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HACKNEYED: Interview mit Philip Mazal

29.06.2015 | 23:07

Seit dem Debüt sind einige Jahre vergangen, doch der Tatendrang und der Wunsch, das Todesblei noch einmal zu schleifen, ließ HACKNEYED wieder wachsen und gedeihen. "Inhabitants Of Carcosa" nennt sich das neue Album der sympathischen Jungs, deren Frontmann Philip Mazal uns Rede und Antwort stand. Herausgekommen ist ein herrlich frisches Interview, in dem uns der Aalener über die letzten Monate, die neue Scheibe und die Zukunftspläne der Band informiert.

Hallo Philip. Vielen Dank, dass ihr euch für meine Fragen ein wenig Zeit nehmt. Wie geht es euch denn? Wie ist die momentane Stimmung im HACKNEYED-Lager?

Hallo Marcel, die Zeit nehmen wir uns doch gerne! Uns geht es super, die Stimmung ist klasse. Letztes Wochenende haben wir erst unsere Album-Release-Tour abgeschlossen und jetzt im Moment befinden wir uns im Tourbus auf dem Weg nach Duisburg zum Rage Against Racism Festival. Schöner könnte es gerade nur sein, wenn die Klimaanlage im Bus funktionieren würde, hehe.

Zumindest wird es langsam Sommer. Bevor wir auf euer neues Album zu sprechen kommen, müsst ihr mir ein kleines Update geben. Was passierte bei HACKNEYED in den vergangenen vier Jahren zwischen "Carnival Cadavre" und dem neuesten Eisen?

Nach der Veröffentlichung von "Carnival Cadavre" waren wir erst mal noch ordentlich unterwegs. Wir haben viele Shows gespielt, waren auf Europatour mit ARCH ENEMY und durften zur "Barge To Hell" in die USA. 2013 haben wir uns dann in Ruhe dem Songwriting für das neue Album gewidmet, bei dem wir jegliche Scheuklappen fallen gelassen haben, viel experimentiert und neue Einflüsse integriert haben. Damit sind wir dann Anfang 2014 nach einer ausgiebigen Vorproduktion ins Studio. Das Ergebnis hört auf den Namen "Inhabitants Of Carcosa" und steht seit Mitte Mai 2015 in den Regalen.

Mit den Fink-Brüdern habt ihr zwei neue Bandmitgliedern in den Reihen. Inwiefern konnten sie sich schon beim Songwriting und der ganzen Herangehensweisen integrieren und wie seid ihr auf die Jungs als Ersatz für Juan und Tini aufmerksam geworden?

Der erste Kontakt fand lustigerweise schon während unserer früheren Konzerte statt, als Fabian noch vom Publikum aus bei Gesangseinlagen mein Mikrofon vollgesabbert hat. Devin und Philipp kannten sich noch recht gut aus der gemeinsamen Schulzeit. Und außerdem haben die Jungs ihre eigene Band, NECROTTED, was auch zu einigen gemeinsamen Shows geführt hatte. Das waren auch die maßgeblichen Punkte, die zu einer gemeinsamen Arbeit bei HACKNEYED geführt haben. Das bringt sowohl Necrotted als aber auch uns große Vorteile, da man ja trotz vieler Gemeinsamkeiten ein doch etwas unterschiedliches Publikum bedient. Das kann sich dann tollerweise in den meisten Fällen jedoch sogar mit beiden Bands identifizieren. Auch das mit den gleichzeitigen Gigbuchungen konnten wir mit entsprechender Organisation und Strukturierung umgehen oder wie bei einigen kommenden Shows idealerweise sogar durch Beteiligung beider Bands an Konzerten lösen. Mittlerweile sind wir alle wieder aus demselben Dorf. Trotzdem trennt uns, bedingt durch Arbeit und Studium mittlerweile ein relativ großer, geografischer Abstand. Das Songwriting findet jedoch nach wie vor strikt in direkter Zusammenarbeit, quasi bei Augenkontakt, statt. Das ist auch für unsere Herangehensweise an die Musik und die eben dadurch entstehenden Stilelemente und Songstrukturen sehr wichtig. Man hat eben den direkten Input und sieht den anderen schon die Reaktionen an, wie der entsprechende Beitrag zum Song ankommt. Das meiste an Songs kommt aber nach wie vor von Devin und Tim. Die beiden Brüder verbringen immer noch die meiste Zeit gemeinsam im Proberaum und steuern daher auch den Großteil an Songideen bei. Der Feinschliff, das finale Arrangieren und einzelne Parts kommen dann von allen gemeinsam.

Darf man fragen, warum Juan und Tini die Band verlassen haben?

Juan und Tini mussten damals aus beruflichen Gründen die Band verlassen. Sie konnten die nötige Freizeit und das Engagement nicht mehr aufbringen, was für HACKNEYED nötig ist.

Okay. Nun, kommen wir einmal zum neuen Album "Inhabitants Of Carcosa". Worin liegt, musikalisch gesehen, denn der Hauptunterschied zwischen dem neuen Album und seinem 2011er Vorgänger?

Wie bereits erwähnt haben wir uns seit dem letzten Album neuen musikalischen Einflüssen geöffnet. Wir arbeiten mittlerweile viel mit atmosphärischen Parts und versuchen den Songs somit mehr Tiefgang zu verleihen. Das merkt man auch beim Hören, wie wir finden. Ausschlaggebend hierfür war auch die relativ lange Vorproduktion.Wir haben uns auf unsere Anfänge zurückbesonnen und in Tims altem Kinderzimmer lange an den Songs herumgebastelt und uns eine ausgiebige Vorpoduktion geleistet, mit der wir dann ins Studio gegangen sind. Alles in allem kann man die Songs auch als am "reifesten" bezeichnen, find ich.

Bei dem Titel könnte man meinen, das ein bestimmtes Konzept hinter der Platte oder einzelnen Songs liegt. Könnt ihr da etwas Licht ins Dunkel bringen?

Der Carcosa-Mythos beruht auf einer Kurzgeschichte von Ambrose Bierce, einer der ersten Autoren der modernen Horrorliteratur. Dieser Stoff fand über Jahrzehnte hinweg immer wieder Einzug in die Kunst, jüngst in die Serie "True Detective", über welche wir den ersten Kontakt mit dem Mythos von Carcosa hatten. Die Thematik hat uns alle begeistert, weshalb wir das Konzept unseres neuen Albums inhaltlich auch darauf ausgerichtet haben.

Ich war überrascht, wie positiv kurzweilig "Inhabitants Of Carcosa" ausgefallen ist. Sogar orchestrale Momente vermischen sich hier mit technisch versiertem Gefrickel, einem tollen Groove und einer unbändigen Power. Welche Songs sind eurer Meinung nach stellvertretend für HACKNEYED anno 2015?

An sich ist jeder einzelne Song auf unserer neuen Platte stellvertretend für HACKNEYED im Jahre 2015. Das liegt daran, dass wir in jeden einzelnen Track relativ viel Zeit und Arbeit gesteckt haben. Von uns selbst gewählte Aushängeschilder sind aber natürlich die Singles zum Album: 'The Flaw Of Flesh' und 'Now I Am Become Death'.

Mit insgesamt vier Alben habt ihr bereits in jungen Jahren einen stattlichen Backkatalog. Aber welchen Stellenwert haben "Burn After Reaping" und der Vorgänger "Carnival Cadavre" noch für euch?

"Carnival Cadavre" hat immer noch ein hohen Stellenwert bei uns, auch live greifen wir zu einem großen Teil auf Songs dieses Albums zurück. Von "Death Prevails" und "Burn After Reaping" haben wir selbstverständlich auch noch ein paar Klassiker im Programm, jedoch finden wir, dass die auf diesen beiden Scheiben enthaltenen Songs nicht mehr so richtig zu unserem neuen Sound passen. Dennoch ist natürlich jedes Album für uns einzigartig, man verbindet mit jeder Platte ja auch bestimmte Erinnerungen und Emotionen.

Und wie kam jüngst die Arbeit mit Mastermind Dan Swanö zustande?

Ich, für meinen Teil, bin schon seit quasi immer großer EDGE OF SANITY-Fan. Und da unser Kumpel Marcus "Magge" Köchel, seines Zeichens Gitarrist bei REVEL IN FLESH, seine Songs bereits jahrelang bei Dan mastern lässt, ist aus der Idee auch schnell ein geiles Ergebnis entstanden. Von verschiedenen Testmasterings konnte uns das von Dan am Ende am meisten überzeugen. Er hat es schlichtweg geschafft, aus unseren Songs das Allerbeste herauszuholen und ihnen den finalen Sound zu verpassen, den wir uns vorgestellt haben.

In den letzten Wochen fand eure Mai-Tour durch Deutschland statt. Worauf konnten sich HACKNEYED-Fans gefasst machen und welche neuen Stücke durfte man bei den insgesamt elf Dates erleben?

Live haben wir so einige neue Stücke ausgepackt: 'The Flaw Of Flesh', 'God's Own Creation', 'Now I Am Become Death', 'Ashfall' und 'Death Toll' waren fester Bestandteil unseres Programmes. Ansonsten können die Fans wie immer eine spaßige und energiegeladene Live-Show erwarten, bei der am Ende jeder verschwitzt aber glücklich nach Hause geht.

Etwas anderes habe ich bei euch auch nicht erwartet. Im deutschen Death-Metal-Sektor seid ihr mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Bei welcher Band, die ihr auf Tour begleiten würdet, würde sich ein Lebenstraum für euch erfüllen und was war eure bisher geilste Erfahrung in eurer nun knapp zehnjährigen Bandgeschichte.

Danke! Schwer zu sagen. Wir haben bisher mehr erreicht, als wir uns vor zehn Jahren zu träumen gewagt hätten. Und auch einige unausgesprochene bzw. überhaupt erdachte Lebenträume haben sich erfüllt. Wir stellen uns daher auch nicht so die Ziele und Wünsche, da wir mit der "Mal sehen was kommt"-Einstellung ganz gut fahren. Das Touren mit einigen unserer Vorbilder in den letzten Jahren hat sich hingegen eher als ernüchternd erwiesen, hehe! Aber nach zehn Jahren und mittlerweile einigen Touren haben wir verstanden, dass das etwas gleichgültige und abweisende Verhalten der großen "Hauptbands" einfach durch das lange Touren von selber entsteht. Außnahmen sollten hierbei aber natürlich erwähnt werden: Tägtgren, Iacono und Amott sind erfrischende Ausnahmen! Letzterer hat uns sogar den Kontakt zu Staffan Karlsson, seinerseits verantwortlich für die Gesangs-Produktion auf der neuen HACKNEYED und meinem Nebenprojekt ILLUSION OF STRENGTH, verschafft. Was sowohl aus menschlicher als auch professioneller Sicht eine echte Bereicherung für mich war!

Was steht nach den nächsten, ereignisreichen und tödlich groovenden Wochen an? Welche Pläne habt ihr noch für dieses Jahr?

Im Sommer sind wir dieses Jahr wieder auf einigen Festivals zu sehen. Darauf freuen wir uns schon sehr, die Festival-Saison ist für Metaller schließlich die fünfte Jahreszeit. Danach schauen wir mal, was der Herbst so mit sich bringt. Wir werden versuchen so viel wie möglich live zu spielen und auf jeden Fall demnächst schon wieder mit dem Songwriting beginnen. Noch mal wollen wir unsere Fans nämlich nicht vier Jahre bis zur nächsten Scheibe warten lassen, hehe.

Philip, ich wäre somit auch mit meinem Latein... eh... meinen Fragen am Ende, hehe. Und möchte mich vielmals für eure Zeit und Geduld bedanken. Ich wünsche euch mit "Inhabitants Of Carcosa" und der anschließenden Tour viel Erfolg. Die letzten Worte gebühren euch. Was möchtet ihr unseren Lesern und euren Fans noch mit auf den Weg geben?

Dir vielen Dank für das Interview, immer wieder gerne! Und an eure Leser und an unsere Fans: Wir hoffen, wir sehen uns vielleicht auf einer der anstehenden Shows und schaffen es euch ebenfalls zu "Inhabitants Of Carcosa" zu bekehren!

Redakteur:
Marcel Rapp

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