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HAKEN: Interview mit Ross Jennings

25.08.2013 | 09:14

Das neue Album "The Mountain" erklimmt Platz 2 im Soundcheck und wird für die sympathischen UK-Progger ein wichtiger Meilenstein in ihrer Karriere werden.

Wie kaum eine andere Band zurzeit schaffen es die Mucker von HAKEN, ihre Oldschool-Prog Wurzeln in ein zeitgemäßes Soundkleid zu hüllen ohne dabei altbacken zu klingen. Was die Band dazu inspirierte, viele Stile unter einen Hut zu bringen, wollten wir natürlich genauer wissen. All das und noch viel mehr erzählte uns Sänger Ross Jennings.

 

Nils: Hallo Ross, bei so einer tollen Scheibe wirst du vermutlich viel mit Promotion zu tun haben, oder?

Ross: Ja es beginnt gerade, du bist der erste!

Großartig! Ich muss euch zunächst ein dickes Kompliment für "The Mountain" machen. Ich habe eure ersten beiden Scheiben noch gut in Erinnerung, aber die neue Platte hat mich wirklich umgehauen. Es wird in meiner Best-Of-2013 Liste ganz weit oben auftauchen, und ich bin da sicher nicht der einzige. Hast du schon ähnlich euphorische Reaktionen bekommen?

Die Fans konnten bisher ja lediglich einen Track hören, nämlich 'Atlas Stone'. Aber sie haben sehr gut auf unsere kleine Kurskorrektur reagiert, was uns natürlich sehr freut. Zumal wir auch nichts zu verlieren hatten, wir wollen uns schließlich immer weiterentwickeln.

Habt ihr euch vor dem Songwriting zusammengesetzt und besprochen, dass ihr einiges anders machen wollt im Vergleich zu "Visions" (2011) und "Aquarius" (2010)?

Ja, es war auf jeden Fall eine ganz bewusste Entscheidung, ein paar Sachen zu verändern und auch neues auszuprobieren. Die beiden ersten Alben hatten schon einen ähnlichen Stil, wir wollten uns schlichtweg nicht noch einmal wiederholen. Es ist zwar keine gänzlich andere Musikrichtung, doch haben wir mehr denn je unterschiedliche musikalische Einflüsse in den neuen Songs verarbeitet.

Auf euren ersten Alben konnte man stellenweise wirklich die Bands heraushören, auf die ihr so steht. DREAM THEATER scheint beispielsweise ein großer Einfluss zu sein. Auf "The Mountain" seid ihr eigenständiger, ohne eure Herkunft zu verleugnen.

Das sehe ich auch so. Und ja, wir sind alle ziemlich große DREAM THEATER-Fans und es gibt sicherlich schlechteres, als mit ihnen verglichen zu werden. Trotzdem wollen wir unsere eigenen Identität haben und "The Mountain" ist bislang wohl der beste Versuch in dieser Hinsicht. Es gibt wirklich viele junge Prog-Bands, die einen sehr ähnlichen Stil spielen und deren Idole DREAM THEATER sind.

Ist es für eine Band wie euch denn schwierig, Aufmerksamkeit zu bekommen?

Aufgrund unserer musikalischen Fähigkeiten und mithilfe des Internets kommen wir gut zurecht. Trotzdem ist die Musikindustrie ein kleiner Kampf für Bands wie uns, daher auch der Albumtitel "The Mountain". Dieser Gedanke durchzieht das Album ein wenig. Vor 30 Jahren mag es für Musiker noch einfacher gewesen sein, aber heutzutage kommen von überall her Geräusche und man muss etwas besonderes haben, um erhört zu werden.

Ihr seid auf jeden Fall dabei, euren Weg zu gehen. Mit InsideOut habt ihr ein tolles Label für diese Sparte erwischt, was euch das Leben etwas einfacher machen sollte.

Klar, der Vertrag mit dem Label wird uns nach vorne bringen. Ich selbst bin ja Fan von vielen Bands, die hier unter unter Vertrag stehen. PAIN OF SALVATION, DEVIN TOWNSEND, SPOCK'S BEARD - das sind schon großartige Namen. Wir sind sehr stolz, dazu gehören zu dürfen.

Bleiben wir beim Bildnis des zu erobernden Berges. Was kommt als nächstes auf dem Weg zum Gipfel?

Der Stein, den wir immerzu nach oben rollen, kann auch zur Last werden und von der Schwerkraft wieder nach unten befördert werden. Deswegen bleiben wir einfach dran, denn die Spitze des Berges haben wir noch nicht erreicht. Wir wollen mit der Zeit natürlich immer mehr Fans dazu gewinnen und einfach unser Ding machen. Irgendwann werden wir schon oben stehen.

Schlägt sich das Konzept des Berges, den man erklimmen muss, auch in den Songtexten nieder?

Nein, es ist eher eine Art Grundstimmung. Auf unseren bisherigen Platten "Aquarius" und "Visions" hatte das Konzept diesen narrativen Charakter, auf den wir dieses Mal aber verzichtet haben. Die einzelnen Songs sind sehr unterschiedlich in ihren Aussagen. Das liegt auch daran, dass alle Bandmitglieder Texte beigesteuert haben, sonst habe ich sämtliche Texte selbst geschrieben. Dadurch wird der Fokus natürlich auch weiter.

Singst du die Texte der anderen Musiker gerne, oder hast du anfangs Schwierigkeiten, dich in ihren Blickwinkel zu versetzen?

Manchmal geht es mir so, ja. Das Schreiben der Texte war sonst immer "meine Aufgabe", aber die Jungs hatten halt etwas zu sagen und wollten das mit ihren Lyrics ausdrücken. Zudem waren ihre Beiträge zu einem gewissen Zeitpunkt schlichtweg besser als meine. Bei diesem Album hat es so funktioniert, also wird es auch auf der Bühne gut klappen.

Welche Vorteile haben sich denn für euch noch durch das neue Label ergeben? Ich nehme an, ihr hattet ein größeres Budget für die Aufnahmen?

Das ist richtig, auch wenn wir es natürlich irgendwann zurückzahlen müssen. Aber Jens Bogren hat die Platte gemixt - ich finde es ist unser bislang am besten klingendes Album geworden. Davon mal abgesehen erreichen wir bestimmt ein größeres Publikum und werden öfter im Zug mit einigen großen Bands genannt, die auch bei InsideOut sind.

Als ich gelesen habe, dass Jens Bogren für "The Mountain" verantwortlich ist, hat mich das schon gewundert. Denn ich finde den Sound wirklich toll, von ihm hat man aber in letzter Zeit auch ein paar Metal-Platten gehört, die ihr Klangpotenzial nun wirklich nicht ausgeschöpft haben.

Das liegt vermutlich auch daran, dass wir eine gute Vorstellung hatten, was wir wollen. Unsere Ideen verbunden mit seiner Expertise und seinem Stil, das macht den Klang von "The Mountain" letztendlich aus.

Glaubst du, dass ihr in Deutschland besonders viele Fans habt? Was ist dein Eindruck?

Deutschland war immer ein wichtiger Teil unserer Entwicklung und ich würde sogar behaupten, dass unsere Fanbase hier am größten ist. Das "Night of the Prog"-Festival, bei dem wir zwei Mal gespielt haben, wird maßgeblich dazu beigetragen haben. Zudem kennen uns hier einfach viele Menschen und wir freuen uns immer wieder herzukommen.

Auf den "Night of the Prog"-Festival habe ich euch übrigens auch kennengelernt, deswegen kann ich sehr gut verstehen, was du meinst. Sprechen wir weiter über "The Mountain". Gerade hast du schon von einigen Einflüssen erzählt, die man vernehmen kann. Mein Eindruck ist, dass ihr eine Brücke schlagen möchtet vom Prog der Siebziger zum modernen Progmetal-Sound. Diese Mischung macht für mich jedenfalls das Album so stark weil es bei euch absolut kohärent klingt und ihr auch nicht zu dick auftragt. Was sagst du dazu?

Da triffst du den Nagel auf den Kopf. Wir sind merklich beeinflusst von Bands wie GENTLE GIANT, YES und vielen anderen Bands aus dieser Ära. Dennoch stehen wir auch auf modernen Metal und es war unser Anliegen, das irgendwie miteinander zu verbinden.

Absolut. 'The Cockroach King' ist ja beinahe ein GENTLE GIANT Tribute Song.

Ganz genau. Unsere Gesangsarrangements rühren daher.

Hast du denn das Gefühl, dass ihr als Musiker auch besser geworden seid in den letzten Jahren?

Zumindest war es bei diesem Album so, dass wir als Band viel mehr zusammengearbeitet haben als es bei den Vorgängern der Fall war. Mittlerweile bringt sich jeder ein und mit der Zeit wird die Chemie immer besser. Letztendlich bringt es einen als individuellen Musiker natürlich auch voran, keine Frage.

Ich stelle es mir mit sechs Personen ja schon schwierig vor, überhaupt einen Song gemeinsam zu schreiben. Ganz zu schweigen von der Studioarbeit. Wie geht ihr es an?

Schwierig ist es schon, vor allem weil unser Keyboarder Diego wieder nach Mexiko gezogen ist und ich selbst mittlerweile ziemlich weit weg von London wohne, wo die Band eigentlich ihren Ursprung hat. Anfangs haben wir viel zusammen geprobt, um herauszufinden in welche Richtung die Musik gehen soll. Aber danach haben wir uns per E-Mail verständigt und Audiodateien hin und her geschickt. Von London nach Mexiko und zurück, so ungefähr. Irgendwie haben ist dann daraus tatsächlich "The Mountain" geworden.

Gilt das auch für die Aufnahmen im Studio?

Nein, da war Diego zum Glück in London weil wir ein paar Shows zu spielen hatten. Aber es gibt wohl immer noch ein paar Songs, die wir noch nie gemeinsam gespielt haben.

Das Internet ist für euch folglich eine tolle Sache.

Ganz genau. Wenn man es will, funktioniert es eben auch.

Wenn du mich fragst, hat es ganz prächtig funktioniert! Es klingt jedenfalls so als hättet ihr ziemlich genaue Vorstellungen von dem, was ihr mit HAKEN machen und erreichen wollt.

Erst einmal warten wir ab, wie "The Mountain" so angenommen wird. Einige Songs sind schon recht anders als das, was wir bisher gemacht haben. Grundsätzlich sind wir aber experimentierfreudig und werden das auch in Zukunft beibehalten.

Fans eurer Musik sind vermutlich sehr offen - zumindest gilt das für die allermeisten Prog-Aficionados. Denn um das Experimentieren sollte es ja im Prog eigentlich auch gehen. Wird man euch denn live sehen können? Ihr wollt das Album doch bestimmt auch auf die Bühne bringen, oder nicht?

Ja wir werden ab September hier und da ein paar Konzerte spielen, eine richtige Tour wird es wenn aber erst nächstes Jahr geben. Mit so einer Band wie uns zieht man halt nicht das große Publikum, woran die Veröffentlichung von "The Mountain" hoffentlich etwas ändern wird. Wenn die Promoter das merken, wird es auch mit der Tour klappen. Bei Deutschland mache ich mir übrigens keine Sorgen, da werden wir auf alle Fälle spielen!

 

HAKEN - "The Mountain" im Soundcheck

Review zu "The Mountain"

 

Und wie es das Schicksal gut mit uns meint, sind ein paar Tourdaten reingekommen, an denen man die fantastische Musik HAKENs live bewundern kann:

5.9.2013 - Reichenbach, Bergkeller
03.10.13 - Rüsselsheim - Das Rind
04.10.13 - Oberhausen - Zentrum Altenberg

Redakteur:
Nils Macher

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