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Gruppentherapie: SYNAPTIK - "Justify & Reason"

18.04.2017 | 14:11

Zum zweiten Mal treten die Prog-Metaller in unserem Soundcheck an und erreichen wie mit dem Vorgänger "The Mechanism Of Consequence" auch prompt mit dem aktuellen Silberling "Justify & Reason" das Treppchen in unserem März-Soundcheck. Auch wenn schlussendlich "nur" der dritte Platz für die Briten in der Endabrechnung zu Buche steht, so zeigen sich unsere Gruppentherapeuten durch die Bank weg begeistert und hätten die Platte auch durchaus noch weiter oben gesehen. Aber lest selbst:

Zweiter Aufschlag für die britischen Synapsen, zweites Ass! Ja, so könnte man sagen, denn welcher Newcomer schafft es schon aus dem Stand mit dem Debüt und dem Nachfolger unser Monatsstockerl zu stürmen? Die Jungs von SYNAPTIK aus Norfolk, die sich mit ihrem Zweitling "Justify & Reason" erneut spielfreudig und treffsicher präsentieren, dabei aber auch spürbar gereift sind, die schaffen das! Im geschmeidigen, transparenten, dabei aber zu keiner Zeit zu sterilen oder gar erdrückenden Klanggewand spinnen die fünf Engländer ein feines Netz aus tollen Hooks, prägnanten Refrains, anspruchsvollen Rhythmen, Dodekaphoniker-Exkursen und einschmeichelnden Leadmelodien; zudem hat sich Sänger John Knight - wie von Jakob in seiner Einzelrezension zutreffend erkannt - gegenüber dem Debütalbum von 2014 nochmals deutlich gesteigert. So liefern die Angeln ein Werk ab, das viele begeistern sollte, die auf technischen Power-Thrash mit US-Schlagseite und progressiver Note stehen, und Bands wie WATCHTOWER und NEVERMORE zu ihren Favoriten zählen, zumal die eine oder andere Gesangslinie durchaus auch mal mehr oder weniger deutlich nach Warrel Dane klingt.

Note: 8,0/10
[Rüdiger Stehle]

 

Kompakter, stärker auf den Punkt gebracht und weniger abgedreht als sein Vorgänger klingt das neue SYNAPTIK-Album. "Justify And Reason" vereint modernen Heavy-, Power- und Thrash-Metal-Sound, bringt ein gerüttelt Maß an Spieltechnik ein, ohne Gefahr zu laufen, dass sich die Durchschlagkraft der Riffs dabei in progressiver Psychedelik verlieren könnte. Will anders herum heißen: Metal as fuck, ohne dabei im oft Gehörten zu verharren; also bleibt keinerlei Raum für Geschwurbel. Ein einfallsreiches Album, das dennoch voll auf die Zwölf geht. Für meinen Geschmack hätte es ruhig noch ein wenig progressiver sein können, auch wenn ich damit meinem Kritikpunkt zum Vorgänger widerspreche, der mir noch etwas zu anstrengend klang. Die ganz großen Hits bleiben hier aus, doch dafür bietet das Album als solches echt gute Abwechslung - und keinerlei Füllmaterial.

Note: 7,5/10
[Eike Schmitz]

 

So ganz kann ich Eikes Wunsch nach ein wenig mehr Progressivität nicht verstehen, denn genau diese wunderbare Gratwanderung zwischen Komplexität und Eingangigkeit ist für mich das herrausstechende Merkmal, das "Justify & Reason" zu einem so bärenstarken Album macht. Immer wieder gelingt den Briten dabei der Spagat zwischen massiven Riffs und fesselndem Songwriting, womit sich der Fünfer in Sachen Eingängigkeit ganz dicht hinter den Landsmännern von THRESHOLD einreiht. Musikalisch sind die Parallelen zwischen den beiden Bands eher gering, denn der Sound von SYNAPTIK orientiert sich deutlich eher an den amerikanischen Genre-Vertretern wie SYMPHONY X und NEVERMORE, wobei die Ähnlichkeit der Stimmen von John Knight und Warrel Dane den Hörer geradezu anspringt. Aufgepeppt wird die Mischung schließlich noch mit einigen unerwartet modernen Djent-Sounds, die sich vor allem im famosen 'White Circles' finden, für dessen Refrain ganz offensichtlich die letzten Alben der französischen Progger GOJIRA Pate gestanden haben. Abgerundet von einer wunderbar druckvollen Produktion macht das die Scheibe für mich persönlich zu einer der größten Überraschungen des noch jungen Musikjahres, die definitiv auf die Einkaufsliste eines jeden Fans von komplexem Schwermetall gehört!

Note: 9,0/10
[Tobias Dahs]

 

Die Namen NEVERMORE und WATCHTOWER sind bereits gefallen, eine schwere Hypothek für eine Underground-Formation wie SYNAPTIK. Können die Briten diesen hohen Erwartungen genügen? Ja, das können sie definitiv. "Justify & Reason" ist eine überquellende Wundertüte ganz großen Kalibers. Ich kann mich gar nicht satt hören an diesem sensationellen Album. Schon "The Mechanisms of Consequence" war vor drei Jahren eine bewusstseinserweiternde Offenbarung, weil das Album klar wie Kloßbrühe machte, dass moderner Progressive Metal nicht nur von MESHUGGAH-seligen Krawallbrüdern gespielt werden kann. Mit "Justify & Reason" legt SYNAPTIK nun ganz ausgezeichnet und stilistisch verfeinert nach. In diesen wenigen Zeilen lässt sich ein solches Klang-Monument gar nicht adäquat beschreiben. Ich bin jedenfalls völlig geplättet und verneige mich voll Ehrfurcht gen Norfolk. Gerade läuft z.B. 'White Circles', ein bei aller Komplexität und Versiertheit so emotionaler und aufwühlender Monster-Song, dass ich alles um mich herum vergesse. Hier ist jede Sekunde spannend, packend und verführerisch; es gibt so viel zu entdecken, dass einem fast schwindelig wird. Kaum zu glauben, wie die SYNAPTIKer immer wieder raffinierte Reminiszenzen an Gott-Combos wie die eingangs genannten, aber auch ANACRUSIS, VOYAGER oder späte PSYCHOTIC WALTZ in ihre eigenwilligen, wendigen und komplett schubladenbefreiten Kompositionen einfließen lassen, ohne dass die eigentlich gut trainierte Mustererkennung meines Hirns Alarm schlagen würde. Der intensive Genuss von "Justify & Reason" bestätigt mich 110% in der Festigung meines Urteils: Ich halte SYNAPTIK für eine der künstlerisch ganz besonders wichtigen, weil ästhetisch wertvollen und scheuklappenfreien Bands der letzten Jahre.

Note: 9,5/10
[Martin van der Laan]

Redakteur:
Tobias Dahs

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