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Gruppentherapie TAAKE - "Kong Vinter"

04.12.2017 | 17:14

Spannender Black-Metal-Release oder doch eher durchschnittliche Genre-Kost? Unsere Soundchecker waren sich in dieser Frage beim aktuellen TAAKE-Album "Kong Vinter" nicht wirklich einig und vergaben so ziemlich jede Note zwischen 8,5 und 5,0. Grund genug für unsere Gruppentherapeuten dem aktuellen Werk von Mastermind Hoest noch einmal genauer auf den Zahn zu fühlen, um zu klären, ob der Silberling nun in die Sammlung gehört oder nicht.

Ich kann mich nicht erinnern, wie lange es her ist, dass ich bewusst mal TAAKE gehört habe. Mit "Kong Vinter" erscheinen Hoest und Co. wieder auf der Bildfläche und bescheren uns 50 Minuten klirrenden, aber durchaus auch melodischen Black Metal auf gehobenem Qualitätsniveau. Wer seinen Black Metal norwegisch mag, aber Blicke nach Schweden oder das neuzeitliche Polen nicht schlecht findet, kann hier eigentlich nichts falsch machen. Um im Black-Metal-Zirkus wirklich herauszustechen, braucht es aber auch mal den ein oder anderen Hit, eine Nummer, die sich einfräst und die dich nicht mehr loslässt. Ein Überhit geht der Scheibe aber leider ab. So kann ich insgesamt nur feststellen: TAAKE ist ein gutes Black-Metal-Album gelungen, es gibt die eisig-schneidenden Gitarren, die dieses Genre ausmachen, und ein paar richtig fiese Riffs. Auch Hoests Screams gehen unter die Haut, und das Schlagzeug wird in atemberaubendem Tempo ruiniert. Aber zur Champions-League-Quali fehlt der ein oder andere Hit.

Note: 7,5/10
[Jonathan Walzer]

 

Wer mich auch nur ein bisschen kennt, weiß dass ich mit Black Metal im Grunde nichts anfangen kann. Normalerweise löst die Schwarzkunst bei mir die gleichen Emotionen aus, wie Verkehrslärm. Es ist in den meisten Fällen ein für mich undurchdringbares Getöse, dessen Einzelteile Kreischen, hektisches Schlagzeuggekloppe und undifferenzierte Flirr-Gitarre zu einem einzigen Rauschen verwaschen. Oft geht es mir tierisch auf den Geist, diese Musik länger als zehn Minuten am Stück zu hören, falls es nicht ganz so schlimm kommt, dann ist sie mir wenigstens völlig egal. Und jetzt kommt da ein Album namens "Kong Vinter" daher, das ich vorm ersten Durchlauf schon als "nicht mein Ding" abgestempelt hatte. Ich war geradezu schockiert, als mir die Musik dann von Anfang an tatsächlich gefiel. Was ist denn nun los? Sind meine Ohren durch ein Jahr soundcheckverschuldetem Befassen mit extremem Metal inzwischen so zerstört, dass mir gar TAAKE gefällt? Oder ist das hier einfach nur nicht der Standard-Black-Metal, den ich vermutete. Ein Blick auf die Historie des norwegischen Ein-Mann-Projekts ließ mich an zweiter These zweifeln. These eins konnte ich ausschließen, als ich kurz danach DOLCH hören musste. Also warum gefällt mir Weichspülmetaller "Kong Vinter" so ausgesprochen gut? Zunächst fällt auf, dass die Musik zwar ausgesprochen böse aus den Boxen drückt, doch wunderbar differenziert produziert wurde. Ich kann die Instrumente unterscheiden! Es geht nicht jede Struktur durch ADS-Beckenschlägerei verloren, der harsche Gesang ist beinahe verständlich, die Riffs vollkommen nachvollziehbar (und richtig stark!). Zudem verwebt Herr Hoest hier derart viele Melodien und Spielereien in den sich mal langsamer, mal schneller entwickelnden Songs, dass sich so manche Band aus den mir bevorzugten Genres "Kong Vinter" mal ganz genau zu Gemüte führen sollten. Und während Kollege Walzer einen oder zwei Überhits vermisst, kristallisiert sich für meine Ohren der Doppelschlag 'Huset i havet' / 'Havet i huset' als der Höhepunkt eines Albums heraus, das mich durch mein Büro tänzeln lässt. Wenn sich meine Ohren voll mit diesem Klangbild akklimatisiert haben, könnte die Note gar noch steigen. Ich bin schwer angetan.

Note: 8,0/10
[Marius Lühring]

 

Im Gegensatz zu meinem Kollegen Marius kann ich mit der schwarzmetallischen Musikkunst durchaus etwas anfangen und hatte auch Zeiten, in denen ich fast nur Black Metal gehört habe. Jedoch muss ich zugeben, dass ich TAAKE eigentlich immer nur nebenbei durch meine damaligen Bandkollegen mitbekommen habe. Lediglich der Song 'Umenneske' vom selbstbetitelten Album aus dem 2008 ist mir in Erinnerung geblieben, der Rest ist auch nach drei gemeinsamen Konzerten mit TAAKE nichtmal ansatzweise hängengeblieben. Gleiches Schicksal dürfte bei mir auch "Kong Vinter" erleiden. Hier liefert Hoest ordentlichen Black Metal norwegischer Art, der mal atmosphärisch, mal schnell und mal melodisch daher kommt. Mir fehlt auf "Kong Vinter" aber ein Wiedererkennungswert. Mir fehlt ein geiles Riff, wie es besagtes 'Umenneske' damals hatte, mir fehlt das Besondere. Alles ist ordentlich gemacht, aber ordentlich alleine reicht meines Erachtens nicht, um dauerhaft den Weg in den CD-Player zu finden. "Kong Vinter" dürfte bei mir mit dem Ende dieser Zeilen in Vergessenheit geraten und es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht schaffen, nochmal von mir angehört zu werden.

Note: 6,5/10
[Mario Dahl]

 

Also meine lieben Kollegen, seit wann suchen wir denn auf Black-Metal-Scheiben nach Hits? Ich glaube, bei dieser Aussage rollen sich bei jedem alteingesessene Schwarzmetaller glatt die Fußnägel auf. Natürlich darf auch bei dieser Metal-Stilrichtung ein gewisser Wiedererkennungswert nicht fehlen, trotzdem würde ich beispielsweise SATYRICONs 'Mother North' nicht als Hit sondern eher als Genre-Klassiker bezeichnen. Möchte man nun aber auf die Suche nach "Hits" gehen, dann ist man bei "Kong Vinter" eigentlich genau richtig, denn in Sachen Eingängigkeit lassen die Riffs und Melodien aus der Feder von Mastermind Hoest hier sogar stellenweise an die eben erwähnten norwegischen Genre-Titanen um Satyr und Frost denken. Gepaart mit einer herrlich eisigen Grundstimmung und der kantigen Stimme entstehen so einige wirklich hervorragende Tracks, wobei auch ich ähnllich wie mein Kollege Marius das Doppel aus 'Huset I Havet' und 'Havet I Huset' als absolutes Glanzlicht dieser rundum gelungenen Scheibe ausgemacht habe. An mein persönliches Schwarzmetall-Jahreshighlight "Deep Caleth Upon Deep" kommt der Silberling unter dem Strich zwar nicht ganz heran, trotzdem spielt TAAKE aus meiner Sicht auch anno 2017 musikalisch noch immer in der Champions-League und gehört damit in jede gut sortierte Black-Metal-Sammlung.

Note: 9/10
[Tobias Dahs]

Redakteur:
Tobias Dahs

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