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Gruppentherapie: SMOULDER - Times Of Obscene Evil And Wild Daring

12.05.2019 | 15:27

Das Debüt-Album der kanadischen Epik-Metaller SMOULDER mit dem zugegebenerweise etwas ungelenken Titel hat in unserem April-Soundcheck andere Metal-Institutionen spontan auf die Plätze verwiesen. Vor allem Sängerin Sarah Ann scheint einen großen Teil zu diesem sehr guten Abschneiden beigetragen zu haben. Raphael Päbst attestiert in seinem Review extreme Reife für ein erstes Album. Doch was halten die übrigen Kollegen von der doomig-angehauchten Scheibe? Wir wollen es euch nicht vorenthalten.

Das Erste, was mir beim Hören des SMOULDER-Debüts ins Ohr gesprungen ist, war das kräftige Organ von Sängerin Sarah Ann. Irgendwo zwischen CASTLEs Liz Blackwell und Farida Lemouchi (THE DEVIL'S BLOOD) klingt sie anders als 99% der mir bekannten Sängerinnen im Metal. Zumindest mit CASTLE hat auch der instrumentale Part von SMOULDER einige Gemeinsamkeiten. Ich mag ja Bands, die auch sparsam mit Noten umgehen können und wie SMOULDER bei 'The Swordwoman' damit eine packende Atmosphäre schaffen. Dabei kommt die kanadische Truppe total unaffektiert und unprätentiös daher, was ja im Underground nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit ist. SMOULDER zeichnet außerdem diese sympathische Schrulligkeit aus, die Songs wie 'Bastard Steel' oder 'Voyage Of The Sunchaser' dadurch noch länger im Ohr hält. Dazu möchte man eigentlich permanent die Faust gen Himmel recken und die Luftgitarre anstimmen. So locker flockig wie diese 38 Minuten ist mir in diesem Stil schon länger kein Album mehr untergekommen. Ganz großes Ohrenkino!

Note: 8,5

[Nils Macher]

 

Anders als Nils finde ich "Times Of Obscene Evil And Wild Daring" schon ein wenig affektiert, aber es stört mich überhaupt nicht. SMOULDER aus Kanada bietet uns mit 'Ilian Of Garathorm' absolut großartigen Epic Metal als Opener (wäre die ganze Scheibe auf diesem Niveau, gäbe es eher 9,5 Zähler) und danach fünf weitere feine Tracks, die kaum abfallen. Dabei erinnert mich die Truppe mit dem wunderbaren Gesang von Sarah Ann gar nicht an LETHEAN, die einem bei Epic Metal als Frauengesang sicher als erste Assoziation in den Kopf kommen, sondern an ETERNAL CHAMPION. Das ganze Riffing hat eine hohe Ähnlichkeit zu den Texanern (wann kommt da endlich ein neues Album?), und auch beim "Keep It True"-Festival dürfte das ähnlich gut funktionieren. Dazu dieses fantastische Artwork... ich muss sagen, dass der Soundcheck-Sieg fraglos berechtigt ist. Neven TRAVELER und VULTURES VENGEANCE ist das bereits die dritte großartige Epic-Metal-Scheibe 2019 und alle Scheiben kamen bei Cruz Del Sur oder dem Sublabel Gates Of Hell Records auf den Markt. Das nennt man wohl Qualitätsarbeit - ich hoffe, dass es mit LUNAR SHADOW und ATLANTEAN KODEX noch großartiger wird.

Note: 8,5

[Jonathan Walzer]

 

Das Album ist für mich vor allem eines, das bei jedem Hördurchgang unglaublichen Spaß macht. Das Niveau ist über die Spieldauer konstant hoch, wenngleich der erste Titel - wie von Jonathan angemerkt - noch einmal etwas heraussticht. Frauenstimmen im Metal sind in meinen Ohren oft ein zweischneidiges Schwert: Allzu häufig kommt der Gesang auch außerhalb der symphonischen Stile etwas opernhaft daher. Sarah Ann macht jedoch alles richtig und benutzt die korrekte Seite dieses stimmlichen Schwertes. Zu den kraftvollen Vocals kommt eine Produktion "auf den Punkt", die bei ausreichender Lautstärke durchweg für eine epische Erpelpelle auf meinen Unterarmen sorgt. Ein einwandfreies Album mit der Gefahr zur Dauerrotation, das die Kanadier hier als Debüt präsentieren. Man darf gespannt sein auf alles, was da noch so kommen mag.

Note: 8,5

[Daniel Lindhorst]

 

Ja, ihr habt schon alle Recht: Produktion, Gesang, Artwork und Attitüde der Band sind klasse. Allerdings geht es mir beim Hören des Albums genau wie Jonathan. Der Opener 'Ilian Of Garathorm' erinnert so dermaßen an ETERNAL CHAMPION, dass sich bei mir im weiteren Verlauf eher Ernüchterung einstellt. Würde die gesamte Spielzeit Material wie dieses geboten, wir hätten es mit einem Zehnpünkter zu tun. Allerdings: Bei den erwähnten Texanern bekomme ich ja genau das! Was aber ist der Mehrwert von SMOULDER? Nun, die Band liefert noch eine ganze Portion mehr Doom. Die Gesanglinien sind jedoch nicht gar so zwingend, die Riffs hochwertig, aber selten genial, das Gesamtpaket überzeugt mich zumindest mehr als einzelne Songs. Dennoch nicht falsch verstehen: Dieses Debüt ist definitiv etwas Besonderes, klingt frisch, unverbraucht und vielseitig, dabei komischerweise gleichzeitig irgendwie vertraut und angenehm oldschool. Selbst im Vergleich zu den in letzter Zeit wirklich sehr wertigen Alben in den hier bedienten Spielarten des Metals (Herr Walzer hat einige aufgezählt) macht "Times Of Obscene Evil And Wild Daring" eine bella figura!

Note: 8,0

[Jakob Schnapp]

 

Bandphoto: Sarah Ann

Redakteur:
Daniel Lindhorst

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