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Gruppentherapie: JAG PANZER - "The Scourge Of Light"

23.02.2011 | 13:46

Darauf haben Traditionalisten sehnsüchtig gewartet: The Tyrant is back! Doch so unbestritten die Klasse von Harry Conklin ist, wird "The Scourge Of Light" dennoch nicht bedingunglos abgefeiert. Aber fast.


Sieben Jahre hat es gedauert, bis JAG PANZER endlich wieder mit einem Album aus dem Quark kommen. Der Ausstieg von Chris Broderick (mittlerweile MEGADETH) hat dabei dazu geführt, dass die einigen Fans etwas zu progressive Note der letzten beiden Alben wieder weitestgehend verschwunden ist. So ist "The Scourge Of Light" deutlich klassischer ausgerichtet, kann aber dennoch nicht zu 100% überzeugen. Denn neben standesgemäß grandiosen Hymnen wie 'Overlord' und 'Union' oder einem meisterhaften Epos der Marke 'The Book Of Keels', wo Harry Conklin einmal mehr alle Register seines Könnens zieht, gibt es eben auch diverse Nummern zu begutachten, die über das Urteil "ganz nett" nicht hinauskommen. 'Cycles' und 'Let It Out' sind Songs, die völlig geräuschlos an einem vorbei ziehen und 'Bringing On The End' nervt gar ein wenig mit seinen merkwürdigen Backings. Das ist von der Klasse, die einst 'The Moors', 'Judgement Day', 'Future Shock' oder auch 'Scarlet Letter' hatte, meilenweit entfernt. Die genannten Höhepunkte und die sehr guten 'Condemned To Fight', 'Call To Arms' und 'Burn' rechtfertigen einen Kauf natürlich dennoch.

Note: 8,0/10
[Peter Kubaschk]

Ja, "The Scourge Of Light" kann in der Tat nicht zu einhundert Prozent überzeugen. Sondern nur zu fünfundneunzig, obwohl es mit den ersten beiden Hammertracks auf dem richtigen Weg war, denn mit 'Condemned To Fight' und dem heimlichem Höhepunkt des Albums, das epische 'Setting Of The Sun', waren die Zeichen auf Orkan gesetzt. Geradliniger als zuvor und mit großer Treffsicherheit hat der Jagdpanzer, der aus linguistischen Gründen mal sein "D" verlor, ein ganzes Arsenal großkalibriger Granaten auf Tonträger gebannt, so dass man fast geneigt ist zu sagen, die sieben Jahr Warten hätten sich gelohnt. Denn "The Scourge Of Light" knüpft an die alten Zeiten an, immer mal wieder ertappt man sich, dass man sich an das eine oder andere Album erinnert fühlt. War das jetzt nicht irgendwie "Thane To The Throne"? Und das jetzt stilistisch wie auf "Mechanized Warfare"? Trotzdem kommt auch die Moderne durch, man höre mal 'Cycles'. Damit ist das Album bereits ein früher, starker Höhepunkt des Metaljahres, ein Album Auge in Auge mit der 9,0, das durch den Tyrant noch einen halben Extrazähler bekommen muss und nur durch das etwas schwächere 'Let It Out' die Höchstnote verfehlt. Ja, ganz genau: Fünfundneunzig Prozent.

Note: 9,5/10
[Frank Jaeger]


Zwar gehöre ich mit meinen 22 Lenzen nicht zu denjenigen, die mit JAG PANZER damals groß geworden sind, weiß dennoch über den immensen Stellenwert der Truppe bei Fans und Kritiker Bescheid. War der ein oder andere Kollege vor diesem großartigen Output "The Scourge Of Light" gespannter als ein Kind an Weihnachten, war jedoch beinahe Jedem klar, dass die Mannen um Harry "The Tyrant" Conklin auch anno 2011 kein schlechtes Album an die Fans bringen. JAG PANZER haben es mit enormer Spielfreude und einer entsprechenden Liebe zum Detail geschafft, sämtliche Stärken der Truppe in einer knappen dreiviertel Stunde zu bündeln und einen Kracher nach dem anderen aus dem Sack zu lassen. Ohrwürmer erster Güte, flottere Headbanger, gewaltige Stampfer im Mid-Tempo-Bereich und die ein oder andere Überraschung machen deutlich, welch energisches, anspruchsvolles und facettenreiches Werk wir hier rezensieren. 'The Book Of Kells', 'Union' und 'Call To Arms' sind nur drei der insgesamt zehn Glanzpunkte auf diesem Album. Ich bin begeistert.

Note: 8,5/10
[Marcel Rapp]

Neben all den erfreuten bis begeisterten Einschätzungen hier, muss nun auch einmal geklärt werden, was man an der Neuen von JAG PANZER nicht gut finden kann. Und das ist nicht wenig. Denn während die Gitarrenmelodien größtenteils schon recht gelungen sind, sind die pappigen Drums fast schon eine Peinlichkeit und an den Gesang komme ich gar nicht ran. Sowohl die Stimme als solche als auch die eintönigen Gesangslinien entfachen null Begeisterung. Richtig gruselig wird's bei den belanglosen Tralala-Refrains von 'Bringing On The End', 'Union' und vor allem 'Call To Arms'. Hört denn niemand, dass gerade bei letzterer Nummer diese Art von speziellem "Wechselgesang" total neben der Spur ist? Selbst wenn dies Absicht sein sollte, es klingt so schief, dass es Gänsehautschauer erzeugt (und zwar nicht die von der guten Sorte). Nervt einfach nur! Solche Aussetzer sind um so bedauerlicher, da die Band manchmal sogar sehr gekonnt überraschende Elemente einbaut (die Violine bei 'The Setting Of The Sun' ist toll, auch die orientalische Schlagseite von 'Burn' gefällt) oder, wenn auch leider viel zu selten, das eine oder andere flottere, kraftvollere Riff parat hat ('Cycles', 'Let It Out'). Dann hat das durchaus was. Doch wenn man sich in diesem leicht progressiven Midtempo-Heavy-Metal ergeht, dann fällt das Ganze wenig mitreißend aus. Und dann ist da auch noch das seltsam softe, kantenlose Klangbild. Von einer Band, deren Name sich an das deutsche Wort Jagdpanzer anlehnt, hätte ich solch eine Schwachbrüstigkeit nicht erwartet.

Note: 6,0/10
[Stephan Voigtländer]


Wie sieht der härteste Test aus, dem man ein neues JAG PANZER-Album aussetzen kann? Ganz einfach, man hört es nach "Chain Of Command" und vor "Thane To The Throne". Wenn eine Platte zwischen solchen Über-Klassikern bestehen kann, ist der große Wurf wieder einmal gelungen. Nachdem "Casting The Stones" jene Prüfung nicht bestand, nimmt nun "The Scourge Of Light" dieselbe Hürde mit Brillanz. Die-Hard-Fans werden vor Glück kaum an sich halten können, denn JAG PANZER zeigen sich endlich wieder von ihrer allerbesten und klassischsten Seite. Stilistische Experimente will von König Harry und seiner Truppe schließlich niemand hören, sondern lediglich so wunderbare, leicht progressive, hochmelodische, epische und elegante Heavy-Metal-Songs wie in dem fulminanten neuen Zehner-Pack. Jede einzelne Nummer erzeugt eine meterdicke Gänsehaut bei mir, vom Uptempo-Power-Metal-Kracher 'Condemned To Fight' auf Startplatz 1 bis zum getragen-atmosphärischen 'The Book Of Kells' zum Finale. Schnurrende Gitarren, trocken-harte, treibende Rhythmen, überirdisch schöne Bridges und Hooks und ein Tyrant in Bestform machen dieses Album zu einem unvergleichlichen Genuss. Die Zielgruppe wird bei unwiderstehlichen Monster-Hymnen wie 'The Setting Of The Sun' oder 'Call To Arms' ergriffen niederknien, um gleich darauf dahin zu schmelzen wie ein Pfund irische Butter in der Wüstensonne von Burkina Faso. "The Scourge Of Light" braucht sich vor den früheren Göttergabe der PANZER-Diskographie nicht zu verstecken. Und das ist schon so ziemlich das größte Kompliment, das man diesem Album machen kann. Kaufzwang für Aufrechtgehende!

Note: 9,5/10
[Martin van der Laan]

Redakteur:
Peter Kubaschk

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