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Gruppentherapie: HELLOWEEN - "Helloween"

01.07.2021 | 12:38

Die Rückkehr der erweiterten Kürbisbande scheint alle Rekorde zu brechen. Soundchecksiege, Höchstnoten, Nr. 1 in den deutschen Charts...

... ist das alles nur ein Hype, oder ist es gar wohl verdient, dass man nahezu nur Lob aus allen Ecken hört. Es scheint jedenfalls einiges dafür zu sprechen, dass der Wurf, der den Hamburgern hier gelungen ist, doch ein stattlich großer war, denn auch bei uns in der Redaktion finden selbst jene noch lobende Worte, die nun wirklich nicht als Vollzeitkürbis durchgehen, während die der Band stärker zugewandten Redaktionsnasen ja schon seit Monaten relativ steil gehen, wie unser Bericht von der Listening Session, unsere Pommesgabel mit Michael Kiske, der Rekord-Soundchecksieg und natürlich auch die Einzelrezension von Timo und schon im Vorfeld auch unser Diskographie-Check unter Beweis stellen. Etliche weitere Wortmeldungen sollen nun folgen:

Was war das für ein Hype um das nun hier vorliegende neue HELLOWEEN-Album und was hat mich selbiger absolut kalt gelassen. Klar, auch ich als Fan war von der "Pumpkins United"-Tour absolut begeistert, doch konnte ich mir nicht vorstellen, dass die vereinigten Kürbisköpfe das auch auf Platte würden bannen können. Die Single 'Skyfall' schien den Eindruck zu bestätigen, klang der Song in der gekürzten Variante fürchterlich nichtssagend. Doch wer immer diesen Single Edit verbrochen hat, gehört auf der Stelle gefeuert, denn in Gänze ist die Nummer ein absolut epischer Longtrack, der Klassikern wie 'Halloween' oder 'Keeper Of The Seven Keys' in Nichts nachsteht! Und auch der Rest des Albums packte mich beim ersten Hördurchlauf sofort am Schlawittchen und riss mich hinfort mit dem Hypetrain HELLOWEEN, dessen wilde Fahrt mir auch nach zig Anläufen noch immer jede Menge Freude bereitet. Ja, ich würde zu Beginn unserer Gruppentherapie sogar soweit gehen, die Scheibe auf eine Stufe mit dem "Keeper"-Doppel zu stellen. Bevor mich die Kollegen dafür aber an den verbalen Pranger stellen, lasst mich kurz erklären wieso ich zu dieser Aussage komme: Ohne die Verklärtheit des Klassikerstatus ist das Songmaterial auf "Helloween" nämlich beiden "Keeper"-Teilen absolut ebenbürtig, immerhin hatte auch der Doppelschlag Ende der Achtziger ein paar Lückenbüßer zu bieten (insbesondere 'Down In The Dumps' will bei mir auch nach zig Anläufen auf dem neuen Langeisen nicht zünden). Dafür strahlen die Glanzlichter umso heller ('Skyfall', 'Fear Of The Fallen', 'Out For The Glory', Mass Polution' um nur ein paar Highights zu nennen) und in Sachen Gesang ist HELLOWEEN einfach ein unfairer Cheatcode, der sämtlichen anderen Bands im Genre haushoch überlegen ist. Wo Kiske mit seiner hohen Stimme für mich manchmal nämlich etwas Biss vermissen ließ, rettet jetzt Andi Deris mit seinem unfassbar wandelbaren Organ den Tag und shoutet alles Grund und Boden. Und wenn das nicht reicht, kommt eben noch Mr. Hansen mit seinem charismatischen Gesang um die Ecke und holt die Kohlen aus dem Feuer. Fair ist das defintiv nicht und von der grandiosen Gitarrenarbeit haben wir da noch nicht angefangen. Somit fürchte ich mich jetzt schon vor einer Neuauflage des Diskografie-Checks, denn ob nun "Keeper" mit seinem Kultstatus oder "Helloween" die Nase vorne hätte, würde mir ganz schön Kopfzerbrechen bereiten. Der Posten fürs Album des Jahres dürfte dafür anno 2021 deutlich einfacher zu besetzen sein. Ergo, kann hier auch nichts anderes stehen als:

Note: 10/10
[Tobias Dahs]

Uih! Halt die Leiter fest! Jetzt hat das wohl meist erwartete Metal-Album 2021 die erste Höchstnote abgegriffen. Und ich werde das Gefühl nicht los, dass es nicht dabei bleiben wird. Die von Tobias geschilderte Begeisterung kann ich zwar irgendwie verstehen, aber halt nicht nachvollziehen. Mir fehlt vollständig die teilweise schon verklärte, romantische Sicht auf erste Alben oder Phasen von Bands. Und ohne diese Voraussetzung erzeugt eine große Nostalgie-Ankündigung oder eine plötzlich neugewonnene Back-to-the-Roots-Mentalität nur Achselzucken.
Hinzu kommt, dass bei einer Band wie HELLOWEEN, dieses nicht nur auf die glorreichen drei ersten Alben zutrifft, sondern mich die komplette Diskografie erschreckend kalt lässt. Somit kann ich zumindest für eine Fragestellung meine Einschätzung geben, nämlich ob "Helloween" neue Fans gewinnen könnte und ob es das so große Album ist, welches man als Musikfan dieses Jahr zwingend gehört haben muss.
Die Antwort ist eindeutig NEIN. Die Band feiert weiter sich und den Teutonic-Speed-Metal der 80er, welcher sich ja auch genau seit diesen Jahren nicht weiterentwickeln darf. Das war die letzten Alben schon altbacken und wird jetzt noch weiterzurückgedreht. 'Out for the Glory' ist entweder ein gottverdammter Hit oder kaum hörbar. Diese Mischung aus gepressten Vocals und kitschigen Happy-Metal-Vibes ist schon harter Tobak. Was Kiske & Co. in den Refrains veranstalten ist für mich leider durchgehend ne Spur zu sehr drüber. Hinzu kommt, dass aus der Prämisse drei Sänger zu wenig gemacht wird. Entweder man kann gar nicht richtig differenzieren wer grade singt, oder der jeweilige Frontmann versucht mit aller Kraft, seinen Slot so zu nutzen, dass es nahe dem Overacting ist. Hier tappt man leider in die gleiche Falle, wie bei unzähligen Projekten mit vielen Sängern, wo jeder versucht genau sich zu präsentieren und weniger das Gesamtkonstrukt im Sinn hat. Es gibt aber auch durchaus positive Aspekte. Die Produktion ist für diese Art von Metal einfach Weltklasse und tritt mal richtig in den Allerwertesten. Und aller Kritik zum Trotz sind 'Cyanide' und 'Best Time' richtig tolle Songs. Auch 'Skyfall' hat seine Momente, wobei man konstatieren muss, dass Kai mit GAMMA RAY durchaus schon bessere Long-Tracks geschaffen hat. Und der arg schlimme Humor ist endlich nicht mehr so präsent. Danke dafür!
Summa summarum dürfte es sich somit tatsächlich um eines der besten HELLOWEEN-Alben in der Diskografie handeln - von einem Album, das in jeder Beziehung perfekt ist, scheint es mir allerdings doch etwas weit entfernt. Und selbst wenn ich die Scheibe als Ganze wohl nie mehr hören werde, würde alles unter sieben Punkten der Qualität der Arbeit und dem technischen Können auch nicht gerecht. Deswegen ziehe ich die für mich in diesem Rahmen "bestmögliche" Bewertung.

Note: 7,5/10
[Stefan Rosenthal]

Auch ich bin, wie vermutlich der Großteil der Metal-Welt, vom aktuell neben Corona wohl meist verbreiteten Virus befallen und mir dabei ziemlich sicher, dass es nicht einmal einer Koryphäe wie Dr. Stein gelingen wird, hierfür jemals ein wirksames Gegenmittel zu entwickeln. Natürlich spreche ich vom momentan grassierenden HELLOWEEN-Virus, welches sofort bei Erstkontakt über die Gehörgänge übertragen werden kann. Mit meinen dazugehörigen Jubelarien zum absolut grandiosen neuen Album der Kürbisköpfe stoße ich sicherlich ins gleiche Horn von Jericho, wie vermutlich der Großteil meines Kollegiums. Aber dennoch sehe ich die Zusammenarbeit dieser außergewöhnlichen Musiker sowohl mit einem lachenden, als auch mit einem weinenden Auge. Betrachtet man die "Pumpkins United"-Reunion durch die rosarote Brille, scheint sich die Welt in absoluter Ordnung zu befinden. Setzt man diese allerdings ab, schmerzt das der Reunion geschuldete Ausbleiben neuer GAMMA RAY- und UNISONIC-Alben doch sehr. Zudem liegt die Vermutung nahe, dass ein etwaiger Nachfolger von "My God Given Right" aus dem Hause HELLOWEEN auch ohne Kiske und Hansen wieder einmal ganz toll geworden wäre. So bleibt unterm Strich leider nur eines anstatt mehrerer hochklassiger Werke dieser begnadeten Musiker.

Note: 9,0/10
[Mahoni Ledl]

Wer unser Magazin regelmäßig liest, der weiß, dass Kollege Frank Wilkens und ich ja schon Ende März bei der Listening Session zugegen waren, und ich denke, dass ich für uns beide spreche, wenn ich sage, dass uns das Album seither nicht mehr so recht losgelassen hat, stimmt's Frank? Seit dann einige Zeit später auch die Promo hier aufgeschlagen ist, läuft das gute Stück bei mir jedenfalls in Dauerschleife, und waren schon meine ersten Eindrücke beim Pre-Listening sehr positiv, so kann ich heute - nach knapp 50 Durchläufen - ohne Weiteres sagen, dass das Album den ersten Langzeittest ohne Weiteres bestanden und nichts von seiner unbändigen Faszination verloren hat. Meine Erwartungen im Vorfeld waren - nach der großartigen Tour und der offensichtlich tollen Stimmung im Bandlager - immens hoch, und doch liefert die Band nach meiner Einschätzung mit dem selbstbetitelten Comeback eine Lehrstunde im Übertreffen solch unglaublich hoher Erwartungen. Es vereint alle Stärken einer großen Bandhistorie und sieben außergewöhnlicher Musiker zu einem in jeder Hinsicht kreativen, fein ausbalancierten, epischen und mitreißenden Werk. So fällt es mir auch ziemlich schwer, die von Stefan vorgebrachte Kritik nachempfinden zu können, denn gerade die Wahrnehmung, dass das Album ohne romantische Verklärung der Frühzeit der Band nicht funktioniere, weil es sich vermeintlich um ein Nostalgiewerk handle oder eine Wurzelmentalität zur Schau stelle, ist für mich recht weit draußen. Auf mich wirkt "Helloween" zwar in der Tat auch durch und durch klassisch, aber trotzdem zu jeder Zeit frisch, inspiriert und motiviert. Trotzdem alle Trademarks vorhanden sind, die Helloween seit jeher ausmachen, haben wir es hier ganz sicher nicht mit einem Retro-Event zu tun, das so tut, als wäre es "Keeper III". Vielleicht ist es auch genau deshalb ein solch großes Werk geworden, das für dieses Genre weithin neue Maßstäbe setzt. Es verbindet Tradition und Moderne der Band und des Genres, es ist - wie auch Stefan sagt - absolut beeindruckend produziert, so dass es in ähnlicher Weise einen neuen Standard dafür setzen könnte, wie traditioneller Metal anno 2021 zu klingen hat, wie dies etwa Judas Priest in den Siebzigern oder Iron Maiden in den Achtzigern getan haben. Das Wichtigste aber ist und bleibt für mich, dass das Album genau den Spaß transportiert, den die Musiker sehr offensichtlich momentan an ihrer Band haben; und dass es den für nahezu unmöglich gehaltenen Spagat schafft, alle sieben Musiker angemessen am Gesamtwerk zu beteiligen, und diese Kooperation durch und durch stimmig und harmonisch zu inszenieren. Dass Mahoni an dieser Stelle ein Tränchen für GAMMA RAY und UNISONIC verdrückt, kann ich indes sehr gut verstehen, und das geht mir nicht anders, doch insoweit möchte ich gerne glauben, dass deren Fortkommen nur aufgeschoben ist, nicht aufgehoben, und der Klasse von "Helloween" tut es halt so oder so keinen Abbruch. Unterm Strich kann die von mir vergebene Punktezahl also nur die volle sei.

Note: 10/10
[Rüdiger Stehle]

Im Gegensatz zu einigen meiner Kollegen, hatte ich quasi gar keine Erwartungshaltung an dieses Album, was schlicht und ergreifend darin begründet liegt, dass ich die Band nach den beiden "Keeper"-Alben ziemlich aus den Augen verloren hatte. Wenn ich ehrlich bin, landet immer nur eine der beiden Hansen-Gesangsplatten auf meinem Teller, wenn ich Lust auf die Kürbisse habe. Selbst der eben genannte Doppel-Schlüssel ist in meinen Ohren leicht angerostet und dreht sich eigentlich nie bei mir. So bin ich bei den ersten Umdrehungen von "Helloween" dann erst einmal angenehm überrascht, denn die Songs gehen allesamt sofort ins Ohr und verbreiten unwillkürlich gute Laune. Ohrwürmer am Fließband. Dieser zunächst positive Effekt wandelt sich allerdings nach einigen Durchläufen, denn relativ zügig bin ich von den ersten Nummern etwas genervt. Die Kombination aus immer wiederkehrenden, teils recht süßlichen, Refrains und Melodielinien ermüdet mich. Dazu kommt für mich erschwerend eine Tendenz zu bombastischen Arrangements und gleichförmigen Drumbeats. "Überladen" wären ein Attribut, welches mir in den Sinn kommt. Für Fans der Band ist das sicherlich alles wunderbar, aber diese Fröhlichkeitsgranaten überfordern mich in ihrer Gnadenlosigkeit. Es ist wie eine "Painkiller light", immer voll auf die Happy-Metal-Zehn. Hat man sich auf diese Gefühlsebene eingelassen, ist das Album sicherlich eine Offenbarung, denn sowohl gesanglich, wie auch instrumental brennt hier nichts an. Aber eine Nummer wie 'Indestructible' höre ich mir bestimmt nicht noch einmal an, ohne vorher in eine Zitrone gebissen zu haben. Ähnlich verhält es sich mit 'Robot King', 'Cyanide' und 'Down In The Dumps', die dummerweise auch noch alle hintereinander auf dem Album platziert sind.
Aber es gibt natürlich auch Songs, die sogar mir nach mehrfachem Durchlauf ausgesprochen gut gefallen. Allen voran natürlich der abschließende Longtrack 'Skyfall', der herrlich abwechslungsreich und spannungsgeladen klingt. Diese Nummer allein, rechtfertigt eigentlich schon den Erwerb des Albums. Ganz toll! Daneben hat es sich das eröffnende 'Out For The Glory' trotz aller Fröhlichkeit in meinen Ohrmuscheln gemütlich gemacht und auch das ähnlich ohrwurmelnde 'Mass Pollution' bleibt positiv im Gedächtnis. Auch das luftig-fluffige 'Best Time' zaubert mir nach etlichen Umdrehungen noch immer ein Lächeln auf die Mundwinkel. Geht also doch, dieser Heavy Metal aus pinkfarbenen Gitarren.

Note: 7/10
[Holger Andrae]

Also, ich muss zugeben: Die Latte lag verdammt hoch. Denn die "Pumpkins United"-Tour gehörte zum Besten, was ich live bisher erleben durfte. Diese unfassbare Power, diese Melodien, die grandiosen verschiedenen Sänger... das konnte eigentlich nur schiefgehen, da jetzt ein Album nachzulegen. Und, machen wir uns nichts vor: HELLOWEEN ist jetzt diese Band mit dem Deris, einem hochklassigen Vokalakrobaten, der sich vor Kiske und Hansen nicht verstecken muss und viele unsterbliche Hits eingesungen hat, die dankenswerterweise auch auf der letzten Tour nicht unter den Tisch gefallen sind. Gleichzeitig war "My God-Given Right" das schwächste HELLOWEEN-Album seit dem Deris-Einstieg (nach "7 Sinners" gab es eine unbestreitbare Abwärtstendenz), das machte natürlich etwas Angst, wenn es ums Songwriting ging. Und hier kann ich allen Jubelarien zustimmen: Was die Hitdichte angeht, war die Band seit sehr, sehr langer Zeit nicht so stark wie auf "Helloween", es ist mindestens das beste Album seit "Better Than Raw", eventuell sogar seit der zweiten Keeper-Scheibe. Die drei Sänger harmonieren brillant, ich bin froh, dass man weiter sehr viel Deris hört. Einige Tracks haben, auch durch Kiske, ein leichtes AVANTASIA-Feeling, was natürlich gut ist, schließlich war Sammet meist treffsicherer bei seinen Kompositionen unterwegs als die Kürbisse in den letzten paar Jahren. Die Produktion ist großartig, auf Blödel-Melodien wurde komplett verzichtet. Ich hoffe auf jeden Fall auch auf weitere GAMMA RAY-Taten (meist für mich schon noch etwas stärker als HELLOWEEN), und würde mich wie Rüdiger und Mahoni über mehr UNISONIC nicht beschweren. Aber in dieser Form ist HELLOWEEN stärker als alle anderen Kürbisableger seit "No World Order", und auch stärker als das Original in dieser Zeit. Das famose 'Skyfall' ist einer der Top-5-HELLOWEEN-Songs, also aller Zeiten. Wahnsinn, was da gesanglich und musikalisch abgeht - Holger hat recht, allein aufgrund dieses Tracks braucht jeder Freund des Metals dieses Album. Ich zücke derweil noch nicht die Höchstnote, dafür brauche ich noch ein paar Spins. Die Tendenz ist aber klar.

Note: 9,5/10
[Jonathan Walzer]

Wenn man so die Begeisterung einiger Kollegen hier liest, könnte man meinen, dass es sich bei "Helloween" um nichts anderes als den heiligen Gral des Heavy Metals handelt. Nun, ich selber konnte ganz lange nichts mit den Kürbisköpfen anfangen. Das einzige Album, das ich aktiv beim Release mitbekommen und wahrgenommen habe, war "Rabbit Don't Come Easy" und es lieferte mir damals keine Argumente, um mich mehr mit der Band zu beschäftigen. Nun, nachdem meine geschätzten Kollegen einen Diskographie-Check zu den Kürbissen gemacht haben und mich die dazugehörige Pommesgabel-Ausgabe dann doch endlich mal neugierig gemacht hat, steht mittlerweile ein Großzahl der HELLOWEEN-Alben in meiner Sammlung. Und neben den ersten drei Klassikern höre ich auch "Straight Out Of Hell", "The Dark Ride" und das letzte Album "My God Given Right" immer wieder gerne. Aber wo reiht sich jetzt "Helloween" ein? Sehr weit vorne auf jeden Fall. Da ich mich halt noch nicht so lange mit der Band beschäftige, fällt es mir bislang auch noch schwer, eine wirkliche Reihenfolge der Alben vorzunehmen und ein Lieblingsalbum zu küren. "Helloween" hat mit seinen absoluten Hits wie 'Out For The Glory', 'Fear of The Fallen', 'Best Time' (was für ein geiler Albumauftakt mit diesen drei Knallern!), 'Rise Without Chains', 'Indestructible' und natürlich 'Skyfall' ganz klar das Zeug dazu, mein meistgehörtes Werk der Kürbisse zu werden und damit vermutlich sogar zu meinem Lieblingsalbum HELLOWEENs zu werden. Ob "Helloween" dieser besagte heilige Gral ist, kann ich zumindest für mich dennoch mit einem "Nein" beantworten. Denn zu meinem Album des Jahres wird es 2021 mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht werden. Denn dieser Platz ist bereits an ENDSEEKER (hmm, hier ist zumindest die Heimatstadt eine Verbindung zu HELLOWEEN) vergeben. Zudem sind nicht alle Songs auf diesem Album so gut wie die genannten, denn 'Cyanide' und 'Down In the Dumps' fallen in meinen Ohren dann doch ab, weshalb ich hier auch keine Höchstnote vergeben kann. Aber für die Top 5 wird es sicherlich reichen. Und eine Sache ist auch für mich bereits klar: Im Bereich des klassischen Heavy Metals steckt "Helloween" alles andere der letzten Monate und Jahre in die Tasche.

Note: 9,5/10
[Mario Dahl]

Als wir vor einer Weile unseren Diskografie-Check gemacht haben und ich mal wieder etwas intensiver HELLOWEEN hörte, wurde mir schlagartig klar, dass für mich Andy Deris der Sänger ist, der den Löwenanteil meiner Favoriten aus der Kürbiskollektion eingesungen hat. "Better Than Raw", "7 Sinners", "The Dark Ride" sind allesamt Alben, die ich den Kiske-Klassikern vorziehe. Diese sind nämlich in meinen Ohren gar nicht so gut gealtert, was auch an Kiske selbst liegt. In den sehr hohen Tonlagen habe ich tatsächlich bei den alten wie den brandaktuellen Sachen so meine Probleme. Und so wird die so euphorisch bejubelte Rückkehr tatsächlich mein kleiner Bremsklotz, um hier in die vielen stellenweise sehr euphorischen Jubelarien einzusteigen. Gemäßigten Jubel gibt es aber dennoch, denn hier findet sich einfach unglaublich viel Abwechslung, was nicht nur an den Sängern, sondern vor alllem am Songwriting liegt. Außerdem gibt es eine tolle Produktion, immer noch viel Deris, häufig auch Kiske in den wunderbaren, eher mittleren Tonlagen und massenhaft stimmige Melodien. Neben dem hier schon mehrfach nicht zu Unrecht in den Himmel gelobten 'Skyfall', sind für mich vor allem 'Fear Of The Fallen' und 'Best Time' hervorzuheben. Damit bleibt unter dem berühmten Strich ein bärenstarkes Album, das die große Vielzahl an Kürbisfans so glücklich machen dürfte wie die "Pumpkins United"-Tour.

Note: 8,5/10
[Peter Kubaschk]

Große Erwartungen, noch größerer Hype. Es fühlt sich fast an wie Ende der Achtziger, als die Kürbisköpfe omnipräsent waren und ihre Gesichter von fast jeder Teenie-Zeitung strahlten. Mittlerweile habe ich aber schon viele großspurig angekündigte Wiedervereinigung scheitern, habe großen Sprüchen, wenig Taten folgen und viele Comebacks in Scherben enden sehen, um eine kindliche Euphorie in mir aufkommen zu lassen. Umso erstaunlicher ist es, dass diese Hamburger Großfamilie zu funktionieren scheint. Die Tournee war fantastisch und das neue Album ist gespickt mit Selbstzitaten aus allen Epochen der Bandgeschichte. Davor kann ich definitiv nur meinen Hut ziehen und hätte diese heile Band-Welt in dieser Konsequenz nicht unbedingt erwartet. Natürlich muss man aber auch die Kirche im Dorf lassen, denn nur weil Kiske wieder trällert oder Hansen überhaupt seine Finger im Spiel hat, ist nicht alles Gold was glänzt. Trotzdem: Die Rasselbande hat es tatsächlich geschafft, mit diesem Werk die frühen und die neuen Fans zu einen, die Songs klingen wie aus einem Guss und nur wenig wirklich konstruiert. Und doch beschleicht mich das Gefühl, dass sie gelegentlich zu sehr auf Sicherheit und funktionierende Standards gesetzt haben. Das macht es für einen wohlwollenden Begleiter der ersten Stunde nicht unbedingt neu und spannend, dafür aber immerhin angenehm nostalgisch. Ob das reicht, um auf Strecke zu wachsen, wage ich zwar heute zu bezweifeln, lasse mich jedoch gerne von der unberechenbaren Zeit überraschen. Gerade im Mittelteil sind viele gute, aber eben auch nach gleichem Muster geformte Songs platziert, von denen es gerne mindestens zwei hätten weniger sein dürfen. Und ja, letztendlich hat das Septett einen großartigen, musikalischen Kompromiss erschaffen, der jeden Fan zufrieden stellen wird.

Note: 8/10
[Chris Staubach]

Redakteur:
Rüdiger Stehle

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