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Gruppentherapie: SATAN - Cruel Magic

08.09.2018 | 22:46

Der August-Soundcheck hat mit SATAN einen verdienten Sieger bekommen. Doch neben den lobenden Stimmen in der fälligen Gruppentherapie gibt es auch eine nicht so überzeugte Stimme. Und damit spiegelt sich auch ein wenig das Meinungsbild aus dem Soundcheck selber wider, bei dem Noten zwischen 7,5 und 10,0 vertreten sind.

Kollege Holger hat eigentlich in seiner Rezension alles geschrieben, was man zu diesem Album wissen muss. Mein Euphorielevel erreicht zwar nicht ganz Andrae'sche Ausmaße, aber dennoch ist SATAN auch mit dem dritten Post-Reunion-Werk ein echter Knaller gelungen. Nachdem die Vorab-Single 'The Doomsday Clock' mit zwei speedigen Krachern verzückte, ist das Album da insgesamt etwas gemäßigter, wie z.B. der getragene Titeltrack beweist. Das eigentlich faszinierende an den SATAN-Alben ist aber, dass sie immer gleichzeitig wie 1985 und 2015 klingen. Die Produktion ist druckvoll und klar, ja, zeitgemäß, aber dennoch nicht übermäßig poliert und geschliffen. Nein, es klingt immer noch alles sehr natürlich, die Gitarren braten, wobei sich das Duo Tippins/Ramsey wieder einige famose Duelle liefert und das Schlagzeug hat Punch. So soll es sein. Dazu kommt dann noch die famose Stimme von Brian Ross und schon ist das bisher wohl beste traditionelle Heavy-Metal-Album des Jahres eingetütet. Im Direktvergleich mit seinen beiden Vorgängern würde ich "Cruel Magic" wohl knapp hinter "Life Sentence" und knapp vor "Atom By Atom" einordnen. Klar ist aber natürlich, dass Fans das Album abgreifen müssen.

Note: 9,0
[Peter Kubaschk]

 

Lieber Peter, ich glaube auch, dass Fans an "Cruel Magic" nicht vorbei kommen können. Und neben VISIGOTH, JUDAS PRIEST, SOLSTICE oder GATEKEEPER steht 2018 fraglos auch SATAN bei den ganz starken traditionellen Metal-Alben. Anders als mit "Life Sentence" oder "Atom By Atom" ziehen die fünf Briten aber nicht mehr am niederen Rest relativ einfach vorbei, das ist zumindest mein Eindruck nach den ersten Durchläufen. Zum einen ist die Konkurrenz 2018 stark. Zum anderen ist das Songmaterial aber nicht ganz so zwingend wie bei den letzten beiden Alben. Trotzdem ist es faszinierend, dass SATAN die neben STRYPER einzige Band ist, die so deutlich besser in der Neuzeit klingt als in den Achtzigern. Wenn man "Cruel Magic" nach "Court In The Act" hört, glaubt man kaum, dass es sich um die gleiche Band handelt, weil das technische Niveau einfach so viel höher ist, und Brian Ross singt heute im mittleren Alter und mit deutlich mehr Gewicht einfach auch deutlich besser.
Zu aller musikalischer Klasse hinzu kommt, dass es kaum eine Band gibt, die eine so überragende Produktion bietet wie SATAN, und das hat sich auch jetzt nicht geändert. Selbstverständlich gibt es Hits wie den Opener 'Into The Mouth Of Eternity' oder die vorveröffentlichte Single 'The Doomsday Clock', die auch live schon super funktioniert. Dass ich hier also auf höchstem Niveau meckere, sollte jedem klar sein. Dass die Band aber erstmals in der Neuzeit mein Jahrestreppchen verpassen könnte (außer sie wächst noch mal ein Stück), ist schon eine Mini-Enttäuschung. Aber ich glaube, damit können sie leben. Und Peter und Holger haben natürlich beide Recht, wenn es um die Gitarren geht: Tippins und Ramsey sind Weltklasse, es gibt wohl niemanden, der momentan dieses Niveau hält.

Note: 9,0
[Jonathan Walzer]

 

SATAN ist anders. Und zwar in vielen Bereichen. Das kommt oft gut an (siehe meine Vorschreiber), andere schalten nach nur wenigen Minuten kopfschüttelnd ab. Da passt einem der manchmal knödelige Gesang nicht oder der hektische Schlagzeugrhythmus nervt. Manch einer mag auch mit der Gitarrenarbeit heillos überfordert sein oder super-eingängige Mitsingrefrains vermissen. All das kann ich objektiv zwar verstehen, subjektiv aber ist das natürlich alles Unsinn. De facto kann es gar nicht genug Bands von so einem Kaliber geben, die es schaffen, dass Metal auch 2018 noch neu, aufregend und frisch klingt und sich nicht in der tausendsten Wiederholung des Althergebrachten verliert. Die Stärken wurden zur Genüge genannt, ich möchte nur noch einmal hervorheben wie unfassbar grandios es ist, dass die Musiker auch live diese ultrapräzisen Riffgewitter mit einer unglaublichen Spielfreude reproduzieren. Und davon sind auch auf "Cruel Magic" wieder haufenweise zu finden. Und das alles absolut auf Augenhöhe mit den Vorgängeralben! Etwas weniger eingängig, dafür ohne auch nur ein verzichtbares Stück, überzeugt mich das auf fast ganzer Linie. Man bleibt einfach mit offenen Augen (und Ohren) zurück, wie kreativ die Satäne auch heute noch klingen. Und das, obwohl die Hälfte der Band ja auch schon hochgeniale Ideen für SKYCLAD hervorsprudeln lässt.

Note: 9,5
[Jakob Schnapp]

Irgendwie ist eine Gruppentherapie ja auch langeweilig, wenn alle Beteiligten ein Album ausnahmslos abfeiern. Und nachdem Peter, Jonathan und Jakob (und Holger in seinem Review ja sowieso) den Abfeier-Part übernommen haben, spiele ich jetzt wohl ein wenig die Spaßbremse. Dabei ist das von den Kollegen bereits Gesagte ja nicht verkehrt. SATAN liefert traditionellen Heavy Metal, der technisch fantastisch gespielt ist. Allerdings gehört für mich zu einem guten Album auch etwas Gefühl bzw. eine Emotion. Und genau da liegt das Problem. Die Songs auf "Cruel Magic" ziehen irgendwie an mir vorbei. Es fehlt an Passagen oder Riffs, die mich mitreißen und zum "Mitmachen", Mitbangen oder Mitsingen animieren. Wenn man zu Hause sitzt und sich in Klassik-Manier Musik anhören will, dann ist "Cruel Magic" durchaus geeignetes Material dafür. Wenn ich jedoch im Auto sitze und voller Inbrunst mitsingen oder sonstwie zu traditionellem Heavy Metal abfeiern will, greife ich eher zu Alben von NIGHT DEMON oder STALLION als zu "Cruel Magic". Aber vielleicht gehöre ich auch bloß zu den von Jakob genannten Menschen, die SATAN einfach nicht verstehen.

Note: 7,0
[Mario Dahl]

Redakteur:
Mario Dahl

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