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Gruppentherapie: CHILDREN OF BODOM - "Relentless Reckless Forever"

09.03.2011 | 09:12

Keine Band scheint den Generationswechsel der Metalfans besser zu beschreiben als CHILDREN OF BODOM; ihre alten Alben "Something Wild", "Hatebreeder" und vor allem "Follow The Reaper" wurden von der älteren Generation wegen ihrer Frische und dem Experimentierwillen der Finnen gefeiert, doch es gibt kaum Alt-Metaller, denen die neuen Scheiben gefallen. Seit "Are You Dead Yet?", spätestens aber mit "Blooddrunk" werden die Bodom-Kinder von einer jungen Generation Metal-Fans abgefeiert, die sich um die Grenze der Volljährigkeit bewegt. Kann "Relentless Reckless Forever" die alten Fans versöhnen, ohne die neuen vor den Kopf zu stoßen?

Als die CHILDREN OF BODOM 1997 zeitgleich mit HAMMERFALL wie aus dem Nichts auftauchten, galt die Espoo-Crew um Wunderkind Alexi Laiho nicht wenigen als die Offenbarung schlechthin. Bis zu "Hate Crew Deathroll" hielten die Lobeshymnen an, doch dann schieden sich die Geister an den folgenden Werken. Während der harte Kern der Fangemeinde wie in Nibelungen-Treue an die Band gekettet schien, sprachen zynisch-kritische Zeitgenossen schon längst von den CHILDREN OF BOREDOM. Wie würde es also jetzt weitergehen mit "Relentless Reckless Forever"? Nun, der erhoffte große Befreiungsschlag ist ausgeblieben und die Zweifler und Nörgler werden wohl auch anno 2011 nicht verstummen. Selbstverständlich wird dem Hörer wiederum ein handwerklich perfekter und soundtechnisch exzellent in Szene gesetzter Cocktail aus Death-, Thrash- und Symphonic-Metal serviert. Die neuen Songs gehen auch überwiegend sehr vielversprechend, lebendig und frisch los mit gepflegtem Uptempo, ein, zwei formidablen Killerriffs und großen orchestralen Andeutungen. Doch wenn die Nummern dann richtig durchstarten müssten, kommt die terminale Zündung einfach nicht. Die Strophen-Melodien bleiben seltsam blass, die Hooks wollen sich nicht ins Hirn fräsen, die Breaks rauben eher Dynamik als dass sie solche generieren und das Gekeife des Meisters setzt auch keine besonderen Akzente. Zwischendurch horcht man immer wieder auf, weil ein cooler Instrumentalpart oder eine interessante Wendung um die Ecke schauen, aber dann schreddern die Children gleich wieder zurück in den soliden, aber nicht wirklich aufregenden, konturlosen Einheitsbrei. Kurzum: Hier mangelt es einfach an vernünftigem Songwriting. Schade um all die starken Ansätze.

Note: 6,5/10
[Martin van der Laan]

Mit welcher Regelmäßigkeit ich damals "Are You Dead Yet?" rauf und runter gehört habe, grenzte schon beinahe an Sucht. Nach "Blooddrunk" jedoch habe ich CHILDREN OF BODOM irgendwie für eine gewisse Zeit aus dem Auge verloren. Mit dem neuen Schaffenswerk wollte ich den Bodom-Kindern hingegen noch eine Chance geben und ließ "Relentless Reckless Forever" für eine verdammt lange Zeit im CD-Player seine Runden drehen. Doch auch nach dem x-ten Durchlauf kann sich sowohl meine Punktzahl, als auch die Erkenntnis nur bestätigen, dass der Scheibe das gewisse Etwas fehlt. Die neuen Songs krachen zwar ordentlich, zeigen eine enorme Spielfreude und einen Melodic-Death-Metal auf hohem Niveau. Dennoch vermisse ich diesen so genannten Über-Hit, den man auf den ersten fünf Alben reihenweise vernehmen konnte. Zwar sind mehr als passable Ansätze bei Songs wie 'Pussyfoot Miss Suicide', 'Shovel Knockout' oder 'Northpole Throwdown' zu vernehmen. Eine höhere Benotung kann, aufgrund der hohen Erwartungen, die die Truppe um Herrn Wildchild automatisch mitbringt, nicht erzielt werden.

Note: 7/10
[Marcel Rapp]

"Relentless Reckless Forever" – so lautet also der Titel des neuen CHILDREN OF BODOM-Albums. Ziemlich sperrig für mein Empfinden und nicht gerade eine klangvolle Einladung, um sich hoffnungsvoll mit dem neuen Werk vertraut zu machen. Ich tue es trotzdem und bin tatsächlich positiv überrascht. Nachdem ich die letzten beiden Hatecrew-Longplayer "Blooddrunk" und auch "Are You Dead Yet" nicht gerade als Superknaller in Erinnerung behalten habe, könnte das aktuelle Scheibchen mit dem Zungenbrecher-Titel an alte Qualitäten aus der Zeit der "HATECREW DEATHROLL" anknüpfen. Mit runden 35 Minuten wie immer kurz und knapp, verbinden die Finnen vom Bodomsee in neun Tracks druckvolle Heavyness mit der nötigen Eingängigkeit. Mit 'Roundtrip To Hell And Back' und 'Cry Of The Nihilist' fabrizieren sie sogar zwei richtige Ohrwürmer. Der zur Singleauskopplung erwählte angebliche Partysong 'Was It Worth It?' hebt sich entgegen der Verlautbarungen Herrn Laihos nach meiner Auffassung nicht besonders vom üblichen Bodom-Stil ab. Aber das ist ja auch nicht nötig. Wenn man sich im zugehörigen Videoclip schon der Skater-Szene zuwendet, bleibt dem Hörer ein musikalischer Genrewechsel zum Glück erspart. Kurz gesagt: Es kanllt in alter Stärke. Das lohnt sich doch mal wieder!

Note: 8.5/10
[Erika Becker]

 

Mit den Bodom-Kindern und mir ist es seit jeher so eine Sache. Zwar hat mich das rote Debütalbum mit seinen noch starken Black-Metal-Referenzen, seiner Ästhetik und der jugendlichen Unbekümmertheit schon ganz ordentlich unterhalten, doch je länger die Band aktiv war und je mehr sie ihren Stil fand und perpetuierte, desto geringer wurde mein Interesse. Letztlich sitzt die Band zwischen den Stühlen, aber eben nicht auf eine Weise, die ich kreativ und spannend finde, sondern auf eine Weise, die nicht Fisch und nicht Fleisch ist. Für guten melodischen Metal fehlen die tollen Hooks und für tollen Death Metal die Durchschlagskraft - so bleibt STRATOVARIUS mit Schreihals, oder eben eine Band, die es sich in ihrem Bereich gemütlich gemacht hat und die natürlich auch immer wieder richtig coole Songs am Start hat, mich aber dabei nie richtig in den Bann schlägt. Genau das bestätigt auch "Relentless Reckless Forever", das es gerade am Anfang durch uninspirierte Melodien verpasst, wirklich mitzureißen. Mit dem Titelstück und dem Rausschmeißer 'Northpole Throwdown' gibt es aber auch Stücke, die das neue Album für Fans dann doch zum Pflichtkauf machen und die dem Skeptiker zumindest die Anerkennung abringen, dass die Band weiterhin das liefern kann, wofür sie viele schätzen.

Note: 6,5 / 10
[Rüdiger Stehle]

Eigentlich liegen sie ja nicht ganz auf meiner Wellenlänge, und im Gegensatz zu den "alten Fans" meine ich nicht, dass die Band nach den ersten vier Alben schlechter geworden ist. Und das, obwohl ich sie in der Tat seit dem Debüt kenne. Nein, für mich wurden sie erst interessant, als sie ihre Wildheit gegen geordneten, leicht kitschigen und nachvollziehbaren keyboardhaltigen Power Metal mit Death-Einlagen eingetauscht haben. Ich finde daher immer noch "Are You Dead Yet" und "Blooddrunk" gut. Aber was sich schon auf diesen beiden Alben andeutete - nämlich dass sie neben einer handvoll Hits meistens auch einiges an Füllmaterial auf ihren Alben haben - setzt sich mit "Relentless Reckless Forever" beinahe fort. Beinahe? Genau, denn hier fehlen die offensichtlichen Hits. Zwar gefallen mir Songs wie der Titelsong oder 'Not My Funeral' gut, aber trotzdem wirkt das Album auf ganzer Länge etwas ermüdend. Kann ein Album aus neun Füllern bestehen? Geht das überhaupt? Ich habe immer auf einen echten Höhepunkt gewartet, der aber einfach nicht kam, auch wenn 'Northpole Throwdown' nochmal aufblicken lässt, aber dann doch nicht mehr ganz die Kurve kriegt. So bleibt einfach ein gutes Album, das aber hinter den vorherigen ganz klar zurückbleibt. Aber vielleicht waren auch nur meine Erwartungen zu hoch?

Note: 7/10
[Frank Jaeger]

Redakteur:
Pia-Kim Schaper

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