dieses SUMMONING-Gefühl. Unlogisch, paradox, kaum erklärbar, aber diese Band ist schlicht und ergreifend genial. Und so auch dieses Album.

Note: 10/10
[Jakob Schnapp]

 

Werte Kollegen, ich verstehe euch. Ich verstehe das. Dass es Musikmomente gibt, die man in ihrer Faszination und ihren Auswirkungen nicht erklären kann. Einerseits ist es einem bewusst, dass das irgendwie "sehr einfach", "sehr schräg" oder auch sehr "durchgeknallt" ist. Fast ist man angehalten, sich für dieses Gefühl und seine Euphorie öffentlich zu entschuldigen. Aber warum? Ist doch schön, wenn Tonfolgen, Schichtungen und Abfolgen und Assoziationen einen die Kontrolle vergessen lassen. Auch ich habe da einige dieser Beispiele, die ich mit verstohlenem Seitenblick in die Abspieler schmuggele und dafür von meinen Mitmenschen mindestens verständnislos, mit leerem Blick gemustert werde. Die muss ich mal raussuchen, spontan fallen mir da die Neunziger-Jahre-Bands, auf zerschundenen CDs im Second Hand nachgekauft, ein, die ich hüte, wie Kinder: BIVOUAC und GODHEAD.
Beim Hören dieses Fantasy-Albums von SUMMONING habe ich das auch versucht nachzuvollziehen. Allein, es gelingt mir nicht. Dafür, dass hier so weite Welten der Urviecher, Bösewichter und Weltenkämpfe betreten werden, ist mir das dann doch zu steril und flachbrüstig vorhersehbar. Dem Werk des gestandenen Mordor-Duos habe ich viele Chancen gegeben, aber nachdem mich das biestige Gebrummel in den Stücken bereits mit Befremdheit erfüllte, bin ich nie so richtig dabeigeblieben, geschweige denn, eingesogen worden. Und ja, die Gitarre ist dünn und der Beat ist kunstvoll künstlich, mir aber dauerhaft zu monoton. Dafür, dass in wilden und sanften Geschichten in fernen Kopfwelten so viel an Wendungen, Irrungen und Euphorien möglich ist, ist mir die Musik von SUMMONING einfach zu eindimensional. Wahrscheinlich wirklich ein Fanalbum.

Note: 3,5/10
[Mathias Freiesleben]

 

Kollege Freiesleben und ich sind nicht gerade häufig einer Meinung, doch im Falle von "With Doom We Come" muss ich seiner grundlegenden Aussage zustimmen. Denn auch wenn die neue Scheibe des österreichischen Duos SUMMONING durchaus einige spannenden Momente präsentiert, so ist das Material im Großen und Ganzen doch leider fürchterlich eindimensional. Zum Teil mag das sicher auch an der sehr gewöhnungsbedürftigen Produktion liegen, die unter normalen Umständen wohl nur für das erste im Proberaum produzierte Album einer jungen Band angemessen wäre. Hier wirken die bewusst spartanische Produktion und vor allem der fürchterliche Gitarrensound allerdings reichlich fehl am Platz und schmälern so den Hörspaß doch deutlich. Natürlich kann man das den Österreichern jetzt als "ihr Ding durchziehen" anrechnen und gernerell den Low-Budget-Ansatz loben, der für viele ja noch immer zu einer echten Black-Metal-Scheibe gehört, doch eigentlich hat SUMMONING musikalisch dafür viel zu viel Interessantes zu erzählen, als dass die feinen Ideen im Einheitsbrei der schwachbrüstigen Produktion untergehen dürften. Unter dem Strich komme ich dank dieser vielen interessanten Ansätze nicht zu einem ganz so vernichtenden Urteil wie mein Vorredner, doch zu mehr als gut gemeinten fünf Punkten reicht es auch bei mir nicht.

Note: 5,0/10
[Tobias Dahs]

SUMMONING polarisiert. Die österreichischen Mittelerde-Veteranen klingen wie BATHORY, CRUACHAN und der Conan-Soundtrack im wilden Mix, und aus meiner Sicht gelingt dieser Mix auf "With Doom We Come". Da mich soundmäßig nur wenig jagen kann, stört mich die Produktion hier kaum, außer das etwas künstlich klingende Schlagzeug. Das Songwriting ist nicht überragend, aber es ist auch keine Ambient-Katastrophe. Hier wird doomig-epischer Viking Metal mit Flöten und etlichen Poledouris-Anspielungen geboten, der für mich stimmig ist. Ich gebe zu - etliche frühere Alben fand ich schon einen Tick stärker, aber wer auf SUMMONING steht, kann mit dem neuen Album echt nichts falsch machen. Eine große neue Fanschicht wird damit aber auch nicht anzusprechen sein. Dafür ist das dann doch zu speziell. Ich find's gut, muss das aber jetzt auch nicht abfeiern.

Note: 7,5/10
[Jonathan Walzer]

Redakteur:
Tobias Dahs

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